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NBA: Warum die Orlando Magic ein Glücksfall für Franz Wagner sein könnten

Orlando ein Glücksfall für Wagner

NBA-Draft: Wagner schreibt Geschichte

Franz Wagner wird beim NBA-Draft von einem der schwächsten Teams der vergangenen Saison ausgewählt. Diese Konstellation könnte sich auszahlen.

Ein kleines Stück fehlte Franz Wagner zum alleinigen Rekord. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur NBA)

Dennoch schrieb der 19-Jährige in der Nacht zu Freitag deutsche Basketball-Geschichte. Im jährlichen NBA-Draft wurde der Berliner an Position acht ausgewählt - nur Detlef Schrempf (1985 an Position acht zu den Dallas Mavericks) kam ebenfalls so früh vom Board. Dirk Nowitzki lässt Wagner dagegen hinter sich. Dirkules wurde 1998 an Position neun von den Milwaukee Bucks gepickt. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der NBA)

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“Ich kann es kaum erwarten, nach Orlando zu kommen”, sagte der Auserwählte und ergänzte: “Es fühlt sich großartig an, ein Traum ist wahr geworden.” Das Team habe “viel Talent”, er wolle in seinem Rookie-Jahr “einfach jeden Tag besser werden. Ich möchte bescheiden sein und von meinen Teamkollegen lernen.”

Dass es am Ende die Orlando Magic sein würden, die sich den Deutschen sicherten, war dabei nicht unbedingt abzusehen. Von ESPN war der Deutsche beispielsweise als Pick der Golden State Warriors (Position sieben) gehandelt worden.

NBA: Magic sichern sich Wagner

Doch die Warriors entschieden sich für Jonathan Kuminga. So war der Weg frei für die Magic, die mit ihrem zweiten Pick zuschnappten. An Position fünf hatte sich die Franchise aus Florida bereits die Dienste von Jalen Suggs gesichert.

Wagner und die Magic - diese Verbindung könnte sich für beide Seiten als Glücksfall erweisen. Denn das Team aus Florida hat einen besonderen Trumpf, der seinem Neuling die Anpassung an die beste Liga der Welt deutlich erleichtern könnte - Moritz Wagner.

Denn womöglich läuft auch der ältere Bruder von Franz in der kommenden Saison für die Magic auf. “Moe” Wagner landete in der Schlussphase der abgelaufenen Saison schließlich bei der Franchise aus Florida.

Zuvor war er von den Washington Wizards zu den Boston Celtics getradet worden, wurde dort aber bereits nach wenigen Spielen entlassen. In Florida machte er direkt auf sich aufmerksam, erzielte in elf Partien elf Punkte im Schnitt.

Seite an Seite mit Bruder Moritz?

Das Verhältnis der Wagner-Brüder ist sehr gut. Beide schätzen sich, verteilen allerdings auch die eine oder andere Spitze. “Wenn Moe in der Liga spielen kann, dann nehmen die ja anscheinend jeden”, scherzte der Nummer-8-Pick bei einer Presserunde vor dem Draft.

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Auch während der Ziehung hatten die beiden Brüder direkten Kontakt. Und das, obwohl Moritz aktuell mit der DBB-Auswahl in Tokio bei den Olympischen Spielen weilt.

Allerdings ist Moritz aktuell Free Agent. Ein Verbleib des großen Bruders, der 2018 an Position 25 von den Los Angeles Lakers gedraftet wurde, würde die Integration des kleinen Bruders vereinfachen.

Das machte dieser auch im SPORT1-Interview deutlich. “Das wäre richtig geil”, erklärte Franz Wagner und ergänzte: “Eine Sache, auf die ich mich nicht richtig vorbereiten kann, ist einfach, erstmals erwachsen zu sein. Am College ist man zwar auch alleine, aber man ist oft mit den Jungs zusammen, der Tag ist viel strukturierter. In der NBA ist die Kindheit vorbei.”

Jemanden zu haben, mit den man aufgewachsen sei und der alles schon kennt, wäre richtig hilfreich. Auch für die Familie wäre es natürlich cool, erklärte Wagner.

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Orlando Magic im Umbruch

Ein Wunschteam hatte er vor der Ziehung nicht, am Ende sei es viel wichtiger, “dass man beim richtigen Team, in einer Situation, wo man sich gut entwickeln kann, landet.” Und auch in diesem Punkt könnten die Magic genau die richtige Adresse sein.

Wäre Wagner bei den Warriors gelandet, würde er zwar bei einem erweiterten Titelkandidaten spielen - die Chance auf viele Einsätze wäre aber erst einmal wohl gering gewesen. Womöglich hätte sich der Deutsche zunächst sogar in der G-League beweisen müssen.

Doch gerade für einen Rookie ist Spielzeit das Wichtigste für die weitere Entwicklung.

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Bei den Magic hat Wagner zwar in absehbarer Zeit wohl keine Chance auf den NBA-Titel, dafür könnte er dort ein Gesicht des vorangetriebenen Umbruchs werden. (DATEN: Alle Tabellen der NBA)

Diesem hat sich das Team seit vergangener Saison eindeutig verschrieben. Mit Allstar Nikola Vucevic, Aaron Gordon und Evan Fournier wurden drei Hochkaräter abgegeben und der Kader einer Verjüngungskur unterzogen.

Flexibilität Wagners als Trumpf?

Die jüngere Vergangenheit hat zudem bewiesen, dass Orlando seine Rookies fest einplant. Cole Anthony, Nummer-15-Pick des Vorjahres, wurde mit 12,9 Punkten pro Spiel direkt bester Magic-Scorer der abgelaufenen Saison.

Auch Chuma Okeke, der 2019 an Nummer 16 gepickt wurde, ist nach dem verletzungsbedingten Ausfall in seiner ersten Saison inzwischen fester Bestandteil des Teams, auch wenn ihn in der vergangenen Spielzeit eine Verletzung erneut zurückwarf.

Die Chancen, dass Wagner direkt Fuß fasst, stehen also gut. Ein Vorteil: Seine Flexibilität. Er kann sowohl als Forward als auch als Guard fungieren, was seine Einsatzchancen nochmal erhöht.

“Ich kann das Spiel auf der defensiven Seite in vielen verschieden Varianten und Situation beeinflussen. Gleichzeitig bin ich auch ein sehr guter Offensivspieler und kann viele Sachen offensiv machen.”, erklärte er bei SPORT1.

Wagner: “Besitze viel Verbesserungspotenzial”

Für seine Größe von 2,05 Meter kann er zudem sehr gut dribbeln - und auch seine Spielintelligenz ist eine seiner großen Stärken. Er antizipiert Pässe, kann nahezu jede Position verteidigen und verfügt dazu über einen guten Distanzwurf.

Und Wagner ist gewillt, seine Stärken zu verbessern. “Ich bin auch noch sehr jung und besitze viel Verbesserungspotenzial.”

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Zunächst steht für den Deutschen die Summer League an. Dort will er sich für einen Platz im Magic-Kader empfehlen.

Dann kann er in der NBA beweisen, dass er zurecht ähnlich früh wie Schrempf und Nowitzki gedraftet wurde.