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Zverev vs. Thiem, US Open: Kommentar zum Finale und Boris-Becker-Vergleich

Was Zverev nun beweisen muss

SPORT1-Redakteur Christian Paschwitz kommentiert zu Alexander Zverev und dessen verlorenem US-Open-Finale © SPORT1-Grafik: Getty Images/SPORT1

Alexander Zverev gewinnt durch sein Finaldrama bei den US Open viele Sympathien. Um ein echter Champions zu sein, muss er aber noch viel tun. Der SPORT1-Kommentar.

Natürlich tut einem Alexander Zverev leid, so viel Mensch ist man dann ja doch. Dramatischer als nun bei den US Open gegen Dominic Thiem lässt sich ein Grand-Slam-Finale kaum verlieren.

Als am Ende bittere Tränen flossen, der Hamburger höchst emotionale Worte fand über seine daheim gebliebenen Eltern, die hoffentlich stolz auf ihn seien und für die er eines Tages hoffentlich doch die Trophäe mitzubringen wünschte, berührte das zu Recht viele.

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Auch diejenigen, für die Zverev angesichts dessen oftmals zwischen unterkühlt und arrogant oszillierender Art bisher immer ein rotes Tuch gewesen war. Zweifelsohne haben diese fünf epischen Sätze den 23-Jährigen gerade in Deutschland neben Punkten in der Weltrangliste auch reichlich Sympathien sammeln lassen.

Zverev nach Final-Pleite: "Thiem hat sich den Titel mehr verdient als ich"

Sensibel und verletzlich wirkte Zverev, den am Ende der gut vierstündigen Tragödie Krämpfe schüttelten - und er ließ die Tennis-Nation dabei mitleiden. Manch einer mag sich dabei gar wehmütig an die früheren Schlachten von Boris Becker erinnert haben. Auch Zverev spielte sich nun mit seiner Achterbahnfahrt der Gefühle in die Herzen.

Zu Becker fehlt Zverev noch einiges

Und dennoch: Ein ganz Großer wie Becker ist Zverev noch immer und längst nicht. So bemerkenswert es auch wirkt, dass der bei einem Major zuvor nie über das Halbfinale hinausgekommene ATP-Weltmeister von 2018 nun offenbar endlich ins nächste Level gesprungen und erwachsener geworden ist, wie sein Bruder Mischa unlängst bei SPORT1 bestätigte.

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Die unverhoffte Anerkennung ist verdient - reifer denn je zu sein für große Titel klingt indes nur dann gut, wenn man das Versprechen dazu irgendwann auch mal einzulösen vermag.

Diese Chance hat Zverev im Endspiel allzu leichtfertig vergeben, all seinen bewundernswerten vorherigen Stehaufmännchen-Qualitäten gegen Borna Coric und Pablo Carreno Busta zum Trotz.

Zumal die Gunst der Stunde auf den großen Coup ohne die Big Three nie besser stand: Roger Federer und Rafael Nadal fehlten, Novak Djokovic disqualifizierte sich selbst. Doch nach wie vor ist Deutschlands Bester bei einem Grand Slam nicht dazu imstande, einen Top-10-Spieler zu besiegen.

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Ferrer könnte weitere Potenziale wecken

Das lässt Zweifel zurück an der Nachhaltigkeit der Entwicklung Zverevs, der es wegen seines Nervenflatterns in den entscheidenden Match-Phasen obendrein versäumte, die 24 Jahre lange Durststrecke des deutschen Herren-Tennis zu beenden.

Mit Spannung wird nun zu beobachten sein, wie sich Zverev präsentiert, sollte der Tennis-Zirkus eines Tages aus der "Corona-Bubble" wieder heraustreten.

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Hat Zverev dann, dessen Jahr nicht nur wegen der Pandemie und aller dazugehöriger Fettnäpfchen wie die fatale Teilnahme bei der Adria Tour und den Party-Eklat höchst verkorkst verlief, auch unter "normalen" Bedingungen endlich das Zeug für das ganz große Ding?

Zumindest das Alter von noch immer erst 23 Jahren spricht dafür.

Sollte es ihm gelingen, unter seinem neuen Coach David Ferrer noch mehr Fokus zu entwickeln und Störgeräusche auszublenden - Zverev müsste ob seines dann womöglich doch noch voll ausgeschöpften Potenzials wirklich niemandem leid tun.