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Florence Griffith-Joyner: Tote Sprint-Queen gibt Rätsel auf

Das zweifelhafte Erbe der „Flo Jo“

Florence Griffith-Joyner war der weibliche Star bei Olympia 1988

Florence Griffith-Joyner war der weibliche Star bei Olympia 1988 © Getty Images

Die schillernde Florence Griffith-Joyner war der weibliche Star bei Olympia 1988. Auf den Rekordläufen der früh Verstorbenen liegt jedoch ein Schatten.

Der Final-Triumph über Gabriela Sabatini, der Steffi Graf zur Gewinnerin des Golden Slam machte. Die drei bitteren Fehlstarts von Zehnkämpfer Jürgen Hingsen. Der Doping-Skandal um 100-Meter-Sieger Ben Johnson.

Es waren die großen Geschichten der Olympischen Spiele von Seoul 1988. Und eben sie: Florence Griffith-Joyner.

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Gold über 100 Meter, 200 Meter, in der 100-m-Staffel, Silber über 4x400 m. Ein Jahr der unglaublichen Rekorde, die ihr zusammen mit Carl Lewis den Titel als Welt-Leichtathleten einbrachten - und jede Menge Star-Ruhm in ihrer US-amerikanischen Heimat.

Aus heutiger Sicht ist die Geschichte von „Flo Jo“ aber als Tragödie in Erinnerung: Kurz vor den Jubiläums-Tagen ihrer Triumphe in Südkorea starb sie im Alter von nur 38 Jahren - am 21. September 1959. Doch am Wert ihres sportlichen Vermächtnisses gibt es bis heute massive Zweifel.

"Flo Jo" fiel mit ihren Fingernägeln auch optisch auf

Griffith-Joyner, geboren am 21. Dezember 1959 in Los Angeles, war seinerzeit nicht nur wegen ihrer sportlichen Leistungen ein Star.

Ihr Hintergrund als aus einfachen Verhältnissen aufgestiegenes Scheidungskind mit zehn Geschwistern bewegte die Öffentlichkeit ebenso wie ihre optisches Auftreten, mit ihren überlangen und grell lackierten Fingernägeln und engen, auffälligen Laufanzügen. "Ich gefalle gern und möchte mich von anderen unterscheiden", sagte sie einmal. Als ihre Karriere noch nicht groß angelaufen war, arbeitete sie unter anderem auch als Haar-Stylistin.

Florence Griffith-Joyner setzte auch beim Shooting mit den Medaillen ihre Fingernägel in Szene

Sportlich kamen ab 1987 die ersten großen Erfolge - und im Olympia-Jahr eine Leistungs-Explosion: Bei den Trials in Indianapolis schockte sie die Welt, verbesserte den 100-Meter-Weltrekord auf 10,49 Sekunden. Zuvor war ihre persönliche Bestzeit bei 10,96 gelegen.

In Seoul pulverisierte sie ähnlich spektakulär die 200-Meter-Bestmarke: Sie kam nach 21,34 Sekunden ins Ziel, 38 Hundertstel schneller als Silber-Gewinnerin Grace Jackson aus Jamaika, 61 Hundertstel vor Heike Drechsler aus der DDR. Griffith-Joyners vorheriger persönlicher Rekord: 21,96.

Die Wende veränderte nicht nur Deutschland, sondern auch das Leben der DDR-Sportler. SPORT1 zeigt zum Tag der Deutschen Einheit, wie es ihnen danach erging © SPORT1-Montage/Getty Images/Imago
Katarina Witt, das "schönste Gesicht des Sozialismus", wie sie von Erich Honecker genant wird, feiert ihre größten sportlichen Erfolge vor der Wende. So wird sie 1984 und 1988 Olympiasiegerin und bis 1988 insgesamt viermal Weltmeisterin. Nach mehreren Jahren bei Show-Veranstaltungen feiert sie bei den Spielen in Lillehammer 1994 ihr Olympia-Comeback und belegt dabei den siebten Platz © imago
Heute ist die geborene Brandenburgerin präsenter denn je - nicht nur wegen der Produktion von Eiskunstlauf- und Fernsehshows in den USA und Europa: Die Ex-Freundin von unter anderem "MacGyver" Richard Dean Anderson ist stets gern gesehener Gast auf dem Roten Teppich © imago
Sie schauspielert, moderiert im TV und kommentiert als Eiskunstlauf-Expertin, schreibt Fitnessbücher. Für den Playboy lässt die zeigefreudige Witt gleich zweimal die Hüllen fallen - aktuell lebt und arbeitet sie in Berlin © Getty Images
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Henry Maske, geboren im brandenburgischen Treuenbrietzen, gewinnt als Amateurboxer für die DDR Gold bei den Sommerspielen von Seoul. Seine Profikarriere im Halbschwergewicht startet er 1990 und verhilft dem Faustsport in Deutschland rasch zu großer Popularität. 1993 wird Maske Weltmeister und verteidigt seinen Titel zehnmal © Getty Images
Bis zu 18 Millionen Zuschauer verfolgen im TV die Kämpfe von Maske, der zehn Jahre nach seinem Rücktritt (1996) noch einmal ein bemerkenswertes Comeback gibt. Als 43-Jähriger bezwingt er Virgil Hill und hängt die Handschuhe danach endgültig an den Nagel. Seine Heimat im Osten hat er längst verlassen © Getty Images
Seit dem Karriereende betreibt der Krawattenmann des Jahres 2008 zig McDonalds-Filialen in Nordrhein-Westfalen, setzt sich mittels seines "Henry Maske Fonds" für benachteiligte Jugendliche ein. Schauspielerisch tritt Maske ab und an in kleineren Produktionen in Erscheinung. Zudem hält er Vorträge zum Thema Mitarbeiterführung und Eigenmotivation © Getty Images
Partygänger Maske (hier mit Boris Becker auf dem Oktoberfest) wohnt mit seiner zweiten Frau Manuela und den gemeinsamen Töchtern Lina und Sara in Overath bei Köln © Imago
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Matthias Sammer holt seine ersten Titel mit Dynamo Dresden. Mit den Sachsen gewinnt er zwei DDR-Meisterschaften und einmal den Pokal. Im Westen geht Sammers Erfolgsstory weiter. Vier Meistertitel als Spieler und Trainer, Europameister, Champions-League-Sieger - Sammer räumt alles ab © Getty Images
Auch als Funktionär ist Sammer lange auf der Sonnenseite. Von 2006 bis 2012 fungiert er als DFB-Sportdirektor, ehe er als Sportvorstand zum FC Bayern geht. Sammer feiert in seiner ersten Saison den Triple-Gewinn. Danach holt er 2014 und 2016 immerhin noch das Double aus Pokalsieg und Deutscher Meisterschaft. Nach gesundheitlichen Problemen scheidet er auf eigenen Wunsch aus beim FCB © Getty Images
Im Anschluss ist der ehemalige defensive Mittelfeldspieler für zwei Jahre als Bundesliga-Experte für "Eurosport" tätig, legt dieses Amt aber nach der Saison 2018/2019 nieder. Seit März 2018 arbeitet er zudem als externer Berater für seinen Ex-Verein Borussia Dortmund © Getty Images
Katrin Krabbe gilt Anfang der 90er als eine der besten Sprinterinnen der Welt: 1991 holt die Neubrandenburgerin WM-Gold über 100 und 200 Meter. Doch 1992 findet ihre Karriere nach einem positiven Dopingtest ein jähes Ende. In den Folgejahren ist Krabbe vor allem wegen juristischer Schlammschlachten in den Medien © Imago
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Wegen einer zu langen Sperre bekommt sie im Jahr 2001 allerdings 1,2 Millionen DM Schadenersatz zugesprochen. Für die "Grace Kelly der Tartanbahn", wie die attraktive Blondine zur aktiven Zeit genannt wird, setzt es weitere Tiefschläge mit dem Mordanschlag auf ihren Mann Michael und der Verurteilung wegen Steuerhinterziehung © Getty Images
Die Weltsportlerin des Jahres 1991, inzwischen namhaft als Katrin Krabbe-Zimmermann, arbeitet mittlerweile in einem Autohaus. Im Jahr 2015 beging ihr Ehemann Suizid, zwischenzeitlich war sie bis Anfang 2019 mit DHB-Vizepräsident Bob Hanning liiert © Imago
Jens Weißflog, der "Floh vom Fichtelberg", ist in der Wendezeit der wohl beste deutsche Skispringer. 1984 holt er in Sarajevo einmal Gold und einmal Silber, in Lillehammer siegt er auf der Großschanze und mit dem Team in einem denkwürdigen Kopf-an-Kopf-Rennen mit Japan. Die Vierschanzentournee gewinnt Weißflog zweimal als DDR- und zweimal als Bundesbürger (1984, 1985, 1991 und 1996) © Getty Images
Zur Volkskammerwahl 1986 wird Weißflog von der Freien Deutschen Jugend (FDJ) nominiert - und bleibt auch später politisch aktiv. Bei der Stadtratswahl am 7. Juni 2009 erlangt Weißflog für die Oberwiesenthaler CDU ein Mandat. Seiner Heimat bleibt er seither treu, arbeitet als Hotelier in seiner Heimatstadt Oberwiesenthal und als Skisprung-Experte fürs Fernsehen © Getty Images
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Weißflog hat zwei Söhne aus erster Ehe, sowie eine Tochter. 2003 benennt die Volkssternwarte Drebach (Erzgebirge) den Planetoid 2000 WX158 zwischen Mars und Jupiter nach ihm. Im Oktober 2010 werden er und seine Lebensgefährtin Doreen Fiebich Eltern einer Tochter - seit August 2019 sind beide verheiratet © Getty Images
Auf ihrer Paradestrecke, den 400 Metern, wird Grit Breuer ab 1990 mehrfach Europameisterin, sowohl allein als auch mit der Staffel. Zusammen mit Katrin Krabbe wird die Sprinterin des Dopings überführt. Breuer setzt ihre Karriere jedoch ab 1995 fort und holt unter anderem 1996 in Atlanta mit der 400-Meter-Staffel Olympia-Bronze © Getty Images
2005 beendet sie ihre Karriere - wegen anhaltender gesundheitlicher Probleme. Die gelernte Kauffrau für Bürokommunikation meidet inzwischen die Öffentlichkeit. Breuer arbeitet als Fitness-Trainerin und Golf-Koordinatorin in einem Hotel in Warnemünde © Imago
Dominanz strahlt der BFC Dynamo Berlin aus. Der Klub ist in der DDR Serienmeister, aber als Stasi-Klub verschrien. Stasichef Erich Mielke lotst die besten Spieler nach Berlin. 1986 kommt Thomas Doll (l., mit Andreas Thom) zum BFC und wird mit dem Klub zweimal Meister © Imago
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Thomas Doll verschlägt es nach der Wende nach Hamburg. Beim HSV spielt er seine erste Bundesliga-Saison, später trainiert er die Norddeutschen und führt sie in die Champions League. Zwischenzeitlich lebt Doll in Budapest, wo er bis 2018 Ferencvaros trainiert. In Ungarn lernt er auch Kristin Kossi kennen. Mit dem Model ist Doll bis 2017 liiert © Getty Images
Ende Januar 2019 kehrt er dann nach Deutschland zurück, um Hannover 96 vor dem drohenden Abstieg zu retten. Doch seine Mission scheitert kläglich, die Niedersachsen steigen nach mickrigen zehn Punkten aus 15 Spielen unter Dolls Leitung ab. Wenige Tage nach Saisonende muss er folglich seinen Hut nehmen. Danach ist er noch für vier Monate bei Apoel Nikosia angestellt, wird aber auch dort im Dezember 2019 entlassen © Getty Images
In Atlanta schlägt die große Stunde von Andreas Wecker. Der Kunstturner mit dem Reck als Spezialgerät gewinnt auf seine alten Athletentage Olympia-Gold, nachdem er zuvor bereits Welt- und Europameister wird. Mit der DDR-Riege holt er unter anderem 1988 Silber im Mannschafts-Mehrkampf, wird ein Jahr darauf der letzte DDR-Sportler des Jahres © Getty Images
Nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn gründet Wecker zunächst ein Unternehmen, das turnerische Events veranstaltet. Danach verabschiedet sich Wecker mehr oder weniger von den irdischen Dingen, vermarktet sich als eine Art Wunderheiler, der eigenen Angaben zufolge durch Handauflegen und Beten Menschen von ihren Gebrechen erlöse © Getty Images
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Für Schlagzeilen sorgt er auch, weil er angeblich seine Olympiamedaillen im Internet bei Ebay versteigert © Imago
Andreas Thom gehört auch zum Starensemble beim BFC Dynamo. Der Angreifer wird 1988 DDR-Fußballer des Jahres und wechselt nach dem Mauerfall als erster DDR-Spieler offiziell in die Bundesliga zu Bayer Leverkusen. Beim ersten Länderspiel der gesamtdeutschen Mannschaft wird Thom eingewechselt © Imago
Thom erzielt in der Bundesliga in 212 Spielen 41 Tore. Am Ende seiner Karriere läuft er für die Hertha auf. Später hilft Thom beim Hauptstadtklub als Interimscoach aus. Nach Stationen u.a. als Co-Trainer von Holstein Kiel und Nachwuchstrainer bei der Hertha arbeitet er inzwischen als Individual- und Techniktrainer bei der "Alten Dame" © Getty Images
Thoms Sturmpartner bei Bayer heißt Ulf Kirsten. Im Osten sind die Angreifer aber noch Kontrahenten. Kirsten stürmt für Dynamo Dresden, wird mit dem Team zweimal Meister. Bei Bayer sichert sich Kirsten drei Mal die Torjägerkanone © Imago
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Mit seinen 182 Bundesligatreffern belegt Kirsten Platz fünf der ewigen Torjägerliste. Nach seiner Karriere bleibt er Bayer treu, coacht sechs Jahre die zweite Mannschaft der Rheinländer. Mittlerweile arbeitet Kirsten bei einer Sportagentur und ist bis Ende 2019 sportlicher Berater und Sponsorenbeauftragter beim krisengeschüttelten Regionalligisten Wacker Nordhausen © Getty Images
Seinen größten Triumph feiert Radrennfahrer Olaf Ludwig aus Gera noch für die DDR mit Gold beim Straßenrennen von Seoul. Seine Sprintduelle mit dem Usbeken Dschamolidin Abduschaparow bei der internationalen Friedensfahrt sind legendär. Als Profi holt Ludwig 1990 bei der Tour de France das Grüne Trikot. In den 90ern fährt er für das Team Telekom © Getty Images
Nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn gründet Ludwig das Unternehmen Olaf Ludwig Cycling GmbH, das bis Ende 2006 das Team T-Mobile leitet, übernimmt zudem Funktionen beim Bund Deutscher Radfahrer, bei der Profimannschaft Team Telekom sowie beim Weltradsportverband UCI. Mittlerweile veranstaltet er Radtouristik-Fahrten. Der Thüringer lebt nach der Trennung von seiner Frau wieder in Gera und ist Vater von drei Kindern © Imago
Sie ist die erfolgreichste deutsche Olympionikin der Sportgeschichte und die zweiterfolgreichste Olympionikin überhaupt: Birgit Fischer aus Brandenburg startet 1980 und 1988 für die DDR und holt im Kajak dreimal Gold und einmal Silber. Für das vereinte Deutschland folgen von 1992 bis 2004 fünf weitere Gold- und drei Silbermedaillen. Bei den Spielen in Sydney im Jahr 2000 ist sie Fahnenträgerin des deutschen Teams © Getty Images
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Nach ihrem Karriereende 2005 peilt Fischer sieben Jahre später ein Comeback für Olympia an, muss wegen gesundheitlicher Probleme aber aufgeben. Seither arbeitet sie hin und wieder als TV-Expertin © Getty Images
Fischer engagiert sich für die FDP, kandidiert bei der Europawahl 1999 und setzt sich für den Naturschutz ein. 2007 stellt sie sich für ein Anzeigenmotiv der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft zur Verfügung. Seit 2004 hat sie ihr eigenes Kanu-Unternehmen © Getty Images
Seine beste Zeit erlebt Ruderer Thomas Lange zwischen 1987 und 1996. Im Einer holt der Mann aus der Lutherstadt Eisleben zweimal Olympiagold (1988 und 1992) sowie Bronze in Atlanta - somit sorgt er also für den totalen Triumph sowohl für die DDR als auch für die Bundesrepublik © Getty Images
1988 erhält Lange den Stern der Völkerfreundschaft in Gold, neun Jahre später wird er vom Weltruderverband FISA gar mit der höchsten Auszeichnung im Rudersport, der Thomas-Keller-Medaille, gewürdigt. Heute arbeitet Lange als promovierter Chirurg in Ratzeburg und hat zwei Söhne. Gelegentlich ist Lange noch auf Masters-Regatten aktiv © Imago
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Heike Drechsler beginnt ihre Leichtathletik-Karriere wie viele Weitspringerinnen als Sprinterin. Ihre größten Erfolge feiert die Thüringerin allerdings in der Sandgrube. 1992 und 2000 holt sie im Weitsprung olympisches Gold. Allerdings begleiten ihre gesamtdeutsche Karriere Dopingvowürfe und die Enttarnung ihrer Tätigkeit für die Stasi unter dem Decknamen "IM Jump" © Getty Images
Drechsler, inzwischen in zweiter Ehe mit dem finnischen Hürdenläufer Arto Bryggare verheiratet, lebt heute in Berlin. Ab April 2017 absolviert sie eine Ausbildung zur Kampfrichterin und ist zuletzt 2018 bei der Leichtathletik-EM in Berlin in dieser Funktion im Einsatz © Getty Images
Die Karriere von Diskuswerfer Lars Riedel steht 1990 schon vor dem Ende, bevor sie doch noch richtig durchstartet. Nach der Wende wird sein Trainer beurlaubt, für Riedel heißt der Alltag Baustelle statt Training. Doch dann lernt der gebürtige Zwickauer den Mainzer Karlheinz Steinmetz kennen und steigt wieder voll ein. Der Lohn: Je einmal Olympia-Gold und Silber sowie fünf Weltmeistertitel © Getty Images
Nach dem Rücktritt 2008 arbeitet Riedel als TV-Experte - und wird plötzlich zur gefragten Person der Unterhaltungsprogramme. Der Tausendsassa macht mit bei einer Tanzshow, zudem beim Promiboxen, wo er von "Evil" Jared Hasselhoff, Bassist der Band "Bloodhound Gang" durch technischen K.o. in die Knie gezwungen wird und bei vielen weiteren TV-Formaten © Getty Images
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Jürgen Schult gelingen im Gegensatz zu Riedel schon vor der Wende seine größten Erfolge - bemerkenswerterweise für die Deutsche Demokratische Republik, obwohl er 1960 im Amt Neuhaus im niedersächsischen Landkreis Lüneburg geboren wird: Seine olympische Goldmedaille in Seoul vom 1. Oktober 1988 ist die letzte in der Geschichte der DDR. Außerdem sind seine 74,08 Meter von 1986 noch heute Weltrekord. Dopingjäger Werner Franke erklärt in den 90ern, Schult habe von 1981 bis 1984 anaboler Steroide konsumiert, was der aber bis heute bestreitet. © Getty Images
In Barcelona holt Schult dann 1992 Silber. Von 1993 bis 2000 ist er sein eigener Trainer. 2001 wird er Bundestrainer des Deutschen Leichtathletik-Verbandes für das Diskuswerfen der Männer, ehe er 2011 schließlich zum Leitenden Bundestrainer für die Wurf- und Stoßdisziplinen berufen wird. Seit dem Verlassen dieser Position im Jahr 2018 ist er zuständig für die Leichtathletikausbildung an der Bundespolizeisportschule Kienbaum. © Imago
Susi Erdmann startet ihre Rennrodel-Karriere als Sportsoldatin der Nationalen Volksarmee. Mit der Wende wechselt sie in die Bundeswehr und holt für Gesamtdeutschland olympische Medaillen: 1992 Bronze, 1994 Silber. 2000 wechselt Erdmann vom Schlitten in den Bob und holt bei den Spielen in Salt Lake City Bronze © Getty Images
Die Frau aus Blankenburg im Harz zeigt sich auch nach ihrer Karriere aktiv - als Funsportlerin. So wird die 7-Fache-Weltmeisterin, die sich 2004 für den "Playboy" auszieht, auch zweimal Weltmeisterin im Vierer-Wok. 2009 heiratet sie den ehemaligen italienischern Rennrodler Gerhard Plankensteiner, von dem sie sich nur ein Jahr darauf wieder trennt. Seit 2015 ist Susi Erdmann als Sportfeldwebel bei der Sanitätsakademie in München tätig © Imago
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Ein Jahr nach Bronze in Seoul 1988 kostet ein Verkehrsunfall Gewichtheber Ronny Weller fast das Leben. Er selbst überlebt schwer verletzt, seine damailige Freundin stirbt. Dennoch kämpft sich Weller zurück - und holt 1992 in Barcelona tatsächlich olympisches Gold © Getty Images
1996 und 2000 folgen zudem zwei Silbermedaillen. 2004 zieht sich der gebürtige Sachse zurück aus dem Leistungssport. Weller lebt verheiratet und als Vater einer Tochter fernab des großen Rummels und scheidet 2006 im Rang eines Hauptfeldwebels aus einer Sportfördergruppe der Bundeswehr aus © Getty Images
Rico Steinmann gehört während der Wende zu den größten Talenten im Osten. Beim FC Karl-Marx-Stadt, dem späteren Chemnitzer FC, reift er zum Nationalspieler. Steinmann wechselt 1991 zum 1. FC Köln, doch dort kann er die hohen Erwartungen nie erfüllen © Imago
Sechs Jahre lang trägt er das Trikot der Domstädter, wirklich überzeugen kann er in dieser Zeit aber nur selten. Zu seinen 27 Länderspielen für die DDR kommt kein einziges für die gesamtdeutsche Auswahl mehr hinzu © Getty Images
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1997 wechselt er zu Twente Enschede, wo er nach drei Jahren seine Karriere beendet. Steinmann versucht sich noch mal als Manager beim CFC, mittlerweile hat er die große Fußballbühne verlassen. Einsätze für die DDR-Allstars bilden die Ausnahme © Imago
Sie ist die erfolgreichste Eisschnellläuferin der Geschichte: Gunda Niemann-Stirnemann holt gleich acht olympische Medaillen - allerdings allesamt nach dem Mauerfall ab den Spielen 1992 in Albertville. Dazu gewinnt sie 19 WM- sowie acht EM-Titel © Getty Images
Nach der Scheidung von ihrem ersten Mann (Niemann) lebt die Jahrhundert-Eisschnellläuferin aus Sondershausen (Thüringen) in zweiter Ehe mit dem Schweizer Manager Oliver Stirnemann verheiratet und ist seit 2002 Mutter einer Tochter, die sie bis 2017 selbst als Eisschnelllauf-Trainerin betreut © Imago
Im Senioren-Bereich ist Eisschnellläuferin Claudia Pechstein zu DDR-Zeiten noch nicht aktiv - ihr Weltcup-Debüt gibt sie erst 1991. Den Weg zum Profi geht sie jedoch durch die Kaderschule des Ostens, inklusive Kinder- und Jugendspartakiaden. Nach der Wende hamstert sie Titel: Fünfmal holt sie Olympia-Gold © Getty Images
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Zwischenzeitlich wegen Dopings für zwei Jahre gesperrt, kehrt sie 2011 zurück. Durch ihre Silbermedaille bei der WM 2017 wird sie zur ältesten Medaillengewinnerin bei einer Weltmeisterschaft. Wenige Monate später wird sie auch zur ältesten Siegerin eines Weltcuprennens. Im Jahr 2018 nimmt sie mit 46 Jahren zum siebten Mal an den Olympischen Winterspielen teil © Getty Images
Ansonsten arbeitet die geschiedene Berlinerin als Polizeihauptmeisterin und ist 2004 bei der Wahl des Bundespräsidenten für die CDU Berlin Mitglied der Bundesversammlung. Im Jahr 2020 trägt sie einen öffentlichen Streit mit dem damaligen Eisschenlllauf-Bundestrainer Erik Bouwman aus, der in der Entlassung des Niederländers mündet © Getty Images
Diese vier bringen den Biathlon zurück auf die deutsche Landkarte: Der Sachse Ricco Groß und die Thüringer Sven Fischer, Frank Luck und Peter Sendel sind in den 90er Jahren Medaillengaranten für das deutsche Team und hieven ihren Sport mit ihren Siegen ins Rampenlicht © Getty Images
Eigentlich kommt Wolfgang Hoppe aus einer Motorradfahrer-Familie. Er setzt aber lieber auf Eis: Im Zweier- und Viererbob holt er bei den Winterspielen in Sarajevo Gold. 1992 ist er Fahnenträger des ersten gesamtdeutschen Olympia-Teams in Albertville © Getty Images
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Uwe-Jens Mey dominiert in den vier Jahren um die Wiedervereinigung beim Eisschnelllaufen seine Distanz: Der gebürtige Warschauer holt sowohl in Calgary als auch in Albertville Gold über 500 Meter. Von 1988 bis 1991 gewinnt er viermal in Folge den Gesamtweltcup über diese Distanz © Getty Images
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Ging bei dem als Heldinnen-Märchen groß inszenierten Triumphzug alles mit rechten Dingen zu?

Rätselhafter Rücktritt ein Jahr nach Olympia 1988

Während der Fabellauf von Sprinter-Kollege Johnson bald darauf als Schurkenstück entlarvt war, fielen Griffith-Joyners Dopingtests negativ aus - was, wie die Erfahrung lehrt, nicht zwangsläufig ein Unschuldsbeweis ist, der standhält. Und so wurden dann trotzdem schnell Zweifel laut: Ihre plötzliche Leistungssteigerung, ihre auffälliges Muskel-Wachstum, ihre tiefer gewordene Stimme vor den Spielen sorgten für Tuscheln.

Und die Spekulationen wurden nicht eingedämmt durch das, was im Jahr nach Seoul passierte: Griffith-Joyner kündigte überraschend ihren Rücktritt an - der zusammenfiel mit der Einführung schärferer Dopingkontrollen. Unter anderen wurden Tests außerhalb der Wettkämpfe etabliert, die heute als Standard und geradezu zwingend gelten, um Betrüger ertappen zu können.

1998: Tod im Schlaf mit nur 38 Jahren

Griffith-Joyner startete ein neues Leben mit Dreisprung-Olympiasieger Al Joyner (Bruder der ebenfalls erfolgreichen Leichtathletin Jackie Joyner-Kersee), brachte 1990 Tochter Mary Ruth zur Welt (die vor einigen Jahren als Sängerin in der US-Version vom "Supertalent" antrat). Einen Comeback-Versuch vor den Spielen 1996 in Atlanta blies "Flo Jo" wegen Problemen an der Achillessehne ab und beendete ihre Laufbahn endgültig.

Im selben Jahr verstörte die Meldung, dass Griffith-Joyner mit nur 36 Jahren einen Schlaganfall erlitten hatte. Am 21. September 1998 dann die Schreckensnachricht: Ehemann Joyner fand Florence leblos in ihrem Bett, Todesursache war ein schwerer epileptischer Anfall.

Griffith-Joyners Ableben löste neue Debatten darüber aus, ob sie ihren Körper mit verbotenen Mitteln kaputt gemacht hatte - wobei bei der Obduktion auch eine andere mögliche Erklärung gefunden wurde: ein Hämangiom, ein Tumor im Kopf, der Auslöser des Anfalls gewesen sein könnte.

Selbst Carl Lewis säte Doping-Verdacht gegen Griffith-Joyner

Unabhängig davon bleibt die Frage, wie Griffith-Joyners bis heute unerreichte Rekorde über 100 und 200 Meter erklärbar sind. Die über 100 Meter etwa: Zwar gibt es auch Diskussionen über nicht korrekt gemessenen Rückenwind in Indianapolis, aber auch ansonsten bleiben viele Fragen offen, wie Griffith-Joyner die Zeit erzielen konnte.

Shelly-Ann Fraser-Pryce, die im Juni 2021 zur zwischenzeitlich zweitschnellsten Frau der Geschichte aufstieg, blieb 14 Hunderstelsekunden über dem Rekordwert. im selben Jahr lief Elaine Thompson-Herah bei den Olympischen Spielen in 10,61 Sekunden zum Sieg - olympischer Rekord. Carmelita Jeter blieb 2009 15 Hundertstel über der Zeit. Auf Platz fünf der ewigen Bestenliste folgt dann Marion Jones (10,65), eine überführte Doperin.

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Ehemann Al Joyner gewann 1984 Olympia-Gold im Dreisprung

Auch gegen Griffith-Joyner gab es Belastungszeugen: Der Sprinter Darrell Robinson behauptete, ihr ein Wachstumshormon verkauft zu haben - was Griffith-Joyner als Lüge zurückgewiesen hatte. Nach ihrem Tod meldete sich Ex-Trainingspartnerin Lorna Boothe zu Wort, die ausplauderte, dass Griffith-Joyner 1987 in einem kalifornischen Krankenhaus regelmäßig mit Anabolika und Wachstumshormen behandelt worden sein soll. Eine dort arbeitende Schwester hätte es ihr erzählt.

Selbst Idol Carl Lewis - der später selbst zugeben musste, dass ein Doping-Schatten auf seinen eigenen Leistungen lag - schürte das Thema: Bei einer Rede an der University of Pennsylvania zeigte er sich Ende 1988 auf Nachfrage sicher, dass Griffith-Joyner Steroide nehme. Er wisse das aus "sehr zuverlässiger Quelle".

Später ruderte er zurück und erklärte, es doch nicht so genau zu wissen. Er hatte offenbar nicht damit gerechnet, dass seine ursprüngliche Aussage aufgezeichnet und in den Zeitungen landen würde.