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Snooker: Die tragische Geschichte von Weltmeister Mark Selby

Tragische Story eines Weltmeisters

Mark Selby ist neuer Snooker-Weltmeister

Mark Selby ist neuer Snooker-Weltmeister © Imago

Er wuchs in Armut auf, musste Schicksalsschläge hinnehmen, litt an Depressionen und einer schweren Corona-Zeit: Nun ist Snooker-Star Mark Selby am Gipfel.

Mark Selby nahm Töchterchen Sofia in die Arme, dann präsentierte er den so lange vermissten Fans stolz den WM-Pokal.

Mit der Krönung zum Snooker-Weltmeister schöpfte nicht nur der einst an Depressionen leidende Selby neue Hoffnung, sondern auch der gesamte englische Sport. Erstmals seit einem Jahr fand am Montag ein Sportereignis vor ausverkauftem Haus statt - und das sogar in der Halle.

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"Das war ein historischer Abend. Der Sport ist endlich zurück", schrieb die Zeitung The Sun nach dem Finale in Sheffield. Knapp 1000 Fans saßen im Crucible Theatre - mit Maske - Schulter an Schulter.

Erstmals seit März 2020, als 69.000 Zuschauer kurz vor dem Corona-Lockdown die Pferderennen in Cheltenham besuchten, war bei einem englischen Sportevent kein Ticket mehr zu haben.

Snooker-Stars berichten von Depressionen

Auch die Snooker-Stars litten: Über Monate fanden fast alle Turniere in einer "Bubble" in der am Reißbrett entworfenen Stadt Milton Keynes statt, fern der Familien. Mehrere Spieler berichteten von Depressionen.

Auch der neue Weltmeister Selby hat mit dem Thema seine Erfahrungen gemacht. "Hinter mir liegen dunkle, dunkle Jahre. Meine Familie weiß Bescheid", sagte der 37-Jährige nach dem Gewinn seiner insgesamt vierten WM-Trophäe.

Als Selby acht Jahre alt war, verließ seine Mutter die Familie. Bis heute hat er nur über seinen Bruder Kontakt zu ihr. Acht Jahre später starb dann sein Vater David, sein großer Förderer und Freund, an Krebs. Damals habe er an Selbstmord gedacht, verriet er einmal. Sein Ruf als "Jester from Leicester", als "Spaßvogel aus Leicester": Es ist auch seine Art, die persönlichen Schatten zu überspielen.

Selby "wie ein Snooker-Vampir"

An die erinnerte er nach dem WM-Finale. "Mir wurde in meiner Karriere nichts geschenkt. Ich bin in einer Sozialwohnung aufgewachsen, mein Vater hatte kein Geld, meine Mutter hat uns verlassen. Es war hart", sagte Selby.

Auch über ein Talent wie der mit einer ähnlich bewegten Lebensgeschichte versehene Ronnie O'Sullivan oder Judd Trump habe er nie verfügt: "Die wurden ja quasi mit einem Queue in der Hand geboren."

Selby dagegen arbeitete sich mit seinem meist wenig spektakulären, aber gnadenlos effizienten Spiel nach oben. "Mark ist wie ein Snooker-Vampir. Er saugt alles Leben und alles Adrenalin aus dir", sagte der siebenmalige Weltmeister Stephen Hendry in Sheffield. 

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Selby nahm es mit Humor. "Vielleicht hat er mich wegen meiner Eckzähne so genannt", sagte der Weltmeister.

Selby krönt sich gegen Murphy zum Weltmeister

Überhaupt wirkte Selby in den Tagen von Sheffield gelöst wie lange nicht mehr, schaltete der Reihe nach die Ex-Weltmeister Mark Williams, Stuart Bingham und Shaun Murphy aus.

Im Finale gegen Murphy musste Selby am Ende noch einmal kurz zittern, gewann aber mit 18:15 Frames und ließ die 1000 Fans - darunter neben Tochter Sofia (6) auch Ehefrau Vikky - laut jubeln.

Es war eine Geräuschkulisse, die im Sport fast schon in Vergessenheit geraten war. Für einen herausragenden Sportler, der es sich mehr als verdient hat.

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