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Regionalliga: "Wäre ein Urknall" - Brisantes Fernduell zwischen RWE und Münster um Aufstieg - mit Vorgeschichte nach Böllerwurf

Brisantes Fernduell um den Aufstieg

Platzverweis! Kostete diese peinliche Schwalbe Münster den Sieg?

Am Samstag kämpfen Rot-Weiss Essen und Preußen Münster im Fernduell um den Aufstieg in die 3. Liga. Ein Duell mit dunkler Vorgeschichte.

Es ist ein Fernduell mit besonderer Brisanz. Wenn am Samstag Rot-Weiss Essen den 1. FC Köln II und Preußen Münster zeitgleich um 14 Uhr Rot Weiss Ahlen empfängt, dann geht es für beide Heim-Mannschaften nur um ein großes Ziel: den Aufstieg in die 3. Liga.

Sollte RWE gewinnen, wäre dem Deutschen Meister von 1955 nach Jahren in der Versenkung der Aufstieg nur noch zu nehmen, wenn es zu einem Wettschießen mit extremen Ergebnissen kommt. Vor dem letzten Spieltag belegen die Essener punktgleich mit Preußen Münster Platz eins in der Regionalliga West. Die Münsteraner haben allerdings eine um zwei Treffer schlechtere Tordifferenz. (Service: Ergebnisse der Regionalliga West)

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RWE, einer der großen deutschen Traditionsvereine, wurde durch eine fast zweiwöchige Corona-Pause quasi lahm gelegt. Danach kam das Team nur schwer wieder in Tritt. „Trotzdem sind wir auch ein Stück weit selbst Schuld, dass wir in dieser Situation sind, denn wir hätten es schon früher entscheiden können“, räumt RWE-Boss Marcus Uhlig im Gespräch mit SPORT1 ein.

„Es wäre für RWE ein Urknall“

Ein Blick zurück: Die Essener, die nach 14 Jahren tatsächlich der Anonymität der vierten, zwischenzeitlich sogar fünften Liga, entfliehen könnten, wären schon in der vergangenen Spielzeit um ein Haar aufgestiegen. Sie scheiterten dann aber im letzten Moment im Fernduell mit Borussia Dortmund II.

Was würde ein Aufstieg für den Verein bedeuten? „Es wäre für RWE ein Urknall. Halb Fußball-Deutschland spricht davon. Auch die Stadt spricht vom schlafenden Riesen. Jetzt haben wir die Möglichkeit, den Riesen zu wecken.“

Darüber entscheidet das besondere Duell mit Münster.

„Es gibt zig Geschichten zwischen Preußen Münster und Rot Weiss Essen. Für beide geht es um sehr viel. Ich will aber nicht von Brisanz sprechen, denn dafür müssten beide Teams gegeneinander spielen“, sagt Uhlig, der als Vorstand seit November 2017 den Klub führt. „Wir freuen uns natürlich, dass es nach dem vergangenen Wochenende wieder so knapp geworden ist. Davor sah es schlechter aus für uns.“

Duell mit moralischem Aspekt

Eine gewisse Brisanz lässt sich aber nicht leugnen, denn über dem letzten Aufeinandertreffen beider Klubs liegt ein dunkler Schatten. Im Februar wurde das Regionalliga-Spiel zwischen RWE und Preußen wegen eines Böllerwurfes beim Stand von 1:1 abgebrochen. Am grünen Tisch wurde die Partie schließlich mit 2:0 für die Münsteraner gewertet.

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„Der Böllerwurf und seine Folgen gehören in der Bewertung dieser Saison sicherlich zur Wahrheit dazu, aber bestimmt nicht ausschließlich“, betont Uhlig.

Der 51-Jährige erinnert sich mit Schrecken zurück: „Das war damals ein unfassbar lauter Knall, es war nicht mit Silvester zu vergleichen. Es klang fast wie eine Sprengstoff-Explosion. Das Urteil des Sportgerichts war für mich juristisch vertretbar, aber moralisch nicht in Ordnung.“

Unmengen an Emotionen

Der Aufstieg könnte Unmengen an Emotionen freisetzen - bei Essen, aber auch in Münster.

„Die Stimmung ist sehr gut bei uns. Das ist jetzt natürlich eine Ausgangsposition, die spannender nicht mehr sein kann“, sagt Preußen-Coach Sascha Hildmann zu SPORT1. „Wobei man sagen muss, dass RWE durch das Torverhältnis einen kleinen Vorteil hat. Aber wir sind sehr optimistisch, dass wir das schaffen können.“

An den Böllerwurf denkt der 50-Jährige nicht mehr. „Der spielt für uns keine Rolle mehr. Wir hatten aber zwei Spieler, die verletzt und nicht einsatzfähig waren.“ Marvin Thiel war damals zwei Wochen krankgeschrieben und hatte „große Probleme mit dem Gleichgewichtssinn“, auch Jannik Borgmann hatte „des Öfteren richtige Aussetzer, wo wir nicht wussten, wo das her kam“.

Hildmann ergänzt: „Das war nicht ohne. Aber die Jungs haben das gut verkraftet und dieser Böllerwurf spielt jetzt keine Rolle mehr.“

„Große Zuversicht“ bei Hildmann

Ähnlich wie bei RWE denkt man in Münster positiv. „Wir haben eine große Zuversicht, denn wir wissen, dass es ein besonderes Spiel ist. Da können besondere Ergebnisse erzielt werden“, meint Hildmann und denkt da zurück an ein Herzschlagfinale. „Man erinnert sich an das 5:1 von Eintracht Frankfurt gegen den 1. FC Kaiserslautern (1999 in der Bundesliga, Anm. d. Red.). Natürlich glauben wir fest daran, dass das auch bei uns passieren kann.“

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Der Optimismus kommt nicht von ungefähr. In den zurückliegenden zwölf Spielen hat das Hildmann-Team zehn Mal gewonnen und zwei Mal Remis gespielt. „Wir wissen, was wir können. Wir wollen alles dafür tun, dass es zu einem guten Ende für uns kommt“, sagt der Coach.

Auch bei RWE ist die Zuversicht „riesengroß“. Uhlig glaubt daran, „dass wir das schaffen werden“. Dieser letzte Schritt müsse jetzt sehr gut vorbereitet werden - „auf dem Trainingsplatz und von der Organisation her“.

Man müsse „in Bestform agieren und mit Freude da ran gehen“. Doch es sei stets „ein schmaler Grat zwischen totaler Überzeugung und Überheblichkeit“.