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Manchester United: Konflikt der Fans mit der Glazer-Familie - um Milliarden

Der Kampf um die Seele einer Legende

"Fuck Off, Glazers!" Das steckt hinter dem United-Platzsturm

Manchester United befindet sich in einer Identitätskrise - das zeigen die Ausschreitungen. Der Krieg gegen die Glazers hat viele Gründe. Hilft die Regierung?

Der Name hat überall auf der Welt einen ganz besonderen Klang: Manchester United.

Kaum jemand auf diesem Planeten hat noch nicht von dem Phänomen gehört, das weit mehr als ein Fußballverein ist. Schon 2018 kam eine Studie von Bloomberg zu dem Schluss, Englands Rekordmeister habe eine weltweite Anhängerschaft (wohl eher "Follower") von 659 Millionen oder knapp neun Prozent der Weltbevölkerung.

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Bobby Charlton, Sir Alex Ferguson, Ryan Giggs, David Beckham oder Cristiano Ronaldo machten den schon 1878 gegründeten Klub, der als einer von nur fünf alle Europapokale gewinnen konnte, zum Mythos.

Nicht erst der schockierende Sturm des Old Trafford am Sonntag machte aber deutlich, dass sich ManUnited in einer Identitätskrise befindet, die beispielhaft für den europäischen Fußball steht - es geht um nichts weniger als die Seele einer Legende.

ManUnited - seit jeher zwischen Tradition und Kommerz

Die aktuellen Proteste entzündeten sich an der inzwischen vorläufig beerdigten Super League und der Glazer-Familie, die United im Jahr 2005 übernahm.

Dabei steht der Verein jedoch schon deutlich länger für den schwierigen Spagat zwischen Tradition, Fan-Nähe, sportlichen Erfolgen und Wirtschaftlichkeit in einer zunehmend globalen Welt.

Immerhin war Manchester United schon 1991 als zweiter Fußballklub überhaupt an die Londoner Börse gegangen, schon früh stellte man sich mit internationalen Reisen oder passenden Verpflichtungen wie der des Koreaners Ji-Sung Park für neue Märkte auf.

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Ferguson macht Weg für Glazers frei

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet der so vergötterte Erfolgstrainer Alex Ferguson letztlich dafür sorgte, dass der Verein in die Fänge der Glazers geriet.

Weil er sich mit den irischen Geschäftsmännern John Magnier und J.P. McManus wegen eines Rennpferdes ("Rock of Gibraltar") überwarf und das Duo ihn als Manager entlassen wollte, suchte der Klub Abnehmer für die 28,7 Prozent der Anteile Magniers und McManus'. Malcolm Glazer schlug zu und gewann so die Kontrolle.

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Das Geld für die Übernahme hatte er sich geliehen und legte die Kredite sofort auf den bis dahin völlig schuldenfreien Klub um - das verziehen ihm vor allem die treuen Anhänger nie. Über Nacht hatte der Verein Verbindlichkeiten in Höhe von mehr als 600 Millionen Euro.

Welcher Klub ist der wertvollste? Laut der Untersuchung "The European Elite 2019“ des Wirtschaftsprüfungsunternehmen KPMG hat sich an der Spitze einiges getan. Vor einem Jahr stand noch Manchester United in der Rangliste ganz oben. Der FC Bayern verbessert sich um einen Rang
Welcher Klub ist der wertvollste? Laut der Untersuchung "The European Elite 2019“ des Wirtschaftsprüfungsunternehmen KPMG hat sich an der Spitze einiges getan. Vor einem Jahr stand noch Manchester United in der Rangliste ganz oben. Der FC Bayern verbessert sich um einen Rang © Getty Images
Den Wert eines Klubs berechnet KPMG unter Berücksichtigung verschiedener Faktoren, wie etwa Marktwerte der Spieler, Wirtschaftlichkeit, sportliches Potenzial sowie auch Social-Media-Follower. SPORT1 zeigt die 32 wertvollsten Klubs © Getty Images
32 - GALATASARAY ISTANBUL: 246 Millionen Euro © Getty Images
31 - VILLARREAL CF: 247 Millionen Euro © Getty Images
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30 - CELTIC GLASGOW: 252 Millionen Euro © Getty Images
29 - AS MONACO: 255 Millionen Euro © Getty Images
28 - LAZIO ROM: : 297 Millionen Euro © Getty Images
27 - AJAX AMSTERDAM: 315 Millionen Euro © Getty Images
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26 - BENFICA LISSABON: 333 Millionen Euro © Getty Images
25 - ATHLETIC BILBAO: 336 Millionen Euro © Getty Images
24 - FC SEVILLA: 352 Millionen Euro © Getty Images
23 - BESIKTAS ISTANBUL: 383 Millionen Euro © Getty Images
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22 - OLYMPIQUE LYON: 463 Millionen Euro © Getty Images
21 - AS ROM: 516 Millionen Euro © Getty Images
20 - FC EVERTON: 543 Millionen Euro © Getty Images
19 - AC MAILAND: 555 Millionen Euro © Getty Images
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18 - SSC NEAPEL: 569 Millionen Euro © Getty Images
17 - WEST HAM UNITED: 578 Millionen Euro © Getty Images
16 - LEICESTER CITY: 633 Millionen Euro © Getty Images
15 - INTER MAILAND: 692 Millionen Euro © Getty Images
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14 - FC SCHALKE 04: 765 Millionen Euro © Getty Images
13 - ATLÉTICO MADRID: 1,004 Milliarden Euro © Getty Images
12 - BORUSSIA DORTMUND: 1,085 Milliarden Euro © Getty Images
11 - PARIS SAINT-GERMAIN: 1,351 Milliarden Euro © Getty Images
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10 - JUVENTUS TURIN: 1,584 Milliarden Euro © Getty Images
9 - TOTTENHAM HOTSPUR: 1,679 Milliarden Euro © Getty Images
8 - FC ARSENAL: 2,008 Milliarden Euro © Getty Images
7 - FC LIVERPOOL: 2,095 Milliarden Euro © Getty Images
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6 - FC CHELSEA: 2,227 Milliarden Euro © Getty Images
5 - MANCHESTER CITY: 2,46 Milliarden Euro © Getty Images
4 - FC BARCELONA: 2,676 Milliarden Euro © Getty Images
3 - FC BAYERN MÜNCHEN: 2,696 Milliarden Euro © Getty Images
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2 - MANCHESTER UNITED: 3.207 Milliarden Euro © Getty Images
1- REAL MADRID: 3.224 Milliarden Euro © Getty Images

Infrastruktur Manchester-United-unwürdig

Mehr als 4.000 Anhänger wandten sich 2005 ab und gründeten den FC United of Manchester, der demokratisch von den mittlerweile rund 5.500 Mitglieder geleitet wird und in der sechsten Liga spielt. (Tabelle der Premier League)

Zwar wurde unter der Regie der Glazers der Ausbau des Old Trafford auf 74.000 Plätze fertiggestellt, seit 2006 wurde das "Theatre of Dreams" aber nicht mehr modernisiert (wie jeder normalgroße Erwachsene, der schon einmal zu Gast war, bestätigen kann), das Trainingszentrum galt 2000 als eines der besten der Welt - heute ist es bestenfalls noch Premier-League-Durchschnitt.

Das neue und schon sehr erfolgreiche Frauen-Team spielt in einem Rugby-Stadion 20 Kilometer entfernt - ein heutzutage bei Top-Klubs übliches "Mini-Stadion" oder einen Campus gibt es nicht.

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Seit 2005 1,2 Milliarden aus dem Klub gezogen

Im Gegensatz zu anderen Besitzern wie Roman Abramovich beim FC Chelsea oder den Scheichs von PSG oder ManCity investieren die Glazers nämlich nicht, sondern ziehen Profit aus dem Verein.

Proteste gegen Super League: Hier stürmen die United-Fans das Stadion

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Seit 2005 sind ca. 1,2 Milliarden Euro aus dem Klub geflossen - das meiste als Zinsen oder Dividenden. In etwa so viel haben die Eigner von Lokalrivale City seit 2008 in den Klub gepumpt.

Dass die Glazers nun in einer Nacht- und Nebelaktion auch noch den letzten Teil der Seele des stolzen Klubs an die Super League verscherbeln wollten, um noch mehr Geld zu verdienen - ohne auch nur die kleinste Rücksprache oder ein Feedback der Fans - brachte das Fass zum Überlaufen.

Schließlich hatte Malcolms Sohn Joel Glazer 2005 beim hauseigenen TV-Sender Transparenz und Kommunikation versprochen - der Rückzug aus der Super League war sein erstes Statement an die Fans seit 16 Jahren.

United-Fans fordern 50+1 - Hoffnung auf Johnson

Aber was können die Anhänger und ihre Hauptorganisation MUST (Manchester United Supporter's Trust) überhaupt tun?

Die Glazers werden ihren Goldesel nicht verkaufen, solange man regelmäßig in der Champions League spielt, rollt der Rubel. Dass seit Fergusons Rückzug (2013) keine Meisterschaft gewonnen wurde, kümmert sie nicht. (Spielplan und Ergebnisse der Europa League)

Die Fans wollen die aus Deutschland bekannte 50+1-Regel durchdrücken, die Petition für ein entsprechendes Gesetz im Vereinigten Königreich hat bereits über 100.000 Unterschriften. Für Premierminister Boris Johnson, der die Super League bereits öffentlichkeitswirksam verdammt hatte, wäre es eine Möglichkeit, die Unterstützung von Millionen von Fußball-Fans zu gewinnen.

Allerdings müssten dann die Glazers und Abramovichs ihre Entscheidungsgewalt abgeben und würden vielleicht ihr Interesse am Fußball verlieren. Wirtschaftliche und sportliche Probleme könnten die Folge für die Premier League sein.

Der Kampf um die Seele des Fußballs wird weitergehen - nicht nur in Manchester.