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Biathlon: Simon Schempp bei SPORT1 über Olympia 2022 in Peking und DSV-Team

Schempp über Peking-Kritik: „Warum jetzt?“

Schwarz und gelb: Das ist der Look für Olympia 2022

Simon Schempp erlebt nun seine erste Saison als Zuschauer. Das Sportlerleben vermisst er nicht. Dennoch fühlt er immer noch mit den Athleten. Vor allem zur Peking-Kritik vor Olympia 2022 hat er eine klare Meinung.

Das deutsche Biathlon-Team muss seit diesem Winter ohne zwei der größten Aushängeschilder der vergangenen Jahre auskommen.

Vor Arnd Peiffer hatte bereits Simon Schempp seinen Rücktritt während der vergangenen Saison verkündet. (NEWS: Alles Wichtige zum Biathlon)

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Der viermalige Weltmeister hat keine Probleme damit, erstmals nach zwölf Jahren im Weltcup als Zuschauer in die neue Saison zu starten, wie er im Gespräch mit SPORT1 verrät.

Zwar ist er dem Biathlon treu geblieben, entdeckt nun aber neue Seiten an dem Sport, dem immer noch sein Herz und seine Leidenschaft gehört. Daher ist er natürlich immer noch bestens informiert, was in der Szene abläuft.

Bei SPORT1 gibt er einen Ausblick auf die kommenden Weltcup-Highlights und erklärt, was man von den deutschen Skijägerinnen und Skijägern erwarten darf. Dazu verrät er seine Zukunftspläne und warum ihn die Kritik an den Olympischen Spielen 2022 in Peking verärgert. (DATEN: Weltcup-Stände im Biathlon)

SPORT1: Wie läuft Ihre Karriere nach der Biathlon-Karriere? Vermissen Sie die Zeit als aktiver Profi bereits?

Simon Schempp: Ich fiebere natürlich noch immer mit Herz und Leidenschaft mit. Aber das Leben als aktiver Sportler vermisse ich gar nicht. Ich habe mir neue Aufgaben gesucht und neue Ziele gesetzt, die mich komplett erfüllen. Wenn das nicht wäre, würde mir bestimmt was fehlen. Aber so habe ich wieder etwas, das mir richtig Spaß macht. Es kommt also keine Wehmut auf.

SPORT1: Was haben Sie für Ziele? Kommt eine Laufbahn als Trainer oder Funktionär für Sie in Frage?

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Schempp: Ich mache beim Deutschen Skiverband ein duales Studium. In der Woche arbeite ich die Hälfte der Zeit beim Verband, die andere Hälfte nutze ich für das Studium. Ich bin da im Finanzbereich tätig, was mir sehr gut gefällt. Ich wollte nach meiner Karriere auf jeden Fall weiter was mit Sport machen. Da hängt mein Herz einfach dran und hier fühle ich mich wohl. Auf diese Weise habe ich mit dem Studium eine super Konstellation: Ich wollte im Sport bleiben, aber auch eine andere Seite kennenlernen. Gerade im Finanzbereich hat man mit sehr vielen verschiedenen Themenbereichen zu tun. Da bekommt man einen sehr guten Ein- und Überblick. Ich bin also mit meiner momentanen Situation sehr zufrieden.

Peking 2022? Wohl nur als Zuschauer von Zuhause aus

SPORT1: Kommt auch eine Laufbahn als Trainer beim DSV in Frage?

Schempp: Wer weiß, was die Zukunft bringt. Aber den Bereich, in dem ich jetzt tätig bin, kann ich mir auch langfristig vorstellen, weil es mich einfach extrem interessiert.

SPORT1: Gehören Sie auch zum DSV-Tross für die Olympischen Spiele in Peking?

Schempp: Nicht, dass ich wüsste. Ich gehe davon aus, dass ich Peking von zu Hause aus verfolgen werde. (lacht)

SPORT1: Sind Sie in dem Sinne auch ein bisschen froh darüber, nicht zu Olympia nach Peking reisen zu müssen?

Schempp: Das hört sich ja jetzt fast so an, als ob das ein Grund gewesen wäre, dass ich aufhöre. (lacht) Vor ein paar Jahren hatte ich Peking durchaus noch als Ziel. Jetzt ist es anders gekommen. Es lag aber nicht an Peking, dass ich meine Karriere beendet habe.

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Simon Schempp über Peking-Kritik: „Zu unterschiedliche Interessen“

SPORT1: Aber je näher die Spiele rücken, desto lauter wird die Kritik. Wie sehen Sie die Debatte um die Austragung in China? Verstehen Sie auch die immer wieder aufkommenden Boykott-Forderungen?

Schempp: Ich gehe nicht davon aus, dass es zu einem Boykott kommen wird. Dafür sind zu unterschiedliche Interessen im Spiel. Man muss auch sagen: Aus Sportlersicht ist Olympia einfach das absolute Highlight, auf das man unter Umständen sein ganzes Leben ausrichtet. Aber die Vergabe der Olympischen Spiele in ein Land, das Menschenrechte verletzt und der Wintersport nicht wirklich Wurzeln hat, ist sicherlich kein gutes Zeichen. Die Vergabe steht ja aber schon länger fest. Warum wird so etwas nicht vor der Vergabe kritisiert und warum beschäftigt man sich erst dann mit dem Thema, wenn es im Endeffekt zu spät ist?

SPORT1: Es kamen in letzter Zeit aber auch neue Dinge ans Licht, die die Diskussion neu angefacht haben.

Schempp: Das stimmt natürlich. Aber ein paar Wochen vor Olympia fragt man auch mehr nach. Davor hat das irgendwie nicht wirklich interessiert. Für die Sportler gilt es, sich jetzt bestmöglich vorzubereiten. Die Diskussionen sind Nebenbaustellen, mit denen man sich als Sportler in der jetzigen Phase nicht wirklich beschäftigen kann, wenn man erfolgreich sein will. Das heißt nicht, dass man sich keine Gedanken machen sollte und keine Meinung haben darf. Aber ich finde, es ist nicht die primäre Aufgabe der Sportler.

Schempp hofft auf erfolgreiche Spiele aus deutscher Sicht

SPORT1: Was können wir von den deutschen Biathlet*innen in Peking erwarten?

Schempp: Hoffentlich erfolgreiche Spiele. (lacht)

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SPORT1: Was wäre erfolgreich?

Schempp: Natürlich wollen alle am liebsten Medaillen sehen. Aber eigentlich bedeutet erfolgreich, dass jeder sein Leistungsmaximum zu diesem Zeitpunkt abrufen kann. Dann ergeben sich auch Medaillenchancen. (DATEN: Alle Biathlon-Rennen im LIVETICKER)

Schempp-Prognose für Weltcup: „Definitiv einzelne Top-Ergebnisse“

SPORT1: Wie schätzen Sie den deutschen Kader bei Männern und Frauen für die Saison ein?

Schempp: Ich denke, dass die absoluten Top-Leistungen auf wenige Schultern verteilt werden. Gerade im Frauenbereich sind mit Franzi (Preuß, Anm. d. Red.) und Denise (Herrmann, Anm. d. Red.) zwei starke Sportlerinnen am Start, die weit nach vorne kommen können – auch im Gesamtweltcup. Dann klafft aber vermutlich schon eine Lücke. Aber das erste Rennen hat gezeigt, dass auch die Jungen in der Lage sind, gute Ergebnisse einzufahren. Bei den Männern haben wir einige Athleten am Start, die läuferisch Akzente setzen können. Aber die Konstanz über eine ganze Saison war zuletzt das Problem. Wenn das verbessert wird, gibt es mehrere Kandidaten, die mal in die Top Ten laufen können. Gerade Benedikt Doll war in den letzten Jahren immer wieder in den Top Ten im Gesamtweltcup. Er hat das läuferische Vermögen dafür. Wenn er am Schießstand noch etwas stabiler wird, kann man von ihm auch Plätze unter den Top Five erwarten – vielleicht auch das Podium, wenn es richtig gut läuft.

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Preuß und Herrmann im Gesamtweltcup? „Vom Potenzial traue ich es ihnen zu“

SPORT1: Können Franziska Preuß oder Denise Herrmann vielleicht sogar um den Gesamtweltcup mitkämpfen?

Schempp: Tiril Eckhoff und Marte Olsbu Roiseland werden auch in diesem Jahr wieder sehr stark sein. Die zu schlagen, wird eine Hausnummer werden. Aber Franzi war im letzten Jahr Dritte im Gesamtweltcup, da waren nur noch zwei besser. Man muss einfach schauen, dass man möglichst konstant und ohne Verletzungen oder Krankheiten durchkommt. Dann kann es auch in diesem Jahr wieder weit nach vorne gehen. Vom Potenzial traue ich es Franzi und Denise zu. Aber dann müssen auch andere Dinge in die Karten spielen und man selbst muss dem Gesamtweltcup alles unterordnen. Das ist in der olympischen Saison wahrscheinlich nicht der Fall. (DATEN: Weltcup-Kalender der Biathlon-Saison)

SPORT1: Im Weltcup-Zirkus liegt die Impfquote bei nahezu 100 Prozent. Inwiefern ist die Sportart diesbezüglich Vorbild für andere Sportarten?

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Schempp: Ich weiß nicht, wie hoch die Impfquote in anderen Sportarten ist. Daher kann ich das nicht vergleichen. (lacht) Aber es kann sehr kritisch sein, wenn man nicht geimpft ist – gerade in der Umsetzung der Saisongestaltung. Da wären mir als Sportler auch zu viele Unwägbarkeiten. Deswegen ist die Impfquote wahrscheinlich auch so hoch. Aber auch der Verband tut sich natürlich einfacher, wenn eine hohe Impfbereitschaft vorhanden ist.