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Kiel - Flensburg: Oldie Andersson und Sagosen im Fokus

Wird THW-Legende Derby-Faktor?

Mattias Andersson spielte 2001 erstmals für den THW Kiel © Imago

Im Kracher THW Kiel - SG Flensburg-Handewitt sind viele Personalfragen ungeklärt. Schreibt Rückkehrer Mattias Andersson eine besondere Geschichte?

Er ist noch nicht lange dabei - aber was dieses Aufeinandertreffen für den deutschen Handball bedeutet, das ist ihm schon völlig klar

"Das ist ein großes Spiel, das spüren wir alle", sagt Kiels Star-Neuzugang Sander Sagosen vor dem Nord-Kracher gegen die SG Flensburg-Handewitt dem SID: "Da kann alles passieren."

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Im 103. Nordderby am Sonntag geht es für seine Kieler schon um mehr als nur das Prestige (Handball-Bundesliga, 4. Spieltag: THW Kiel - SG Flensburg-Handewitt am Sonntag ab 13.40 Uhr im SPORT1-Liveticker). Bei einer Pleite könnte Flensburg den Rekordmeister bereits auf vier Punkte distanzieren. (Tabelle der Handball-Bundesliga 2020/21)

Die Frage, ob der zuletzt verletzte Sagosen rechtzeitig fit wird ist dabei eine Personalie, die im Blickpunkt steht. Die andere ist die, ob ein 42 Jahre alter Torwart-Rentner unverhofft zum Derby-Faktor wird.

Mattias Andersson mit bemerkenswertem Comeback

Mattias Andersson, fünfmal Meister-Keeper mit Kiel, einmal mit Flensburg, hat seine Karriere eigentlich 2018 beendet und ist nun Torwarttrainer für den THW. Nach der Knie-OP von Niklas Landin wurde er jedoch reaktiviert, am zweiten Spieltag gegen Hannover-Burgdorf war er erstmals wieder im Einsatz, um Dario Quenstedt zu entlasten.

Dass er - mehr als 19 Jahre nach seinem ersten Spiel für Kiel - nun auch ausgerechnet gegen Flensburg wieder mitmischt? Schon eine nette Sache, findet der Schwede: "Es ist ein Privileg bei solchen Partien mitspielen zu dürfen. Es sind auch die ersten, die du vermisst, wenn du aufhörst", sagte er im Vorfeld bei Sky.

Gegen Flensburg soll Landin zwar wieder nominiert werden, Andersson aber auch - sollte er sich wieder mit ein paar Paraden gegen die alten Kollegen hervortun, es wäre definitiv die Geschichte des Spiels.

Sagosen hofft auf Derby-Einsatz für Kiel

Eine wesentliche Hilfe für Kiel wäre aber auch ein Sagosen-Comeback: Seit zwei Wochen ist der norwegische Rückraumspieler außer Gefecht, ein Muskelfaserriss im rechten Oberschenkel bremste ihn aus. In den vergangenen Tagen absolvierte er lediglich Krafteinheiten und trainierte im Schwimmbad, an Handball war nicht zu denken.

"Ich will unbedingt wieder spielen, ich bin doch kein Schwimmer", sagt Sagosen. Ob ein Einsatz am Sonntag mit Blick auf das knüppelharte Programm der kommenden Wochen aber überhaupt Sinn ergibt, werde er mit THW-Coach Filip Jicha und der medizinischen Abteilung besprechen.

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Wie sehr Sagosen den ohnehin von Verletzungen gebeutelten Kielern fehlt, wurde bei der 22:31-Pleite am vergangenen Wochenende in Wetzlar offenbar, als der momentan wohl beste Spieler des Planeten zum Zuschauen degradiert war. Wie ein Derby mit Sagosen laufen kann, war beim Nord-Klassiker unmittelbar vor dem Ligastart im Supercup deutlich geworden. Kiel siegte 28:24, Kraftpaket Sagosen avancierte mit sieben Treffern zum besten Werfer auf dem Feld. (Spielplan und Ergebnisse der Handball-Bundesliga 2020/21)

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THW Kiel gegen SG Flensburg-Handewitt - das steht im Handball für Tradition, Leidenschaft und ein ganz besonderes Derby. An diesem Sonntag kommt es schon am 4. Spieltag zum Duell der beiden Nordrivalen (ab 13.40 Uhr im LIVETICKER) © Imago
Und in der noch so jungen Saison hat der THW einen Titel schon sicher - dank eines Siegs im September beim Supercup in Düsseldorf. Aber auch die früheren Derby lieferten spannende Geschichten. SPORT1 blickt zurück auf die spektakuläre Derby-Geschichte © Imago
KIELS DOUBLE 2000: Durch vier Vize-Meisterschaften in fünf Jahren erwarb Flensburg sich in den Neunzigern den Ruf als "Ewiger Zweiter". Im neuen Jahrtausend der schmerzhafte Höhepunkt: Flensburg verliert erst das Pokalfinale mit 25:26 nach Verlängerung gegen Kiel (im Bild: Klaus-Dieter Petersen und Staffan Olsson), dann trotz Punktgleichheit die Meisterschaft © Getty Images
FLENSBURGS MEISTER-PREMIERE 2004: Vier Jahre später brachen die Flensburger mit Trainer Kent-Harry Andersson dann den Bann und wurden erstmals Meister und auch zum zweiten Mal in Folge Pokalsieger (Kiel war Gegner im Halbfinale). In der Liga war ein 32:27 gegen den THW der Schlüssel zum Titel © Getty Images
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FINALE DER CHAMPIONS LEAGUE 2007: Der Triumph in der Königsklasse, den der THW damals noch in Hin- und Rückspiel einfuhr, blieb nicht nur wegen des historischen Triples für Kim Andersson und die Kieler in Erinnerung. Im Februar 2009 kamen Betrugsvorwürfe auf - ein veritabler Skandal © Getty Images
Dem damaligen Führungsduo aus Manager Uwe Schwenker (l.) und Trainer Noka Serdarusic wurde vorgeworfen, in mindestens zehn Spielen die Schiedsrichter bestochen zu haben - darunter eben jenes Champions-League-Finale von 2007. Am 26. Januar 2012 wurden Schwenker und Serdarusic vor einem ordentlichen Gericht freigesprochen © Getty Images
DHB-POKALFINALE 2013: Kiel gelang eine spektakuläre Aufholjagd. Nach 12:16-Pausenrückstand siegten die Landeshauptstädter noch mit 33:30. Lars Kaufmann und Jicha schenkten sich nichts © Getty Images
Die französische Torwartlegende Thierry Omeyer, wie man ihn in Kiel kannte: mit lautstarkem Jubel über den Triumph © Getty Images
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Teamkollege und Landsmann Daniel Narcisse stand dem Torhüter in Nichts nach. Die heiße Rivalität produziert immer wieder neue Helden © Getty Images
FINALE DER CHAMPIONS LEAGUE 2014: In der Saison 2013/14 standen sich Flensburg und Kiel erneut im Endspiel der Königsklasse gegenüber. Die SG siegte mit 30:28 und gewann damit zum ersten Mal den wichtigsten europäischen Pokal © Getty Images
Schon damals bestach Flensburgs Keeper Mattias Andersson mit wichtigen Paraden und rettete den Sieg gegen sein Ex-Team, für das er zwischen 2001 und 2008 zwischen den Pfosten gestanden hatte - und für das er nun, mit 42, als Nothelfer von der Bank aus wieder gegen die SG antritt © Getty Images
Anschließend ließ der Schwede seiner Freude freien Lauf. Mit Kiel hatte er 2007 zwar schon einmal die Champions League gewonnen, aber doppelt hält bekanntlich besser © Getty Images
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Auch Jim Gottfridsson und Hampus Wanne feierten den Champions-League-Triumph 2014 gebührend. Kein Wunder: Der Titel ist bis heute der größte der Flensburger Vereinsgeschichte - und gelang auch noch ausgerechnet gegen den Erzrivalen © Getty Images
SECHSERPACK 2015/2016: In der Saison 2015/16 kam es zu insgesamt sechs (!) Aufeinandertreffen - mit Vorteilen für Flensburg. Kiel holte zum Saisonstart zwar den Supercup, dafür schaltete Flensburg den THW im Viertelfinale des DHB-Pokals aus und gewann beide Liga-Spiele. In der Champions League gab es jeweils einen Heimsieg © Getty Images
Gleich drei Mal innerhalb von zehn Tagen standen sich die beiden Rivalen gegenüber. Das erste Duell wurde zu einem echten Thriller: Beide Teams agierten auf Augenhöhe, Flensburgs Andreas Eggert setzte einen Siebenmeter nach der Schlusssirene an den Pfosten - und die Zebras jubelten © Getty Images
Wenige Tage später folgte das nächste Duell - diesmal in der Champions League. Die Flensburger feierten einen deutlichen 30:22-Sieg und nahmen erfolgreich Revanche für die Liga-Pleite... © Getty Images
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... nur um sich im Champions-League-Rückspiel erneut denkbar knapp geschlagen geben zu müssen. Eine Vier-Tore-Führung zur Halbzeit retteten die Kieler mit Ach und Krach ins Ziel. In der Tabelle landete man trotz des Sieges hinter den Flensburgern © Getty Images
DHB-POKALFINALE 2017: Im Final Four des DHB-Pokals im April trafen Holger Glandorf und Co. im Endspiel wieder auf den THW und kassierten eine bittere Niederlage. Am Ende prangte ein deutliches 29:23 von der Anzeigetafel der Hamburger Barclaycard Arena © Getty Images
MEISTERKAMPF 2017/18: Kurz vor dem Ende der Spielzeit legte der alte Rivale ausgerechnet in Kiel den Grundstein für die überraschende Meisterschaft und gewann mit 29:25 - fortan war die SG nicht mehr aufzuhalten © Getty Images
Von den drei vorherigen Aufeinandertreffen der Saison konnte Flensburg dagegen kurioserweise kein einziges für sich entscheiden. In der Gruppenphase der Champions League gab es ein Unentschieden und eine knappe Pleite © Getty Images
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Im Hinspiel der Bundesliga schossen die Kieler die SG mit 35:27 aus der Halle - einer der wenigen Lichtblicke in einer für den Rekordmeister enttäuschenden Saison © Getty Images
MEISTERKAMPF 2018/19: Auch in dieser Saison krönte sich die SG zum Meister. Daran änderte auch eine 18:20-Niederlage in Kiel am 30. Spieltag nichts mehr © Getty Images
In Düsseldorf waren beide Teams nur wenigen Wochen danach im Supercup erneut aufeinander getroffen - und Kiels Domagoj Duvnjak wurde dabei zur tragischen Figur © Getty Images
Erst verwarf er kurz vor Ende der regulären Spielzeit beim Stand von 26:26 den letzten Wurf, ehe er im Siebenmeterschießen (31:32) an Flensburgs Keeper Benjamin Buric scheiterte © Getty Images
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So durften die Spieler der SG Flensburg-Handewitt auch mal wieder jubeln © Getty Images
SAISON 2019/20: In der 101. Auflage des ewigen Duells ließen die Zebras gleich mal die Muskeln spielen - und wiesen die Flensburger mit 28:24 souverän die Schranken © Imago
Genauso wie nur zwei Wochen später beim traditionellen Supercup - da muss THW-Coach Filip Jicha doch eigentlich gar nicht so verbissen gucken - zumal die Kieler am Ende auch mal wieder Meister wurden. Wie, ist allerdings eine ziemlich einzigartige Geschichte © Imago
Kiel wurde zum Meister erklärt, nachdem sich infolge der Corona-Pandemie die Mehrheit der HBL-Klubs dazu entschieden hatte, die Saison abzubrechen. Flensburg, Meister der beiden Vorjahre, schaute in die Röhre. Auf dem Feld ist die Rivalität definitiv schöner als am grünen Tisch ... © dpa

Auch die Flensburger haben mit massiven Verletzungssorgen zu kämpfen, bei der Champions-League-Pleite am Donnerstagabend bei Vardar Skopje (26:31) fehlten schon Johannes Golla (Mittelfußbruch), Jacob Heinl (Innenbandriss) und Lasse Möller (Handverletzung), während des Spiels humpelte dann auch noch Göran Johannessen vom Feld.

Hinter der Mutter aller Handball-Derbys stehen viele Fragezeichen - was die Spannung nicht direkt mindert.

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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)