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Tennis: Erreichen Zverev und Co. nie das Level der ganz Großen?

Das Problem der neuen Tennis-Stars

Daniil Medvedev und Alexander Zverev müssen sich noch gedulden, bis sie Rafael Nadal und Novak Djokovic (v.l.) den Status streitig machen können

Daniil Medvedev und Alexander Zverev müssen sich noch gedulden, bis sie Rafael Nadal und Novak Djokovic (v.l.) den Status streitig machen können © SPORT1-Grafik: Marc Tirl/Imago

Seit Jahren wartet man im Tennis auf die Ablösung der Topstars Djokovic, Federer und Nadal. Doch warum tut sich die nächste Generation so schwer?

Viel fehlte nicht. Alexander Zverev war im Viertelfinale der Australian Open nah dran, Novak Djokovic erstmals über Best-of-Five bei einem Grand-Slam-Turnier zu schlagen. Letztlich fehlten Nuancen, in den entscheidenden Momenten war der Weltranglistenerste cleverer.

Und auch der gewandelte Bad Boy Daniil Medvedev vermochte im Finale nicht das von vielen prophezeite Signal zu setzen, um zu demonstrieren: Djokovic und Co. müssen sich warm anziehen, die Next Generation des Tennis schlägt nun endlich zu.

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Denn wieder einmal hieß der Turniersieger am Ende Novak Djokovic. Seit den Australian Open 2017 teilten die großen Drei (Djokovic, Roger Federer und Rafael Nadal) bis auf eine Ausnahme sämtliche Grand-Slam-Titel unter sich auf. Lediglich die US Open 2020 gewann ein anderer: Dominic Thiem profitierte dabei allerdings von verletzungsbedingten Absagen von Federer und Nadal sowie dem Ausschluss Djokovics, der eine Linienrichterin abschoss.

Djokovic, Federer und Nadal räumen bei Grand Slams ab

Seit Jahren wartet man nun also auf die Wachablösung, doch immer wieder untermauern die Big Three, die gemeinsam 58 Grand Slams errungen haben, ihre Ausnahmestellung bei den wichtigsten vier Turnieren des Jahres.

Und in der Weltrangliste ergibt sich auch kein neues Bild: Zverev, Medvedev, Thiem und Stefanos Tsitsipas, der ebenfalls immer wieder als potenzieller Dominator genannt wird und im Melbourne-Viertelfinale gegen Nadal gezeigt hat, wie es gehen kann, bleiben die Jäger und tauschen nur unter sich die Plätze. (ATP: Aktuelle Tennis-Weltrangliste der Herren)

Doch woran liegt es, dass sich die Ü30-Topstars stets behaupten, wenn es um die ganz großen Töpfe geht? 

Waske: Star-Trio nicht nur mental stärker

Ein recht offensichtlicher Grund: In Sachen mentale Stärke niemand etwas vor.

"Die großen Drei haben das Selbstbewusstsein und die mentale Toughness, nicht locker zu lassen und wirklich über viereinhalb Stunden immer nur einen Punkt zu spielen. Da sind sie einfach die Besten", unterstreicht Ex-Profi Alexander Waske im Gespräch mit SPORT1 den entscheidenden Faktor.

Wie groß "ein Selbstbewusstsein gegen einen 18-maligen Grand-Slam-Champion sein muss, um ihn in einem Best-of-five-Match zu schlagen", sei nicht zu unterschätzen, so der 45-Jährige.

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"Kyrgios tötet sich in jedem Match selbst"

Insbesondere in den ersten Runden eines Grand Slams stellen die Top-Stars ihre mentale Stärke immer wieder unter Beweis. Es kommt nur ganz selten vor, dass sie sich dort mal einen Satzverlust leisten. "Sie haben einen Energietank, und damit gehen sie um. Der darf bis zu Finale nicht leer sein und deswegen gehen sie mental brutal fokussiert in die ersten Runden rein", betont Waske.

"Ein besonderes Beispiel dafür ist Nick Kyrgios. Jeder weiß, dass er das Potenzial für einen Grand-Slam-Sieg hat. Aber er tötet sich in jedem Match mit seinen Mätzchen selbst", sagt der viermalige Titelgewinner im Doppel.

Nick Kyrgios ist aktuell der bunteste Vogel im ATP-Zirkus. Kein Spieler polarisiert mehr als der Australier. Während ihn seine Fans für seine lockere Art und sein freches Mundwerk feiern, werfen ihm Kritiker vor, dass er keinen Respekt vor Gegenspielern und Zuschauern zeigt © Getty Images
Dabei hatte ihm niemand Geringeres als "Super Brat" John McEnroe bescheinigt, dass Kyrgios das größte Tennistalent der vergangenen zehn Jahre sei. Wer Kyrgios an guten Tagen zusieht, wird diese Aussage auch keine Sekunde anzweifeln. Der 24-Jährige hat nicht nur einen großartigen Aufschlag, sondern auch eine atemberaubende Vorhand © Getty Images
Nun kam wieder der Bad Boy raus: Während eines Live-Chats mit seinem Kumpel Andy Murray gönnte Kyrgios sich sechs Gläser Rotwein - und teilte dann gegen die Konkurrenz aus. Über Novak Djokovic sagte er, dass dieser eine "kranke Besessenheit hat, gemocht zu werden". Dominic Thiem unterstellte er indirekt, ein Langweiler zu sein: "Er schaut gern Farbe beim Trocknen zu." © Getty Images
Auch in der Liebe fliegen bei Kyrgios aktuell wohl die Fetzen. Tennisspielerin Anna Kalinskaja bestätigte kürzlich ihre Trennung von ihm, kurz zuvor schrieb sie scharfe Posts - wohl in Richtung Kyrgios - mit Formulierungen wie "verdammter energiesaugender Vampir". Ein weiterer Kommentar besagte: "Du bist kein Bad Boy, du bist einfach ein schlechter Mensch." © Getty Images
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Erneut bestätigt sich Kyrgios' Rolle als unverbesserliches und unangepasstes Unikat in der Tenniswelt. SPORT1 zeigt die größten Ausbrüche, Skandale und Eklats seiner Karriere - und was er über einige seiner Tennis-Kollegen zu sagen hat © Getty Images
US OPEN, 2014: Seinen ersten Negativauftritt auf der großen Bühne hat Kyrgios in der ersten Runde der US-Open. Gegen Mikhail Youzhny wird er drei Mal verwarnt - unter anderem wegen Fluchens und Zertrümmerns eines Schlägers. Knapp vermeidet er die vierte Verwarnung, was die erste Disqualifikation bei einem Grand Slam seit 1995 nach sich gezogen hätte © Getty Images
AUSTRALIAN OPEN, 2015: Erneut tut sich Kyrgios in seinem Erstrundenmatch durch obszöne Äußerungen und Schlägerwerfen hervor. Von der ATP bekommt er 4926 Dollar Strafe aufgebrummt - es soll nicht die letzte Strafe in seiner Karriere bleiben © Getty Images
WIMBLEDON, 2015: Auch in Wimbledon hinterlässt Kyrgios seine Spuren. In der vierten Runde gegen Richard Gasquet macht er seinem Ärger verbal Luft und wählt dafür Worte, die in Wimbledon nicht gern gehört werden. Noch schlimmer: Kyrgios stellt irgendwann seine Bemühungen ein und schenkt einige Punkte ab, was zu einem Pfeifkonzert führt © Getty Images
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Bereits vor dem Turnier sorgt er für Schlagzeilen, als er in einem Interview mit dem Satz "Ich mag Tennis eigentlich nicht sonderlich" zitiert wird. Die Aussage passt perfekt zu dem schlampigen Genie, das oft durch lustloses Auftreten auf dem Platz in Erscheinung tritt © Getty Images
Dies bringt ihm einen öffentlichen Streit mit der viermaligen Olympiasiegerin im Schwimmen, Dawn Fraser, ein. Nach dem Null-Bock-Auftritt sagt sie, er solle doch dahin zurückgehen, woher die Eltern gekommen seien. Das wäre kein würdiges Auftreten für Australien. Allerdings entschuldigt sie sich später bei Kyrgios für die Aussage © Getty Images
MONTREAL, 2015: In Montreal kommt es zum vorläufigen Tiefpunkt. In einem Match gegen Stan Wawrinka provoziert er den Schweizer mit der Äußerung, dass sein Aussie-Kollege Thanasi Kokkinakis seiner Freundin Donna Vekic sehr nahegekommen sei: "Kokkinakis banged your girlfriend, sorry to tell you that, mate", sagt er wortwörtlich © Getty Images
Der Schweizer reagiert danach zu Recht aufgebracht und verlangt Sanktionen seitens der ATP. Die kommen auch prompt: Über 35.000 Dollar Strafe und eine 28-tägige Zwangspause verhängt die ATP gegen Kyrgios © Getty Images
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WEITERE STRAFEN: Wer jetzt aber denkt, dass die Zwangspause ein Umdenken bei dem Australier bewirkt, liegt falsch. Allein 2016 trägt er sich bei den Australian Open, den French Open und Wimbledon in den Strafenkatalog ein. Knapp 20.000 Dollar Strafe werden wegen Fluchens und ungebührlichen Verhaltens fällig © Getty Images
SHANGHAI MASTERS, 2016: Aber das große Finale hebt er sich für die Shanghai Masters auf. Durch sein lustloses Auftreten im Match gegen Alexander Zverev, unsportliches Verhalten, und Beleidigung eines Zuschauers hagelt es über 50.000 Dollar Strafe und eine achtwöchige Sperre, was für ihn das Saisonende zu Folge hat © Getty Images
Diesmal schien die Strafe kurz Wirkung zu zeigen: "Ich verstehe und respektiere die Entscheidung der ATP. Ich werde meine freie Zeit nutzen, um auf und abseits des Courts an mir zu arbeiten", verspricht Kyrgios. Die Sperre kann auf drei Wochen reduziert werden, wenn er mit einem Psychologen an seinen Ausbrüchen arbeitet © Getty Images
US OPEN, 2017: Die Wirkung hält nicht lange an. In New York gibt er unter anderem eine nicht jugendfreie Schimpftirade zum Besten, die er danach bestreitet. Das Zerhacken seines Schlägers bringt ihm später sogar einen Strafpunkt ein © Getty Images
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SHANGHAI MASTERS, 2017: Wieder ist Shanghai Ort des Geschehens. Nachdem er den Tiebreak des ersten Satzes gegen Steve Johnson verliert, stürmt er vom Platz und kommt nicht mehr zurück. Später macht er via Twitter einen Magen-Darm-Virus dafür verantwortlich. Und wieder gibt es 30.000 Dollar Strafe © Getty Images
US OPEN, 2018: Zu einem besonders dubiosen Vorfall kommt es 2018. Wegen eines wieder einmal gelangweilten Auftrittes von Kyrgios kommt Schiedsrichter Mohamed Lahyani von seinem Stuhl und versucht, ihn zu motivieren. Danach dreht Kyrgios das Match trotz 4:6, 0:3-Rückstand noch und erntet einen gewaltigen Shitstorm auf Twitter © Getty Images
Selbst Roger Federer zeigt sich von der Aktion mehr als überrascht. "Ein Schiedsrichter sollte seinen Stuhl nicht verlassen. Ich weiß nicht, was er gesagt hat, es ist mir auch egal. Er war zu lange unten, es war ein Gespräch, das kann deine ganze Einstellung ändern" © Getty Images
WIMBLEDON, 2018: Dass in Rüpel Kyrgios auch ein weiches Herz schlägt, beweist er, als er ein Ball-Kind beim Aufschlag abschießt. Mit 222 km/h trifft er das Mädchen am Oberarm © Getty Images
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Da lässt es sich der Australier auch nicht nehmen, zu ihr zu gehen und sie vom Platz zu begleiten. "Als ich realisiert hatte, dass es ihr Arm ist, war das hart. Sie hat angefangen zu weinen. Aber sie hat es wie ein Champion genommen. Ich hätte auf jeden Fall auch geweint." © Getty Images
CINCINNATI, 2018: Während sein Gegner Dennis Kudla am Netz bereits auf die Seitenwahl wartet, steht Kyrgios ratlos mit Strümpfen auf dem Platz. Beim Blick in die Tasche ist ihm zuvor nämlich etwas aufgefallen - er hat seine Tennissschuhe vergessen. Im Match strengt er sich bei den Returns selten an, gewinnt aber dank 39 Assen dennoch © Getty Images
ACAPULCO, 2019: Im Frühjahr macht Kyrgios beim Turnier in Acapulco wieder sportlich auf sich aufmerksam. Im Finale besiegt er seinen Kumpel Alexander Zverev 6:3, 6:4 und sichert sich damit seinen fünften Karrieretitel © Getty Images
Auf dem Weg ins Finale besiegt er sogar Rafael Nadal in drei Sätzen. Diese Partie zeigt aber auch das Problem von Kyrgios, der selbst zugibt, dass ihn nur solche Duelle gegen die Großen motivieren. Nadal schimpft nach der Partie, Kyrgios habe keinen Respekt vor dem Gegner, den Fans oder sich selbst © Getty Images
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MIAMI, 2019: Wenige Wochen später zieht sich das Genie zurück und der Wahnsinn nimmt wieder Überhand. Bei den Miami Open führt er einen Aufschlag von unten durch, weshalb er von einem Zuschauer beleidigt wird. Kyrgios reagiert wie gewohnt und legt sich mit dem Mann an © Getty Images
Am Ende fordert dieser ihn per Gesten sogar zu einer direkten Auseinandersetzung auf. Erst als der Mann von den Zuschauerrängen entfernt wird, kann das Spiel fortgesetzt werden © Getty Images
Die Partie von Kyrgios löst eine Twitter-Debatte aus. Judy Murray, die Mutter von Superstar Andy Murray, bezeichnet den Australier als Genie. Tennis-Ikone Boris Becker sieht das anders. Für ihn ist ein Genie jemand wie Roger Federer oder Michael Jordan - nicht ein Sportler, der in seiner Karriere noch keinen einzigen großen Titel gewonnen hat © Getty Images
Vor seinem Match geht Kyrgios zudem auf Twitter Deutschlands beste Tennisspielerin Angelique Kerber an. Die hatte Bianca Andreescu nach ihrer Niederlage als größte Drama-Queen aller Zeiten bezeichnet. Das bringt ihr viel Kritik ein, weshalb sie einen Tag nach dem Match ihrer Kontrahentin via Twitter gratuliert © Getty Images
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Bei Tennis-Bad-Boy Nick Kyrgios kommt das nicht gut an. Er findet die verspätete Gratulation offenbar nicht ganz ehrlich und schreibt: "Bro, erst sagst du, sie ist eine Drama-Queen, und jetzt postest du das" © Getty Images
In Miami sorgt Kyrgios auch eine Runde später für Aufsehen. Im Duell mit Borna Coric brilliert er mit einem No-Look-Volley und einem Tweener. Eine Pause zwischen zwei Punkten nutzt er nicht zur Regeneration, sondern versucht sich am Bottle Flip © Getty Images
ROM, 2019: Kyrgios schafft das heutzutage kaum mehr für möglich gehaltene: Der Australier wird wegen seines Benehmens disqualifiziert. Nur einen Tag zuvor kritisiert er im Podcast "No Challenges Remaining" diverse Topspieler. So hält er Rafael Nadal für einen "schlechten Verlierer", der nach Niederlagen stets negativ über ihn sprechen würde © Getty Images
Sein Urteil über den Spanier Fernando Verdasco fällt noch heftiger aus: "Fernando Verdasco ist für mich der arroganteste Spieler der Tour. Er läuft herum, als sei er etwas ganz Wichtiges, grüßt nicht, dabei ist sein Spiel einfach nur Durchschnitt", ledert Kyrgios © Getty Images
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Über den Weltranglistenersten Novak Djokovic sagt der 24-Jährige: "Ich finde, er hat ein krankhaftes Verlangen danach, von allen gemocht zu werden. Er möchte wie Federer sein. Er möchte so sehr gemocht werden, dass ich es nicht ausstehen kann. Sein Siegesjubel ist abscheulich" © Getty Images
Und weiter: "Egal, wie viele Majors er gewinnt, er wird nie der größte Spieler aller Zeiten sein. Wenn man nicht mal mich besiegen kann, ist man nicht der Größte aller Zeiten. Man muss nur sehen, wie viel ich trainiere und investiere. Das ist einfach gar nichts im Vergleich zu ihm." Kyrgios steht im direkten Vergleich gegen Djokovic bei 2:0 Siegen © Getty Images
Kyrgios legt sich in Rom mit dem Publikum an, schleudert anschließend seinen Schläger Richtung Zuschauer und wirft einen Stuhl auf den Platz - und kassiert Kritik von Konkurrent Casper Ruud. Der Australier lässt dies nicht auf sich sitzen und teilt via Twitter aus: © Getty Images
"Nächstes Mal, wenn du etwas zu sagen hast, würde ich es begrüßen, wenn du es mir ins Gesicht sagst. Ich bin sicher, dass du danach deinen Mund nicht mehr so oft aufreißt. Bis es soweit sei, würde er lieber Farbe beim Trocknen zusehen als Ruud beim Tennisspielen. Denn das sei "verf**** langweilig." © Getty Images
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WIMBLEDON 2019: Nach seinem Zweitrunden-Aus gegen Nadal übt Kyrgios heftige Kritik am Schiedsrichter, der Nadals langsame Aufschlagroutine nicht geahndet hatte: "Er fühlt sich offenbar ziemlich wichtig, wenn er da oben auf dem Stuhl sitzt. Er war einfach schrecklich. Ich denke, wie er das Match geleitet hat, war einfach schlecht" © Getty Images
Nachdem er im dritten Satz einen Return voll gegen Nadals Brust geschlagen hatte, verweigert Kyrgios eine Entschuldigung mit den Worten: "Es interessiert mich nicht, warum sollte ich mich entschuldigen? Ich meine, der Typ hat wie viele Grand Slams und wie viel Geld auf seinem Konto? Ich denke, er kann einen Ball auf die Brust vertragen" © Getty Images
Auch die Journalisten bekommen ihr Fett weg: "Ihr seid so nett zu mir, unglaublich. Ihr seid die Besten, ihr macht keine Propaganda. Natürlich nicht, nur Fakten. Ich liebe das", erklärte Kyrgios sarkastisch. Einen Reporter greift er persönlich an und spekuliert, dieser müsse "wirklich ein langweiliges Leben führen" © Getty Images
WASHINGTON 2019: Kyrgios zeigt mal wieder das komplette Programm. Er brilliert mit tollen Schlägen, täuscht einen Aufschlag von unten an und spielt einen Ball mit dem Kopf zurück. In einer Pause schmeißt er aber auch eine Flasche gegen den Schiedsrichterstuhl und erklärt anschließend, sie sei ihm aus der Hand gerutscht © Getty Images
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"Ich war heute ziemlich 'on fire'", sagt er anschließend. Einen Tag zuvor hatte er seinen Schläger vor Wut zerstört und ihn anschließend einem jungen Fan geschenkt sowie den Schiedsrichter als "Kartoffel mit Armen und Beinen" beleidigt © Imago
CINCINNATI 2019: Beim ATP-Turnier hat er, wie so oft, seine Emotionen nicht unter Kontrolle. Bereits im Spiel gegen den Italiener Lorenzo Sonego ließ er seinen Frust am Schläger aus © Getty Images
Im Match gegen Karen Khachanov geriet er nun wieder mit dem Schiedsrichter in Konflikt. Dieser verpasste ihm eine Strafe wegen Missachtung der Shot-Clock. Kyrgios verlangte daraufhin eine Toilettenpause, die ihm der Unparteiische verweigerte, woraufhin Kyrgios ausrastete © Getty Images
Vielleicht war auch die Vorgeschichte schuld an der Eskalation. Fergus Murphy und Kyrgios waren bereits im Juni 2019 beim Tennisturnier im Queens Club aneinandergeraten © Getty Images
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Auf jeden Fall verließ Kyrgios frustriert den Platz und ging in die Katakomben, wo er seine Wut an zwei Schlägern ausließ und mit den völlig demolierten Spielgeräten wieder das Feld betrat © Getty Images
Auch gegen den Schiedsrichter teilte er aus. "Du bist ein verdammter Angeber", tobte er Richtung Murphy und spuckte vor dessen Stuhl auf den Boden. Kyrgios verlor das Match und verweigerte dem Schiedsrichter den Handschlag. Die ATP reagierte mit der rekordverdächtigen Strafe von 113.000 US-Dollar © Getty Images
Beim Laver Cup 2019 kam wieder der Bad Boy zum Vorschein: Unkonzentriert beginnt er seinen zweiten Satz gegen Roger Federer. Beim 1:2 verrät er auf dem Weg zur Bank seinen Teamkollegen den Grund dafür: "Ich sah eine heiße Frau im Publikum. Ich bin absolut ehrlich, ich würde sie heiraten. Sofort." Seine Teamkollegen fanden seine Begründung amüsant © Getty Images
Als die Reporter ihm und Trainer John McEnroe nach einer Partie bei der Pressekonferenz Fragen stellen, greift Kyrgios zunächst gelangweilt zu seiner Bierflasche. Unbeeindruckt stürzt er den Inhalt in nur sechs Sekunden seinen Rachen hinunter, bevor er den Journalisten ein Ohr schenkt © imago

Doch nicht nur im Kopf sind Djokovic, Federer und Nadal ihren jungen Herausforderern einen Schritt voraus.

"Es gibt auch in der Schlagtechnik Unterschiede. In den besten Saisons werden die großen Drei auch in ihren Stärken noch stärker. Diese Dominanz ist nicht nur mental. Es hat mit den Schlägen zu tun, mit der Taktik, der Herangehensweise", analysiert Waske: "Man kann auch provokant sein und sagen, dass keiner dabei ist, der die Qualität von Federer, Nadal und Djokovic hat. Die Jungen sind alle sehr, sehr gut. Ich finde aber, dass die großen Drei absolute Ausnahmekönner sind, die noch einmal auf einem anderen Level spielen. Von den Jungen hat noch keiner gezeigt, dass er auf dem gleichen Level ist."

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ATP Finals in der Hand der Next Generation

Nicht auszuschließen allerdings ist, dass die jüngeren Begabungen noch auf das Niveau heranreifen. Thiem ist mit seinen 28 Jahren zwar nicht mehr der Allerjüngste, doch Medvedev (25), Zverev (24) und Tsitsipas (22) sind in ihrer Entwicklung noch lange nicht am Ende.

Die drei Letztgenannten teilten auch die drei vergangenen Titel bei den ATP Finals unter sich auf. Das bedeutet: Sie haben bewiesen, dass sie die Allerbesten - und dazu gehörten auch regelmäßig der Serbe, der Schweizer und der Spanier - bezwingen können.

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Ein wesentlicher Unterschied, den Waske allerdings herausstreicht: Die ATP Finals mit nur zwei Gewinnsätzen machen es den Herausforderern leichter.

"Keiner der drei Großen wird sich daran messen, wie oft er die ATP Finals gewonnen hat. Das ist eine tolle Veranstaltung, aber kein Vergleich zu einem Grand Slam", betont Waske: "Die Turnierpläne der großen Spieler, besonders bei Roger Federer, sind einzig und allein darauf ausgelegt, bei den Grand Slams zur Höchstform aufzulaufen. Alles wird dem untergeordnet. Alles andere zählt nicht."

Keine baldige Wachablösung in Sicht

Ein weiterer Grund, warum die Dominanz der alten Garde anhält: Dank immer professionellerer Trainingskonzepte, die auch speziell auf die Gesundheit des Körpers ausgelegt seien, sind die Profis heutzutage in der Lage, auch bis ins höhere Sportler-Alter die zehrende Sportart Tennis auf Weltklasseniveau auszuüben.

Es ist angerichtet! Im Halbfinale der Australian Open treffen die beiden Superstars Roger Federer und Novak Djokovic aufeinander (Do., ab 09.30 Uhr im LIVETICKER). Abgesehen davon, dass es um den Einzug in das Finale geht, ist das Spiel etwas Besonderes © Getty Images
Die Tennisgrößen der vergangenen Jahre treffen in Melbourne zum 50. Mal aufeinander. Im Head-to-Head führt Djokovic mit 26:23. SPORT1 zeigt die besten Duelle des Klassikers © SPORT1-Montage: Getty Images
1. RUNDE MONTE CARLO 2006: Beim Masters Turnier in Monte Carlo kommt es 2006 zum ersten Aufeinandertreffen. Der damals 24 Jahre alte Federer gewinnt das Erstrunden-Match, muss aber gegen den erst 18-Jährigen Djokovic einen Satz abgeben. Das 6:3, 2:6 und 6:3 ist der Beginn eines der faszinierendsten Duelle im Tennis-Sport aller Zeiten © Getty Images
FINALE MONTREAL 2007: Ein Jahr später gelingt Djokovic beim Masters Turnier in Montreal im Finale sein erster Erfolg gegen Federer - und das im bereits fünften Aufeinandertreffen der beiden 2007. Gleichzeitig ist der 7:6, 2:6, 7:6-Sieg der bis dato größte Erfolg des Serben © Getty Images
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FINALE US OPEN 2007: Bei den US Open 2007 stehen sich Federer und Djokovic erstmals in einem Grand-Slam-Finale gegenüber. Der Schweizer gewinnt in drei Sätzen © Getty Images
Das Spiel ist allerdings knapper, als es das bloße Ergebnis vermuten lässt. Satz eins und zwei entscheidet Federer erst im Tie-Break für sich. Der damals 20 Jahre alte Djokovic vergibt alleine im 1. Durchgang fünf Satzbälle © Getty Images
Im 2. Satz verpasst der Serbe zwei weitere Male die Entscheidung. Im dritten Satz macht Federer mit 6:4 dann alles klar © Getty Images
HALBFINALE US OPEN 2009: Roger Federer hat die Chance, wie schon 2006 und 2007 in sämtliche Endspiele von Grand-Slam-Turnieren einzuziehen. © Getty Images
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Im Halbfinale trifft er auf Djokovic und nutzt das Match zu einer Demonstration seiner großen Stärke. Beim 7:6, 7:5 und 7:5 ist er in den entscheidenden Momenten immer da und zieht im dritten Jahr in alle Grand-Slam-Endspiele ein - Rekord! © Getty Images
HALBFINALE FRENCH OPEN 2011: Eines der besten Sandplatz-Matches aller Zeiten. Djokovic kommt mit der Hammer-Serie von 43 Siegen am Stück ins Halbfinale. Die letzte Niederlage vor dem Duell im Juni? Ende November im ATP-Tour-Finale in London gegen Federer © Getty Images
Ein Maestro in Weltklasseform stoppt Djokovic erneut, gewinnt mit 7:6, 6:3, 3:6, 7:6., obwohl auch der Djoker grandiose Schläge zeigt. Ein kleiner Trost: Djokovic wird trotz Halbfinale-Aus neue Nummer 1 der Weltrangliste und stürzt Rafael Nadal vom Thron © Getty Images
HALBFINALE US OPEN 2011: Im Arthur-Ashe-Stadium - der größten Tennisarena der Welt kommt es zum erneuten Aufeinandertreffen der beiden Tennis-Magier © Getty Images
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Diesmal hat der Serbe die Nase vorn - und das nach einer unglaublichen Aufholjagd. Die ersten beiden Sätze holt sich Federer. Dann aber dreht Djokovic auf, gewinnt die drei folgenden Durchgänge - und kann nach 3:51 Minuten seinen 6:7, 4:6, 6:3, 6:2, 7:5-Sieg bejubeln © Getty Images
FINALE WIMBLEDON 2014: Im ersten gemeinsamen Finale mit seinem Coach Boris Becker krönt sich Djokovic zum zweiten Mal zum Wimbledon-Sieger - und fügt Federer eine schmerzhafte Niederlage zu. Es ist erst dessen zweite Pleite in einem Wimbledon-Endspiel © Getty Images
Sieben Jahre nach dem ersten Duell in einem Grand-Slam-Finale triumphiert Djokovic mit 6:7, 6:4, 7:6, 5:7, 6:4 - erstmals schlägt der Serbe den großen Widersacher auf der größten Bühne. Knapp vier Stunden liefern sich die Superstars ein Duell der Extraklasse © Getty Images
FINALE WIMBLEDON 2015: Im zweiten Wimbledon-Endspiel in Folge zwischen den beiden Rivalen muss sich erneut Roger Federer geschlagen geben. Der "Maestro" beginnt stark, lässt im ersten Durchgang aber Satzbälle ungenutzt.. © Getty Images
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Djokovic rettet sich in den Tiebreak und holt sich den ersten Satz. Den zweiten Durchgang kann Federer zwar gewinnen, in der Folge ist "Nole" aber zu stark - und gewinnt am Ende mit 7:6, 6:7, 6:4 und 6:3 © Getty Images
FINALE US OPEN 2015: Im Finale von New York kann sich Federer nach verlorenem ersten Satz steigern und holt sich Durchgang Nummer zwei. Im dritten Satz ist Federer am Drücker, vergibt aber zahlreiche Breakchancen © Getty Images
Auf der Gegenseite kann Djokovic gleich seine erste Breakmöglichkeit nutzen und sich den Durchgang sichern. In einer hochdramatischen Partie gewinnt der Serbe nach 3:20 Stunden mit 6:4, 5:7, 6:4, 6:4 © Getty Images
FINALE WIMBLEDON 2019: Das beste, spektakulärste und spannendste Spiel zwischen den beiden Ausnahmekönnern! An diesem 14. Juli 2019 wird Tennis-Geschichte geschrieben © Getty Images
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Das Match an der legendären Church Road in London wogt hin und her. Djokovic gewinnt von den ersten drei Sätzen zwei - allerdings jweils nur im Tiebreak. Federer schlägt im vierten Satz zurück © Getty Images
Der fünfte Satz bietet Dramatik pur. Beim Stand von 8:7 für Federer hat der Schweizer die ersten beiden Matchbälle, kann sie aber nicht verwandeln. Als beim Stand von 12:12 immer noch keine Entscheidung gefallen ist, greift die neue Regel - ein Tiebreak muss her. Den gewinnt Djokovic. Das 7:6, 1:6, 7:6, 4:6, 13:12 für den Serben geht als längstes Finale in die Wimbledon-Geschichte ein © Getty Images

Deshalb sieht Waske vorerst "keine Wachablösung". "Djokovic sehe ich über die nächsten vier bis fünf Jahre weiterhin als absoluten Topfavoriten bei allen Turnieren bis auf Paris, dort sehe ich Nadal vorne", macht der Frankfurter deutlich.

Insbesondere Federer und Nadal, etwas später auch Djokovic, hat die auf sportlich unfassbarem Niveau stattgefundene Rivalität geholfen. (Kalender der ATP-Saison 2021)

Zverev auf dem Weg zum Grand-Slam-Champion

"In fast allen Sportarten gab es immer unglaubliche Duelle zwischen den Besten. Im Fußball zum Beispiel zwischen Ronaldo und Messi. Man braucht Gegenspieler, um selbst eine maximale Leistung rauszuholen. Ob das die Jungen so sehen, weiß ich nicht. Aktuell stellt sich die Frage aber auch nicht, weil die Top-Leute das Maß aller Dinge sind und nicht Thiem, Zverev, Medvedev und Tsitsipas. Die sind in diesem Sinne alle noch zweite Liga", konstatiert Waske.

Doch früher oder später - wenn der Körper dann doch nicht mehr mitspielt, wie es bei Federer seit geraumer Zeit bereits der Fall ist, weshalb er laut Waske seine Karriere vermutlich nach Olympia beenden wird - wird auch die Zeit der Next Gen kommen. Dann können auch Djokovic und Nadal einmal in Melbourne, Paris, London oder New York in die Schranken gewiesen werden.

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"Ich glaube fest daran, dass Zverev einige Grand Slams gewinnt und dass er, wenn er sich weiterentwickelt, ein unglaublich dominantes Spiel haben wird", ist sich Waske sicher.

Werden die Namen Zverev, Medvedev und Tsitsipas in zehn Jahren aber einen ähnlich mythischen Klang haben wie heute die der drei großen Vorbilder? Das ist eine andere Frage ...