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NFL: Sandro Platzgummer über New York Giants und Running-Back-Perspektive

Wie ein Tiroler zum NFL-Star reift

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Sandro Platzgummer reift bei den New York Giants zum ersten österreichischen Running Back der NFL-Geschichte. SPORT1 gewährt er dabei viele Einblicke.

Er könnte der Nächste aus der Alpenrepublik sein, der seinen Weg in der NFL macht. Wenn Sandro Platzgummer bei SPORT1 von der stärksten Football-Liga der Welt spricht, gerät er ins Schwärmen.

Über das International Pathway Program ist der 23-Jährige bei den New York Giants gelandet - und könnte nun womöglich schon bald als Running Back für die Franchise auflaufen.

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Was die Sache umso bemerkenswerter macht: Mit Toni Fritsch, Anton Linhart und Raimund Wersching haben bereits drei Österreicher vor Platzgummer in der NFL gespielt, dabei allerdings allesamt auf der Position des Kickers.

Für SPORT1 gibt der 1,83 Meter große und 90 Kilogramm schwere Tiroler Einblicke aus seinem Leben und aus dem Trainingskader der Giants.

Footballer von klein auf:

Schon 2003 als Sechsjähriger bei den Raiders in Innsbruck mit amerikanischen Coaches hatte ich das Glück, ein für europäische Verhältnisse bereits recht ausgereiftes System kennenlernen zu dürfen. Drei Jahre später spielte ich dann schon Tackle-Football, also mit Rüstung und allem Drum und Dran – natürlich mit etwas abgewandelten Regeln, ohne Special Teams, ohne Kicker, aber immerhin.

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Danach war der Weg programmiert: Mit elf habe ich erstmals Running Back gespielt - wie heute noch. Mit 16 Jahren Jüngster im U19-Junioren-Nationalteam, 2013 und 2015 dort auch Europameister, und das beide Male in Deutschland. Meine ersten Erfahrungen in den Staaten hatte ich schon zuvor als 13-Jähriger gemacht, als wir in Houston gegen eine Auswahl eines dortigen Middle School-Teams gespielt haben - eine Wahnsinnserfahrung nach wie vor.

Alltag bei den Giants:

An den Spieltagen stehe ich zwar nur im Trainingskader, doch sonst läuft vieles genauso wie bei den Profis. Das zweijährige Programm sieht vor, sich an das spätere Tempo anzupassen. Ich bin die ganze Woche dabei, wenn es um Training, Meetings und vieles mehr geht. Bei den Heimspielen sitze ich in der Skybox und kann von dort zuschauen.

Corona-Regeln als angehender NFL-Spieler:

Für mich ist extrem wichtig zu vermeiden, dass ich das Virus in das Team einschleppe. Bei den Giants halten wir uns dem Vernehmen nach sogar noch genauer an die entsprechenden Sicherheits- und Hygienekonzepte.

Wir testen dabei jeden Tag, schon am Abend erfahren wir die Ergebnisse. Wir haben auch jeweils einen Tracker am Mann, wenn wir uns auf dem Giants-Gelände bewegen, selbst beim Training. So ist genau nachzuvollziehen, wer möglicherweise wie lange mit einer anderen Person in Kontakt stand. 

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Sandro Platzgummer will der erste Österreicher in der NFL sein, der nicht auf der Position des Kickers gespielt hat

Perspektiven für die NFL:

Meine Chance, in der NFL zu spielen, wird auf jeden Fall kommen - ob in diesem Jahr, nächstem Jahr oder erst im Jahr darauf. Manchmal bekomme ich im Training nur ganz wenige Spielzüge, dann wieder viele, ohne dass mir das vorher gesagt wird. Daher muss ich immer bereit sein, immer Gas geben. Auch, weil sich anderen immer wieder mal auch verletzen können.

Bisherige Saisonbilanz der Giants:

Obwohl wir bereits sieben Spiele verloren haben, ist bei uns noch alles offen, weil auch die direkten Konkurrenten schwächeln. Auf dem Papier ist es sogar noch möglich, dass wir den Super Bowl schaffen werden - dafür gibt es für mich auch keinen Favoriten in dieser Saison.

Wir haben in vielen Spielen Pech gehabt und knapp verloren. Doch es geht von Anfang der Saison immer weiter bergauf. Man sieht die Auswirkungen der verkürzten Vorbereitungszeit auch an der größeren Anzahl an Verletzungen.

Die Tatsache, dass kaum Zuschauer in den Stadien sind, beeinflusst das Gameday-Feeling für die Spieler natürlich genauso. 

Sandro Platzgummer ist Teil des erweiterten Kaders der New York Giants

Umgang mit den Giants-Kollegen:

Mich hat etwas überrascht, dass es unter so vielen Spielern niemanden gibt, mit dem ich mich schlecht verstehe. Mit den Running Backs habe ich viel zu tun, mit denen habe ich oft separate Meetings. Vor allem mit Practice Squad Spielern, also anderen Spielern, die am Gameday nicht auf dem Feld sind, die also in der gleichen Situation wie ich stecken und mit denen ich daher ohnehin ein bisschen mehr unternehme.

Mit denen schaue ich auch unsere Auswärtsspiele. Hilfreich war zudem, dass zwei, drei Veteran Running Backs ins Team dazugestoßen sind. Von denen wie zum Beispiel Alfred Morris oder Rod Smith kann ich mir viel abschauen. Doch ich erlebe natürlich auch: Die NFL ist ein Business, Leute kommen und gehen. So schnell kann man manchmal gar nicht schauen.