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Boxen: Jake Paul erlebt folgenschweres Fiasko - "Sollte sich mit anderen Leuten umgeben"

Folgenschweres Fiasko für Jake Paul

Jake Paul muss seinen großen Kampf im Madison Square Garden abblasen

Jake Paul muss seinen großen Kampf im Madison Square Garden abblasen © Imago

Jake Paul muss einen prestigeträchtigen Kampfabend in New York absagen, ein mächtiger Rivale spricht von schlechten Ticketverkäufen. Ist Pauls Stern schon verglüht?

Die ersten beiden Kämpfe zwischen Muhammad Ali und Joe Frazier. Jake LaMotta gegen Sugar Ray Robinson. Rocky Marciano gegen Joe Louis. Lennox Lewis gegen Evander Holyfield.

Die Geschichte des Boxens im altehrwürdigen Madison Square Garden ist lang und reich an mythischen Begegnungen. Und nur zu gern hätte sich nun auch ein gewisser Jake Paul dort eingereiht.

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Paul gegen Hasim Rahman Jr., das war der Plan für die nächste Card am kommenden Samstag, den 6. August. Gewiss kein Kampf, an den man in Jahrzehnten noch zurückdenkt, aber doch ein schöner Ritterschlag für den YouTube-Star, der mit einer ähnlichen Masche wie Conor McGregor bei der UFC zuletzt für klingelnde Kassen in der Boxwelt gesorgt hatte. (Logan und Jake Paul: Ihr YouTube-Ruhm, ihr Vermögen, warum sie umstritten sind)

Nun jedoch ist die geplante Krönung einer kuriosen Sportkarriere in einem Fiasko gemündet - hämisch kommentiert von einem mächtigen Feind, den sich Paul in der Kampfsport-Branche gemacht hat.

Jake Paul vs. Hasim Rahman Jr. abgesagt

Am Samstagabend hat Most Valuabale Promotions (MVP), die Kampfagentur des 25 Jahre alten Paul, die Absage des Events verkündet. Begründung: Rahman habe sich nicht an die Verabredungen über das Gewichtslimit des Fights gehalten - und es anscheinend auch nie vorgehabt.

Schwergewicht Rahman, der zeitweise 122 Kilo auf die Waage gebracht hatte, hätte zu Beginn des Monats eingewilligt, auf 200 Pfund, also knapp über 90 Kilo abzuspecken.

Das hätte Rahman aber bei weitem nicht eingehalten. Paul wäre noch bereit gewesen, ihm bis 205 (93 Kilo) entgegenzukommen. Rahman aber hätte nicht unter 215 (97 Kilo) gehen wollen und ansonsten seinen Rückzug aus dem Kampf angedroht. Dieses „täuschende und berechnende“ Verhalten wolle man nicht belohnen und habe den Kampfabend deswegen abgesagt, man hätte „keine Wahl“ gehabt.

Rahman bestätigte den Gang der Dinge in einem Instagram-Video, schob den schwarzen Peter aber dem Paul-Lager zu: Sein Körper habe es „nicht geschafft“, in der kurzen Vorbereitungszeit so auszudünnen wie verabredet. Er hätte den Kampf gewollt und auch eine Verschiebung angeboten, MVP sei aber nicht darauf eingefangen: „Sie wollten diesen Kampf eindeutig nicht mehr.“

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Paul sollte eigentlich gegen Tyson Furys Halbbruder kämpfen

Rahman war selbst nur Plan B, eigentlich hatte Paul gegen Tommy Fury kämpfen sollen, Tysons jungen Halbbruder. Der aber sagte Anfang des Monats wegen „Visaproblemen“ ab.

Nun ist der Event ganz abgeblasen und Pauls Promotion zeigt sich wütend. Rahmans Verhalten sei ein folgenschweres Ärgernis für „Jake Paul, Amanda Serrano und alle anderen Kämpfer auf dieser Card, die monatelang unermüdlich dafür trainiert haben“. Serrano, Ende April unterlegen im historischen ersten Frauen-Hauptkampf im MSG gegen Katie Taylor, hätte den Co-Main-Event gegen Brenda Carabajal bestreiten sollen.

„Die Boxgemeinde muss Hasin Rahman Jr. für sein verantwortungsloses Verhalten zur Verantwortung ziehen“, fordert MVP.

Paul selbst veröffentlichte ein Video, in dem er Rahman als „unprofessionell“ beschimpfte, dessen Begründung, kein Gewicht verlieren zu können, sei fadenscheinig, er habe wohl schlicht „Angst“.

UFC-Boss Dana White vermutet heikleren Grund

Nicht alle glauben jedoch, dass die Absage allein die Schuld von Rahman ist. Dana White, Chef der MMA-Liga UFC und ein Lieblingsfeind Pauls, hat sich zu dem Thema schon zu Wort gemeldet - und vermutet, dass Pauls Lager den Event vor allem deswegen abgesagt hätte, weil der Ticketverkauf nicht gut genug gelaufen sei.

Er wolle „nicht schadenfreudig sein, denn beide dieser Leute haben viel Arbeit und Geld in diese Sache investiert“, führte White bei der Pressekonferenz nach dem Pay Per View UFC 277 in Dallas aus: „Aber ich sage so viel: Einen Buchhalter zu haben, bedeutet nicht, dass du eine Kampfsport-Firma leiten kannst. Jake Paul sollte sich wahrscheinlich mit anderen Leuten umgeben.“ Die Verantwortlichen bei MVP seien offensichtlich inkompetent.

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„So weit ich weiß, haben sie unter eine Millonen mit den Ticketverkäufen verdient - und es braucht allein 500.000 Dollar, um im MSG das f**king Licht anzudrehen“, erklärte White, der auch auf die hohen Hotel- und Transportkosten im „Big Apple“ verwies, in dem er selbst regelmäßig veranstaltet.

Hat das Geschäftsmodell Jake Paul ausgedient?

Whites Ausführungen sind nicht das erste Indiz, dass das Geschäftsmodell Jake Paul nicht mehr so gut läuft wie noch vor einiger Zeit.

Pauls Promi-Kampf gegen Ex-NBA-Star Nate Robinson auf der Undercard des Rentner-Showkampfs Mike Tyson - Roy Jones Jr. 2020 hatte so viele Käufer in den Event gezogen, dass Paul sich selbst als Attraktion etablierte.

Er bestritt und gewann drei Kämpfe gegen die früheren UFC-Kämpfer Ben Askren und Tyron Woodley (jeweils mit Ringer- statt Boxer-Hintergrund), die Fights wurden als Spektakel inszeniert, mit Stars wie Justin Bieber und Snoop Dogg im Publikum. Paul unterschrieb einen Vertrag beim Traditions-Anbieter Showtime.

Zweiten Kampf gegen Tyron Woodley floppt an den Kassen

Paul selbst behauptete, dass sein Kampf gegen Askren sagenhafte 1,5 Millionen Pay Per Views verkauft hätte. Der erste Kampf gegen Woodley lockt nach unabhängigen Berichten zufolge 500.000 Käufer, was immer noch sehr beachtlich ist.

Nach dem zweiten Woodley-Kampf dementierte Paul Meldungen, dass die Buyrate auf desaströse 65.000 Käufe abgesackt sei (ohne Streaming), gab aber selbst auch zu, dass das eigentlich ungewollte Match „nicht das beste Geschäft“ für ihn gewesen sei.

War Pauls kommerzieller Erfolg als Boxer nur ein Strohfeuer? Beruhten die frühen Erfolge auf einem Neugier-Effekt, der schon massiv abgeebbt ist?

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Bruder Logan Paul wechselt vom Boxen zu WWE

Die kritischen Fragen wurden auch dadurch befeuert, dass Pauls älterer Bruder und YouTube-Partner Logan Paul - im vergangenen Jahr in einem seltsamen Fight mit Floyd Mayweather im Ring - sich zuletzt umorientiert hat: Er unterschrieb einen Vertrag als Wrestler bei WWE - wo er am Sonntag in einem Match gegen Ex-Champion The Miz beim Großevent SummerSlam eine sehr gute Figur abgab.

Sechs Tage zuvor war Logan mit WWE im dort ebenfalls in Ehren gehaltenen Madison Square Garden zu Gast und bekundete dort seine Vorfreude, dort auch Bruder Jake bald in Aktion zu erleben.

Daraus wird nun nichts.