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SC Freiburg Vorbild für viele große Bundesliga-Klubs - Kolumne von Tobias Holtkamp

Die größtmögliche Ohrfeige für die Großklubs

Schock-Szene! Selke blutüberströmt nach Zweikampf

Der SC Freiburg bestätigt seine Leistungen in der Bundesliga Jahr für Jahr mit bescheidenen Mitteln. SPORT1-Kolumnist Tobias Holtkamp erklärt, warum das für einige Konkurrenten wie eine Ohrfeige ist.

Als Mitte August bei einigen deutschen Top-Klubs die Runde machte, dass Luca Waldschmidt aus Lissabon zurück in die Bundesliga wechseln möchte, staunten einige Manager nicht schlecht, wer da im Konzert der Großen auf einmal selbstbewusst mitmischte und - so wurde kolportiert - den Torjäger mit einem sehr ordentlichen Angebot köderte.

Waldschmidts Ex-Verein, der SC Freiburg, war nach Informationen aus Beraterkreisen länger im Rennen um den Nationalspieler als zumindest ein deutlich größerer Verein. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

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Am Ende entschied sich Waldschmidt für den VfL Wolfsburg, vor allem die Perspektive mit Spielen in der Champions League sei entscheidend gewesen, hieß es - doch auch das finanzielle Angebot soll am Ende das Beste gewesen sein. Und doch gar nicht so weit entfernt von dem, was die Freiburger zu zahlen bereit waren.

Freiburg eröffnet neues Stadion

Ein paar Wochen und sieben Spieltage später steht der Sport-Club in der Bundesliga-Tabelle auf Platz vier. Vor Wolfsburg. Und jetzt geht es ins neue, hochmoderne Stadion, das nach knapp drei Jahren Bauzeit am Donnerstag offiziell eröffnet wird.

Der SC Freiburg, der kleine Verein aus dem Schwarzwald - und das ist ausschließlich als Kompliment und dickes Ausrufezeichen zu verstehen - ist auf direktem Weg, ein Großer zu werden in der Bundesliga. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)

Ihre Arbeit ist seit Jahren herausragend. Die Ergebnisse, die sie erzielen und vor allem immer wieder bestätigen, Saison für Saison, haben mit Glück oder Zufall nichts mehr zu tun. Jeder Punkt ist verdient, ihr kontinuierliches Wachstum einzigartig im deutschen Profifußball - und die größtmögliche Ohrfeige für die vielen Großklubs, deren große Strategien oft in erster Linie erst einmal auf schnellen Investitionen beruhen.

Saier und Streich „würden nie jammern“

Jochen Saier, der Sportvorstand, und Christian Streich, sein Trainer, müssen zwar regelmäßig ihre Topspieler ersetzen, doch sie sehen das vor allem als Chance, den Kader weiterzuentwickeln und mit jeder Verpflichtung mittelfristig ein kleines Stückchen stärker zu machen. Sie würden nie jammern, sie haben immer Ideen und Lösungen im Kopf, um die nächsten Schritte zu gehen.

Der Erfolg des SC Freiburg im Herbst 2021 ist immer noch aufsehenerregend - und doch keine Sensation mehr. Denn mit der Kontinuität, der Ruhe im und um den Verein, aber eben auch der Seriosität, mit der die Freiburger arbeiten, sind auch die Möglichkeiten an ihrem besonderen Standort, abseits üblicher Bundesliga-Hektik, gewachsen. Und damit - keiner kann es leugnen - der eigene Anspruch. Der Druck, der jetzt entsteht. (DATEN: Die Tabelle der Bundesliga)

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Spielt Freiburg "nächste Saison Champions-League"?

Nico Schlotterbeck, ihr U21-Europameister, den Hansi Flick jetzt auch wieder für die A-Nationalmannschaft nominierte, formulierte das neue Freiburger Selbstbewusstsein nach dem Auswärtssieg in Berlin in die TV-Kameras. „Oben festbeißen“ sei das Ziel, er glaube, „dass wir eine sehr gute Saison spielen können.“

Das glauben mittlerweile viele - die Erwartungen sind gewachsen und Tiefstapelei im Grunde keine Option mehr. Dafür leisten sie einfach zu gute Arbeit.

Tobias Holtkamp, der Autor dieses Textes, war in der Chefredaktion von Sport Bild und Chefredakteur von transfermarkt.de. Heute berät er Sportler und Marken in ihrer inhaltlichen und strategischen Ausrichtung. Für SPORT1 schreibt Holtkamp als Chef-Kolumnist die wöchentliche „Bundesliga-Kolumne“.

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