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Fußballtrainer-Podcast "Leadertalk" von Mounir Zitouni mit Helmut Schulte

Schulte: Empathie ist der Schlüssel

Helmut Schulte stieg bereits als 30 Jahre alter Trainer mit dem FC St. Pauli auf

Helmut Schulte stieg bereits als 30 Jahre alter Trainer mit dem FC St. Pauli auf © Imago

Helmut Schulte gelang mit dem FC St. Pauli der Aufstieg. Im Podcast "Leadertalk“ bespricht Schulte mit Autor Mounir Zitouni die wichtigsten Trainer-Eigenschaften.

Mit 30 Jahren Chef einer gestandenen Zweitliga-Mannschaft? Helmut Schulte hat gezeigt, dass es geht. Beim FC St. Pauli.

Der heute 63-Jährige erinnert sich im SPORT1-Podcast "Leadertalk - Fußballtrainer im Gespräch": "Ich hatte 1988 von nix eine Ahnung. Alles war neu und ich war nicht vertraut mit den Dingen im Profifußball. Die Mannschaft hat mir damals geholfen und wir sind in meiner ersten Trainersaison in die Bundesliga aufgestiegen. Das war 1988. Wenn ich das heute erzähle, dann fragen die Leute: Gab es da schon Fußball?"

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Damals für ihn wichtig - der Zugang zu den Spielern: "Ich habe eine gut entwickelte Empathie. Ich kann mich in Menschen hineinversetzen. Es gab es nicht, dass ein Spieler nicht im Kader war und ich nicht mit ihm vorher darüber gesprochen habe. Das waren keine schönen Gespräche, aber ich habe es immer gemacht. Ich habe es immer hingekriegt, mich unter vier Augen hinzusetzen und Entscheidungen zu verkünden."

Haben es Fußballer heute leichter?

Ein wichtiger Aspekt, weil die Spielergeneration sich verändert hat. "Die Profis von heute haben nicht mehr diese Resilienz, diese Widerstandsfähigkeit, Hürden zu überwinden. Das Leben ist viel, viel einfacher geworden. Heute hat man viel mehr Hilfe. Und deshalb sind sie heute nicht mehr so widerstandsfähig, wenn sie zusammengeschrien werden, wenn sie beleidigt werden, was früher Trainer, die erfolgreich waren, ja durchaus gemacht haben."

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Deshalb sagt Schulte: "Heute muss man eine empathische Person sein, die konstant dazulernt, die selbst auch zum Lernen anregt, Ideen von Spielern teilweise auch fördert und die Bedürfnisse der Spieler und Mitarbeiter im Blick hat. Wenn man so agiert, dann ist die Erfolgswahrscheinlichkeit größer."

Schulte: "Mit Angst arbeiten"

Für Schulte ist klar, dass "Empathie der Schlüssel für den Erfolg eines Trainers ist. Früher war das nicht so notwendig, um erfolgreich zu sein. Es gibt auch noch heute autoritäre Trainer, die ihr Ding durchziehen, die mit Angst arbeiten. Die haben aber eine viel kürzere Halbwertzeit und werden immer weniger."

Er ist überzeugt: "Wenn der Spieler keine Wertschätzung erfährt, dann wird man auch weniger Werte schöpfen können."

Deshalb achtete Schulte in leitenden Funktionen bei der Trainerauswahl auch darauf: "Ich brauche eine Persönlichkeit, eine Führungspersönlichkeit, eine natürliche Autorität. Ein Mensch, der sich selber führen kann, damit er andere führen kann. Das ist für mich das Wichtigste. Das andere ist Handwerk. Das kann man sich heute beibringen."

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Schulte von Heynckes beeindruckt

Jupp Heynckes hat ihn dahingehend am meisten beeindruckt.

Ihn hatte er in seiner Zeit zwischen 2003 und 2004 auf Schalke erlebt, als er selbst die Nachwuchsabteilung dort leitete: "Heynckes war der professionellste Trainer, den ich auf Schalke erlebt habe. Wie er auf Schalke mit Menschen umgegangen ist, das war Sir Jupp. Vernünftig, mit Respekt, eine natürliche Autorität, mit Zugewandtheit, einer Empathie, interessiert an den Mitarbeitern, aber auch eine klare Vorstellung, was er will, und er war in der Lage, Menschen zu führen."

Mounir Zitouni (50) war von 2005 bis 2018 Redakteur beim kicker und arbeitet seit dem 1. Januar 2019 als Businesscoach, betreut Sportler, Trainer und Führungskräfte in punkto Auftreten, Kommunikation und Persönlichkeitsentwicklung. Der ehemalige Profifußballer (OFC, SV Wehen, FSV Frankfurt, Esperance Tunis) hat zuletzt die Autobiographie von Dieter Müller verfasst und veröffentlicht regelmäßig eine Kolumne auf www.sport1.de.