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Bundesliga: Der 1.FC Köln hat mit Steffen Baumgart einen neuen Hoffnungsträger

Baumgarts Statement ist stark

"Emotionaler Leader": Baumgart wird Köln-Trainer

Steffen Baumgart wird in der kommenden Saison Trainer des 1.FC Köln. Für SPORT1-Kommentator Markus Höhner ist das die erste gute Personalentscheidung des FC seit langem.

In schwierigen Zeiten endlich mal eine positive Nachricht für die Fans des 1. FC Köln. Der FC hat sich mit Steffen Baumgart einen Trainer geschnappt, der auch bei anderen Klubs hoch im Kurs stand. Er erscheint mir als Ideallösung für die Kölner, egal ob Neuanfang in der zweiten oder in der ersten Liga.

Verwundert hat mich, dass es so lange gedauert hat und parallel vor versammelter Öffentlichkeit - typisch Köln - mit Peter Stöger geliebäugelt wurde. In dieser Zeit kamen, zum Beispiel mit dem HSV, neue Kandidaten dazu, die für Baumgart durchaus auch eine Option hätten werden können.

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Baumgart tut Heldts Image gut 

Und so schafft Kölns Geschäftsführer Sport Horst Heldt nun aber einen Deal, der seinem ramponierten Image ein wenig gut tut. Denn bis auf die Verpflichtung von Friedhelm Funkel als Rettungssanitäter lag Heldt im letzten Jahr mit seinen Entscheidungen in den allergrößten Teilen dramatisch daneben.

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Seine schlimmste und saisonprägende Entscheidung war die grundlose Nibelungentreue zu Coach Markus Gisdol. Der beendete schon die letzte Saison in seinem trainertypischen Mechanismus (erst Retter, dann Absturz) mit zehn sieglosen Spielen.

Aus meiner Sicht hätte ein Sportdirektor mit Weitsicht schon zu diesem Zeitpunkt die Trennung vollzogen. Ich habe genau das im Juli letzten Jahres an dieser Stelle hinterlegt. 

Dass Heldt den ohnehin bis 2021 laufenden Vertrag ohne jede Not und ohne jeden nachvollziehbaren Grund bis 2023 verlängerte, grenzte aus meiner Sicht an vereinsschädigendes Verhalten. Bis heute frage ich mich allerdings auch, wie die zuständigen Gremien im Verein diesen Deal absegnen konnten.

Diese Entscheidung war nicht nur fahrlässig schlecht, sondern sicher auch teuer. Öffentlich präsentierte er sich danach als Nachbar und Kumpel seines Trainers, der ihn regelmäßig zu Schnitzel und Kartoffelsalat empfing. Sie ließen es sich schmecken, während der Verein immer mehr abstürzte. Viel zu lange hielt Heldt an Gisdol fest. 

Fehler in der Kaderplanung

Hinzu kommt seine Kaderplanung für die laufende Saison, konkret in Sachen Offensive. Simon Terodde wurde nahezu überheblich vom Hof gejagt, Anthony Modeste pendelte zwischen Verletzung, fehlendem Vertrauen und finaler Abschiebung, der geholte Tolu Arokodare war nicht bundesligatauglich und der einzige noch gebliebene Stürmer Sebastian Andersson fehlte dauerverletzt.

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Und so rutschte der FC sturm- und harmlos immer tiefer in den Schlamassel. Heldts Wintertransfers mit Dennis und Max Meyer gingen dann auch noch völlig in die Hose. Nun punktet er mit Baumgart. Mit ihm holt Heldt einen Trainer, der als Typ und Persönlichkeit durch seine authentische Art im Umfeld schnell Zustimmung finden wird.

Passend zum Charaktertyp Baumgart, dass er diesen Schritt ligaunabhängig geht. Dieses Bekenntnis zur Lust auf seinen neuen Klub ist ein starkes Statement, und genau das habe ich ihm zugetraut. Baumgart ist nicht nullachtfünfzehn, er geht seinen eigenen geradlinigen Weg. Wer ihn besser kennenlernen will, sollte wirklich mal reinhören in den Podcast der Kroos-Brüder "Einfach mal Luppen", Episode 35, "Steffen Baumgart"

Köln hat einen neuen Hoffnungsträger

Bleibt der Fußball Marke Baumgart. Ich sage immer: Er lässt so spielen, wie er selber als Spieler spielte - laufintensiv, schnell, offensiv, geradlinig zum Tor mit ganz viel Vollgas. Köln wird seinen Kader, egal ob für Liga eins oder zwei, auf Baumgarts Spielweise anpassen müssen. (Auch interessant: Baumgart im Interview mit SPORT1)

Ob es ihm dabei gelingen kann, den nach Leihe zurückkehrenden Modeste zu reanimieren, wird eine spannende Frage. Für den FC wäre es wünschenswert, denn er ist brach liegendes Tore-Kapital. Fakt ist aber sicher, dass der künftige Kader nicht mehr so sturmfrei sein wird, wie er es in dieser Spielzeit war.

Ich denke, Köln darf sich auf Baumgarts Spielstil freuen und auf einen Trainer mit ganz viel Leidenschaft. In Baumgarts Worten klingt das so: "Das ist doch das, was die Leute sehen wollen. Da musst Du alles dransetzen, dass die Leute zufrieden sind, dass sie glücklich sind, dass sie nach Hause gehen und sagen "boah, die Jungs haben alles rausgehauen, wat für ein geiler Auftritt!".

Köln hat einen neuen Hoffnungsträger! Jetzt geht's drum, in welcher Liga er beginnt.

Markus Höhner, der Autor dieses Textes, wechselte 2003 von ran SAT1 Fußball zum damaligen DSF. Er kommentierte viele Jahre die Montagsspiele der zweiten Liga und war über zehn Jahre Nationalmannschafts-Reporter. Für SPORT1 kommentierte er die Spiele der UEFA Europa League, aktuell kommentiert er die Bundesliga-Zusammenfassungen und die Livespiele des DFB-Pokals. Höhner kommentiert zudem die Spiele der 3. Liga für MagentaSport und ist Teil des Podcasts "Audiobeweis - der 3. Liga Podcast".