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Bundesliga: Als Werder Bremen zum Bundesliga-Auftakt ins Dunkle blickte

Als das Weserstadion im Dunkeln lag

Kein Licht zum Auftakt: Der Stromausfall von Bremen

Der Bundesliga-Auftakt bedeutet für viele Fans das lang ersehnte Ende einer fußballerischen Durststrecke. Das galt auch für das Publikum, das vor 18 Jahren im Weserstadion zu Gast war - und länger auf den Anstoß warten musste, als gedacht.

Ganz Fußball-Deutschland schaut am 6. August 2004, einem Freitagabend nach Bremen, wo der amtierende Meister nach einer damals noch ziemlich neuen Regelung in einem vorgezogenen Heimspiel die Saison eröffnen darf.

Bühne frei für die 42. Spielzeit, in der nach einer Umfrage des Kicker auch die Kontrahenten des Abends zu den Titelfavoriten gehören. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)

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Auf Meister Werder entfallen 16 %, auf Schalke 12,2%. Gästetrainer Jupp Heynckes spricht für seine Verhältnisse ziemlich offensiv von der Meisterschaft und will gleich mal mit einem Sieg beim Titelverteidiger starten: „Wir haben die Möglichkeit, in Bremen zu gewinnen.“

Doch dazu muss auch gespielt werden, was an diesem Abend nicht so einfach ist.

Die Fans vor den Bildschirmen sehen schwarz

Als die Mannschaften schon im Kabinengang stehen, gibt es einen lauten Knall.

Er gehört nicht zur DFL-Choreographie, die bei Eröffnungsspielen üblich ist. Nein, er kündigt das Unheil an: drei Minuten vor Anpfiff fällt der Strom aus. Im Stadion wird es dunkel, auf den Bildschirmen auch – Premiere und ARD wollen live übertragen.

Die Fernsehleute sind ratlos, Marcel Reif moderiert kurzfristig per Telefon, aber das „hörte sich in etwa so an wie die alten Fußballmoderationen a la Bern 1954.“, lästert ein Zuschauer im Internet.

Nur ein einsamer Flutlichtmast bringt etwas Licht ins Dunkel, die Anzeigetafel fällt auch aus. Ein Teil der 42. 500 Fans nimmt es locker und skandiert: „Fußball geht auch ohne Strom“. Feuerzeuge werden geschwenkt und – ganz neumodisch – sogar Handy-Displays dienen als Lichtquellen.

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Der Schuldige für das Chaos ist schnell gefunden

Um ein reguläres Spiel auszutragen, reichen sie natürlich nicht. Schiedsrichter Stefan Trautmann schickt die Spieler in die Kabinen zurück, der rote Teppich für die Eröffnungs-Zeremonie wird wieder eingerollt. Vor der Problembehebung kommt die Ursachenforschung.

Rudi Assauer (Schalke, 3. v. li.) und Thomas Schaaf (r) beraten sich mit Schiedsrichter Stefan Trautmann über die weitere Vorgehensweise nach dem Stromausfall

Rudi Assauer (Schalke, 3. v. li.) und Thomas Schaaf (r) beraten sich mit Schiedsrichter Stefan Trautmann über die weitere Vorgehensweise nach dem Stromausfall

Aber noch weiß niemand, warum die Bundesliga-Premiere in ein schwarzes Loch gefallen ist. Heute wissen wir es: Der Schuldige ist eine Kabelmuffe namens Carola, die heute im Werder-Museum zu besichtigen ist. Sie hat den Geist aufgegeben, Materialermüdung zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt.

Zunächst kursiert eine andere Theorie. In Stadionnähe finden nämlich Straßen-Bauarbeiten der Bremer Stadtwerke statt und es heißt, ein Bagger habe das Kabel nachhaltig beschädigt. Aber um die Uhrzeit wird nicht mehr gebaggert.

Die Bundesliga startet mit 66 Minuten Verspätung

Immerhin funktioniert das Stadionmikrofon noch und so lernt der Zuschauer im Laufe des seltsamen Abends, dass diese Muffe zwei Kabel verbindet – und weil sie in einem Meter Tiefe verbuddelt war, dauert es entsprechend lange bis sie repariert und die Bundesligasaison 2004/05 endlich eröffnet wird.

66 Minuten genau genommen, während denen sich die Spieler in den Katakomben dehnen und strecken und vergeblich gegen den Spannungsverlust ankämpfen.

Nach 20 Minuten kommen sie auf den Rasen und trainieren öffentlich, prompt singen die Fans: „Wir wollen Fußball sehen.“ Sie müssen weiter warten, bis die Bremer Elektrizitäts-werke ihre Spezialisten aus dem Feierabend geholt haben.

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Die Schalker halten die Fans während des Stromausfalls bei Laune - v. li.: Mike Hanke, Niels Oude Kamphuis, Frank Rost und Sven Vermant

Valdez erzielt das späteste Tor der Bundesliga-Geschichte

Die Verantwortlichen wollen übrigens schon nach 45 Minuten und ohne Rücksicht auf die TV-Zuschauer im Dämmerlicht anstoßen lassen, auch Schalke-Manager Rudi Assauer gibt sein Okay.

Aber als Trautmann bereits die Pfeife im Mund hat, fällt auch der letzte Flutlichtmast aus. Allmählich sieht es nach einem verdammt schlechten Scherz eines Fußballhassers aus. 15 Minuten dauert die Gespensterstunde im Stadion, das kaum jemand verlässt.

Dann beklatschen die Fans den Moment als das Licht wieder kommt euphorischer als so manches Werder-Tor. An diesem Abend fällt nur eines – Nelson Valdez erzielt für die Gastgeber um 23.13 Uhr das späteste Bundesliga-Tor aller Zeiten.

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Kein Licht zum Auftakt: Der Stromausfall von Bremen