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Leichtathletik: Konstanze Klosterhalfen über Rückkehr nach Berlin

Diese Ikone trainiert Klosterhalfen

Konstanze Klosterhalfen kehrt am Sonntag nach Berlin zurück

Konstanze Klosterhalfen kehrt am Sonntag nach Berlin zurück © Imago

771 Tage nach ihrem Sensations-Lauf kehrt Konstanze Klosterhalfen beim ISTAF nach Berlin zurück. Bei SPORT1 spricht sie über ihre Erwartungen, einen Rekordversuch und ihre neue Trainerin.

Bei den Olympischen Spielen in Tokio war Konstanze Klosterhalfen noch nicht auf ihrem eigentlichen Leistungsniveau. Eine langwierige Beckenverletzung hatte die beste deutsche Mittel- und Langstreckenathletin ausgebremst, die Vorbereitungszeit war entsprechend zu kurz. (Alles zur Leichtathletik)

Am vergangenen Freitag stellte sie beim Diamond-League-Meeting in Brüssel unter Beweis, dass sie schon fast wieder die Alte ist und blieb über 5000 Meter nur neun Sekunden über ihrer Bestzeit.

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771 Tagen nach ihrem Rekordlauf von Berlin im August 2019 kehrt „Koko“ am Sonntag zurück nach Berlin - dieses Mal auf der 1500-Meter-Strecke.

Bei SPORT1 verrät die 24-Jährige, warum sie in Tokio der Weltspitze noch hinterherlief, welche Leichtathletik-Ikone ihre neue Co-Trainerin ist und welchen Rekord sie zum Saisonende anpeilt.

SPORT1: Frau Klosterhalfen, nach über zwei Jahren laufen Sie am Sonntag mal wieder in Deutschland. Ist das für Sie etwas Spezielles oder spielt das keine große Rolle?

Klosterhalfen: Doch klar. Wieder vor Heimpublikum zu laufen, darauf freue ich mich schon sehr. Mir war das gar nicht so bewusst, dass es so lange her war. Aber klar, mit der langen Corona-Zeit und der Verletzung war es sowieso schon besonders, wieder Rennen zu laufen und wieder in den normalen Wettkampfrhythmus zu kommen. Jetzt dann auch noch die Saison in Deutschland zu beenden, ist definitiv besonders.

„Das hätte ich in einem leeren Stadion bestimmt nicht geschafft“


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SPORT1: Was für einen Unterschied macht das denn aus, wenn man wieder vor Fans läuft?

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Klosterhalfen: Ich war wirklich froh, dass wir überhaupt wieder laufen konnten und die Wettkämpfe zum Beispiel auch in Tokio überhaupt stattfinden konnten. Aber jetzt, wo wieder Zuschauer dabei sind, merkt man, dass das einen ganz großen Teil des Sports ausmacht. Es herrscht einfach eine ganz besondere Atmosphäre, wenn man angefeuert wird und Emotionen von den Rängen da sind. Das Publikum trägt einen, wenn man müde wird.

SPORT1: Kann das Publikum dann wirklich einen richtigen Push geben?

Klosterhalfen: Ja, auf jeden Fall. Gerade jetzt, wenn ich an das Rennen in Berlin von vor zwei Jahren denke: Da bin ich ja dann auch den größten Teil allein gelaufen. Das hätte ich in einem leeren Stadion bestimmt nicht so geschafft. Man wird einfach super motiviert wird und läuft nicht nur für sich, sondern für die ganze Menge läuft.

SPORT1: Sie laufen am Sonntag das erste Mal seit längerer Zeit mal wieder über Ihre alte Lieblingsstrecke, die 1500 Meter. Ist das noch Ihre favorisierte Strecke oder doch die längeren Distanzen?

Klosterhalfen:  Ich freue mich jetzt darauf, die 1500 Meter zu laufen, die zusammen mit den 3000 Metern noch immer meine Lieblingsstrecken sind. Ich hatte jetzt nach den längeren Rennen auch wieder die ersten schnelleren Einheiten und bin froh und freue mich wieder ein paar kürzere Rennen zu haben.

„Das ist supercool, so eine Legende im Team zu haben“

SPORT1: Der Deutsche Rekord über 1500 Meter fehlt Ihnen noch in Ihrer Sammlung. Wahrscheinlich fehlen Ihnen aber jetzt noch ein paar mehr schnellere Einheiten, um den Rekord zu knacken, oder?

Klosterhalfen: Es wird auf jeden Fall schwer werden, aus einer 10.000-Meter-Vorbereitung ein Rennen über 1500 Metern zu laufen. Das ist dann doch etwas anderes. Ich freue mich jetzt auf jeden Fall schon sehr wieder in die Vorbereitung für die 1500 Meter zu gehen und auch wieder schnelle 800 Meter zu laufen.

SPORT1: Ihren letzten Wettkampf der Saison bestreiten Sie am 17. September in Trier über die 2000 Meter. Der Deutsche Rekord ist auf jeden Fall in Reichweite. Ist vielleicht auch der Weltrekord möglich?

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Klosterhalfen: Ich freue mich sehr, nochmal ein schnelles Rennen zu laufen. Wir hatten die Idee, weil meine neue Co-Trainerin in unserem Team, Sonia O‘Sullivan, die Inhaberin des Rekordes ist. Wo es dann letztendlich hingehen kann, ist natürlich immer schwer vorherzusagen.

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SPORT1: Seit wann ist Sonia O‘Sullivan bei Ihnen im Team?

Klosterhalfen: Sie ist schon im April ins Team gekommen, da war ich aber noch nicht in Amerika zurück. Ich arbeite jetzt konkret seit Juni oder Juli mit ihr zusammen. Sie ist jetzt auch die ganze Zeit mit mir in Europa gewesen. Das ist supercool, so eine Legende im Team zu haben.

SPORT1: Läuft dann eine Wette mit Sonia O‘Sullivan, ob sie ihre Zeit in Trier knacken?

Klosterhalfen: Das nicht (lacht). Ich habe aber bisher die Zeit über 10.000 und über 2000 noch nicht von ihr geknackt. Und auch über 1500 war sie glaube ich noch schneller als ich. Diese Vergleiche sind auf jeden Fall motivierend.

SPORT1: Pete Julian als Trainer gibt es aber auch noch, oder?

Klosterhalfen: Ja, genau. Pete ist der Headcoach. Er ist aber die meiste Zeit in den USA geblieben.

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SPORT1: In Brüssel hat man gesehen, dass Ihre Form immer besser wird. Finden Sie es schade, dass die Saison bald zu Ende ist?

Klosterhalfen: Wir haben die Wochen vor Tokio schon gesagt, dass die Saison für mich wahrscheinlich zu kurz ist. Aber trotzdem ist es auf jeden Fall schön zu sehen, wie es von Woche zu Woche besser funktioniert. Natürlich ist das jetzt einerseits schade, aber ich freue mich jetzt darauf, noch zwei Rennen zu haben. Andererseits freue ich mich aber auch auf nächstes Jahr, denn die Grundlagen sind gelegt. Darauf kann ich aufbauen und möchte den Schwung mit in die nächste Saison nehmen.

Konstanze Klosterhalfen ist aktuell das große deutsche Leichtathletikwunder. Über 5000 Meter pulverisiert sie in Boston den Hallen-Europarekord. In 14:30,79 Minuten bleibt sie deutlich unter dem bisherigen Rekord der Rumänien Gabriela Szabo aus dem Jahr 1999 (14:47,35) © Getty Images
Mit ihrer Zeit stürmt sie auf Platz vier der ewigen Weltbestenliste. Bereits Anfang Februar verbessert Klosterhalfen zwei ihrer deutschen Rekorde. Beim Hallenmeeting in New York läuft sie die Meile in 4:17,26 Minuten, zudem durchbricht sie mit ihrer 1500-m-Durchgangszeit (3:59,87) erstmals die Vier-Minuten-Schallmauer über diese Distanz © Getty Images
Natürlich rufen diese enormen Leistungssteigerungen auch Zweifler auf den Plan. Diese wurden in der Vergangenheit durch ihr Mitwirken am Nike Oregon Project (NOP) noch befeuert. Gegen den Chef des Projekts, Alberto Salazar, ermittelt die US-Anti-Doping-Behörde, nachgewiesen wurde ihm bislang jedoch nichts © Getty Images
Das NOP wird im Oktober 2019 eingestellt. Klosterhalfen trainiert trotzdem weiterhin in den USA bei Trainer Pete Julian © Getty Images
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Dass Klosterhalfen unter Generalverdacht steht, findet sie unfair. "Man bekommt das mit und ist im ersten Moment auch nicht glücklich darüber. Aber ich gehe nicht darauf ein und lasse es so gut es geht an mir abprallen. Ich weiß inzwischen, wie viel hier gearbeitet wird, wir Athleten trainieren superhart und die Leute hier kitzeln jede Kleinigkeit heraus", sagt sie 2019 im Gespräch mit SPORT1 © Getty Images
Aber zweifelsfrei ist ihre Steigerung in den vergangenen Jahren imposant, auch weil ihre Anlagen (1,74 Meter, 48 Kilogramm) vielversprechend sind. Der Umzug in die USA, wo sie perfekte Trainingsbedingungen hat, scheint sie zu beflügeln. SPORT1 zeigt die Entwicklung ihrer Laufzeiten im Verlauf der Jahre auf den verschiedenen Strecken © SPORT1-Montage: Getty Images
5.000 METER: 2016 bestreitet sie erstmals Rennen über diese Distanz und erreicht als Bestleistung eine Zeit von 15:16,98 Minuten, gelaufen am 25. August in Bergisch Gladbach. Ein knappes Jahr später steigert sie sich bereits um 25 Sekunden auf 14:51,38 Minuten, gelaufen am 19. Mai 2017 in Karlsruhe © Getty Images
2018 folgt eine Delle über die 5.000 Meter-Distanz, über die sie bei der EM in Berlin ihre Jahres-Bestzeit von 15:03,73 Minuten läuft. Nach einem beherzten Solo, bricht sie am Ende ein und wird Vierte. Am 3. August 2019 pulverisiert sie ihre eigene Bestleistung und stellt bei den Berlin Finals mit 14:26,76 Minuten einen deutschen Rekord auf - die 13. schnellste Zeit der Geschichte © Getty Images
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3.000 METER: Bereits 2013, im Alter von 16 Jahren, tritt sie bei einem großen Wettkampf über diese Distanz an und erreicht eine Zeit von 9:39,85 Minuten. Drei Jahre später läuft Klosterhalfen die drei Kilometer auf der Bahn bereits in 8:46,74 Minuten - eine Steigerung von 53 Sekunden, die in solch jungen Jahren aber nicht unüblich ist © Getty Images
2017 kann die Deutsche noch einmal eine Schippe drauflegen und läuft in 8:29,89 Minuten beim Meeting in Birmingham im August deutschen Rekord. 2019 verbessert sie ihre Bestmarke noch einmal um neun Sekunden auf 8:20,07 Minuten. Nur fünf Athletinnen waren in der Geschichte dieser Distanz jemals schneller © Getty Images
1.500 METER: Klosterhalfen setzt auch über die 1.500 Meter 2013 ihre erste Bestzeit im internationalen Vergleich mit 4:26,58 Minuten. Anschließend steigert sie sich Jahr für Jahr kontinuierlich um einige Sekunden, bis die Ausnahmeläuferin im Mai 2016 4:06,91 Minuten auf die Bahn setzt © Getty Images
Am 27. August 2017 erzielt sie mit 3:58,92 ihre immer noch gültige Bestzeit über diese Distanz. In der Historie der Distanz aber keine Spitzenzeit. Den deutschen Rekord (3:57,43 Minuten) verpasst sie um eineinhalb Sekunden. Diese Bestmarke dürfte bei ihrer derzeitigen Form demnächst fallen. In einem maßgeschneiderten Rennen mit der richtigen Tempomacherin dürfte eine Zeit von unter 3:55 Minuten keine Utopie sein © Getty Images
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800 METER: Mit gerade einmal 14 Jahren setzt Klosterhalfen 2011 mit 2:22,25 Minuten ihre erste Bestzeit über die kurze Mitteldistanz. Schon im Jahr darauf kann sie sie sich um neun Sekunden steigern, 2013 verbessert sich Klosterhalfen um weitere sechs Sekunden auf 2:07,52 Minuten © Getty Images
Nach weiteren kleineren Steigerungen kann sich die Deutsche 2016 noch einmal um fünf Sekunden im Vergleich zum Vorjahr auf 2:01,55 Minuten steigern. Ihre bisherige Karrierebestzeit stellt sie ein Jahr später auf. Mit 1:59,65 Minuten knackt Klosterhalfen im Juni 2017 die Zwei-Minuten-Schallmauer. In der Folge konzentriert sie sich auf die längeren Strecken, wo sie sich sich größere Chancen ausrechnet © Getty Images
MEILE (1609,344 Meter): Die Meile ist die einzige nicht-metrische Strecke in der Leichtathletik und gehört nicht zu den olympischen Distanzen. Dementsprechend selten ist die Meile im Programm von Meetings © Getty Images
Dennoch hat das Laufwunder des DLV auch auf dieser Distanz bereits Spuren hinterlassen. Neben dem deutschen Hallen-Rekord hält sie auch die deutsche Bestzeit im Freien © Getty Images
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Im August 2019 unterbietet sie mit 4:21,11 Minuten die seit 1985 gültige Bestzeit von Ulrike Bruns um 48 Hundertstelsekunden © Getty Images
Zeiten sind in der Leichtathletik jedoch vergänglich, im Kopf der Öffentlichkeit bleiben vor allem Medaillen bei Großereignissen. Auch in dieser Beziehung kann Klosterhalfen einiges vorweisen. Ihr bisher größter Erfolg: Bronze über 5.000 Meter bei der WM 2019 in Doha © Getty Images
Die nächste Chance auf eine Medaille hat Klosterhalfen bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio. In der japanischen Hauptstadt will im Medaillenkampf ein Wörtchen mitreden - egal über welche Distanz © Getty Images

SPORT1: Sie konnten wegen der langen Verletzungspause Ihr eigentliches Potenzial in Tokio nicht abrufen. Wie sehr wurmt es Sie noch, dass Sie nicht um die Medaillen mitlaufen konnten?

Klosterhalfen: Natürlich war das schade, das hat mich manchmal traurig gemacht. Allerdings kann ich es trotzdem gut abhaken, weil ich wirklich sehr dankbar bin, dass ich zumindest noch in der Form dort starten konnte. Es zeigt mir, dass ich trotz sehr kurzer Vorbereitung eine angemessene Leistung bringen konnte. Verletzungen gehören zum Sport nun mal leider mit dazu. Wenn man sie überwunden hat, kann man aber als stärkerer Athlet daraus hervor gehen.

Niyonsaba? „Das ist für beide Seiten unglaublich schwer“

SPORT1: Sie waren in Ihrer Karriere schon das ein oder andere Mal verletzt. Wie arbeitet Sie in den USA daran, dass Ihr Körper stabiler wird?

Klosterhalfen: Wir versuchen, über den Kraftaspekt besser vorzusorgen. Mein gesamtes Gerüst etwas stabiler aufzubauen, um möglichen Verletzungen besser vorzubeugen. Es ist auf jeden Fall eines der großen Ziele für die kommende Jahre, gesund zu bleiben.

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SPORT1: Wie sehen Sie den Fall Francine Niyonsaba, die von Geburt an einen erhöhten Testosteronspiegel hat und in den letzten Wochen auf den Langstrecken dominiert hat?

Klosterhalfen: Das ist natürlich schwer einzuschätzen und generell ist es ja nicht der erste Fall. Man kann ihr keinen Vorwurf machen, aber genauso kann man die verstehen, die dann enttäuscht sind, wenn sie hinter ihr beispielsweise Vierte werden. Das ist für beide Seiten unglaublich schwer. Es ist da die Frage, ob man da überhaupt eine gerechte Lösung finden kann.

SPORT1: Im kommenden Jahr stehen mit der WM in Eugene und der EM in München gleich zwei Höhepunkte auf dem Programm. Haben Sie schon eine Idee, was für Sie wichtiger sein wird?

Klosterhalfen: Da freue ich mich auf beides sehr drauf. Ich hoffe erstmal, dass alles gut funktioniert in der Vorbereitung. Und dann stehen mit der WM in Eugene und der EM in München zwei absolute Highlights auf dem Programm. Da kann man sich nur auf 2022 freuen.

SPORT1: Nehmen Sie die Hallensaison im Winter mit?

Klosterhalfen: Wir haben jetzt noch keinen genauen Plan, aber es ist vorläufig angedacht, eine Hallensaison zu laufen. Dadurch, dass ich nicht so viele Rennen in den letzten zwei Jahren gehabt habe, machen Wettkämpfe in der Halle Sinn.