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NBA: Giannis Antetokounmpo mit Titel auf den Spuren von Dirk Nowitzki

Die süße Rache des Belächelten

Giannis Antetokounmpo hat auf James Hardens Provoaktion auf seine Art geantwortet

Giannis Antetokounmpo hat auf James Hardens Provoaktion auf seine Art geantwortet © SPORT1-Grafik/Imago

Giannis Antetokounmpo feiert den größten Triumph seiner Karriere. Mit seinem Erfolg und der grenzenlosen Loyalität gegenüber den Bucks wandert der „Greek Freak“ auf Dirk Nowitzkis Spuren.

Giannis Antetokounmpo steht zu seinem Wort!

Zumindest verhält es sich so mit einem Versprechen, dass der frisch gebackene NBA-Champion bereits vor vielen Jahren gegeben hat. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur NBA)

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„Ich werde das Team und die Stadt Milwaukee nicht verlassen, bis wir das Team zu einem Meisterschaftsteam aufgebaut haben.“ Diese Zeilen schrieb der „Greek Freak“ im Sommer 2014 – und ließ seinen Worten Taten folgen.

Antetokounmpo führt Bucks zum NBA-Titel

Beinahe exakt sieben Jahre später ist es vollbracht: Die Milwaukee Bucks um ihren Superstar Antetokounmpo haben sich nach 50 Jahren wieder die NBA-Krone aufgesetzt, nachdem Kareem Abdul-Jabbar und Oscar Robertson die Franchise aus Wisconsin 1971 erstmals zur Meisterschaft geführt hatten.

Antetokounmpo machte den Meilenstein möglich. Der 26-Jährige zauberte in Spiel sechs gegen die Phoenix Suns mit 50 Punkten, 14 Rebounds und fünf Blocks eine Monster-Performance aufs Parkett. Logischerweise wurde er zum wertvollsten Spieler der Finals ausgezeichnet. Es war das dritte Spiel in dieser Serie mit mindestens 40 Punkten und zehn Rebounds für Antetokounmpo.

Seine Elite-Kollegen aus der NBA gratulierten via Twitter. „Du hast den Scheiß absolut verdient“, schrieb LeBron James von den Los Angels Lakers. Kevin Durant (Brooklyn Nets) hatte „nichts als Respekt“ vor dem neuen Champion. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der NBA)

Giannis bleibt sich selbst treu

Rudy Gobert schrieb: „So froh für Giannis und Milwaukee Mann... erstaunlich zu sehen, was passiert, wenn man sein Herz und seine Seele in etwas setzt und authentisch und sich selbst treu bleibt. Inspirierend.“

Mit seinen Worten traf der Center der Utah Jazz den Nagel auf den Kopf. Der Junge aus Athen, aufgewachsen in ärmlichen Verhältnissen, ist angekommen. Und trotzdem bodenständig geblieben.

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„Meine Familie ist meine Basis. Sie motiviert mich jeden einzelnen Tag. Aber am Ende des Tages werde ich nie vergessen, was mich überhaupt zu diesem Punkt gebracht hat: harte Arbeit“, sagte der Finals-MVP zuletzt.

Auch seine Reaktion nach dem Gewinn der Meisterschaft sprach Bände: Nach dem Buzzer machte sich Antetokounmpo sofort auf den Weg zu seiner Familie.

Nachdem die Fans in den ersten Reihen auf das Spielfeld gestürmt waren, suchte Antetokounmpo nicht die Aufmerksamkeit der Menge, sondern einen freien Platz auf der Tribüne und setzte sich erst einmal hin. Er kämpfte sichtlich mit den Tränen und genoss für einen kurzen Augenblick für sich allein den größten Erfolg seiner Karriere.

Giannis bleibt den Milwaukee Bucks treu

„Vor achteinhalb Jahren hatte ich keine Ahnung, wo die nächste Mahlzeit herkommen würde, meine Mutter verkaufte Zeug auf der Straße - und jetzt sitze ich hier, ganz oben“, sagte der griechische Star nach dem Spiel.

Giannis ist zweifelsohne ganz oben angekommen, hat sich bei den großen Stars der besten Basketball-Liga der Welt wie LeBron, Durant und sogar Legende Kareem Abdul-Jabbar eingereiht. (DATEN: Alle Tabellen der NBA)

Doch eine Eigenschaft unterscheidet den Champion von vielen anderen Titelträgern: Antetokounmpo ist kein Selbstdarsteller. Und er ist seinem Team treu geblieben, musste sich die Meisterschaft nicht per Trade bei einem anderen Team holen.

Harden lästert über „Greek Freak“

Ganz im Gegenteil: Bevor er mit den Bucks Historisches feiern konnte, musste der griechische „Freak“ durch so einige Tiefen. In der Saison 2013/14 gewannen die Bucks gerade einmal 15 Spiele - die schlechteste Ausbeute in der Franchise-Geschichte. 2019 setzte es im Halbfinale gegen die Toronto Raptors eine üble Niederlage - trotz 2:0-Führung.

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Darüber hinaus musste sich Antetokounmpo auch noch Lästereien seiner Rivalen gefallen lassen.

James Harden stichelte Anfang des Jahres 2020 bei ESPN: „Wenn ich 7 Fuß (2,14 Meter) groß wäre, könnte ich auch einfach rennen und dunken. Dafür bräuchte ich überhaupt nichts zu können.“

„Mein Spiel besteht mit Sicherheit nicht nur aus Power. Als ich mit 18 Jahren hier ankam, wog ich 81 Kilo - da war es schwer, sich gegen die großen Jungs durchzupowern“, konterte Giannis. Heute Nacht lieferte er nachträglich noch auf dem Spielfeld die passende Antwort. Seine 50 Punkte waren mehr, als Harden jemals in einem Playoff-Spiel geschafft hat.

Antetokounmpo wie Nowitzki

Seine Geschichte erinnert an die des größten deutschen NBA-Stars jemals: Dirk Nowitzki. Nie zuvor war ein Basketball-Profi einem Team so lange treu wie der Würzburger den Dallas Mavericks (21 Jahre!).

Antetokounmpo wandelt auf Nowitzkis Spuren: Beim Griechen sind es mittlerweile immerhin schon acht Jahre - mit gerade einmal 26 Jahren.

In der NBA wird wieder um die Larry O'Brien Championship Trophy gekämpft. Aus deutscher Sicht wird ein Spieler besomders fehlen: Dirk Nowitzki. Erstmals seit 1999 geht eine NBA-Saison ohne ihn über die Bühne © Getty Images
Nach dem letzten Spiel seiner Karriere hängte Dirk Nowitzki im April die Basketball-Schuhe an den Nagel. Der Deutsche wird in Zukunft in einem Atemzug mit NBA-Legenden wie Larry Bird (r.) genannt werden © Getty Images
Der Höhepunkt seiner Karriere war die Meisterschaft 2011 mit seinen Dallas Mavericks. Aber nicht nur der Gewinn der Larry O'Brien Championship Trophy sorgte für seinen Legendenstatus. SPORT1 zeigt seine Titel, Rekorde und Statistiken © Getty Images
MVP: Dirk Nowitzki war beim Titelgewinn der überragende Spieler der Mavericks und wurde folgerichtig auch zum Finals MVP gewählt. Bereits 2007 wurde er MVP der Regular Season - als erster Europäer in der NBA-Geschichte © Getty Images
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ALL-STAR: Neben vielen erhaltenen Auszeichnungen wurde der 40-Jährige auch stolze 14 Mal ins All-Star Game der NBA eingeladen. Damit liegt er gleichauf mit Michael Jordan auf Rang 7. Den Rekord hält Kareem Abdul-Jabbar mit 19 Teilnahmen © Getty Images
DALLAS MAVERICKS: Er ist "Mr. Dallas". Die gesamten 21 Jahre seiner Karriere hat er bei der Franchise aus Texas verbracht. Zwar muss er sich mit 21 Spielzeiten den ersten Platz für die längsten NBA-Karrieren mit Robert Parish, Kevin Willis, Kevin Garnett und Vince Carter teilen, aber 21 Seasons bei einer Franchise ist einmalig © Getty Images
TEAMPLAYER: Nowitzki hatte während seiner Laufbahn unglaubliche 199 Teamkollegen - ebenfalls ein NBA-Rekord. Was fast noch unglaublicher ist: Von diesen 199 ehemaligen Mitspielern spricht bis heute nicht einer schlecht über Nowitzki. Darum wird er von vielen anderen NBA-Superstars sicher beneidet © Getty Images
SPIELE: In der ewigen Bestenliste für die meisten NBA-Spiele liegt Nowitzki auf Rang drei. Mit seinem letzten Spiel gegen die San Antonio Spurs ist er genau 1522 Mal (mit Playoffs 1667 Mal) im Trikot der Mavericks aufgelaufen. Hinter Karl Malone hat er auch die meisten Einsätze in der Starting Five aufzuweisen © Getty Images
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MINUTEN: Mit weit über 51.000 NBA-Minuten landet Dirkules auf Rang drei der ewigen Bestenliste. In den Playoffs legte er noch zusätzlich knapp 6.000 Minuten auf. Damit stand Nowitzki über 40 Tage seines Lebens auf einem NBA-Spielfeld © Getty Images
PUNKTE: Bei den Karrierepunkten überflügelt Nowitzki kurz vor seinem Karriereende mit Wilt Chamberlain eine der größten Legenden des Sports. Damit liegt er auf Rang sechs und wird so schnell wohl auch nicht von dort verdrängt werden © Getty Images
FREWÜRFE: Eine besondere Spezialität von Nowitzki war seine Stärke von der Freiwurflinie. Über 7.000 Mal hat er von der Linie aus eingenetzt, zusätzlich gut 1.000 Mal in den Playoffs. Zwischen dem 29. März und 29. Oktober 2010 traf er unfassbare 82 Mal in Folge. Die drittlängste Serie aller Zeiten von der Freiwurflinie © Getty Images
REBOUNDS: Nowitzki half seinem Team aber nicht nur mit Punkten. Auch am Brett war er besser als viele in Erinnerung haben. Am 8. April 2019 holte er sich gegen die Memphis Grizzlies seinen 10.000 Defensivrebound, der fünftbeste Wert aller Zeiten. Insgesamt konnte er über 11.000 Rebounds in Regular Seasons holen, womit er knapp hinter Rang 25 liegt © Getty Images
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3-PUNKTE-WURF: Ungewöhnlich für einen Big Man war seine Wurfgenauigkeit von der Dreierlinie. Knapp 2.000 Mal versenkte er den Ball von Downton im Korb. Acht Dreier fehlten ihm damit nur noch bis zu den Top Ten. Die meisten Dreier in einem Spiel (8) gelangen Nowitzki am 27. Januar 2004 gegen die Seattle SuperSonics © Getty Images
DEFENSIVE: Während seiner ganzen Karriere galt Nowitzki nie als starker Verteidiger. Dennoch kam er auf 1.281 Blocks. Mit seinen neun Steals im Spiel gegen die Houston Rocket (7. März 2004) liegt er auf Rang 18 in der Liste der meisten Steals in einem Match. Insgesamt hat er mehr als 1200 Mal den Ball stibitzt © Getty Images
WIN SHARE: Den Beweis für die Wichtigkeit Nowitzkis für die Mavericks liefert sein Win Share (eine Metrik, die angibt, wie viele Siege ein Spieler für sein Team produziert). In dieser Statistik liegt der Würzburger auf Rang acht der ewigen Bestenliste. Vor ihm sind lediglich Legenden wie Abdul-Jabbar, LeBron James und Michael Jordan © Getty Images
FRANCHISE-REKORDE: Nachdem er die Dallas Mavericks über zwei Jahrzehnte lang geprägt hat, ist er auch mit zahlreichen Franchise-Rekorden verewigt. Die Statistik-Seite "Basketball-Reference" führt 22 Kategorien auf, in denen Nowitzki den Mavs-Rekord hält. Dazu zählen neben Punkten, Rebounds, Block auch verwandelte Würfe und meiste Fouls © Getty Images
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NATIONALTEAM: Der beste Basketballer Deutschlands hat aber nicht nur in der NBA seine Spuren hinterlassen. 153 Mal lief er auch für den Deutschen Basketball Bund auf © Getty Images
DBB-DEBÜT: In Porto gegen Portugal feierte der damals 18-Jährige am 26. Februar 1997 sein Debüt im DBB-Trikot. Es war das einzige Länderspiel, in dem er keinen Punkt erzielte © Getty Images
TITEL MIT DEM DBB: Über Jahre hinweg war er das Gesicht der Nationalmannschaft. 2002 gewann das DBB-Team in den USA Bronze bei der WM. 2005 führte er das Team bis ins EM-Finale. Dort erwies sich Griechenland als zu stark. Der Respekt vor Nowitzki war so groß, dass die Griechen bereits anfingen zu feiern, als dieser auf die Bank beordert wurde © Getty Images
REKORDE IM DBB-TRIKOT: Mit 1.052 Punkten ist er der zweitbeste Werfer bei Europameisterschaften aller Zeiten. Für Deutschland ist er natürlich mit großem Abstand der Topscorer (3.045 Punkte in der Karriere) © Getty Images
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SPORTLER DES JAHRES: 2011 wurde Dirk Nowitzki in Deutschland zum Sportler des Jahrs gewählt. Es ist das erste Mal, dass ein Mannschaftssportler den Titel bekommt. Auch wenn Nowitzki nicht persönlich anwesend sein konnte, die Freude darüber war ihm deutlich anzusehen © Getty Images
OLYMPIA: Und eine weitere Ehre, die ihn sehr freute: Bei den Olympischen Spielen in Peking (2008) führt Nowitzki die deutsche Mannschaft als Fahenträger ins Stadion. Sportlich läuft es zwar nicht gut für die Basketballer, aber diese Erinnerung bewegt ihn noch heute © Getty Images

„Giannis hat kein Limit, genau wie Dirk“, schwärmte Bucks-Coach Jason Kidd, früher Nowitzkis Teamkollege, einst: „In Dallas hat uns Dirk mit auf eine Reise genommen, von der niemand wusste, wo sie endet. Giannis ist aus dem gleichen Holz. Er ist so variabel. Und er hat wie Dirk den unbedingten Willen zu gewinnen.“

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Antetokounmpo wählt den harten Weg

Antetokounmpo reagierte verlegen: „Oh Mann, Dirk Nowitzki ist für mich der beste Europäer, den es jemals gab. Was Dirk für die NBA und die Dallas Mavericks geleistet hat, ist unglaublich.“

Ähnlich Unglaubliches leistete Antetokounmpo nun auch für Milwaukee und belohnte sich für seine Loyalität mit dem größten Triumph.

Antetokounmpo: "Der Nowitzki der Bucks!"

„Ich hätte zu einem Superteam wechseln können, aber das ist der leichte Weg“, sagte Giannis einmal: „Das hier ist der harte Weg, ich wollte es genau so.“