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Formel 1: Hat Mazepin Schumachers Leben gefährdet? Das sagt der Haas-Boss

Mazepin-Ärger: So sieht's Berger

AvD Motor & Sport Magazin mit Gerhard Berger und Christian Danner

Wie gefährlich war die Aktion von Mazepin gegen Schumacher in Baku? Bei SPORT1 ordnen Gerhard Berger und Christian Danner ein, Boss Steiner äußert sich.

Das Manöver von Nikita Mazepin gegen Mick Schumacher beim Rennen in Baku hat die Gemüter erregt. (Rennkalender der Formel 1 2021)

Mazepin zog in Baku bei über 300 km/h gegen den überholenden Schumacher leicht nach rechts. Es folgte teils heftige Empörung über die Aktion. Mick Schumacher stellte die Frage, ob Mazepin ihn "umbringen" hätte wollen. Onkel Ralf Schumacher forderte bei SPORT1 sogar ein Rennen Sperre für den Russen.

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Im AvD Motor und Sport Magazin auf SPORT1 bewerteten nun auch Formel-1-Legende Gerhard Berger und Experte Christian Danner die Aktion - und urteilten milder.

Auch Haas-Teamchef Günther Steiner hat inzwischen seine Sicht der Dinge erläutert.

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Gerhard Berger: "Bei uns ganz normal"

"Ich denke, es war im Endeffekt nicht zu gefährlich, sondern einfach die Emotion, die dabei ist wegen der hohen Geschwindigkeit", erklärte Steiner im Gespräch mit RTL/ntv.

Auch DTM-Boss Berger ordnete die Empörung über Mazepin als übertrieben ein. "Bei uns war das ganz normal", meinte der Österreicher mit Blick auf seine aktiven Zeiten: "Der Vordermann hat sich immer breit gemacht. Damals war das aber auch erlaubt oder es gab keine Kameras. Nur: Wenn es die Regeln verletzt hätte, hätten die Rennkommissare reagiert und es es eine Strafe gegeben. Die gab's nicht, also wird alles im Rahmen geblieben sein."

Ähnlich sah es Danner, der meinte, es wäre auch etwas naiv von Schumacher gewesen, wenn er gedacht hätte, "du kannst in der letzten Runde deinen Teamkollegen überholen und der blinkt und fährt zur Seite".

Berger betonte zugleich aber auch, dass Schumacher schon bewiesen hätte, dass er Mazepin überlegen sei: "Mick hat klar gezeigt, dass er Mazepin im Griff und sich in die Position der Nummer eins gearbeitet hat. Mick hat die Schumacher-Gene. Das sieht man. Mazepin wird Mick Schumacher nicht schlagen. Trotzdem macht Mazepin seinen Job. Er macht seine Fehler, wie jeder andere auch. Man muss ihm schon eine Chance geben."

Steiner: "Beide müssen davon lernen"

Der sowohl von Berger als auch Danner als kluger Boss gelobte Steiner hat als Konsequenz nach dem Rennen das Gespräch mit seinen Piloten gesucht. "Ich habe mit beiden gesprochen, denn solche Sachen muss man vermeiden. Wenn es schiefgeht, geht es ordentlich schief", stellte der 56-Jährige klar. "Wir haben alles geklärt. Sie müssen beide davon lernen, wie man darauf reagiert." 

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Von einer "lebensgefährlichen" Situation wollte der Haas-Chef jedoch nicht sprechen. "Ich sage einfach: Das ist die falsche Einstellung", sagte Steiner. Er sieht es zudem positiv, dass sich Mazepin sofort entschuldigt hat.

"Bevor er die Videoaufnahmen gesehen hat, hat er es anders wahrgenommen. Das war eine Fehleinschätzung. Und das war's dann. Wenn Verständnis da ist bei solchen Sachen, muss man sie gehen lassen, man kann nicht darauf rumhacken. Sonst wird es nicht verarbeitet. Man muss irgendwann sagen: 'Wir haben darüber gesprochen, die Luft ist geklärt, let's move on.'"

Es ist vollbracht! Mick Schumacher hat seinen ersten Sieg in der Formel 2 gefeiert. Der 20-Jährige gewann am 4. August 2020 den 16. Saisonlauf im Unterbau der Königsklasse nach einer souveränen Vorstellung von der Pole Position
Es ist vollbracht! Mick Schumacher hat seinen ersten Sieg in der Formel 2 gefeiert. Der 20-Jährige gewann am 4. August 2020 den 16. Saisonlauf im Unterbau der Königsklasse nach einer souveränen Vorstellung von der Pole Position © Getty Images
Schumacher blieb fehlerlos und sicherte den Sieg letztlich mit 1,4 Sekunden Vorsprung auf den Japaner Nobuharu Matsushita. Das zuvor beste Ergebnis war dem Sohn von Michael Schumacher Ende Juni in Österreich mit Platz vier nach einer Aufholjagd gelungen © Imago
Zuletzt hatte Schumacher für ein weiteres Highlight gesorgt. Im Weltmeister-Ferrari F2004 seines Vaters drehte Deutschlands Rennsport-Nachwuchshoffnung drei Runden am Hockenheimring. Dabei sorgte er für große Emotionen © Getty Images
"Es war unglaublich, cool. Ich war richtig nostalgisch, in diesem Auto zu sitzen", sagte der 20-Jährige nach der Showeinlage. "Ich hoffe, dass ich in der Formel 1 hier oder irgendwo anders in Deutschland noch fahren kann" © Getty Images
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In der vorangegangenen Saison fuhr der 20-Jährige in der Formel 3 diverse Siege ein und schnappte sich am Ende die Meisterschaft. Im Anschluss verkündete sein Prema-Racing-Team, dass Schumacher 2019/20 in der Formel 2 startet © SPORT1-Grafik: Heinemann/ Knigge/ Getty Images/ Picture Alliance
Nach dem Triumph in der Formel 2 in der Saison 2020 lautet der nächste logische Schritt: Königsklasse. Ab 2021 ist es so weit. Die Formel 1 hat wieder einen Schumacher. SPORT1 zeigt die Karriere des Senkrechtstarters in Bildern © SPORT1-Montage: Veith Nurtsch/Getty Images/iStock
Bevor der Schumi-Spross im professionellen Motorsport seinen Platz findet, sorgt er auf der Kartbahn für Furore. Um Medien-Trubel zu vermeiden, tritt er aber nicht unter seinem echten Namen an, sondern fährt unter dem Pseudonym "Mick Betsch" - dem Mädchennamen seiner Mutter Corinna © imago
2013 belegt er bei der deutschen Junioren-Kartmeisterschaft den dritten Platz. Im Jahr darauf fährt er unter dem Namen "Mick Junior" bei internationalen Meisterschaften. Bei EM und WM wird er jeweils Zweiter © imago
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2015 erscheint der damals 16-Jährige erstmals auf der ganz großen Bildfläche. Mit dem Namenszug "M. Schumacher" auf dem Overall startet er für Van Amersfoort Racing in der ADAC Formel 4 © Getty Images
Bei seinem ersten Rennen in Oschersleben kommt er als Neunter ins Ziel und sammelt direkt die ersten Punkte. Nach dem Rennen wird er als Bester Rookie ausgezeichnet. Im dritten Rennen des Wochenendes gelingt Schumacher vom zweiten Platz startend direkt der erste Sieg © Getty Images
Anfang 2016 wechselt Mick Schumacher zum Prema Powerteam. In Misano gewinnt er die ersten beiden Saisonrennen in der italienischen Formel 4. Es folgen weitere Siege. Mit 16 Punkten Rückstand wird er in der Meisterschaft Zweiter hinter Marcos Siebert © Getty Images
In der deutschen Formel-4-Serie darf sich Schumacher über Siege freuen. Ganze fünf Mal steht er am Ende ganz oben. Auch in dieser Meisterschaft steht Rang zwei in der Gesamtwertung © Getty Images
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2016/17 sieht man Schumacher in einer weiteren Serie siegen. In der MRF Challenge Formel 2000 bestreitet er erstmalig die gesamte Saison. In Bahrain gewinnt er zwei von vier Rennen. Nach Rang drei in der Endabrechnung wechselt er innerhalb des Teams in die Formel 3 - im legendären Benetton seines Vaters macht er auch eine gute Figur © Getty Images
In seiner ersten Saison läuft es jedoch noch nicht wie gewünscht. Ein dritter Platz in Monza ist sein einziger Podestplatz der Saison. Anders als seine Teamkollegen, die dank Siegen am Ende auf den Plätzen drei und vier landen, muss sich Schumacher mit Platz zwölf begnügen. Helfen die Tipps von Kimi Räikkönen? © Getty Images
2018 läutet Schumacher seine zweite Saison in der Formel 3 ein. Mit Prema Theodore Racing gewinnt er in Spa sein erstes Rennen in dieser Serie. Nach weiteren Erfolgen gelingt es ihm, auf dem Nürburgring alle drei Umläufe für sich zu entscheiden. Sein Bekanntheitsgrad steigt - Dirk Nowitzki lädt ihn zu seinem Charity-Fußballspiel ein © Getty Images
Während er zwei Rennwochenenden vor Saisonende noch auf Rang zwei liegt, dreht er in Spielberg auf und übernimmt die Führung von Daniel Ticktum. Weil er diese bis zum Schluss nicht mehr hergibt, gewinnt er den ersten Meistertitel im professionellen Rennsport. Mama Corinna ist mächtig stolz © imago
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Nach dem letzten Rennen verkündet das Prema Powerteam, dass Schumacher in der kommenden Saison in der nächsthöheren Formel 2 an den Start gehen wird. Damit bleibt er seinem Team auch weiterhin erhalten © Getty Images
Neben seinem Engagement in der Formel 2 wird Schumacher in der "Ferrari Academy" als Simulatorpilot anheuern und zudem ausgewählte Testfahrten absolvieren. Der erste Schritt in die Königsklasse © Getty Images
Bei seinem Debüt in der Formel 2 sammelte er erste gute Erfahrungen. Schumacher fährt auf die Plätze acht und sechs, am Sonntag steht er in seinem zweiten Rennen sogar auf der Pole Position. Große Fehler leistet er sich nicht, die fehlende Erfahrung im 620-PS-starken Boliden macht sich aber bemerkbar © Getty Images
Am 02. April 2019 steigt Mick Schumacher erstmals in einen Ferrari. Um 9.10 Uhr Ortszeit dreht Schumacher in Bahrain seine erste offizielle Runde in einem Formel-1-Boliden © Getty Images
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Fokussierter Blick: Schumacher legt los - zwölf Jahre und vier Monate nach dem letzten Rennen seines Vaters Michael. Das Medieninteresse ist sehr groß. Schumacher gehört seit Mitte Januar zur Ferrari Driver Academy © Getty Images
Schumacher fährt im Cockpit des Ferrari SF90, dem Dienstwagen von Sebastian Vettel und Charles Leclerc. Eine Gratulation zum Debüt in der Königsklasse schickt Ferraris Rivale Mercedes. "Das ist ziemlich cool", schreibt das Weltmeisterteam bei Twitter: "Es ist etwas Besonderes, den Namen Schumacher wieder auf einem Formel-1-Auto zu sehen" © Getty Images
Schumacher absolviert bei seiner Premiere 56 Runden. In der Tageswertung landet er sogar auf den zweiten Platz. Der Auftritt bei den Testfahrten in Bahrain sei "ein Werbespot für die Zukunft" gewesen, schreibt die "Gazzetta dello Sport", der Deutsche sei als "Symbol und Hoffnungsträger" auf die Strecke gegangen © Getty Images
Einen Tag später sitzt er für Alfa Romeo am Steuer. Alfa Romeo, das frühere Sauber-Team, arbeitet eng mit Motorenlieferant Ferrari zusammen. Schumacher verkauft sich erneut teuer und fährt die sechstschnellste Zeit © Getty Images
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Gemeinsam mit Dirk Nowitzki organisiert er erneut das Benefizspiel "Champions for Charity". Die Nowitzki All Stars unterliegen Schumacher & Friends in Leverkusen mit 5:7 (3:4), Schumacher trifft einmal © Getty Images
Am 27. Juli darf Schumacher dann erneut im Formel-1-Boliden sitzen. In Hockenheim fährt er im Ferrari seines Vaters Michael. Er genießt das kurze Erlebnis in vollen Zügen: "Den Motor zu spüren, die Vibration – da war so viel Energie" © Getty Images
Am 4. August folgt der Premierensieg in der Formel 2 am Hungaroring. In der Gesamtwertung klettert Schumacher mit nun 45 Zählern auf den elften Platz und bestätigt seine derzeit gute Form © Imago
Nach einer zuvor sieben Rennen währenden Durststrecke fährt der Prema-Rookie in vier der vergangenen fünf Rennen Punkte ein. Das Ziel ist klar: Die Formel 1. "Ob es schon nächstes Jahr klappt oder in zwei oder drei Jahren - wenn es soweit ist, will ich auf jeden Fall bereit sein" © Getty Images
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Im Dezember 2020 wird Schumacher Formel-2-Champion. Der zweimalige Saisonsieger war mit 14 Punkten Vorsprung auf den Briten Callum Ilott in das letzte Rennen in Bahrain gegangen. Dort reichte ihm Rang 18, weil Ilott nicht über Rang elf hinauskam © Imago
Nach dem Gewinn der Formel-3-Europameisterschaft 2018 ist es der nächste Titel auf seinem Weg nach oben. "Es war kein ideales Rennen, aber wir haben genug geleistet in diesem Jahr, um Meister zu werden", sagt Schumacher anschließend © Imago
Schumacher ist der vierte deutsche Champion in der Formel 2 nach Nico Rosberg (2005), Timo Glock (2007) und Nico Hülkenberg (2009). Vier Tage vor seinem letzten Rennen wird bekannt, dass er im darauf folgenden Jahr in der Formel 1 für das Haas-Team fahren wird © Imago
Dort muss und kann er vorerst keine Rennen gewinnen, die Ziele sind andere. "Ich will mich als Fahrer weiter verbessern und mich so gut wie möglich integrieren", sagt der 21-Jährige © Imago
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Nach den Testfahrten in Bahrain sieht sich Schumacher zwei Wochen vor dem Saisonauftakt gerüstet. "Es hat einfach Spaß gemacht. Ich fühle mich gut, ich fühle mich bereit", sagt er © Imago
Schumachers oberstes Ziel dürfte es in der Saison 2021 sein, seinen russischen Teamkollegen Nikita Mazepin in der Fahrerwertung hinter sich zu lassen © Imago

Mick Schumacher sauer am Boxenfunk

Mick Schumacher selbst war am Boxenfunk direkt nach dem Rennen mächtig sauer auf seinen Teamkollegen, wütete am Funk: "Was zur Hölle war das? Ehrlich? Im Ernst? Will er uns umbringen?"

Für diese emotionalen Worte zeigte Steiner durchaus Verständnis. "Ich kann auch einschätzen, wenn so etwas passiert auf der Geraden mit über 300 km/h, dass da die Emotionen mitgehen."

Danach sei Schumacher jedoch wieder heruntergefahren und habe "sich angehört, was Nikita zu sagen hatte und hat das respektiert".

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Steiner erwartet keine Strafe für Mazepin

Nach dem Rennen sei Schumacher "wie immer sehr professionell, sehr ordentlich, sehr erwachsen für einen 22-Jährigen" aufgetreten. Von einer Strafe für Mazepin geht Steiner nicht aus. Rennleiter Michael Masi werde sicher das gleiche sagen wie er.

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"Mit beiden sprechen und sie werden klären, wie es dazu kommen kann. Ich glaube, das war es dann. Eine Strafe kann keine kommen im Nachhinein. Er wird beiden die Konsequenzen erklären und sich anhören, was die Jungs zu sagen haben", sagte Steiner.