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Motorsport: Michèle Mouton über Sieg gegen Walter Röhrl, Frauen und Gleichberechtigung

Motorsport-Ikone Mouton über Frauen

Michèle Mouton gilt als die erfolgreichste und bekannteste Rallyefahrerin der Motorsport-Geschichte und ist seit 2011 die offizielle WRC-Managerin der FIA

Michèle Mouton gilt als die erfolgreichste und bekannteste Rallyefahrerin der Motorsport-Geschichte und ist seit 2011 die offizielle WRC-Managerin der FIA © Imago

Michèle Mouton ist eine Motorsport-Ikone. Im SPORT1-Interview spricht sie über den Sieg gegen Rallye-Superstar Walter Röhrl -. und über Frauen im Motorsport an sich.

Michèle Mouton gilt als die erfolgreichste und bekannteste Rallyefahrerin der Motorsport-Geschichte.

Als erster Frau gelang der Französin der Gesamtsieg bei einem Rallye-Weltmeisterschaftslauf, als sie 1981 die Rallye San Remo mit ihrer Beifahrerin Fabrizia Pons auf einem Audi quattro gewann.

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Im SPORT1-Interview spricht die heute 69 Jahre alte Mouton über ihre Erfahrungen, wie es ist, als einzige Frau unter Männern zu konkurrieren, ihren Triumph gegen Rallye-Superstar Walter Röhrl - und Frauen im Motorsport im Allgemeinen.

SPORT1: Frau Mouton, Sie haben als Präsidentin der "Frauen im Motorsport-Kommission" der FIA die erste Frau zu Ferrari gebracht – konkret die 16-jährige Maya Weug aus dem FIA Girls on Track Programm heraus ins Ferrari-Juniorteam, in dem unter anderem auch Mick Schumacher gefördert wird. Wie stolz sind Sie darauf?

Michèle Mouton: Es ist ein spezielles Programm und ein historischer, emotionaler Moment! Es ist ein sehr neues und innovatives Programm – ins Leben gerufen von der FIA-Kommission für Frauen im Motorsport. Und natürlich werden wir Mayas Fortschritte mit großem Interesse verfolgen. Dass wir Ferrari als Partner an Bord haben, stimmt mich zuversichtlich, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Mouton: Darin ist der Rennsport einzigartig

SPORT1: Was haben Sie gedacht, als Sie Ihre Mädchen im Ferrari-Overall gesehen haben? Immerhin ist Ferrari das ikonische Team der Formel 1. (Alle Rennen der Formel 1 im LIVETICKER)

Mouton: Das war speziell. Ferrari ist die Referenz. Und die erste Frau im roten Rennanzug zu sehen, bedeutet viel. Wir müssen den Mädchen schon im jungen Alter gute Chancen ermöglichen. Es ist leider sehr oft so, dass hoffnungsvolle weibliche Talente mit dem Rennfahren aufhören, wenn sie 14 oder 15 Jahre alt sind. Weil sie keine Zukunft sehen. Die Ferrari Drivers Academy an Bord zu haben, aus der bereits aktuelle Stars wie Charles Leclerc hervorgegangen sind, ist ein Zeichen der Hoffnung für alle jungen Mädchen im Motorsport.

SPORT1: Warum gibt es diesen Bruch im Alter von 14, 15 Jahren?

Mouton: In diesem Alter sind junge Mädchen erwachsener als Jungs und wenn sie keine weiblichen Vorbilder haben, sehen sie in dem Sport einfach keine Zukunft. Sie fragen sich, warum sie weitermachen sollten. Wir machen ihnen Hoffnung – und das ist extrem wichtig.

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Flörsch kämpft sich konzentriert auf den dritten Platz

SPORT1: Sie selbst haben bewiesen, dass Frauen genauso schnell sein können wie Männer. Warum ist das im Motorsport möglich?

Mouton: Motorsport ist in der Tat eine der wenigen Sportarten, wo Männer und Frauen gegeneinander antreten können und es auch tun. Darin ist der Rennsport einzigartig und wir sollten stolz darauf sein. Männer und Frauen haben unterschiedliche Fähigkeiten mentaler und physischer Natur. Wir haben im Rennsport ganz unterschiedliche Disziplinen. Rallye und Offroad erfordern ganz andere Fertigkeiten als Rundenstreckensport und Formel 1. Ich zum Beispiel mochte es nie, auf einer Rennstrecke Kreise zu drehen und immer an denselben Stellen zu bremsen oder zu lenken. Ich habe die Schule der Improvisation, das Rallyefahren, ganz klar bevorzugt. Aber weil wir in allen Disziplinen mehr vom Werkzeug, dem Auto, abhängig sind als von der Muskelkraft, können wir gegen die Herren antreten – und sollten diese Chance auch nutzen. Motorsport ist keine Frage der Stärke.

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SPORT1: Zum schnellen Autofahren gehört aber auch Mut. Sind Frauen genauso mutig wie Männer?

Mouton: Was bedeutet Mut? Sechs oder acht Kinder großzuziehen, ist mutig. Den Mount Everest zu besteigen, ist mutig. Inmitten des Ozeans zu segeln, ist mutig. Aber man braucht keinen Mut, um die 24 Stunden von Le Mans zu fahren oder einige die Rallye Monte Carlo. Man braucht lediglich das Können und muss lieben, was man tut. Nämlich am Limit zu kämpfen und an seine eigenen Grenzen zu stoßen.

Nicht nur in ihrer französischen Heimat ist Michèle Mouton bis heute ein bekannter Motorsport-Star

SPORT1: Das haben Sie als Rallye-Pilotin getan. Wie war es für Sie als einzige Dame gegen die Herren der Schöpfung anzutreten? (NEWS: Alles zur Formel 1)

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Mouton: Nichts Besonderes. Ich habe es geliebt, im Wettbewerb gegen andere am Start zu stehen. Dabei habe ich nicht daran gedacht, ob ich eine Frau bin oder ein Mann. Ich bin einfach gefahren. Ich habe versucht, an mein eigenes Limit zu kommen. 

SPORT1: Trotzdem waren Sie eine Ausnahme, besonders in den 80er Jahren. Haben Sie sich je diskriminiert gefühlt?

Mouton: Warum diskriminiert? Ich war damals sehr stolz, gemeinsam mit und gegen Männer fahren zu dürfen. Ich habe nie versucht, die Männer zu schlagen, weil sie Männer sind. Aber ich wollte ihr Level erreichen. Das Level der Besten. Das war schwer genug. Also hat es mich stolz gemacht, wenn ich mit der Spitze des Rallyesports mithalten konnte. Und ich war immer willkommen. Ich hatte nie ein komisches Gefühl oder eine Barriere.

Mouton: "Ein Mann mag es nicht, von einer Frau geschlagen zu werden"

SPORT1: Sie haben damals gegen den deutschen Rallye-Superstar Walter Röhrl gekämpft. Im deutschen Fernsehen hat er einst bekannt, dass die Niederlage gegen Sie demütigender wäre als gegen einen Mann...

Mouton: Natürlich. Das habe ich auch immer so gesagt: Ein Mann wird es nie mögen, von einer Frau geschlagen zu werden. Trotzdem habe ich nie eine besondere Rivalität gespürt. Walter war ein besserer Fahrer als ich, trotzdem konnte ich ihn manchmal schlagen. Er hatte nie etwas gegen mich persönlich und war immer ein guter Freund. Aber wie gesagt: Ein Mann mag es nicht, von einer Frau geschlagen zu werden – was nicht bedeutet, dass er dich in seinem Sport nicht akzeptiert.

Es ist das legendärste Autorennen Nordamerikas und steht auf einer Stufe mit dem Grand Prix von Monaco und den 24 Stunden von Le Mans. Die Indy 500 auf dem Brickyard in Indianapolis sind jedes Jahr das Highlight der IndyCar Series. 2015 steht bereits die 99. Ausgabe an. SPORT1 blickt zurück auf Triumphe, große Duelle, Tragödien und viel Action © Getty Images
Das Rennen 1991 geht wegen eines epischen Duell in die Geschichte ein. Rick Mears (r.) düpiert in der Endphase Mario Andrettis (l.) Sohn Michael mit einem spektakulären Überholmanöver dicht an der Mauer und holt seinen vierten Sieg in Indy. Damit teilt er den Rekord mit A.J. Foyt und Al Unser Sr. © Getty Images
Im Jahr 2000 schreibt ein langjähriger Formel-1-Hitzkopf Geschichte: Juan Pablo Montoya gewinnt bei seinem Debüt - als erster Fahrer seit Graham Hill 1966 © Getty Images
Hill fuhr während seiner F1-Karriere auch die Indy 500 - in den siebziger Jahren waren diese Doppelstarts durchaus üblich. Jim Clark (Bild) gewann 1965 in Indianapolis und wurde im gleichen Jahr Formel-1-Weltmeister © Getty Images
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2013: Tony Kanaan gewinnt das Rennen mit den meisten Führungswechseln. Kanaan übernimmt in der 198. Runde die Führung und siegt wenig später, nachdem Dario Franchitti crasht. Der Brasilianer Kanaan siegt im 12. Anlauf - später gewinnt kein Fahrer © Getty Images
2011: J.R. Hildebrand führt bis zur letzten Kurve, ehe er beim Überrunden in die Leitplanken kracht. Er rutscht dennoch als Zweiter über die Ziellinie © Getty Images
1977: A.J. Foyt gewinnt das Rennen als erster Pilot zum vierten Mal und fährt anschließend zusammen mit Streckenbesitzer Tony Hulman eine Ehrenrunde im Safety Car. Es ist das erste Mal, dass Hulman den Sieger so ehrt. Fünf Monate später stirbt Hulman an Herzversagen © Getty Images
2006: Marco Andretti sieht in der letzten Runde wie der sichere Sieger aus, wird aber kurz vor dem Ziel von Sam Hornish Jr. noch abgefangen. Am Ende entscheiden 0,0635 Sekunden über den Sieg © Getty Images
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2005: Danica Patrick führt zehn Runden vor Schluss das Feld an und sorgt für einen schlagartigen Anstieg der TV-Zuschauerzahlen. Die Menschen vor den Fernsehern wollen beim ersten Indy-Sieg einer Frau live dabei sin. Drei Runden später wird sie von Dan Wheldon überholt, kann sich aber nach dem Sieg trotzdem als wahre Siegerin feiern lassen © Getty Images
1982: In den letzten Runden befinden sich nach zahlreichen Unfällen nur noch sechs Autos im Feld. An der Spitze hält Jordan Johncock den immer heftiger werdenden Attacken von Rick Mears stand und rettet 0,16 Sekunden Vorsprung ins Ziel. Mears darf sechs Jahre später jubeln © Getty Images
1985: Danny Sullivan leistet sich im Kampf um die Führung gegen Marco Andretti einen spektakulären Dreher, kann sein Auto aber noch abfangen, nimmt die Verfolgung wieder auf und siegt © Getty Images
1992: Al Unser Jr. (r.) und Scott Goodyear liefern sich das spannendste Duell in der Geschichte der Indy 500. Am Ende siegt Al Unser (hier im Gespräch mit Emerson Fittipaldi) 0,043 Sekunden Vorsprung und sagt anschließend überwältigt: "Ihr wisst gar nicht, was Indy bedeutet" © Getty Images
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1993: Zwei ehemalige Formel-1-Weltmeister auf dem Podium: Emerson Fittipaldi gewinnt, Nigel Mansell wird Dritter © Getty Images
1995: Jacques Villeneuve gewinnt auf der Strecke, die zwischen 1950 und 1960 zur Formel 1 gehörte - zwei Jahre später wird der Sohn des legendären Gilles auch F1-Weltmeister © Getty Images
2007: Der Schotte Dario Franchitti ist mit drei Siegen der erfolgreichste Europäer beim Indy 500. Nach 2007 gewann er noch 2010 und 2012 © Getty Images
2009: Danica Patrick legt nach und fährt als Dritte das erste Podium einer Frau auf dem Brickyard ein © Getty Images
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2014: Ryan Hunter-Reay gewinnt mit dem Wimpernschlag von 0,0600 Sekunden vor Helio Castroneves © Getty Images
Dabei geht der Texaner nur von Platz 19 ins Rennen. Kurz vor Schluss überholt er den Brasilianer Castroneves und fährt als Erster über die Ziellinie. © Getty Images
2010: Spektakulärer Unfall von Mike Conway, danach wird das Rennen unter Gelber Flagge beendet. In der vorletzten Runde hebt der Wagen von Conway ab, schleudert gegen den Zaun und dann wieder auf die Strecke zurück. Nur die Sicherheitszelle des Piloten hält dem gewaltigen Aufprall stand. Conway kommt mit einer Verletzung am linken Unterschenkel davon © twitter@24mowens
Im Abschlusstraining 2015 hat der Australier Will Power die Nase vorn. Auch diesmal dürfte dramatische Rennaction garantiert sein © Getty Images

SPORT1: Als er in die Rallye Hall of Fame der FIA aufgenommen wurde, hat er sogar bedauert, dass er Sie damals besiegt hat, weil er damit den ersten WM-Titel einer Frau verhinderte.

Mouton: Wie gesagt: Wir hatten nie ein Problem. Unsere Rivalität wurde von der Presse aufgebauscht. Und seine Aussage in Paris bestätigt mich nur darin, dass er mich respektiert hat – was mich natürlich freut.

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SPORT1: Sie sind in Deutschland auch wegen des Audi quattro bekannt, mit dem Sie gegen Röhrl angetreten sind. Wie war es, das Allradmonster zu bändigen?

Mouton: Es war eine Ehre, einen Audi und dann auch noch in der WM zu fahren. Es war für mich ein großer Schritt, weil ich aus der französischen Meisterschaft kam. Und das Vertrauen eines neuen Herstellers zu bekommen, war ein Traum. Ich war sehr stolz und habe hart gearbeitet, um ihnen zu zeigen, dass ich es wert war, engagiert zu werden.

SPORT1: Kommen wir zurück zur Gegenwart und vom Rallyesport auf die Rundstrecke: Wann sehen wir die nächste Frau in der Formel 1?

Mouton: Auf gutem Weg, eine Frau in der Formel 1 zu sehen

Mouton: Bald. Die Einstellung hat sich geändert und ich glaube, dass mehr und mehr Leute gern Frauen in der Formel 1 sehen würden. Deshalb müssen wir die Basis des Motorsports für Mädchen öffnen, damit sie den Sport für sich entdecken. Dafür haben wir das Programm "Girls on track" implementiert, um talentierte Mädchen mit professioneller Hilfe auf dem Weg nach oben zu begleiten. An der Spitze der Pyramide sind wir nun in der Lage, Frauen in die höchsten Kategorien des Motorsports zu bringen. Wir haben zum Beispiel gleich zwei Frauenteams in der Sportwagen-WM. Das ist historisch. Sechs Frauen in der Sportwagen-WM! Bei den Indy 500 fahren Simona de Silvestro und Katherine Legge. In der Extreme E haben wir zehn Damen. Der Sport ruft nach Frauen und wenn man ihnen die besten Voraussetzungen gibt, sind wir auf einem guten Weg, auch eine Frau in die Formel 1 zu bringen.

Michèle Mouton und Fabrizia Pons bei ihrem Triumph 1981 bei der Rallye San Remo in ihrem Audi Quattro

SPORT1: Sie haben gerade die Extreme E angesprochen. Da treten Männer und Frauen per Reglement gegeneinander an. Eine gute Idee?

Mouton: Eine fantastische Idee! Das sollte überall so sein, wo sich mehrere Piloten ein Auto teilen. Wir müssen Frauen unterstützen, weil unsere Basis einfach zu klein ist. Wenn wir mehr Frauen an der Spitze haben wollen, müssen wir die Grundgesamtheit vergrößern. Dafür tun wir alles und ich hoffe, dass wir das Richtige tun.

SPORT1: Die schnellste Rennfahrerin Deutschlands ist Sophia Flörsch. Was halten Sie von ihr?

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Mouton: Eine sehr talentierte Frau, physisch sehr fit, mental sehr stark. Im Richard Mille Racing Team lernt sie viel und verbessert sich stark. Sie hat alle Fähigkeiten, eine Top-Fahrerin zu werden.

SPORT1: Simona de Silvestro wird die 500 Meilen von Indianapolis wieder in Angriff nehmen. Ist auch sie so ein Vorbild für junge Mädchen, wie Sie sie angesprochen haben?

Mouton: Genau. Die jungen Mädchen müssen sehen, was möglich ist. Je mehr Mädchen wir inspirieren können, desto größer sind die Chancen, dass wir bald eine Frau auch wieder in der Formel 1 haben.

Ferrari - SF21 © Ferrari
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Aston Martin - AMR21 © Aston Martin
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Alpine - A521 © Alpine
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RedBull - RB16B © RedBull
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Alfa Romeo C41 © Alfa Romeo
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AlphaTauri AT02 © AlphaTauri
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AlphaTauri AT02 © AlphaTauri
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McLaren MCL35M © McLaren
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Mouton: Diskriminierung, wenn Frauen nur gegeneinander antreten dürfen

SPORT1: Sophie Flörsch hat sich klar gegen die W-Series positioniert, in der nur Frauen fahren. Wie stehen Sie zu der Rennserie?

Mouton: Einerseits fördert die W-Series natürlich Frauen. Sie gibt Mädchen die Möglichkeit, kostenlos Rennen zu fahren. Das ist sehr wichtig. Aber: Frauen kämpfen hier nur gegen Frauen. Unsere Philosophie ist allerdings ein gemischter Sport. Wir wollen die weltbesten Fahrerinnen unterstützen und mehr Frauen in die Lage bringen, gegen Männer anzutreten – eben um zu zeigen, dass sie die gleichen Fähigkeiten haben wie Jungs. In der W-Series kannst du nur die beste Frau werden. Nicht der beste Fahrer. Deshalb stößt die eigentlich gute Plattform da an ihre Grenzen. Wir hoffen aber, dass die besten Frauen der W-Series weiterkommen und sich auch gegen Männer beweisen können. Ansonsten ist es für mich eine Art von Diskriminierung, wenn Frauen nur gegeneinander antreten dürfen.

SPORT1: Wie wichtig sind Ihnen Frauen auch in anderen Rollen innerhalb des Motorsports? Monisha Kaltenborn (frühere Chief Executive Officer der Sauber Motorsport AG, Anm. d. Red.) und Claire Williams (ehemalige stellvertretende Teamchefin des Formel-1-Rennstalls Williams) haben ihre Jobs an der Spitze eines Teams wieder aufgegeben.

Mouton: Wir unterstützen Frauen in allen Bereichen des Rennsports. Im Ingenieurswesen haben wir Vorbilder wie Leena Gaade. Motorsport besteht nicht nur aus Fahren, sondern auch aus Kommunikation, Design, Leitung. Hinsichtlich Monisha und Claire: Ich sehe das Glas lieber halb voll. Für mich war es bereits fantastisch, dass diese beiden Frauen überhaupt diese Position in der Formel 1 erreicht haben. Das war einzigartig. Aber natürlich stellen Sie die Frage, weil es bisher nur zwei Frauen an der Teamspitze gab. Wären es 20 gewesen, würden Sie die Frage gar nicht mehr stellen. Daran sehen Sie auch, dass wir noch Arbeit vor uns haben. Auch ich werde immer gefragt, warum ich die einzige Frau in der Rallye-WM war. Weil eben keiner anderen Dame die Chance dazu gegeben wurde.

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Der Motorsport ist eine absolute Männerdomäne - früher wie heute. Doch mehr und mehr hinterlassen starke Frauen ihre Spuren. Mit Laureus-Gewinnerin Sophia Flörsch hat Deutschland derzeit eine Fahrerin in der Formel 3, die in dieser Saison auch in der der European Le-Mans-Serie startet © Getty Images
Im AvD Motorsport Magazin auf SPORT1 (Montagabend ab 21.45 Uhr LIVE im TV) spricht die 19-Jährige über ihren Werdegang und Frauen im Motorsport. Doch Flörsch ist nicht alleine zu Gast © Getty Images
Auch die frühere Formel-1-Teamchefin und Teambesitzerin Monisha Kaltenborn wird LIVE zugeschaltet sein. Formel-1-Expertin Bianca Garloff komplettiert die Runde ©
Doch wie viele Frauen saßen bereits in einem Cockpit und wer konnte Akzente setzen? SPORT1 zeigt die erfolgreichsten Frauen im Rennsport © SPORT1-Grafik: Imago/iStock
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MARIA TERESA DE FILIPPIS: Sie war eine echte Revoluzzerin, die erste Frau, die in die Männerdomäne einbrach. 1958 stieg sie in Monaco in die Automobil-Weltmeisterschaft (Vorgänger der Formel 1) ein, verpasste mit einem Maserati 250F aber die Qualifikation zum Rennen um fünf Sekunden. Beim Rennen in Belgien fuhr die Italienerin vom 19. auf den zehnten Platz © Getty Images
Daneben fuhr sie in Portugal und Italien, schaffte es aufgrund von technischen Problemen nicht ins Ziel. Legendär ist der ihr verwehrte Start in Frankreich. Heute unvorstellbar: Der Organisator des Frankreich-GP ließ sie nicht starten. "Er sagte, der einzige Helm, den eine Frau tragen sollte, ist der beim Friseur", erzählte de Filippis einmal © dpa Picture Alliance
Bei den drei Einsätzen im Maserati blieb es, denn 1959 schaffte sie es beim Monaco-Lauf in einem geliehenen Formel-2-Porsche nicht über den 21. Platz hinaus - ihre schnellste Rundenzeit wurde im allerletzten Durchgang gestrichen. Es sollte 15 Jahre dauern, bis es wieder eine Frau in die Formel 1 schaffte © Imago
LELLA LOMBARDI: Die erfolgreichste Frau feierte ihr Debüt 1974, scheiterte aber zunächst in der Quali. 1975 und 1976 fuhr sie für March, Williams und RAM insgesamt zwölf Rennen. Und holte als bislang einzige Frau etwas Zählbares: Im Abbruchsrennen von Spanien 1975 fuhr sie als Sechste einen halben WM-Punkt ein © Getty Images
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Trauriger Fakt: Der Große Preis von Österreich am 15. August 1976 war ihr letztes Rennen und es ist zugleich das bis heute letzte F1-Rennen, an dem eine Frau teilnahm. Nur noch drei weitere Damen waren nah dran. Was aber auch bedeutet: Sie schrammten an einer Teilnahme vorbei © Getty Images
DESIRE WILSON: Die Südafrikanerin gewann mit einem Formel-1-Rennwagen sogar ein Rennen - das geht gerne unter. Wilson feierte am 7. April 1980 in einem Wolf-Ford einen Start-Ziel-Sieg in Brands Hatch © Getty Images
Ihr Pech: Das Rennen absolvierte sie zwar in einem Formel-1-Auto, allerdings "nur" in der britischen Formel-1-Meisterschaft. Für die WM war sie drei Monate später gemeldet, schaffte in ihrem Williams-Cosworth aber die Quali nicht © Getty Images
DIVINA GALICA: Die Britin versuchte sich mit vergleichsweise stolzen 28 Jahren im Rennsport. Dreimal nahm sie Anlauf, um sich 1976 und 1978 für ein Formel-1-Rennen zu qualifizieren. Sie scheiterte jedoch © Getty Images
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Schnell unterwegs war sie trotzdem, denn erfolgreicher war ihre Karriere im Wintersport: Ende der 1960er und 1970er Jahre war sie die erfolgreichste Skirennläuferin Großbritanniens, nahm dreimal an den Olympischen Winterspielen teil © Getty Images
GIOVANNA AMATI: Sie war 1992 die letzte Frau in der Formel 1. Schön war es nicht für sie, wie sie vor einigen Jahren verriet. Unflätige Kommentare, Macho-Gehabe und erschwerte Bedingungen: Sie hatte keine einzige Testfahrt absolviert und der Sitz war nicht auf sie angepasst © Getty Images
Die Folge: Sie verpasste die Quali. Die Medien überschlugen sich mit Häme. "Da war keine Rede davon, dass ich für das schlechteste Team fuhr mit einem völlig unterlegenen Motor und einem Auto, das einfach nicht fuhr. Das war schon sehr frustrierend und erniedrigend", sagte sie © imago
Die männlichen Kollegen? Haben sie komplett ignoriert. Der einzige, der zu ihr kam, war Ayrton Senna. "Alle anderen hatten nur was zu meckern. Gegipfelt hat das alles in Jean Alesi, der gesagt hat, 'Ah, die Formel 1 ist nicht mehr die Formel 1, wenn jetzt auch schon Frauen da fahren.' Als ich mich dann auch nicht qualifizieren konnte, war's das. 'Klar, eine Frau. Wir haben es ja schon immer gesagt' und dergleichen." Insgesamt dreimal scheiterte sie in der "Gurke" in der Qualifikation, dann war das Abenteuer Formel 1 beendet © Getty Images
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SUSIE WOLFF: Die Gattin von Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff wollte die erste Frau nach Giovanna Amati werden, die zu einem Grand Prix antreten darf. Wolff schaffte es zum Rennwochenende, fuhr für Williams allerdings "nur" einige Freitagtrainings © Getty Images
An einem Rennen nahm die Schottin nie teil, beendete 2015 ihre Karriere, die sie von 2006 bis 2012 immerhin unter anderem in die DTM geführt hatte. Doch Wolff will noch heute etwas anschieben: Mit ihrem "Dare to be Different"-Projekt unterstützt sie junge Frauen auf dem Weg in den professionellen Motorsport © imago
Zudem ist sie erfolgreiche Teamchefin. In der Formel E leitet sie den Rennstall Venturi © Getty Images
JAMIE CHADWICK: Die 22-Jährige gilt als aktuell aussichtsreichste Kandidatin, hat einen Fuß bereits in der Tür. 2020 weitet sie ihre Arbeit als Simulatorfahrerin bei Williams aus. Außerdem verteidigt die Britin 2020 ihren Titel in der W Series und startet in der Formula Regional European Championship für das Prema Powerteam © Getty Images
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Chadwick: "Wenn man zu einem Team gehört, dann lernt man, wie ein GP-Rennstall funktioniert und arbeitet. Wenn ich einen guten Job mache und da bin, wo ich sein sollte, könnte sich eine Möglichkeit ergeben, und das lässt den Traum etwas realer wirken" © Getty Images
MONISHA KALTENBORN: Die in Indien geborene Österreicherin saß zwar nie selbst in einem Cockpit, hat den Motorsport aber dennoch beeinflusst. Als Juristin kam sie zum F1-Team Sauber, wurde dort in die Geschäftsführung aufgenommen ©
Teamgründer Peter Sauber übertrug ihr 2012 ein Drittel der Anteile, später wurde sie erste Teamchefin in der Formel 1. 2017 wurde sie von ihren Aufgaben entbunden. Nur ein Jahr später gründete sie das Formel-4-Team KDC Racing. Auch ist sie seit 2019 Geschäftsführerin der Formel V, dem Automobil-Rennsport mit F1-Simulatoren © Getty Images
TATIANA CALDERÓN: Die Kolumbianerin kämpft gegen alle Widerstände und Rückschläge. Eine zweite Saison in der Formel 2 wird sie 2020 nicht absolvieren können, dafür wechselte sie als erste Frau in die japanische Super Formula - ebenfalls eine gute Gelegenheit, um auf sich aufmerksam zu machen. Parallel probiert sie sich auch im Langstreckensport aus © Getty Images
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2020 teilt sie sich ein Auto mit Flörsch in der European Le Mans Series. Außerdem ist die 27-Jährige eine aussichtsreiche Kandidatin für die Ferrari-Nachwuchsakademie, schließlich steht sie beim Kundenteam Alfa Romeo als Testfahrerin unter Vertrag. In einem älteren Auto hatte sie erste Testfahrten absolviert © Getty Images
MICHÈLE MOUTON: Sie gilt klassenübergreifend als erfolgreichste Rennfahrerin der Geschichte. Die Französin wurde 1977 erstmals Europameisterin, gewann 1981 in San Remo ihren ersten WM-Lauf und wurde 1982 hinter ihrem Audi-Teampartner Walter Röhrl Vize-Weltmeisterin © xpb.cc
In ihren Audi-Jahren gewann die heute 69-Jährige 1981 und 1982 vier WM-Rallyes. Im von Peugeot Deutschland eingesetzten 205 T 16 holte sie 1986 zudem als bisher einzige Frau den Sieg bei der Deutschen Rallye-Meisterschaft © Getty Images
JUTTA KLEINSCHMIDT: Man kann fast schon davon ausgehen, dass ihr Sieg als erste und bislang einzige Frau bei der Rallye Dakar 2001 im Pajero von Mitsubishi Deutschland ein Triumph für die Ewigkeit sein wird. Sie ist jetzt 58 Jahre alt und als Funktionärin tätig: Kleinschmidt ist Präsidentin der Cross-Country-Rallye-Kommission und kämpft in der FIA-Kommission für Frauen im Motorsport © Getty Images
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Das Frauen-Problem im Rallyesport: "Ich glaube, dass es im Moment sogar einfacher ist, weil man nicht so viel Konkurrenz hat wie früher. Wenn man das Budget findet, kann man sich in ein gutes Team einkaufen. Das Geld zu finden, ist allerdings sehr schwer – für Mann wie Frau. Da wir statistisch schon weniger Frauen haben, bleibt am Ende eben keine Frau übrig, die in einem Top-Fahrzeug sitzt und auch eine Top-Fahrerin ist", sagte sie dem "Standard" © Getty Images
DANICA PATRICK: Sie beendete 2018 ihre Karriere, in der sie zunächst ab 2005 die IndyCar-Serie aufmischte und sich dort einen Namen machte. 2008 holte sie ihren ersten Sieg, es war der erste Erfolg einer Frau im IndyCar überhaupt. 2009 wurde sie Gesamtfünfte, auch sonst hielt sie sich in der Gesamtwertung stets in den Top Ten auf © LAT
Weitere Highlights: Platz vier beim Indy 500 in ihrem Rookie-Jahr, Platz drei 2009. 2010 fing sie an, parallel NASCAR-Rennen zu absolvieren und wechselte 2012 ganz dorthin. An die IndyCar-Erfolge konnte sie aber nicht mehr anknüpfen © Getty Images
ELLEN LOHR: 2020 nahm sie zum 15. Mal an der Rallye Dakar teil. Sie ist immer noch die wohl berühmteste deutsche Rennfahrerin. Ab 1988 fuhr sie zunächst in der Formel 3, ehe sie in der damals besonders populären DTM 1992 als erste und bislang einzige Frau ein Rennen gewann © imago
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Dem Motorsport ist sie bis heute treu geblieben, ob nun bei der Rallye Dakar, beim Truck Racing oder beim EuroNASCAR © Imago
SOPHIA FLÖRSCH: Die Münchnerin startete 2005 im Kartsport, bis sie zehn Jahre später in die Formel 4 wechselte. Zwischen 2016 und 2017 erzielte sie dort als erste Frau Punkte. Das Jahr 2018 wurde für die heute 19-Jährige dramatisch ©
Beim Macau Grand Prix verunglückte die Deutsche schwer. Bei Tempo 276 km/h kollidierte sie mit einem anderen Fahrzeug, wurde ausgehebelt und gegen ein Podest gechleudert. Flörsch erlitt schwere Verletzungen, konnte sich jedoch zurückkämpfen. Bei der Verleihung des Laureus World Sports Award wurde sie im Februar 2020 ... ©
... mit dem Preis für das Comeback des Jahres ausgezeichnet. Aktuell fährt Flörsch in der Formel 3, dazu versucht sie sich in der European Le-Mans-Serie (ELMS), in der sie im September ihre Premiere bei den 24 Stunden von Le Mans feiern wird – in einem reinen Frauen-Team von Richard Mille Racing © Getty Images

Susie Wolff als Inspiration für Frauen im Motorsport

SPORT1: Wie bewerten Sie Susie Wolffs Karriere vor diesem Hintergrund? Sie war erst Rennfahrerin, schaffte es als Testfahrerin bis in die Formel 1 und führt nun ein Formel-E-Team.

Mouton: Und sie ist auch Botschafterin unserer Sache, eine unglaubliche Inspiration für Frauen im Motorsport. Wir brauchen genau diese Vorbilder, die den jungen Mädchen Mut machen und zeigen, was sie erreichen können.

SPORT1: Warum ist dieses Thema für Sie persönlich so wichtig?

Mouton: Weil ich gerne mehr Frauen im Motorsport sehen möchte. Ich hatte die Chance, im besten Auto gegen den besten Fahrer zu fahren. Da gibt es keine Ausreden mehr und genau das setzt extrem viel Motivation frei. Ich wünsche mir, dass mehr Frauen das erleben dürfen. Nach zehn Jahren in der FIA Kommission für Frauen im Motorsport sind wir nun soweit, dass wir ein Mädchen in die Ferrari-Akademie gebracht haben. In der WEC haben wir zwei Damenteams auf Top-Level. Das ist für mich extrem wichtig, denn es ist der einzige Weg, mehr Frauen die Chance zu geben. Und noch einmal: Wir werden bald auch wieder eine Frau in der Formel 1 sehen. Wir sind auf einem guten Weg.

SPORT1: Ein letztes Plädoyer zum Abschluss: Warum sollten junge Mädchen Rennfahrerin werden?

Mouton: Motorsport hilft dir, dich selbst kennenzulernen und deine Grenzen. Er setzt so viel Adrenalin, wie kaum eine andere Sportart. Es ist ein fantastischer Sport.