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Tennis, ATP: Benoit Paire - drängt Pandemie den Rüpel zum Karriere-Ende?

Wie Corona Tennis-Rüpel zermürbt

Tennis-Rüpel verhöhnt alle mit Reichtum

Benoit Paire ist vor allem für Eklats und markige Sprüche bekannt. Doch nun wirkt es so, als dränge Corona den demotivierten Franzosen in die Tennis-Rente.

Natürlich ließen sich über Benoit Paire an dieser Stelle wieder einmal mächtig Negativzeilen produzieren, von wegen Tennis-Rüpel und so. (Alles Wichtige zum Tennis)

Schließlich gibt es über das für manchen Beobachter vielleicht größte Enfant terrible im Profi-Tennis ja auch Skandale und Eklats wie Sand am Meer, die man immer wieder recyceln könnte, käme Paire denn nur mit dem nächsten Aufreger ums Eck.

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Dabei poppten bei dem Franzosen in der Vergangenheit durchaus auch schon mal unterhaltsame bis leicht tragische Begebenheiten auf, erinnert sei nur an die vier (!) Doppelfehler in Folge beim ATP Cup im Melbourne Anfang des Jahres - das schlechteste Aufschlagspiel in der ATP-Historie. (Kalender der ATP-Saison 2021)

Der neue Tennis-Podcast "Cross Court" ist ab sofort auf podcast.sport1.de, in der SPORT1 App sowie auf den gängigen Streaming-Plattformen SpotifyApple PodcastsGoogle PodcastAmazon MusicDeezer und Podigee abrufbar

Randnotizen, die häufig seltener im Gedächtnis bleiben im Vergleich zu den handfesteren Episoden, als da wären Partien voller Flüche, Beleidigungen und Schiedsrichter-Konfrontationen.

Gepaart mit zertrümmerten Schlägern, Spuck-Attacken auf dem Platz und entsprechenden Sanktionen hinterher, Arroganz-Anfällen selbst gegenüber Balljungen - unvergessen auch Paires Verbannung aus dem Olympischen Dorf bei den Spielen 2014.

Paire wirkt wie vor dem Karriere-Rücktritt

Doch zurück zu einer anderen, eher sensitiven Seite des 1,96-Meter-Hünen mit dem Hipster-Bart. Denn trotz aller Rüpelei erscheint Paire dieser Tage insgeheim eher bemitleidenswert als verurteilungswürdig für Fehlverhalten. (HINTERGRUND: Paires Skandale: Auch Haas beleidigt)

Paire wirkt nämlich am Ende. Der größte Bad Boy auf der Tour neben dem Australier Nick Kyrgios hat offenbar fertig mit seiner Profession - derartig fertig, als dass es nicht wirklich verwunderte, erklärte der 31-Jährige demnächst seinen Tennis-Abschied.

"Ich verstehe das alles nicht mehr. Ich bin einfach nur müde, will nur noch nach Hause zu meiner Familie", sagt Paire nun überraschend leise, gezeichnet und abgespannt durch all die persönlichen Corona-Episoden. Diese hallen nicht nur körperlich nach wie er unlängst einräumte, sondern haben ihn auch erkennbar berufsmüde gemacht.

Kostet die Pandemie am Ende also Paire den vormaligen Traumjob? Einiges spräche dafür.

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Novak Djokovic sorgte bei den US Open für einen der größten Eklats der Tennis-Geschichte.
Novak Djokovic sorgte bei den US Open für einen der größten Eklats der Tennis-Geschichte. © Imago
Im Achtelfinale gegen Pablo Carreno Busta schlug der Serbe beim Stand von 5:6 im ersten Satz entnervt einen Ball nach hinten und erwischte dabei eine Linienrichterin am Kehlkopf. Diese ging sofort zu Boden und rang anschließend nach Luft © Getty Images
Den dramatischen Szenen folgten minutenlange Diskussionen. Letztlich blieb den Offiziellen jedoch keine andere Wahl, als das Aushängeschild des Grand-Slam-Turniers zu disqualifizieren © Imago
Dies war aber beileibe nicht der erste Fehltritt eines Profis oder Tennis-Trainers. SPORT1 zeigt die größten Eklats der Tennis-Geschichte © SPORT1-Grafik: Zimmermann/Tirl/Getty Images/Imago/iStock
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Im Oktober 2019 sorgte ein Sexismus-Eklat beim WTA-Turnier in Luxemburg in der Tennis-Szene für Aufsehen. Im Match von Julia Görges gegen Misaki Doi nutzte die Japanerin im ersten Satz beim Stand von 4:5 aus ihrer Sicht ein On-Court-Coaching © Getty Images
Dabei vergriff sich Dois Coach Christian Zahalka jedoch gewaltig im Ton: "Ich weiß, es ist so, als würde man gegen Karlovic (Aufschlagkönig der ATP-Tour, Anm. d. Red.) mit großen Brüsten spielen, aber sie wird nicht die ganze Zeit so aufschlagen" © SPORT1-Montage
Görges bekam davon nichts mit, verlor aber dennoch die drei Folgespiele und den Satz. Danach drehte Görges jedoch auf und gewann das Match nach drei Sätzen. Am Ende standen 21 Asse auf ihrem Konto © SPORT1
Laura Siegemund schrie 2017 beim Turnier in Charleston ein Ballmädchen unflätig an, um ihr Handtuch zu bekommen ("Give me the f…ing towel") und nahm eine medizinische Auszeit beim Aufschlag der Gegnerin © Getty Images
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Das wohl größte Enfant terrible der Tennis-Geschichte, John McEnroe, erfand einst das Wort "shruck", damit er auf dem Court unbehelligt fluchen konnte. Doch selbst diese Wortneuschöpfung half dem Amerikaner 1990 bei den Australian Open nicht © Getty Images
Gleich drei Mal verstieß er gegen den Verhaltenskodex: Erst versuchte er eine Linienrichterin einzuschüchtern und kassierte eine Verwarnung, dann zerschmetterte er seinen Schläger, wofür er eine Punktstrafe bekam - und schlussendlich fluchte er über Schiedsrichter und Turnierdirektor, wofür er disqualifiziert wurde © Getty Images
Die Töne erklangen, Julia Görges schossen die Tränen in die Augen. Vor dem Fed-Cup-Spiel der deutschen Nationalmannschaft auf Hawaii sollten wie immer die Nationalhymnen ertönen. Görges Tränen waren aber keineswegs von Stolz oder Patriotismus gefärbt © Getty Images
Es waren Tränen der Wut. Denn der Solist sang die Worte "Deutschland, Deutschland über alles", die erste Strophe des Deutschlandliedes, die von den Nationalsozialisten missbraucht wurde. Nach dem "Hymnen-Gate" ließ Andrea Petkovic (l.) enthemmt ihre Wut heraus © Getty Images
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"Das war der Inbegriff der Ignoranz. Wir sind in 2017, wir sind im 21. Jahrhundert. Und dann kann und darf so etwas nicht mehr passieren", sagte Petkovic, "Ich habe mich noch nie in meinem Leben so respektlos behandelt gefühlt. Wenn wir irgendwo in Timbuktu spielen oder weiß der Geier wo, okay, aber in Amerika?" © Getty Images
Wie ein Boxer, der gerade verprügelt wurde, saß Schiedsrichter Arnaud Gabas auf seinem Stuhl und drückte sich eine dicke Eistüte unters Auge. Für die Verletzung war keine Faust verantwortlich, sondern ein Tennisball, den der Kanadier Denis Shapovalov aus Frust weggeschlagen hatte © Getty Images
Absichtlich geschah der Tennis-Knock-Out aber nicht. "Ich muss mich beim Schiedsrichter und allen Offiziellen entschuldigen. Mein Verhalten war nicht akzeptabel. Ich schäme mich", entschuldigt sich Shapovalov © Getty Images
Filigran und elegant - so wurde Tennis meistens wahrgenommen. Doch es geht auch brutal und rabiat zu: Das zeigte Michail Juschni 2008 bei seinem Auftritt gegen den Spanier Nicolas Almagro in Miami. Nach einem Fehlschlag im entscheidenden dritten Satz hämmerte sich der Russe seinen Schläger mehrmals mit voller Wucht an den Kopf © Getty Images
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Die Selbstgeißelung hatte Folgen, Blut strömte über die Stirn. Ein Handtuch half bei der ersten Blutung, dann kam der Arzt und versorgte den Hitzkopf fachmännisch. Das Spiel gewann Juschni dann noch mit 7:6, 3:6 und 7:6. "Da bin ich wohl ein bisschen durchgedreht. Aber es hat geholfen. Ich hätte das vielleicht eher machen sollen", war sein Kommentar © Getty Images
Fünf Opfer hinterlässt Ryan Harrison beim Turnier in Indian Wells 2017. Der Amerikaner zerstörte innerhalb von wenigen Sekunden sein komplettes Schläger-Set. Folgen hatte der Ausraster aber nicht für den 24-Jährigen, das Match gegen Damir Dzumhur war zu diesem Zeitpunkt verloren © Getty Images
Auch Marcos Baghdatis gilt seit seinem Ausraster bei den Australian Open 2012 als Schläger-Killer. Der Zyprer schlug seine Arbeitsgeräte im Spiel gegen Stan Wawrinka kaputt, ohne Schläger drei und vier überhaupt aus der Verpackung zu nehmen © Getty Images
Den Leitspruch "In guten wie in schlechten Zeiten" nahm die Frau von Jeff Tarango bei Wimbledon 1995 zu wichtig, als sie Schiedsrichter Bruno Rebeuh ohrfeigte. Ihr Mann hatte sich lauthals über eine Entscheidung des Franzosen im Spiel gegen den Deutschen Alexander Mronz beschwert © Getty Images
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Das Publikum buhte den US-Amerikaner aus. "Haltet die Klappe!", war Tarangos Antwort. Rebeuh verpasste ihm für das ungebührliche Verhalten einen Punktabzug. Tarango gab auf und stürmte vom Platz. Seine Frau rächte sich mit zwei Ohrfeigen. Ihr Gatte wurde danach für zwei Grand-Slam-Turniere gesperrt © Getty Images
Selbst die Weltbesten sind vor blinder Wut nicht gefeit. So auch Serena Williams bei den US Open 2009 im Halbfinale gegen Kim Clijsters. Beim zweiten Aufschlag von Williams zeigte die Linienrichterin an, dass sie die Linie übertreten hatte. Der Punkt ging an Clijsters, die dadurch zwei Matchbälle bekam © Getty Images
Williams schrie die Linienrichterin daraufhin wutentbrannt an, diese eilte sofort zur Hauptschiedsrichterin. Das Problem für Williams: Sie hatte bereits eine Verwarnung, bei einer zweiten sind Strafpunkte fällig, Clijsters würde das Spiel gewinnen © Getty Images
"Hast du Angst, weil ich gesagt habe, ich würde dich schlagen?", fragte Williams die Linienrichterin und ergänzte: "Es tut mir leid, aber es gibt viele Leute, die Schlimmeres gesagt haben." Für Turnier-Schiedsrichter Brian Earley (r.) war es schlimm genug. Williams flog raus – ihren Titel konnte sie nicht verteidigen © Getty Images
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Nick Kyrgios wäre mit seinen Ausrastern locker eine eigene Top Ten wert. Doch ein Eklat des Australiers blieb besonders im Gedächtnis. In seinem Zweitrunden-Match in Montreal 2015 gegen Stan Wawrinka tätigte Kyrgios eine Aussage, die seine ordinärsten Schimpfwörter übertrifft © Getty Images
"Kokkinakis (Thansi Kokkinakis, Anm. d. Red.) hat deine Freundin geknallt. Entschuldige, dass ich dir das sage, Kumpel", tönte Kyrgios laut genug, dass ein Feld-Mikrofon alles aufnehmen konnte. Kyrgios gewann das Duell, weil Wawrinka verletzungsbedingt aufgab, bekam aber später eine Geldstrafe © Getty Images
Mit nur 18 Jahren stand Martina Hingis im Finale der French Open 1999. Die Gegnerin? Keine geringere als Altmeisterin Steffi Graf. Der Druck war der jungen Schweizerin offenbar zu groß... © Getty Images
...als der Schiedsrichter einen Ball im Aus sah, brach Hingis mit der Etikette, ging auf Grafs Seite und begutachtete den Abdruck im Sand selbst. Das Publikum bedachte sie mit wilden Pfiffen. Hingis verlor ihre Linie und das Match - am Ende blieben nur Tränen © Getty Images
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Ein Tritt mit blutigen Folgen: David Nalbandian machte seinem Ärger Luft und drosch mit dem Fuß mit voller Wucht gegen eine kleine Werbebande. Dabei erwischte der Argentinier einen Linienrichter, dessen Schienbein zu bluten begann. Der Ausraster beim Match im Londoner Queen's Club gegen Marin Cilic hatte die Disqualifikation Nalbandians zu Folge © Getty Images
Einen der legendärsten Ausraster leistete sich Jimmy Connors. Bei den US Open 1991 beschimpfte er den Schiedsrichter nach einer vermeintlichen Fehlentscheidung mehrmals und wollte ihn rauswerfen. "Ich bin 39 Jahre alt und reiße mir hier den Hintern auf und du machst so etwas. Verschwinde aus dem Stuhl!", schrie der Amerikaner. Die Worte Arsch, Hurensohn und Missgeburt folgten © Getty Images
Fabio Fognini sorgte mit einer verbalen Entgleisung bei seinem Drittrunden-Match in Wimbledon für einen weiteren Tennis-Eklat im letzten Jahr. Der Italiener muss sich Tennys Sandgren in drei Sätzen geschlagen geben. Doch nicht das Aus, sondern die Verlegung seines Matches auf Court 14 brachten ihn zur Weißglut © Getty Images
"Verdammte Engländer, verdammt. Wirklich, verdammt", rief Fognini in seiner Muttersprache, wie TV-Aufnahmen zeigen. Der Italiener weiter: "Ich wünschte, in diesem Klub würde eine Bombe explodieren" © Getty Images
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Fognini bekam dafür eine geradezu lächerliche Strafe: 2.700 Euro musste er für seine Schimpftirade zahlen ©
Beim ATP-Masters-1000-Turniers in Shanghai steht Fognini erneut im Mittelpunkt. Der Italiener nervt Andy Murray mit seinen Mätzchen, als er dann auch noch während eines Ballwechsels laut reinrief, platzte Murray der Kragen. Erst liest er ihm die Leviten und als dieser Widerworte geben will, herrscht Murray ihn an: "Shut up" © Getty Images

Schon zweimal positiv getestet

Im Vorjahr war bei dem Mann aus Avignon zunächst in der US-Open-Bubble eine Covid-19-Infektion nachgewiesen worden, tagelang musste er in Quarantäne bleiben.

Nervenaufreibend danach auch das Turnier am Hamburger Rothenbaum nach zwei positiven und einem negativen Test, wonach Paire zwar starten durfte, dann aber sein Erstrundenspiel wegen Erschöpfung aufgab. "Da schläfst du nicht mehr", jammerte Paire dazu im vergangenen Herbst.

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Und nun? Der Spieler, der sich sonst doch gerade auch über die sozialen Netzwerke als Provokateur gefällt, ist nun offenbar mehr denn je zermürbt und offenkundig bereit zur endgültigen Aufgabe.

Nachdem er kürzlich beim Sandplatzturnier in Monte Carlo - der erste Härtetest für die French Open in gut einem Monat - gegen den Australier Jordan Thompson einmal mehr vor leeren Rängen verlor, entfuhr es Paire: "Ganz ehrlich, dieses Match kümmert mich einen Scheiß. Wenn man auf einem Friedhof wie hier spielt, das ist einfach nicht mehr möglich."

Nick Kyrgios ist aktuell der bunteste Vogel im ATP-Zirkus. Kein Spieler polarisiert mehr als der Australier. Während ihn seine Fans für seine lockere Art und sein freches Mundwerk feiern, werfen ihm Kritiker vor, dass er keinen Respekt vor Gegenspielern und Zuschauern zeigt © Getty Images
Dabei hatte ihm niemand Geringeres als "Super Brat" John McEnroe bescheinigt, dass Kyrgios das größte Tennistalent der vergangenen zehn Jahre sei. Wer Kyrgios an guten Tagen zusieht, wird diese Aussage auch keine Sekunde anzweifeln. Der 24-Jährige hat nicht nur einen großartigen Aufschlag, sondern auch eine atemberaubende Vorhand © Getty Images
Nun kam wieder der Bad Boy raus: Während eines Live-Chats mit seinem Kumpel Andy Murray gönnte Kyrgios sich sechs Gläser Rotwein - und teilte dann gegen die Konkurrenz aus. Über Novak Djokovic sagte er, dass dieser eine "kranke Besessenheit hat, gemocht zu werden". Dominic Thiem unterstellte er indirekt, ein Langweiler zu sein: "Er schaut gern Farbe beim Trocknen zu." © Getty Images
Auch in der Liebe fliegen bei Kyrgios aktuell wohl die Fetzen. Tennisspielerin Anna Kalinskaja bestätigte kürzlich ihre Trennung von ihm, kurz zuvor schrieb sie scharfe Posts - wohl in Richtung Kyrgios - mit Formulierungen wie "verdammter energiesaugender Vampir". Ein weiterer Kommentar besagte: "Du bist kein Bad Boy, du bist einfach ein schlechter Mensch." © Getty Images
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Erneut bestätigt sich Kyrgios' Rolle als unverbesserliches und unangepasstes Unikat in der Tenniswelt. SPORT1 zeigt die größten Ausbrüche, Skandale und Eklats seiner Karriere - und was er über einige seiner Tennis-Kollegen zu sagen hat © Getty Images
US OPEN, 2014: Seinen ersten Negativauftritt auf der großen Bühne hat Kyrgios in der ersten Runde der US-Open. Gegen Mikhail Youzhny wird er drei Mal verwarnt - unter anderem wegen Fluchens und Zertrümmerns eines Schlägers. Knapp vermeidet er die vierte Verwarnung, was die erste Disqualifikation bei einem Grand Slam seit 1995 nach sich gezogen hätte © Getty Images
AUSTRALIAN OPEN, 2015: Erneut tut sich Kyrgios in seinem Erstrundenmatch durch obszöne Äußerungen und Schlägerwerfen hervor. Von der ATP bekommt er 4926 Dollar Strafe aufgebrummt - es soll nicht die letzte Strafe in seiner Karriere bleiben © Getty Images
WIMBLEDON, 2015: Auch in Wimbledon hinterlässt Kyrgios seine Spuren. In der vierten Runde gegen Richard Gasquet macht er seinem Ärger verbal Luft und wählt dafür Worte, die in Wimbledon nicht gern gehört werden. Noch schlimmer: Kyrgios stellt irgendwann seine Bemühungen ein und schenkt einige Punkte ab, was zu einem Pfeifkonzert führt © Getty Images
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Bereits vor dem Turnier sorgt er für Schlagzeilen, als er in einem Interview mit dem Satz "Ich mag Tennis eigentlich nicht sonderlich" zitiert wird. Die Aussage passt perfekt zu dem schlampigen Genie, das oft durch lustloses Auftreten auf dem Platz in Erscheinung tritt © Getty Images
Dies bringt ihm einen öffentlichen Streit mit der viermaligen Olympiasiegerin im Schwimmen, Dawn Fraser, ein. Nach dem Null-Bock-Auftritt sagt sie, er solle doch dahin zurückgehen, woher die Eltern gekommen seien. Das wäre kein würdiges Auftreten für Australien. Allerdings entschuldigt sie sich später bei Kyrgios für die Aussage © Getty Images
MONTREAL, 2015: In Montreal kommt es zum vorläufigen Tiefpunkt. In einem Match gegen Stan Wawrinka provoziert er den Schweizer mit der Äußerung, dass sein Aussie-Kollege Thanasi Kokkinakis seiner Freundin Donna Vekic sehr nahegekommen sei: "Kokkinakis banged your girlfriend, sorry to tell you that, mate", sagt er wortwörtlich © Getty Images
Der Schweizer reagiert danach zu Recht aufgebracht und verlangt Sanktionen seitens der ATP. Die kommen auch prompt: Über 35.000 Dollar Strafe und eine 28-tägige Zwangspause verhängt die ATP gegen Kyrgios © Getty Images
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WEITERE STRAFEN: Wer jetzt aber denkt, dass die Zwangspause ein Umdenken bei dem Australier bewirkt, liegt falsch. Allein 2016 trägt er sich bei den Australian Open, den French Open und Wimbledon in den Strafenkatalog ein. Knapp 20.000 Dollar Strafe werden wegen Fluchens und ungebührlichen Verhaltens fällig © Getty Images
SHANGHAI MASTERS, 2016: Aber das große Finale hebt er sich für die Shanghai Masters auf. Durch sein lustloses Auftreten im Match gegen Alexander Zverev, unsportliches Verhalten, und Beleidigung eines Zuschauers hagelt es über 50.000 Dollar Strafe und eine achtwöchige Sperre, was für ihn das Saisonende zu Folge hat © Getty Images
Diesmal schien die Strafe kurz Wirkung zu zeigen: "Ich verstehe und respektiere die Entscheidung der ATP. Ich werde meine freie Zeit nutzen, um auf und abseits des Courts an mir zu arbeiten", verspricht Kyrgios. Die Sperre kann auf drei Wochen reduziert werden, wenn er mit einem Psychologen an seinen Ausbrüchen arbeitet © Getty Images
US OPEN, 2017: Die Wirkung hält nicht lange an. In New York gibt er unter anderem eine nicht jugendfreie Schimpftirade zum Besten, die er danach bestreitet. Das Zerhacken seines Schlägers bringt ihm später sogar einen Strafpunkt ein © Getty Images
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SHANGHAI MASTERS, 2017: Wieder ist Shanghai Ort des Geschehens. Nachdem er den Tiebreak des ersten Satzes gegen Steve Johnson verliert, stürmt er vom Platz und kommt nicht mehr zurück. Später macht er via Twitter einen Magen-Darm-Virus dafür verantwortlich. Und wieder gibt es 30.000 Dollar Strafe © Getty Images
US OPEN, 2018: Zu einem besonders dubiosen Vorfall kommt es 2018. Wegen eines wieder einmal gelangweilten Auftrittes von Kyrgios kommt Schiedsrichter Mohamed Lahyani von seinem Stuhl und versucht, ihn zu motivieren. Danach dreht Kyrgios das Match trotz 4:6, 0:3-Rückstand noch und erntet einen gewaltigen Shitstorm auf Twitter © Getty Images
Selbst Roger Federer zeigt sich von der Aktion mehr als überrascht. "Ein Schiedsrichter sollte seinen Stuhl nicht verlassen. Ich weiß nicht, was er gesagt hat, es ist mir auch egal. Er war zu lange unten, es war ein Gespräch, das kann deine ganze Einstellung ändern" © Getty Images
WIMBLEDON, 2018: Dass in Rüpel Kyrgios auch ein weiches Herz schlägt, beweist er, als er ein Ball-Kind beim Aufschlag abschießt. Mit 222 km/h trifft er das Mädchen am Oberarm © Getty Images
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Da lässt es sich der Australier auch nicht nehmen, zu ihr zu gehen und sie vom Platz zu begleiten. "Als ich realisiert hatte, dass es ihr Arm ist, war das hart. Sie hat angefangen zu weinen. Aber sie hat es wie ein Champion genommen. Ich hätte auf jeden Fall auch geweint." © Getty Images
CINCINNATI, 2018: Während sein Gegner Dennis Kudla am Netz bereits auf die Seitenwahl wartet, steht Kyrgios ratlos mit Strümpfen auf dem Platz. Beim Blick in die Tasche ist ihm zuvor nämlich etwas aufgefallen - er hat seine Tennissschuhe vergessen. Im Match strengt er sich bei den Returns selten an, gewinnt aber dank 39 Assen dennoch © Getty Images
ACAPULCO, 2019: Im Frühjahr macht Kyrgios beim Turnier in Acapulco wieder sportlich auf sich aufmerksam. Im Finale besiegt er seinen Kumpel Alexander Zverev 6:3, 6:4 und sichert sich damit seinen fünften Karrieretitel © Getty Images
Auf dem Weg ins Finale besiegt er sogar Rafael Nadal in drei Sätzen. Diese Partie zeigt aber auch das Problem von Kyrgios, der selbst zugibt, dass ihn nur solche Duelle gegen die Großen motivieren. Nadal schimpft nach der Partie, Kyrgios habe keinen Respekt vor dem Gegner, den Fans oder sich selbst © Getty Images
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MIAMI, 2019: Wenige Wochen später zieht sich das Genie zurück und der Wahnsinn nimmt wieder Überhand. Bei den Miami Open führt er einen Aufschlag von unten durch, weshalb er von einem Zuschauer beleidigt wird. Kyrgios reagiert wie gewohnt und legt sich mit dem Mann an © Getty Images
Am Ende fordert dieser ihn per Gesten sogar zu einer direkten Auseinandersetzung auf. Erst als der Mann von den Zuschauerrängen entfernt wird, kann das Spiel fortgesetzt werden © Getty Images
Die Partie von Kyrgios löst eine Twitter-Debatte aus. Judy Murray, die Mutter von Superstar Andy Murray, bezeichnet den Australier als Genie. Tennis-Ikone Boris Becker sieht das anders. Für ihn ist ein Genie jemand wie Roger Federer oder Michael Jordan - nicht ein Sportler, der in seiner Karriere noch keinen einzigen großen Titel gewonnen hat © Getty Images
Vor seinem Match geht Kyrgios zudem auf Twitter Deutschlands beste Tennisspielerin Angelique Kerber an. Die hatte Bianca Andreescu nach ihrer Niederlage als größte Drama-Queen aller Zeiten bezeichnet. Das bringt ihr viel Kritik ein, weshalb sie einen Tag nach dem Match ihrer Kontrahentin via Twitter gratuliert © Getty Images
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Bei Tennis-Bad-Boy Nick Kyrgios kommt das nicht gut an. Er findet die verspätete Gratulation offenbar nicht ganz ehrlich und schreibt: "Bro, erst sagst du, sie ist eine Drama-Queen, und jetzt postest du das" © Getty Images
In Miami sorgt Kyrgios auch eine Runde später für Aufsehen. Im Duell mit Borna Coric brilliert er mit einem No-Look-Volley und einem Tweener. Eine Pause zwischen zwei Punkten nutzt er nicht zur Regeneration, sondern versucht sich am Bottle Flip © Getty Images
ROM, 2019: Kyrgios schafft das heutzutage kaum mehr für möglich gehaltene: Der Australier wird wegen seines Benehmens disqualifiziert. Nur einen Tag zuvor kritisiert er im Podcast "No Challenges Remaining" diverse Topspieler. So hält er Rafael Nadal für einen "schlechten Verlierer", der nach Niederlagen stets negativ über ihn sprechen würde © Getty Images
Sein Urteil über den Spanier Fernando Verdasco fällt noch heftiger aus: "Fernando Verdasco ist für mich der arroganteste Spieler der Tour. Er läuft herum, als sei er etwas ganz Wichtiges, grüßt nicht, dabei ist sein Spiel einfach nur Durchschnitt", ledert Kyrgios © Getty Images
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Über den Weltranglistenersten Novak Djokovic sagt der 24-Jährige: "Ich finde, er hat ein krankhaftes Verlangen danach, von allen gemocht zu werden. Er möchte wie Federer sein. Er möchte so sehr gemocht werden, dass ich es nicht ausstehen kann. Sein Siegesjubel ist abscheulich" © Getty Images
Und weiter: "Egal, wie viele Majors er gewinnt, er wird nie der größte Spieler aller Zeiten sein. Wenn man nicht mal mich besiegen kann, ist man nicht der Größte aller Zeiten. Man muss nur sehen, wie viel ich trainiere und investiere. Das ist einfach gar nichts im Vergleich zu ihm." Kyrgios steht im direkten Vergleich gegen Djokovic bei 2:0 Siegen © Getty Images
Kyrgios legt sich in Rom mit dem Publikum an, schleudert anschließend seinen Schläger Richtung Zuschauer und wirft einen Stuhl auf den Platz - und kassiert Kritik von Konkurrent Casper Ruud. Der Australier lässt dies nicht auf sich sitzen und teilt via Twitter aus: © Getty Images
"Nächstes Mal, wenn du etwas zu sagen hast, würde ich es begrüßen, wenn du es mir ins Gesicht sagst. Ich bin sicher, dass du danach deinen Mund nicht mehr so oft aufreißt. Bis es soweit sei, würde er lieber Farbe beim Trocknen zusehen als Ruud beim Tennisspielen. Denn das sei "verf**** langweilig." © Getty Images
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WIMBLEDON 2019: Nach seinem Zweitrunden-Aus gegen Nadal übt Kyrgios heftige Kritik am Schiedsrichter, der Nadals langsame Aufschlagroutine nicht geahndet hatte: "Er fühlt sich offenbar ziemlich wichtig, wenn er da oben auf dem Stuhl sitzt. Er war einfach schrecklich. Ich denke, wie er das Match geleitet hat, war einfach schlecht" © Getty Images
Nachdem er im dritten Satz einen Return voll gegen Nadals Brust geschlagen hatte, verweigert Kyrgios eine Entschuldigung mit den Worten: "Es interessiert mich nicht, warum sollte ich mich entschuldigen? Ich meine, der Typ hat wie viele Grand Slams und wie viel Geld auf seinem Konto? Ich denke, er kann einen Ball auf die Brust vertragen" © Getty Images
Auch die Journalisten bekommen ihr Fett weg: "Ihr seid so nett zu mir, unglaublich. Ihr seid die Besten, ihr macht keine Propaganda. Natürlich nicht, nur Fakten. Ich liebe das", erklärte Kyrgios sarkastisch. Einen Reporter greift er persönlich an und spekuliert, dieser müsse "wirklich ein langweiliges Leben führen" © Getty Images
WASHINGTON 2019: Kyrgios zeigt mal wieder das komplette Programm. Er brilliert mit tollen Schlägen, täuscht einen Aufschlag von unten an und spielt einen Ball mit dem Kopf zurück. In einer Pause schmeißt er aber auch eine Flasche gegen den Schiedsrichterstuhl und erklärt anschließend, sie sei ihm aus der Hand gerutscht © Getty Images
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"Ich war heute ziemlich 'on fire'", sagt er anschließend. Einen Tag zuvor hatte er seinen Schläger vor Wut zerstört und ihn anschließend einem jungen Fan geschenkt sowie den Schiedsrichter als "Kartoffel mit Armen und Beinen" beleidigt © Imago
CINCINNATI 2019: Beim ATP-Turnier hat er, wie so oft, seine Emotionen nicht unter Kontrolle. Bereits im Spiel gegen den Italiener Lorenzo Sonego ließ er seinen Frust am Schläger aus © Getty Images
Im Match gegen Karen Khachanov geriet er nun wieder mit dem Schiedsrichter in Konflikt. Dieser verpasste ihm eine Strafe wegen Missachtung der Shot-Clock. Kyrgios verlangte daraufhin eine Toilettenpause, die ihm der Unparteiische verweigerte, woraufhin Kyrgios ausrastete © Getty Images
Vielleicht war auch die Vorgeschichte schuld an der Eskalation. Fergus Murphy und Kyrgios waren bereits im Juni 2019 beim Tennisturnier im Queens Club aneinandergeraten © Getty Images
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Auf jeden Fall verließ Kyrgios frustriert den Platz und ging in die Katakomben, wo er seine Wut an zwei Schlägern ausließ und mit den völlig demolierten Spielgeräten wieder das Feld betrat © Getty Images
Auch gegen den Schiedsrichter teilte er aus. "Du bist ein verdammter Angeber", tobte er Richtung Murphy und spuckte vor dessen Stuhl auf den Boden. Kyrgios verlor das Match und verweigerte dem Schiedsrichter den Handschlag. Die ATP reagierte mit der rekordverdächtigen Strafe von 113.000 US-Dollar © Getty Images
Beim Laver Cup 2019 kam wieder der Bad Boy zum Vorschein: Unkonzentriert beginnt er seinen zweiten Satz gegen Roger Federer. Beim 1:2 verrät er auf dem Weg zur Bank seinen Teamkollegen den Grund dafür: "Ich sah eine heiße Frau im Publikum. Ich bin absolut ehrlich, ich würde sie heiraten. Sofort." Seine Teamkollegen fanden seine Begründung amüsant © Getty Images
Als die Reporter ihm und Trainer John McEnroe nach einer Partie bei der Pressekonferenz Fragen stellen, greift Kyrgios zunächst gelangweilt zu seiner Bierflasche. Unbeeindruckt stürzt er den Inhalt in nur sechs Sekunden seinen Rachen hinunter, bevor er den Journalisten ein Ohr schenkt © imago

Motivationsprobleme - und Gleichgültigkeit zum Geld 

Er klang wie ein Spieler, der demnächst auch die eigene Karriere zu Grabe tragen mag. "Tennis bringt mir keinen Nutzen, nichts Gutes mehr. Ich habe keinen Funken mehr", fügte Paire an.

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Durch finanzielle Anreize lassen sich bei ihm die chronischen Motivationsprobleme wohl sowieso nicht überwinden. Tennis habe keine Priorität, erklärte der Weltranglisten-34. unlängst, "ich komme zum Turnier, verdiene etwas Geld und fahre zum nächsten." (ATP-Weltrangliste)

Nach seinem Aus beim Turnier in Santiago de Chile ätzte der Rechtshänder hinsichtlich der Preisgelder: "Wenn du ein ATP-250 gewinnst, bekommst du nur 30.000 US-Dollar. Nach meinen sofortigen Niederlagen erhalte ich 10.000 Dollar. Soll ich mich wie verrückt zerreißen, nur um etwas mehr zu verdienen?"

Nach seiner Erstrunden-Pleite in Buenos Aires wiederum twitterte Paire: "Am Ende lohnt es sich, schlecht zu sein". Dazu postete er einen Screenshot seines bislang erspielten Preisgelds von mehr als 8,5 Millionen Dollar.

Nächster Tiefschlag in Barcelona

Den nächsten sportlichen Tiefschlag musste Paire am Montag in Barcelona hinnehmen. Er verlor gegen die Nummer 138 der Welt, die erst als Lucky Loser ins Hauptfeld gerückt war.

Für Paire war es die siebte Pleite in Folge.

Dabei benahm er sich mit seinen Spuckattacken mal wieder wie ein Lama. Zumindest dieses Verhalten hat Paire noch nicht abgelegt.