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Marcus Rashford: Englands "Superheld" hat sein Lächeln verloren

Rashford hat sein Lächeln verloren

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Marcus Rashford gilt in England als „Superheld“ und ist ein Liebling der Medien. Doch nun hagelt es von allen Seiten Kritik - und Rashford ist kaum wiederzuerkennen.

Marcus Rashford hat sein Markenzeichen verloren: sein Lächeln.

In den letzten elf Spielen hat er für Manchester United nicht getroffen. Erst drei Tore hat der Stürmer in dieser Saison erzielt - und selbst bei den Torjubeln wirkte er so, als würde eine große Last auf ihm liegen. Er hat den Kopf fast immer unten. Der Blick ist leer. Den Tiefpunkt seiner Körpersprache konnte man am Montag erleben, als Rashford beim Sieg im FA-Cup von United gegen Aston Villa ausgewechselt wurde. (News: United-Star mit klarem Statement)

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Völlig verloren nahm der 24-Jährige auf der Tribüne Platz, mit der Miene eines Mannes, der gar nicht so recht zu wissen schien, dass er gerade im Theatre of Dreams war, wie das Old Trafford, eines der legendären Stadien der Fußball-Welt, genannt wird. Zuvor hatte es von den Rängen sogar Pfiffe gegen den eigentlichen Publikumsliebling gegeben, nachdem dieser keine Anstrengungen unternommen hatte, einen ungenauen Pass eines Mitspielers zu erreichen.

Nun überschlagen sich die Berichte in den englischen Medien. Der Tenor: Was ist nur los mit Rashford? Um das zu verstehen, muss man sich den Menschen hinter dem Profi ansehen.

Rashford einer der Lieblinge der englischen Presse

Schon als Teenager hatte der in Manchester geborene Fußballer das Image eines Posterboys inne. Mittlerweile ist aus dem talentierten und immer sympathischen jungen Mann ein gestandener Fußball-Profi geworden, der rund 240.000 Euro in der Woche verdient. Er besitzt einen lukrativen Sponsorenvertrag mit Nike und wurde sogar zum Member des Order of the British Empire bestimmt, also zum Ritter geschlagen. (Service: Alles Wichtige zur Premier League)

Schon seit Jahren ist Rashford einer der Lieblinge der britischen Sport- und Boulevard-Presse, der längst nicht mehr wegzudenken ist. Bei seinem Alter beachtlich. Nicht selten wurde er als „Superheld“ bezeichnet. Wer die Gazetten auf der Insel verfolgt, der weiß auch, dass Rashford sich vor einigen Monaten nach acht Jahren Beziehung von seiner Jugendliebe getrennt hat. Und der weiß auch, dass die 24 Jahre alte Lucia Loi am 3. Januar trotzdem im Auto von Rashford gesichtet wurde. Die Story um ein mögliches Liebes-Comeback ist eine derer, auf die sich englische Boulevard-Medien stürzen.

Wenn man bedenkt, wie genau über das Privatleben von Rashford berichtet wird, dann wundert es nur wenig, dass praktisch seit dem Saisonbeginn nahezu jeden Tag eine Story in den Sport-Medien erscheint, welche sich um den United-Stürmer und seine maue Form dreht. Zunächst war Rashford verletzt in die Spielzeit gegangen, nun präsentiert er sich ohne jedes Selbstvertrauen, ohne Torgefahr und zuletzt eben sogar ohne den vollen Einsatz, den er eigentlich nie vermissen ließ.

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Rashfords soziales Engagement als Teil des sportlichen Problems

„Ich möchte Marcus Rashford nicht herausheben, weil wir nicht wissen, was mit ihm los ist“, sagte Alan Shearer am Montag bei BBC: „Aber alles sieht nach einer echten Anstrengung für ihn aus. Er sieht sehr platt aus.“

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„Er sieht entmutigt aus. Ich habe ihn schon lange nicht mehr lächeln sehen“, fügte der ehemalige Stürmer von Manchester United, Dion Dublin, in derselben Sendung hinzu. (Daten: Ergebnisse und Spielplan der Premier League)

Doch es gibt Anzeichen dafür, warum Rashford gerade eine schwere Zeit durchmacht.

Nicht nur aus sportlicher Sicht begann mit dem EM-Finale im vergangenen Sommer eine schwere Zeit. Er war neben Jadon Sancho und Bukayo Sako einer der tragischen Figuren im verlorenen Endspiel der Engländer im heimischen Wembley Stadium. Wie die anderen verschoss er im Elfmeterschießen vom Punkt und wurde danach vor allem in Sozialen Netzwerken angefeindet. Es folgte zwar auch eine Welle der Solidarität, doch Drohungen und rassistische Beleidigungen können einen Menschen schwer treffen. Vor allem einen so nachdenklichen und sensiblen Menschen wie Rashford, der sich um die Welt viele Gedanken macht.

Diese Eigenschaften von Rashford sind bekannt, denn neben dem Platz ist er in England fast ebenso bekannt wie auf dem Rasen. Sein Engagement für bedürftige Kinder treibt er mit viel Überzeugung und allen Mitteln voran, die ihm als Person des öffentlichen Lebens auf der Insel zur Verfügung stehen. Er kommt selbst aus ärmlichen Verhältnissen und will nun etwas zurückgeben. (Daten: Die Tabelle der Premier League)

Während der Anfänge der Corona-Pandemie hatte er sich mit einem Brief an alle Abgeordneten des britischen Parlaments gewandt und eine Petition gestartet, um zu erreichen, dass die Essensversorgung für bedürftige Kinder auch während der Schulferien weiterläuft. Eine halbe Million Menschen unterschrieben und Rashford hatte Erfolg. Zur Belohnung hatte es den von der Queen angeordneten Ritterschlag gegeben.

Sein Einsatz für die Charity, für die Rashford so viele Fans gewonnen hat, könnte dem Fußballprofi nun auf dem Platz zum Verhängnis werden. Das vermuten zumindest einige britische Medien, die ihm aus dem Engagement in gewisser Weise einen Strick drehen, indem sie ihn scharf kritisieren. Die englische Presse kann Menschen besonders gut hochfliegen lassen, aber auch besonders gut hart anpacken, wenn es in die andere Richtung geht.

So dramatisch wuchs Rashford auf

Rashford steht vor ungewisser Zukunft bei Manchester United

Rashford ist also mal wieder eines der heißesten Themen auf der Insel - in diesen Wochen mit negativen Schlagzeilen.

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Wie wichtig das Wohlbefinden des Offensivspielers in der englischen Fußball-Welt ist, zeigt nun auch ein Bericht der Sun. Demnach habe die englische Fußball-Legende Shearer dem 24-Jährigen seine Hilfe angeboten. Shearer soll Rashford Tipps gegeben haben, wie dieser mit Druck und den allgegenwärtigen Erwartungen umgehen könne. Er soll ihm auch seinen Rat angeboten haben, wann immer Rashford in Zukunft Gespräche führen wolle.

Unterstützung könnte Rashford tatsächlich gebrauchen, denn im kommenden Sommer wird wohl eine weitreichende Entscheidung für ihn zu treffen sein. Sein Vertrag läuft 2023 aus, es gibt zwar eine vereinsseitige Option für ein Jahr, doch es wird wohl eine Entscheidung fallen: Entweder eine langfristige Verlängerung von Rashford bei seinem Jugendklub - oder ein Wechsel. Letzterer scheint vor allem wegen der Situation in Manchester nicht unmöglich. Die Stimmung im Team wirkt schlecht, in der Kabine haben sich offenbar unterschiedliche Gruppen formiert. Die englische Presse sieht auch darin einen Teil des Problems, denn Rashford gilt nicht unbedingt als ein knallharter Profi, der die Ellenbogen ausfährt und sich auf diese Weise durchsetzt.

Die Sportsmail berichtete jüngst, dass sich Rashford darauf vorbereitet, Gespräche mit den Verantwortlichen der Red Devils aufzunehmen. Sie scheinen zu keinem guten Zeitpunkt zu kommen, doch vielleicht ist seine ungewisse Zukunft auch ein Faktor bei der derzeitigen Gefühlslage von Rashford - und eine Entscheidung könnte Last von ihm nehmen. Dann ist vielleicht auch wieder häufiger sein Lächeln zu sehen.