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Mike Tyson: Klitschko-Arzt würde Box-Comeback verbieten

Tyson: Klitschko-Arzt für Verbot

Heftige Rechte! Hier haut Tyson fast seinen Trainer K.O.

Zwei renommierte Box-Ärzte sind sich bei SPORT1 einig: Das Comeback von Mike Tyson gegen Roy Jones Jr. müsste aus medizinischer Sicht abgeblasen werden.

Ist Box-Legende Mike Tyson wirklich in der gesundheitlichen Verfassung für ein Comeback im Ring?

Ein besorgniserregender Auftritt im englischen Frühstücksfernsehen hat die Diskussion vor dem am 28. November geplanten Legenden-Fight gegen Roy Jones Jr. neu entfacht.

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Für zwei renommierte und mit dem Boxen lange verbundene Ärzte ist der Fall klar, unabhängig davon, ob tatsächlich - wie von Tyson behauptet - nur Müdigkeit der Grund für den rätselhaften Auftritt war.

"Aus medizinischen Gründen muss der Kampf verboten werden", sagt der Duisburger Mediziner Dr. Stephan Bock - der frühere Ringarzt von Vitali und Wladimir Klitschko - im Gespräch mit SPORT1. Auch der Bayreuther Sportmediziner Professor Walter Wagner ist der Ansicht, dass Tyson allein aufgrund seines Alters "überhaupt nicht mehr in den Ring steigen sollte".

Mike Tyson offenbar "völlig übermüdet"

Die Art und Weise, wie Tyson sich in dem vieldiskutierten Interview mit dem Moderatoren-Duo Piers Morgan und Susanna Reid präsentiert hat, ist dabei für Bock nicht maßgeblich.

Genau 22 Jahre ist es her, dass es zu dieser gewaltvoll-legendären Szene kommt: Am 28. Juni 1997 beißt Mike Tyson seinem Gegner Evander Holyfield einen Teil des rechten Ohres ab. Daraufhin wird "Iron Mike" disqualifiziert © Getty Images
Die Sportkommission Nevadas entzieht Tyson daraufhin wegen Unsportlichkeit die Box-Lizenz, welche er jedoch Mitte 1998 wieder zurückerhält. Seine Rückkehr in den Ring wird dennoch aufgehalten, da er wegen eines tätlichen Angriffs nach einem Autounfall für fünf Monate ins Gefängnis muss. Es ist nicht der einzige brutale Akt in der Karriere des exzentrischen Boxers. SPORT1 zeigt die Höhen und Tiefen im Leben von Mike Tyson © Getty Images
Tysons Aufstieg in den Box-Olymp beginnt am 22. November 1986: Er schlägt WBC-Weltmeister Trevor Berbick bereits in der zweiten Runde k.o. und krönt sich im Alter von 20 Jahren und 144 Tagen zum jüngsten Schwergewichtsweltmeister aller Zeiten © Getty Images
Durch Siege gegen James Smith und Tony Tucker (Bild) fügt "Iron Mike" 1987 noch die Titel der WBA und IBF hinzu. Mit 21 Jahren ist er der erste "Undisputed Heavyweight Champion", also der Titelträger der drei großen Box-Verbände © Getty Images
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Sein kometenhafter Aufstieg und seine Dominanz im Ring - Tyson schickt seine Gegner regelmäßig in den ersten Runden auf die Bretter - bringen ihm Vergleiche mit Box-Legenden wie Muhammad Ali (r., bei einem späteren Treffen 1995) ein © Getty Images
1988 kommt es zum Generationenduell: Der 38 Jahre alte ehemalige WBC- und IBF-Weltmeister Larry Holmes fordert den 21-jährigen Tyson heraus und attackiert ihn bereits vor dem Fight verbal. Doch der Weltmeister gibt die Antwort im Ring und beendet den Kampf bereits in der vierten Runde. Es ist die erste und einzige K.o.-Niederlage für Holmes © Getty Images
Während sportlich alles passt, geht die Ehe mit Robin Givens in die Brüche. Vor laufenden TV-Kameras beschreibt sie ihre Ehe als "pure Hölle". Am Valentinstag 1989 lässt sich das Paar nach einer öffentlichen Schlammschlacht scheiden © Getty Images
Tyson wechselt mit Don King seinen Manager und entlässt seinen langjährigen Trainer Kevin Rooney, was von vielen Kennern kritisiert wird. Promoter King fördert fortan das Bad-Boy-Image seinen neuen Schützlings © Getty Images
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In dieser Phase seines exzentrischen Lebens sorgt "Iron Mike" für zahlreiche Skandale. Mit sexueller Belästigung und Körperverletzung, Schlägereien und Übergewicht schreibt der Box-Champion negative Schlagzeilen © Getty Images
Am 10. Februar folgt auch der erste Tiefschlag im Ring: Tyson geht völlig überraschend gegen James Douglas in der zehnten Runde zu Boden. Der 23-Jährige verliert seinen WBC-Titel und viel Respekt © Imago
Doch Tyson kämpft sich erneut hoch und hofft nach einem Kampf gegen Donovan Ruddock (Bild) auf einen Titel-Kampf gegen Evander Holyfield. Im Ring liefern sich "Iron Mike" und "Razor" auch ein verbales Gefecht. Tyson schickt seinen Gegner zwei Mal zu Boden und bricht ihm den Kiefer. Am Ende feiert er einen lockeren Punktsieg © Getty Images
Doch es folgt der Tiefpunkt. Nachdem er den Kampf gegen Holyfield bereits zuvor wegen eines Rippenbruchs verschieben muss, kommt ihm 1992 ein Gerichtsverfahren in die Quere. Tyson wird in einem Indizien-Prozess der Vergewaltigung einer Kandidatin der Miss-Black-America-Wahl schuldig gesprochen und zu sechs Jahren Haft verurteilt © Getty Images
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Nach drei Jahren kommt Tyson schließlich wieder frei. Der gefallene Champion hat 20 Kilogramm abgenommen und ist zum Islam konvertiert, nennt sich nun "Abdul Aziz". Er sieht sich nun als geläuterten Mann und bemüht sich um einen Image-Wandel © Getty Images
Nach über vier Jahren Ring-Abstinenz feiert Tyson am 19. August 1995 sein Comeback. Seinen Gegner Peter McNeeley (Bild) schickt er bereits nach 89 Sekunden auf die Bretter. Auch seinen zweiten Aufbaukampf gegen den unbesiegten Buster Mathis Jr. beendet er durch K.o. © Getty Images
Tyson holt sich am 16. März 1996 - knapp ein Jahr nach seiner Freilassung - den WBC-Titel zurück. Er schlägt Titelverteidiger Frank Bruno in der dritten Runde k.o. und freut sich sowohl auf den Gürtel als auch über eine Rekordgage über 30 Millionen Dollar © Getty Images
Am 9. November 1996 ist es schließlich so weit: Es kommt zum seit Jahren erwarteten Kampf mit Holyfield. Beide Kämpfer liefern sich eine Ringschlacht, deren Länge Tyson nicht gewohnt ist. Nachdem er bereits in der sechsten Runde zu Boden geht, bricht der Ringrichter den Kampf schließlich in Runde elf ab. Es folgt der legendär-skurille Rückkampf - mit jenem irren Ohrbiss © Getty Images
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Nach seiner Sperre und dem fünfmonatigen Gefängnisaufenthalt wegen eines tätlichen Angriffs meldet sich Tyson im Oktober 1999 im Ring zurück: Doch der Kampf gegen Orlin Norris wird nicht gewertet, nachdem Tyson seinen Gegner nach dem Gong unabsichtlich trifft und dieser nach eigener Aussage nicht weitermachen kann © Getty Images
Im Kampf der "Bad-Boys" gegen Andrzej Golota verschwindet der Pole vor der dritten Runde aus dem Ring. Später kommt heraus, dass dieser einen gebrochenen Backenknochen und Hirnblutungen erlitt. Tyson wird nach dem Fight die Einnahme von Marihuana nachgewiesen. Bereits vor dem Kampf verweigert er einen Urintest und wird für drei Monate gesperrt © Getty Images
Im Januar 2002 bekommt "Iron Mike" einen WM-Kampf gegen WBC/IBF-Weltmeister Lennox Lewis. Doch bereits auf der Pressekonferenz kommt es zum Eklat. Tyson beißt Lewis während einer Massenschlägerei in den Oberschenkel und verliert seine Box-Lizenz in Nevada © Getty Images
Der Kampf, der für einen Umsatz von 100 Millionen Dollar sorgt, steigt schließlich am 8. Juni in Memphis © Getty Images
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Lewis schickt Tyson zwei Mal auf die Bretter, wo "Iron Mike" in der achten Runde ausgezählt wird. Anschließend bestreitet er noch einen weiteren Kampf, den er gegen Aufbaugegner Clifford Etienne schon in der ersten Rund durch K.o. gewinnt, ehe er sich vorerst zurückzieht © Getty Images
Aus Geldsorgen ("2003 war ich pleite") versucht Tyson 2005 wieder in den Ring zurückzukehren. Nachdem er am 11. Juni von Kevin McBride k.o. geschlagen wird, verkündet er sein endgültiges Karriereende. Um "den Boxsport, dem ich so viel zu verdanken habe, nicht mehr durch solche Auftritte lachhaft zu machen". In 58 Profikämpfen gelingen im 50 Siege © Getty Images
Die Skandale werden jedoch nicht weniger. 2007 wird er wegen Trunkenheit am Steuer verurteilt. Wegen Besitzes von Kokain bekommt er eine dreijährige Haftstrafe auf Bewährung aufgebrummt. Zwei Jahre später schlägt "Iron Mike" am Flughafen in Los Angeles einen Fotografen nieder. Im selben Jahr trifft ihn sein schlimmstes Drama: Seine vierjährige Tochter Exodus kommt beim Spielen ums Leben © Getty Images
Tyson wird 2011 schließlich in die "International Boxing Hall of Fame", ein Jahr später auch in die Ruhmeshalle der WWE aufgenommen, in der er erstmals während seiner Sperre nach dem Holyfield-Biss 1998 aufgetreten war und nach der Jahrtausendwende weitere Auftritte hatte folgen lassen © Getty Images
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Im August 2013 sorgt er dann mit seinem Geständnis, er leide unter schweren Alkoholproblemen, für Aufsehen. Nach eigener Aussage steht er damals an der "Schwelle des Todes" © Getty Images
Mittlerweile hat sich "Iron Mike" wieder gefangen und nimmt sich in Filmen wie "Hangover" selbst aufs Korn. Seit 2018 tourt er zudem mit einem eigenen Theaterstück durch die Lande © Getty Images

Tyson sei offensichtlich "voll übermüdet" gewesen, womöglich seien auch Alkohol oder andere Substanzen im Spiel gewesen, trotz seiner Artikulationsprobleme und seiner Schwierigkeit, sich gerade zu halten, sei er aber "nicht total wirr" herübergekommen. Es gebe keinen Anlass, gesundheitliche Probleme hineinzuinterpretieren.

Der für Bock wesentliche Punkt ist: In Tysons Alter sei Boxen generell zu gefährlich, so fit er in seinen Trainingsvideos auch gewirkt haben mag - worin er sich mit Wagner einig ist.

Schon Holyfields Kampf mit Mitte 40 grenzwertig

"Man hat früher gesagt: Ab 40 nur in Ausnahmefällen. Und das hatte schon seinen Sinn", sagt Wagner, Verbandsarzt beim Bund Deutscher Berufsboxer (BDB). Tyson ist 54, Jones 51. Tysons Rivale Evander Holyfield, der ebenfalls Comeback-Pläne verkündet hat, wird am kommenden Montag 58.

Mit Holyfield hatte Wagner schon zu tun, er hatte den Medizin-Check vor dem Kampf gegen den Riesen Nikolai Walujew in Zürich Ende 2008 vorgenommen.

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"The Real Deal" war damals 46 und ein Kampf für Wagner gerade so noch vertretbar: "Aber da wurde er vorher bei uns in Bayreuth von zwölf Fachärzten acht Stunden lang untersucht, einschließlich neurologischer und kognitiver Untersuchungen. Das wäre das Minimum." Und selbst wenn die in Tysons und Jones' Fall ebenfalls vorgenommen würden, "würde ich noch überlegen".

Ringrichter kann Kampf mit Roy Jones Jr. jederzeit abbrechen

In Tysons und Jones' Heimat werden solche Diskussionen ebenfalls geführt, nicht umsonst versuchen die beiden, mit entschärften Regeln den Bedenken Rechnung zu tragen: In dem als Schaukampf ("Exhibition") ausgeschriebenen Duell tragen sie stärker gepolsterte Handschuhe, der Ringrichter ist zudem angewiesen, den Fight abzubrechen, "wenn er die Grenzen einer kompetitiven Box-Vorführung überschreitet".

Ein ungutes Gefühl haben Wagner und Bock trotzdem.

"Wenn die Boxer älter werden, wird es saugefährlich"

"Der Boxsport ist und bleibt ein gefährlicher Sport, das dürfen sie nicht unterschätzen", sagt Bock. Tyson und Co. könnten "froh sein, dass sie körperlich relativ gesund rausgekommen sind", gerade aus dem Schwergewicht.

"Jeder, der beim Boxen involviert ist, weiß, wenn die Boxer älter werden, wird es saugefährlich", führt Bock aus: "Bei jedem lassen im Alter die Reflexe und Reaktionen nach, möglicherweise auch unbemerkt. Das ist bei Schwergewichtlern bereits am Ende ihrer Karriere festzustellen. Und wenn Reflexe und Rektionen nachlassen, schwächt das auch die Schutzbereitschaft, also die Deckung und das Ausweichen. Die Schläge haben aber trotzdem dieselbe Wirkung. Man wird vielleicht sogar noch ungünstiger getroffen als früher."

Bocks eindeutiges Fazit: "Wenn ich der maßgebende Arzt wäre, würde ich es nicht erlauben. Auf keinen Fall." Warum der Kampf trotzdem über die Bühne geht? Für Bock leicht zu erraten: "Am Ende geht es um das Geld."