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WM 2022: "Ganz Afrika hasst ihn" - Ghana will gegen Suárez und Uruguay Rache

Ghana vs. Suárez: „Afrika hasst ihn“

Luis Suárez hat in Ghana keine Freunde

Luis Suárez hat in Ghana keine Freunde © Imago

Ghana und Uruguay treffen in Gruppe H im Endspiel um das Weiterkommen aufeinander. Das Duell ist aber nicht nur sportlich ein Spiel mit großer Brisanz. Die Black Stars wollen Rache für die WM 2010.

In diesem Spiel geht es um viel mehr als nur um das Weiterkommen!

Am Freitag treffen Ghana und Uruguay im entscheidenden Spiel der Gruppe H aufeinander. (Endspiel ums Weiterkommen LIVE: Ghana gegen Uruguay am Freitag ab 16 Uhr im LIVETICKER)

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Nach Ghanas 3:2-Sieg gegen Südkorea und der 0:2-Niederlage von Uruguay gegen Portugal ist das Duell ein echtes Finale ums Weiterkommen, das sportlich eine extrem hohe Brisanz hat.

Für die Black Stars aus Ghana geht es bei dem Spiel aber nicht nur um das sportliche Weiterkommen, ein ganzes Land will Revanche nehmen für die Viertelfinalniederlage bei der WM 2010. Viele wollen sogar noch mehr, Ghana will Rache. (NEWS: Alles Wichtige zur WM)

Suárez-Handspiel verhindert Weiterkommen

Rückblick: Es lief die 120. Minute in einem intensiven Viertelfinale zwischen Ghana und Uruguay im Soccer City Stadion von Johannesburg. Die Ghanaer, getragen von tausenden frenetischen Fans vor Ort, drückten auf den 2:1-Siegtreffer, wollten das erste afrikanische Team in einem WM-Halbfinale werden.

Plötzlich ergab sich für Ghana die Chance auf den Sieg: In einem Durcheinander im Strafraum der Südamerikaner köpfte Dominic Adiyiah den Ball aufs Tor. Torhüter Fernando Muslera war schon geschlagen, doch auf der Linie stand noch Luis Suárez, der die Hände hochriss und den Ball regelwidrig auf der Linie per Hand klärte.

Viele Fans und Spieler dachten trotzdem, dass der Ball drin war, freuten sich über Ghanas vermeintlichen Einzug ins Halbfinale. „Ich dachte, wir hätten gewonnen“, erinnert sich der frühere Nationalspieler Ibrahim Ayew bei The Athletic. Doch Schiedsrichter Olegario Benquerenca aus Portugal hatte schon anders entschieden, zeigte auf den Elfmeterpunkt und Suárez die Rote Karte.

Das Handspiel von Luis Suarez sorgt auch noch nach 12 Jahren für Aufregung.

Der eigentlich sichere Schütze Asamoah Gyan trat an. „Stephen Appiah hat ihm den Ball gegeben und gesagt: ‚Mach ihn rein und mach ganz Afrika stolz‘“, erzählte Ayew.

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Die Überzeugung war groß, doch Gyan nagelte den Ball nur an die Latte. Als das Spiel kurz darauf abgepfiffen wurde, war vielen klar, was kommen würde. Den Black Stars versagten auch im anschließenden Elfmeterschießen die Nerven und so zog Uruguay durch ein 4:2 im Elfmeterschießen ins Halbfinale ein.

Asamoah Gyan wurde mit seinem Fehlschuss zum tragischen Helden.

Rot-Sünder Suárez freute sich auf dem Weg in die Katakomben wie ein Kind über Gyans Fehlschuss und wurde so zur Hassfigur für ein ganzes Land.

Ayew: „Ganz Ghana hasst ihn“

Der Stachel über die Niederlage und das unsportliche Verhalten des ehemaligen Weltklasse-Stürmers sitzt auch noch zwölf Jahr später extrem tief. „Ganz Ghana hasst ihn, und ganz Afrika hasst ihn. Wir wollen uns rächen“, erklärt Ibrahim Ayew.

Die Chance dazu ist nun da. Den Afrikanern würde ein Unentschieden fürs Weiterkommen reichen, sollte Südkorea nicht gegen Portugal gewinnen. Uruguay muss gewinnen - höher als Südkorea -, um doch noch ins Achtelfinale einzuziehen. (DATEN: Gruppen und Tabellen der WM)

Für viele Menschen aus Ghana scheint es aber um weitaus mehr zu gehen. Das zeigt sich auch darin, dass sich sogar Ghanas Staatspräsident vorab zum Spiel öffentlich äußerte.

„Wir haben zwölf Jahre auf eine Revanche gegen Uruguay warten müssen - und wir versichern ihnen, dass die Hand von Suárez sie dieses Mal nicht gegen die Black Stars von Ghana retten wird“, betonte Nana Akufo-Addo und sagte voraus: „Sie werden untergehen!“

Und auch sein Vorgänger John Mahama forderte sogar schon vor Monaten, direkt nach der Auslosung, Rache: „Selbst, wenn wir kein anderes Team schlagen, müsst ihr für mich Uruguay besiegen. Wir müssen Suárez heimzahlen, was er uns damals angetan hat.“

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Suárez: „Ich entschuldige mich nicht dafür“

Der vermeintliche Täter, Luis Suárez, denkt nicht, dass er der Schuldige ist, der Leid über ein ganzes Land gebracht haben soll. Auf der aktuellen Pressekonferenz vor dem Spiel am Freitag hatte ihn ein Reporter aus Ghana, der beschrieb, dass Suárez in Ghana „als Teufel in Person“ angesehen werde, zu seinem Handspiel bei der WM 2010 befragt.

Suárez antwortete trocken: „Ich entschuldige mich nicht dafür. Ich habe Hand gespielt, aber der Spieler aus Ghana hat den Elfmeter verschossen, nicht ich. Ich hätte mich vielleicht entschuldigt, wenn sich ein Spieler verletzt hätte. Ich habe Rot bekommen und der Schiri hat einen Elfmeter gegeben. Der Rest ist nicht meine Schuld.“

Bereits in seiner Biografie hatte sich Suárez ausführlich zu den Vorfällen in Südafrika geäußert: „Gyan war der, der den Elfmeter verschossen hat. Jeder sagt immer, dass ich etwas Schreckliches gemacht habe oder eigensinnig gehandelt habe, aber ich habe den Ball mit der Hand gestoppt, weil ich keine andere Wahl hatte. Es war sogar nicht mal eine richtige Entscheidung, sondern einfach ein Reflex.“

Rot nach Spielschluss: Südkorea verliert turbulentes Spiel

Auch seinen Jubel nach dem Fehlschuss hatte Suárez versucht zu relativieren: „Ich sah, wie der Ball über die Latte ging. Er hatte tatsächlich verschossen. Dieses Gefühl der Erleichterung war genauso, als wenn wir ein Tor geschossen hätten. Unglaublich, das werde ich niemals vergessen. In dem Moment habe ich gemerkt, dass es wert war vom Platz zu fliegen. Ich hatte ein sicheres Tor verhindert, sie haben den Elfmeter verschossen und wir waren noch am Leben.“

Luis Suarez wurde nach dem Spiel von seinen Kollegen gefeiert.

Genau diese Aussagen werden auch dazu beigetragen haben, dass das Spiel am Freitag bei vielen Menschen aus Ghana zum echte Hass-Duell wird.

Kapitän André Ayew will keine Rache

Beim aktuellen Team Ghanas versucht man sich dagegen eher auf das Sportliche zu konzertieren und hat wenig bis gar keine Rachegedanken.

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„Der Vorfall ist lange her“, sagte Ghanas Interimstrainer Otto Addo: „Ich glaube, dass man mehr Segen erhält, wenn man nicht nach Rache trachtet.“ (DATEN: WM-Spielplan 2022)

Auch Kapitän André Ayew, der als einziger Spieler das aktuellen Kaders auch schon 2010 dabei war, sieht es ähnlich. Natürlich hätten sich damals „alle schlecht gefühlt, aber ich will einfach nur die nächste Runde erreichen, also ist es für mich keine Rache, nein“.

Doch viele sehen das anders. Es liegt an den Spielern, zumindest nachträglich einigen Wunden von 2010 zu heilen.

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