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Handball-WM: Favoritencheck von Stephan mit Deutschland, Dänemark, Norwegen

Stephan bewertet die WM-Favoriten

Streit um Zuschauer, Spielplan und Top-Stars: So läuft die umstrittene Handball-WM

In Ägypten kämpfen die besten Handballer der Welt um den Titel. Das DHB-Team tritt als Außenseiter an. SPORT1 stellt die Favoriten vor, die Deutschland ärgern will.

Es geht endlich los: Am Mittwoch startet die Handball-WM in Ägypten (Handball-WM 2021 vom 13. bis 31. Januar im LIVETICKER).

Es ist ein Turnier, um das es schon vorab jede Menge Turbulenzen gegeben hat, gerade auch in der deutschen Mannschaft.

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Leistungsträger wie Patrick Wiencek oder Hendrik Pekeler verzichteten coronabedingt freiwillig auf eine Teilnahme an der WM, die in einer Bubble ohne Zuschauer stattfinden wird - und trotzdem schon jetzt beeinträchtigt ist, vor allem durch die Absagen von Tschechien und den USA wegen einer Flut von Coronafällen im Team

"Eine Farce"! Wird die Handball-WM zum Mega-Reinfall?

Die deutsche Nationalmannschaft entwickelte sich wegen der Absagen zunehmend zum Außenseiter, trotzdem will das DHB-Team die Favoriten ärgern (Spielplan der Handball-WM 2021).

Zusammen mit Daniel Stephan, Welthandballer von 1998, stellt SPORT1 die heißesten Anwärter auf den Titel vor und beurteilt die Chancen des DHB-Teams.

DÄNEMARK

Der kleine nördliche Nachbar Deutschlands gehört seit Jahrzehnten zu den Top-Nationen im Welt-Handball. 

Bei der WM 2019 schrieb das Nationalteam sein Wintermärchen. Als Co-Gastgeber gewann Dänemark im heimischen Herning das Finale gegen Norwegen klar und wurde erstmals Weltmeister. Bei der EM 2020 setzte es mit dem Vorrunden-Aus allerdings einen herben Rückschlag.

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Der wurfgewaltige Mikkel Hansen (Paris Saint-Germain) führt das Team an. Der beste dänische Spieler gleicht in seinem Aussehen der Sagengestalt Thor – bärtig, blond, muskulös. Mit dem ehemaligen Flensburger Rasmus Lauge (jetzt Veszprem) fehlt allerdings ein wichtiger Spieler, der spielerische Akzente setzen kann, verletzt.

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Das sagt Stephan: "Dänemark ist für mich einer von zwei Topfavoriten auf den Titel. Trainer Jakobsen ist manchmal auch impulsiv und kann mit seiner Lautstärke die Spieler aufwecken. Er hat auch ein tolles Team, das fängt im Tor mit Niklas Landin an. Er ist der beste Torwart der Welt und zeigt konstant starke Leistungen beim THW Kiel. Aber auch im Rückraum mit Superstar Hansen sehe ich Dänemark weit vorne. Ein tolles Team, das taktisch gut aufgestellt ist, aber auch über einen ausgeprägten Kampfsinn verfügt." (Handball: Die wichtigen Regeln erklärt)

NORWEGEN

Nach zwei zweiten Plätzen bei den vergangenen beiden Weltmeisterschaften streben die Skandinavier jetzt nach dem Titel. 

Der absolute Star im Team ist Sander Sagosen. Der 25 Jahre alte Rückraumspieler spielt seit dieser Saison beim THW Kiel in der Bundesliga und war kürzlich am Champions-League-Sieg maßgeblich beteiligt.

Sander Sagosen ist der Dreh- und Angelpunkt im norwegischen Spiel

Der Kader von Trainer Christian Berge liest sich wie eine All-Star-Mannschaft der HBL, zehn Spieler verdienen ihr Geld in der Bundesliga. 

Neben Sagosen sind Torwart Torbjörn Bergerud (SG Flensburg-Handewitt) sowie die beiden Rückraumspieler Göran Johannessen (SG Flensburg-Handewitt) und Harald Reinkind (THW Kiel) hervorzuheben. 

Mit Magnus Röd (SG Flensburg-Handewitt) musste ein wichtiger Spieler seine WM-Teilnahme absagen. 

Das sagt Stephan: "Norwegen ist neben Dänemark der zweite Topfavorit auf den WM-Titel. Der Superstar ist Sagosen. Ich weiß von Kieler Seite, dass er vom Typ her ein toller Mensch ist. Das macht ihn noch sympathischer, da er als Superstar nicht abgehoben ist. Er ist der Dreh- und Angelpunkt der Mannschaft, der sich natürlich nicht verletzen darf. Er muss seine Leistung bringen. Eine Schwachstelle könnte sein, dass das Spiel sehr auf ihn zugeschnitten ist. Wie Dänemark ist Norwegen auch ein kampfkräftiges Team. Sie spielen sehr schnell von hinten heraus. Nicht nur mit Kraft, sondern auch mit Technik."  

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FRANKREICH

Welt- und Europameister, dazu Olympiasieger - die französische Nationalmannschaft dominierte die Handball - und Sportwelt lange wie kein anderes Team. Der letzte Titel bei einem Großevent liegt allerdings schon vier Jahre zurück (Weltmeister 2017).

Bei der EM 2020 erlebte der langsame Rückschritt der einstigen Supermacht mit dem Vorrunden-Aus seinen negativen Höhepunkt, was Trainer Didier Dinart seinen Job kostete.

Ex-Nationalspieler Guillaume Gille ist Trainer der Franzosen

Nun setzt der beförderte Guillaume Gille - zuvor Co-Trainer - auf eine Mischung aus Erfahrung und aufstrebenden Talenten. In Ägypten muss er aber auf den dreimaligen Welt-Handballer Nikola Karabatic verzichten. 

Die letzten beiden EM-Qualifikationsspiele verliefen mit nur einem Punkt aus zwei Spielen gegen Serbien wenig mutmachend. Wird Frankreich trotz der enormen individuellen Qualität erneut zur Enttäuschung?

Das sagt Stephan: "Eine erfahrene Mannschaft, die körperlich vielleicht noch stärker als die Skandinavier ist – was eigentlich fast gar nicht geht. Melvin Richardson und Dika Mem sind starke Einzelspieler. Frankreich überzeugt mit Spielwitz. Mit Kentin Mahe haben sie einen Spieler, der ein kleiner Filou ist – im positiven Sinne. Er setzt überraschende Aktionen. Sie haben eine robuste Deckung. Ich kann derzeit nicht ganz beurteilen, ob es nach ganz vorne reicht – auch wegen der vergangenen Ergebnisse. Wir wissen aber alle: Wenn die Franzosen einen Lauf bekommen, sind sie in der oberen Weltklasse anzusiedeln."  

SPANIEN

Kann der Europameister von 2018 und 2020 jetzt auch bei einer WM ganz vorne stehen?

Trainer Jordi Ribera hat den Verjüngungsprozess in der Mannschaft weiter voran getrieben. Diesem ist mit Kreisläufer Julen Aguinagalde (KS Kielce) ein prominenter Name zum Opfer gefallen. 

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Wichtigste Spieler im weiter namhaften Kader sind Alex Dujshebaev (KS Kielce) und Raul Entrerrios (FC Barcelona). Mit Gedeon Guardiola (TBV Lemgo) steht auch ein in Deutschland bekannter Spieler im Kader. Mit dieser Mannschaft ist den Iberern zumindest wieder das Halbfinale zuzutrauen. 

Das sagt Stephan: "Ihre Spielweise ist unattraktiv – auch wenn das jetzt ein bisschen hart klingt. Spanien macht natürlich einen guten Gegenstoß, Gonzalo Pérez de Vargas im Tor ist auch eine Bank. Sie kommen über die erste und zweite Welle, das machen sie sehr gut. Beim 6:6 tun sie sich ab und zu schwer. Mit ihren pfeilschnellen Links- und Rechtsaußen wird der Gegenstoß Trumpf sein.

Spanien ist eine Turniermannschaft, die sich oft durchwurstelt und im Halbfinale steht. Manchmal kann man gar nicht deuten, warum sie das geschafft hat. Das ist aber auch eine Klasse."  

KROATIEN

Bei internationalen Turnieren ist mit dem Vize-Europameister von 2020 stets zu rechen. Herausragende Akteure sind Domogoj Duvnjak (THW Kiel) und Luka Cindric (FC Barcelona).

Mit ihrem auf eine gute Defensive ausgelegten Spielstil wird Kroatien andere Topnationen wieder vor Probleme stellen - und vielleicht für eine Überraschung sorgen. 

Das sagt Stephan: "Eine Mannschaft, die sehr unangenehm zu spielen ist. Gegen ihre 5-1- oder 3-2-1-Deckung mit Duvnjak vorne haben viele Nationen Probleme. Bei Spielen mit Kroatien fallen meist wenige Tore. Mit Duvnjak, Igor Karacic und Cindric gibt es viel individuelle Klasse.

Manchmal sind die Spieler aber vielleicht zu emotional und überdrehen. Dann kann es auch schon mal nach hinten losgehen. Eine sehr impulsive Mannschaft, was eine Stärke ist, aber manchmal auch eine Schwäche."  

DEUTSCHLAND

Alfred Gislason hat sich für seine WM-Premiere sicherlich andere Voraussetzungen gewünscht (Kader des DHB-Teams bei der Handball-WM 2021).

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Insgesamt sieben Leistungsträger verzichteten auf die die Endrunde. Zu dem an der Schulter verletzten Fabian Wiede, 2016 Europameister und Olympiadritter von Rio, kamen zuletzt auch Hendrik Pekeler, Steffen Weinhold und Finn Lemke. Zuvor hatten schon Patrick Wiencek (wegen Corona) sowie Franz Semper und Tim Suton (beide Kreuzbandriss) Gislason für den Saison-Höhepunkt abgesagt.

Uwe Gensheimer ist der Star im Team von Bundestrainer Alfred Gislason

Jetzt haben andere Spieler wie Sebastian Firnhaber und Antonio Metzner (beide Erlangen) und Juri Knorr (Minden) die Möglichkeit, sich bei einem Großereignis zu beweisen. Entwickelt das DHB-Team einen Teamgeist und trumpfen die Leistungsträger um Andreas Wolff und Uwe Gensheimer auf, ist eine Überraschung drin.

Das sagt Stephan: "Ich bin jemand, der sagt, dass man ein Ziel braucht. Wenn so viele Stammspieler ausfallen und vor allem der Innenblock nicht zur Verfügung steht, muss man jetzt aber sagen: Wir starten hoch motiviert ins Turnier und wollen natürlich so weit wie möglich kommen. Im Tor sind wir mit Wolff, Bitter und Heinevetter sehr gut aufgestellt. Ich mag es, wenn Kühn in der Abwehr spielt. Er kann in der zweiten Phase aus zehn Metern hoch gehen. Da ist er sehr gefährlich.

Gegen die beiden Underdogs in der Gruppe, Uruguay und die Kapverden, kann man sich zum Turnierbeginn gut einspielen. Man muss sehen, wie die Mannschaft mit dem Trainer in Drucksituationen umgeht. Wenn es zehn Minuten vor Spielende Unentschieden steht oder man mit einem Tor zurück liegt – diese Erfahrungswerte hatte sie bisher nicht. Das kann aber auch ein Vorteil sein, da man unbeschwerter in eine WM geht."