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Bundesliga: Philipp Förster vom VfB Stuttgart verrät, wann Kimmich weinte

Als bei Kimmich die Tränen flossen

Angstgegner Leipzig: Diese Bilanz spricht klar gegen den VfB

Philipp Förster steckt mit dem VfB Stuttgart mitten im Abstiegskampf. Im SPORT1-Interview verrät er, wie der Klassenerhalt gelingen soll, warum er sich an Messi orientiert und wann bei Joshua Kimmich die Tränen geflossen sind.

Der VfB Stuttgart steckt zum Beginn der Rückrunde mitten im Kampf gegen den Abstieg.

Philipp Förster hat sich bei den Schwaben zu einem Leistungsträger entwickelt und immerhin drei Scorerpunkte in einer schwierigen Hinrunde mit vielen verletzten Spielern beitragen können.

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Im SPORT1-Interview erklärt der 26-Jährige nun, wie der Klassenerhalt erreicht werden soll und welche Rolle der dabei spielen will. Auch über die Sonderstellung des Fußballs inmitten der Corona-Pandemie äußert sich Förster.

SPORT1: Herr Förster, den VfB trennt nur ein Zähler von Platz 17, statt des erhofften Befreiungsschlags gab es zum Rückrunden-Start gegen Greuther Fürth nur ein ernüchterndes 0:0. Geht in Stuttgart allmählich die Abstiegsangst um? (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

Philipp Förster: Nein, das nicht, aber unstrittig ist, dass wir in allen restlichen Spielen zulegen müssen. Wir haben uns gegen Fürth mehr vorgenommen. Das Engagement und die Chancen waren in der Schlussphase da, aber es war auf keinen Fall unser bestes Spiel. Es ist wichtig, dass wir solche Spiele am Ende auch gewinnen.

SPORT1: Jetzt kommt Leipzig, danach geht es gegen Freiburg, Frankfurt und Leverkusen – alles Mannschaften aus der oberen Tabellenhälfte. Es geht angenehmer, oder?

Förster: Wir müssen zusehen, dass wir unsere Leistung abrufen. Ist das der Fall, haben wir die Mittel und finden auch die Wege, gegen solche Mannschaften zu punkten.

Förster orientiert sich an Messi

SPORT1: Wo liegt aus Ihrer Sicht das Problem?

Förster: Wir belohnen uns zu wenig für unseren Aufwand. Da nehme ich mich persönlich natürlich nicht raus. Zwei Tore und eine Vorlage nach 15 Spielen – das ist nicht mein Anspruch. Ich komme in den Spielen zu guten Chancen, treffe aber häufig im entscheidenden Moment die falsche Entscheidung. Ich muss effektiver werden. (DATEN: Die Tabelle der Bundesliga)

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SPORT1: Wie wollen Sie Ihre Tor- und Vorlagenausbeute konkret nach oben schrauben?

Förster: Wir machen nach dem Training oft noch Abschlüsse. Beim Torabschluss geht es um Sicherheit, die versuche ich mir in jedem Training zu holen. Im Spiel ist es dann aber noch einmal etwas anderes, klar. Ich habe einen ganz guten Abschluss, aber leider setzte ich ihn bislang zu selten ein.

SPORT1: Gibt es einen Spieler, an dem Sie sich in Sachen Torabschluss orientieren?

Förster: Lionel Messi! Er ist mein absolutes Vorbild. Wie locker der die Dinger reinhaut, ist sehenswert. Ich schaue mir, wenn möglich, jedes Spiel von ihm an. Früher bei Barca, heute bei PSG. Es macht mir einfach Freude, ihm zuzusehen. Was Messi mit dem Ball macht, kann man aber auch nicht trainieren. Das ist einzigartig.

SPORT1: Sasa Kalajdzic und Silas Katompa Mvumpa waren in der vergangenen Saison so wichtig für den VfB wie Messi für PSG. In der Hinrunde haben beide verletzt gefehlt. Ein Grund für den aktuellen Tabellenplatz? (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)

Förster: Sasa und Silas sind sehr wichtige und wertvolle Spieler für uns, keine Frage. Aber wir haben einen Kader, in dem viel Qualität und Potenzial steckt. Wir müssen alle gemeinsam zulegen und uns in jedes Spiel voll reinhauen. Ich bin mir sicher: Kommen wir ins Rollen, fahren wir auch die Punkte ein, die wir brauchen, um unser Saisonziel, den Klassenerhalt, zu erreichen.

SPORT1: Trainer Pellegrino Matarazzo steht nicht in Frage. Noch nicht.

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Förster: Über den Trainer brauchen wir nicht zu sprechen, er macht es super!

„Etwas Besonderes, für seinen Jugendverein aufzulaufen“

SPORT1: Fehlen Ihnen die Fans?

Förster: Ja, Fußball ohne Fans ist seltsam, da gehen die Emotionen verloren. Ich weiß noch, wie uns in der 2. Liga bei Heimspielen im Schnitt um die 50.000 Zuschauer angefeuert haben, das war überragend. Und jetzt? Ist fast niemand im Stadion. Ich hoffe, dass sich das schnell wieder ändert. Uns würde es in unserer jetzigen Lage sehr guttun, vor ausverkaufter Hütte zu spielen. Die Fans kitzeln Extrakörner aus einem heraus, die können in Summe den Unterschied ausmachen.

SPORT1: Dem Fußball wird nach wie vor eine Sonderstellung in der Gesellschaft nachgesagt. Sehen Sie das ähnlich?

Förster: Wir tun täglich sehr viel dafür, um unseren Beruf auszuüben. Darüber sind wir sehr froh und dankbar, außerdem lassen wir uns regelmäßig testen und halten uns an das Hygienekonzept. Was mich traurig macht, ist die generelle Situation im Jugend- und Amateurbereich – hier wird besonders stark unter der Corona-Situation gelitten. Ich wünsche mir sehr, dass es hier wieder Schritt für Schritt in Richtung Normalität geht.

SPORT1: Ihre große Leidenschaft ist der VfB. Sie spielten in der Jugend für die Schwaben und schafften über Umwege – Waldhof Mannheim, 1. FC Nürnberg und SV Sandhausen - den Sprung zu den Profis. Ein wahr gewordener Traum?

Förster: Ja, es ist für jeden Spieler etwas Besonderes, für seinen Jugendverein in der Bundesliga aufzulaufen. Ich habe früher im Internat gelebt, von dort aus kann man in Richtung Arena schauen. Da haben die anderen Jungs und ich uns immer gesagt: „Wie geil wäre es bitte, irgendwann mal darin zu spielen?“

Förster spricht über die früheren Weggefährten Kimmich, Gnabry und Werner

SPORT1: Sie hatten mit Joshua Kimmich, Serge Gnabry und Timo Werner damals drei prominente Mitspieler. War Ihr Weg nach oben vorgezeichnet?

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Förster: Bei Jo und Serge war es absehbar, gerade Jo war schon in jungen Jahren beneidenswert ehrgeizig und hat jeden Tag hart an sich gearbeitet. Bei Timo hätte ich nicht unbedingt mit so einem Karriereverlauf gerechnet. Er war schnell und hatte einen super Abschluss, seine Technik hat mir damals aber noch nicht so gefallen (lacht).

SPORT1: Haben Sie noch heute Kontakt zu Ihnen?

Förster: Mit Serge und Timo fast nicht mehr, mit Jo bin ich aber noch heute ab und zu im Austausch. Er ist ein sehr angenehmer Mensch, mit dem man sich super unterhalten kann – und dazu natürlich ein überragender Fußballer, einer der besten Sechser der Welt.

SPORT1: Erinnern Sie sich an ein besonderes Erlebnis in der VfB-Jugend mit Kimmich?

Förster: Ja, wir haben mal mit der U17 um die Deutsche Meisterschaft gespielt. Das Finale haben wir leider verloren, Jo hat in dem Spiel eine Riesenchance vergeben. Da sind im Nachhinein ein paar Tränen geflossen – nicht nur bei ihm, auch bei vielen anderen.

SPORT1: Zur damaligen Zeit stellte sich für Sie ebenso wie für einige Mitspieler die Frage: „Werde ich Profi?“ Hand aufs Herz: Hatten Sie einen Plan B in petto?

Förster: Ich wollte immer Profi werden, das war mein großes Ziel. Als man mir beim VfB in der Jugend irgendwann gesagt hat, es würde nicht reichen, habe ich umso härter an mir gearbeitet. Und mit etwas Glück habe ich die Kurve gekriegt und spiele jetzt in der Bundesliga. Hätte ich es nicht geschafft, wäre ich jetzt womöglich aber auch im Sport tätig. Als Trainer oder als Berater zum Beispiel.

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SPORT1: Welche Sportarten oder Hobbys reizen Sie noch außer Fußball?

Förster: In der Kabine spielen wir oft Tischtennis, das macht mir großen Spaß. Tennis mag ich auch, Boxen gehe ich ab und zu ebenfalls. Hauptsache Sport! Mit Mode kann ich zum Beispiel nicht sonderlich viel anfangen. Shoppen ist gar nicht mein Ding. Ich bestelle mir meine Sachen lieber im Internet.

SPORT1: Zum Abschluss noch die Frage nach Ihrer Zukunft. Ihr Vertrag beim VfB läuft noch bis 2023. Wie lauten Ihre Pläne?

Förster: Wichtig ist erstmal, dass wir unser Saisonziel erreichen. Was darüber hinaus passiert, wird man in gemeinsamen Gesprächen besprechen. Generell ist für mich das Ausland auch schon immer interessant und würde mich langfristig gesehen reizen.

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