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Formel 1: Kolumne von Ralf Bach über Trennung von Vettel und Ferrari

Darum ekelt Ferrari seine Stars weg

"Vettel fühlt sich bei Ferrari einfach nicht mehr wohl!"

Das letzte Jahr zwischen Sebastian Vettel und Ferrari wird immer unschöner. Nicht die erste unsaubere Trennung der Scuderia, meint Motorsport-Experte Ralf Bach.

Würde Niki Lauda noch leben, er könnte jetzt Sebastian Vettel erzählen, dass der Deutsche nicht der erste ist, den Ferrari mit Intrigen und Chaos-Entscheidungen ins Abseits gestellt hat. Mehr noch und brutal gesagt: Bei Ferrari ist es Tradition, Fahrer wegzuekeln, wenn sie nicht mehr gebraucht werden.

Es liegt quasi in den Genen des italienischen Traditionsrennstalls. Die Gene hat ihnen der 1988 verstorbene Firmengründer Enzo Ferrari eingehaucht, der in Maranello immer noch präsent ist wie ein Poltergeist, den alle fürchten.

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Seine Werte werden auch heute noch bedingungslos bei Ferrari weitergelebt. Enzo Ferrari pflegte von Anfang an eine Art Hassliebe zu seinen Fahrern. Er verehrte sie wie Kampfpiloten, war aber auch bereit sie zu opfern, wenn es seiner Sache diente. Und die stand und steht über allem. "Enzo war wie ein Drachen, der seine Kinder frisst", fasste Niki Lauda einmal gewohnt kurz und prägnant die Philosophie des charismatischen Firmengründers zusammen. 

Lewis Hamilton hat seinen sechsten WM-Titel perfekt gemacht und damit Juan Manuel Fangio in der Liste der Fahrer mit den meisten WM-Triumphen abgeschüttelt © Getty Images
Nur noch einmal muss Hamilton das Jahr als Führender der Fahrerwertung abschließen, dann zieht er mit Rekordweltmeister Michael Schumacher gleich. Ist der Engländer sogar schon jetzt besser als die deutsche Legende? SPORT1 zeigt die größten Formel-1-Piloten aller Zeiten © SPORT1-Montage/Getty Images
PLATZ 15 - KIMI RAIKKÖNEN (1 WM-Titel, 21 Grand-Prix-Siege): Seit 2001 begeistert der Finne seine Fans in der Königsklasse. Sein größter Erfolg gelang dem "Iceman" 2007, als er mit der Scuderia den WM-Titel bejubeln durfte © Getty Images
Mit 46 schnellsten Rennrunden liegt er hinter Schumacher und gleichauf mit Hamilton auf Rang zwei in der Statistik. Mit Beginn der aktuellen Saison fährt Raikkönen nicht mehr für Ferrari, sondern geht beim Alfa-Romeo-Rennstall auf Punktejagd © Getty Images
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PLATZ 14 - NIGEL MANSELL (1 WM-Titel, 31 Grand-Prix-Siege): Trotz der starken Konkurrenz von Nelson Piquet, Ayrton Senna und Alain Prost holte Mansell 31 Formel-1-Siege. Wegen seiner riskanten Fahrweise und unüberlegten Manöver gab es aber immer wieder Kritik © Getty Images
1992 wurde er Weltmeister, ein Jahr später wechselte er in die IndyCar World Series und holte als erster Rookie überhaupt gleich in der ersten Saison den Meistertitel! Seine Kampfstärke brachte ihm in Italien den Spitznamen "Il Leone" ("Der Löwe") ein © Getty Images
PLATZ 13 - MIKA HÄKKINEN (2 WM-Titel, 20 Grand-Prix-Siege): Jahrelang lebten Häkkinen und Michael Schumacher ihre Rivalität aus, dabei hat der Deutsche meist die Nase vorne. Dennoch erfreut sich der Finne hierzulande großer Beliebtheit. Seine zurückhaltende, bescheidene und freundliche Art imponiert © Getty Images
1995 schlug er bei einer Trainingssession im australischen Adelaide in einen Reifenstapel ein und erlitt schwere Kopfverletzungen. Es war zunächst nicht klar, ob er je wieder ein Rennen wird bestreiten können. Drei Jahre später wurde er erstmals Weltmeister © Getty Images
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PLATZ 12 - JACK BRABHAM (3 WM-Titel, 14 Grand-Prix-Siege): Erst mit 29 Jahren begann Brabham mit dem Rennsport. Vorher arbeitete er als Mechaniker bei der Royal Australian Air Force. Während seiner Karriere konstruierte er seine Autos teilweise selbst © Getty Images
Im letzten Rennen 1959 ging ihm als WM-Führendem wenige hundert Meter vor dem Ziel der Sprit aus. Es gelang ihm jedoch, seinen Wagen als Vierter über die Ziellinie zu schieben. Weil auch Kollegen patzten, wurde er trotzdem Weltmeister © Getty Images
PLATZ 11 - NELSON PIQUET (3 WM-Titel, 23 Grand-Prix-Siege): Ganze 204 Rennen absolvierte der Brasilianer in der Königsklasse. Er ist der erste Weltmeister, der seinen Titel mit einem Turbomotor gewann (1983 mit BMW) © Getty Images
Piquet, nach dem zwei Rennstrecken in Brasilien benannt sind, konnte während seiner aktiven Zeit vor allem mit langsamen Stadtkursen wie in Monaco nichts anfangen. Durch seine provokante Art geriet er häufiger mit anderen Fahrern aneinander © Getty Images
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PLATZ 10 - NIKI LAUDA (3 WM-Titel, 25 Grand-Prix-Siege): 15 Jahre lang fuhr Lauda in der Formel 1 - dreimal krönte er sich zum Weltmeister (davon zweimal als Ferrari-Pilot). In Erinnerung blieb Lauda den meisten Fans vor allem wegen seines schweren Unfalls auf dem Nürburgring © Getty Images
Bei Tempo 220 verlor er in einer Linkskurve die Kontrolle über seinen Wagen. Er prallte gegen eine Felswand und wurde zurück auf die Strecke geschleudert. Lauda erlitt schwere Verletzungen, saß schon 42 Tage danach aber wieder im Rennwagen. Am 21. Mai 2019 verstarb der Österreicher, nach seinem sechsten WM-Titel dankte Hamilton ihm ganz besonders © Getty Images
PLATZ 9 - FERNANDO ALONSO (2 WM-Titel, 32 Grand-Prix-Siege): Der Spanier war einer der Dauerbrenner der Formel-1-Geschichte. Zwischen 2001 und 2018 ging Alonso in der Königsklasse an den Start. In 308 Rennen stand er 97 Mal auf dem Podium © Getty Images
Bei seinem ersten Titel war er der bis dahin jüngste Weltmeister in der Geschichte. Im McLaren-Cockpit lief es am Ende alles andere als rund. Nach der Saison 2018 beendete Alonso seine Formel-1-Karriere, allerdings gibt es immer wieder Comeback-Gerüchte. 2019 gewann er zudem die 24 Stunden von Le Mans © Getty Images
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PLATZ 8 - SEBASTIAN VETTEL (4 WM-Titel, 53 Grand-Prix-Siege): Als Red-Bull-Pilot feierte der Deutsche die größten Erfolge. In den Jahren 2010 bis 2013 wurde er vier Mal in Folge Weltmeister und dominierte die Königsklasse © Getty Images
Seit 2015 sitzt er im Ferrari-Cockpit, einen weiteren WM-Titel konnte er seiner Sammlung noch nicht hinzufügen. In den letzten Jahren machen er und die Scuderia zu viele Fehler und vermasseln sich den WM-Titel selbst. Sein fahrerisches Können ist dennoch unbestritten © Getty Images
PLATZ 7 - JIM CLARK (2 WM-Titel, 25 Grand-Prix-Siege): Bis heute gilt der Brite als einer der besten Formel-1-Fahrer aller Zeiten. Ayrton Senna, Alain Prost und Jackie Stewart nannten ihn ihr Vorbild. Mit 34,72 Prozent hat Clark die zweithöchste Siegquote aller Fahrer in den Top 20 - nur Fangio ist besser © Getty Images
Bei einem Formel-2-Rennen verunglückte der Brite 1968 am Hockenheimring tödlich. Aufgrund eines Reifenschadens kam er von der Piste ab und knallte gegen einen Baum. Direkte Augenzeugen gab es nicht. Clarks Tod löste weltweites Entsetzen aus © Getty Images
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PLATZ 6 - JACKIE STEWART (3 WM-Titel, 27 Grand-Prix-Siege): In seinen neun Jahren in der Königsklasse krönte sich der Brite dreimal zum Weltmeister und schaffte das, wovon die meisten Sportler träumen: Auf dem Höhepunkt der Karriere, nach dem dritten Titel, trat er ab. Mit 27 Siegen bracht er Fangios Rekord - erst Prost übertraft ihn © Getty Images
Der älteste noch lebende Formel-1-Weltmeister veränderte mit seinem Kampf für mehr Sicherheit zudem die Königsklasse. Grund dafür ist ein Unfall in Spa, als sein Wagen bei strömendem Regen von der Strecke abkam und sich überschlug. Das auslaufende Benzin verätzte seine Haut. © Getty Images
PLATZ 5 - ALAIN PROST (4 WM-Titel, 51 Grand-Prix-Siege): Über viele Jahre hinweg lieferte sich der Franzose einen erbitterten Kampf mit Ayrton Senna. Obwohl die meisten Experten Senna für den besseren Fahrer halten, gewann Prost mehr WM-Titel und mehr Rennen als der Brasilianer © Getty Images
Mit dem McLaren-Team feierte er in der Königsklasse die größten Erfolge. Der Franzose ging analytisch an die Rennen heran und handelte sich mit seiner schlauen Fahrweise den Spitznamen Professor ein. Mit Senna duellierte er sich nicht nur auf der Rennstrecke, sondern auch in den Medien © Getty Images
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PLATZ 4 - JUAN MANUEL FANGIO (5 WM-Titel, 24 Grand-Prix-Siege): Der Argentinier prägte die Anfangszeit in der Formel 1. In nur sieben Jahren wurde er sage und schreibe fünf Mal Weltmeister. Seine 24 Siege erlangte er bei nur 51 Starts - das ergibt eine Quote von 47 Prozent - zum Vergleich: Hamilton liegt bei 33 Prozent, Schumacher knapp unter 30 © Getty Images
Unter seinem Spitznamen "El Chueco" ("Der Krummbeinige") fuhr er unter anderem für Mercedes, Ferrari, Alfa Romeo und Maserati - und gewann mit allen vier Marken den Titel. Noch vor dem Zweiten Weltkrieg startete er bei Rallye-Veranstaltungen. Fangio ist der erste von vier Namen, der in der GOAT-Debatte häufiger auftaucht © Getty Images
PLATZ 3 - AYRTON SENNA (3 WM-Titel, 41 Grand-Prix-Siege): In der Geschichte der Königsklasse gibt es insgesamt fünf Fahrer, die häufiger Weltmeister wurden als Senna. Dennoch schafft es der Brasilianer auf Rang drei. Sein fahrerisches Können ist bis heute unbestritten, allerdings wählte er nicht immer das beste Team zum richtigen Zeitpunkt © Getty Images
Wäre Senna nicht beim Großen Preis von San Marino 1994 tödlich verunglückt, hätte er seine Jagd nach Titeln noch weiter fortsetzen können - zumal er zu diesem Zeitpunkt im überlegenen Williams saß. Der Brasilianer gilt bis heute als der schnellste Formel-1-Fahrer aller Zeiten - und zahlreiche Siege von ihm zählen zu den großen F1-Klassikern © Getty Images
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PLATZ 2 - LEWIS HAMILTON (6 WM-Titel, 84 Grand-Prix-Siege): Wenn es einer schaffen könnte, Michael Schumachers Rekord von sieben WM-Titeln streitig zu machen, dann Hamilton. Der Brite geht jede Saison mit seinem dominanten Mercedes als Favorit ins Rennen © Getty Images
In den letzten Jahren glänzte der Brite vor allem in brenzligen Situationen mit seiner souveränen Fahrweise. Zudem steigert er sich von Jahr zu Jahr noch einmal. Nur noch ein Titel fehlt ihm zu Schumachers Rekord - und mit Hilfe seines bärenstarken Mercedes sollte dieser nicht mehr allzu lang auf sich warten lassen © Getty Images
PLATZ 1 - MICHAEL SCHUMACHER (7 WM-Titel, 91 Grand-Prix-Siege): Unantastbar an der Spitze liegt der legendäre Michael Schumacher. Mit sieben WM-Titeln thront er über allen anderen Fahrern. 68 Mal stand der frühere Ferrari-Pilot auf der Pole Position © Getty Images
Zudem gelangen ihm 77 schnellste Rennrunden. Auch bei der Anzahl der Podestplätze (155) liegt er noch knapp vor dem zweitplatzierten Hamilton (150). Die WM 2002 entschied er bereits nach elf von 17 Rennen für sich © Getty Images

Enzo Ferrari hatte besondere Aura

Die Aura des alten Mannes ist in der Tat noch allgegenwärtig. Auch heute noch erstarren selbst technokratische Ferrari-Ingenieure in ehrfürchtigem Schweigen, wenn sie seinen Namen hören. Als würde der Patriarch als Geist neben ihnen stehen und sie beobachten.

Im Museum in Maranello sitzt Enzo Ferrari wie eine Heiligenfigur hinter einer Glaswand. Die Wachsfigur wirkt inmitten der ultramodernen Fabrikhallen wie eine Brücke, welche die Ferrari-Welt von heute mit dem Mythos und der Legende verbindet. 

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Allein: Enzo Ferrari war kein Heiliger. Die Mischung aus Leidenschaft und Härte machte den großen mächtigen Mann mit der dunklen Brille zur Legende. Die Triumphe, aber auch die Tragödien. Alberto Ascaris tödlicher Unfall mit einem Sportwagen in Monza gehört dazu. Graf Berghe von Trips letzte Fahrt in Monza, als der Horremer 15 Zuschauer mit in den Tod riss, ebenso.

Oder der Verlust von Gilles Villeneuve. Ferrari liebte den verwegenen Kanadier, der beim Training in Zolder 1982 tödlich verunglückte, wie seinen verstorbenen Sohn Dino. Von beiden hatte er Fotos auf seinem Schreibtisch stehen – bis zuletzt von Kerzen angestrahlt.

Lauda erstes Mobbingopfer

Niki Lauda war das erste Mobbingopfer Ferraris. "Der Alte", erzählte Niki einmal, "hatte wahnsinniges Charisma. Er hatte eine einzigartige Art zu reden. Es war ein Singsang, der sich wie eine Predigt anhörte. Es war nur sehr schwer ihn zu unterbrechen."

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Der Motorsport verliert mit Niki Lauda nicht nur einen der herausragenden Fahrer der Geschichte, sondern auch einen besonderen Menschen. Der dreimalige Weltmeister war auch für seinen Humor und markante Aussagen bekannt. SPORT1 zeigt Laudas Sprüche, die auch nach seinem Tod in Erinnerung bleiben werden © Getty Images
"Nachdem ich in meinem Beruf nur vom rechten Fuß lebe, ist es mir egal, wie ich ausschaue." (Lauda über Eitelkeit) © Getty Images
"Da habe ich mir gedacht: So, nicht mit mir. Das war gut so und motivierte mich, am Leben zu bleiben." (Lauda über die Momente nach der Letzten Ölung wegen des Nürburgring-Unfalls) © YouTube
"Es gibt Tausende junger Burschen, die schneller Autofahren können als ich. Aber ich sitze in einem Ferrari." (Lauda über sein Leben als Rennfahrer) © Getty Images
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"Das Leben ist wichtiger als der WM-Titel. Ich möchte mich doch nicht umbringen, jedenfalls kein zweites Mal." (Lauda 1976 nach seiner Aufgabe beim Regenrennen in Japan) © Imago
"Ich habe es satt, blöd im Kreis herumzufahren." (Lauda 1979 nach seinem Rücktritt beim GP in Kanada) © Getty Images
"Der Unterschied waren die Kühe. Die gibt es sonst bei keinem anderen Grand Prix, deshalb war Österreich immer der Kuh-Grand-Prix." (Lauda über den Großen Preis von Österreich) © Getty Images
"Die Formel 1 ist immer noch die zweitschönste Sache der Welt." (Lauda über das Leben) © Getty Images
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"Ich hoffe, dass uns beim Start nicht das Arztauto hinter uns überholt." (Rennleiter und Teamchef Lauda 2002 über den langsamen Jaguar) © Getty Images
"Kimi Räikkönen mag ab und zu mal einen trinken. Aber wir haben früher nach jedem Rennen gesoffen." (Lauda über Alkohol in der Formel 1) © Getty Images
"Diese kleine Welt der Zirkusaffen." (Lauda über die Formel 1) © Getty Images
"Einer soll Schumacher vier Rennen lang einsperren." (Lauda zur Dominanz von Michael Schumacher) © Getty Images
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"Wie dumm kann man sein? Haben die einen Vogel? Das ist eine Entscheidung gegen die Frauen." (Lauda über das Aus der Grid Girls in der Formel 1) © Mpx Images
"Wenn es die Lauda-Air nicht gäbe, würden die Gäste auf den Austrian-Airlines-Charterflügen noch immer ein Radl Wurst und ein Ildefonso serviert bekommen." (Lauda über die Vorzüge seiner Fluglinie) © Getty Images
"Ich weiß schon, dass die Formel 1 nicht von Klosterschülern geführt wird - aber auch nicht von Verbrechern." (Lauda über die Machenschaften der großen Formel-1-Bosse) © Getty Images
"Bei den heutigen Fahrergehältern würde ich als Amerikaner wahrscheinlich meine Mutter verklagen, dass sie mich zu früh geboren hat." (Lauda über die Gehälter in der Formel 1) © Getty Images

Lauda führte weiter aus: "Er konnte aber auch knallhart sein. Als ich nach meinem Unfall auf dem Nürburgring in Monza zum Comeback fuhr, hatte Enzo mit Carlos Reutemann schon einen Ersatzmann parat. Ich habe wegen Ferrari fast mein Leben verloren, er zweifelte aber daran, dass ich noch schnell genug war. Das konnte ich ihm nie verzeihen. Das war wie ein Messerstich mitten ins Herz. Ich schwor, ich würde ihm das heimzahlen. Deshalb verließ ich Ferrari nach meinem zweiten WM-Titel Ende 1977 und wechselte zu Brabham."

Für die Scuderia ein gefundenes Fressen. "Der Judas hat sich für 30 Stangen Salami an die Konkurrenz verkauft," warf ihm Ferrari verächtlich hinterher.

Prost ebenfalls betroffen

Auch Alain Prost weiß, wie es ist, plötzlich von Ferrari zur Adoption freigegeben zu werden. Der Formel-1-Superstar wechselte 1990 von McLaren zur Scuderia. Der damals dreimalige Weltmeister sollte als Heilsbringer den angeschlagenen Rennstall zu alter Größe führen.

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1990 lief noch alles in die richtige Richtung. Der Franzose gewann fünf Rennen und wurde Vizeweltmeister. Ein Jahr später baute Ferrari eine Fehlkonstruktion, mit der auch ein Fahrgenie wie der Franzose keine Chance hatte. Ferrari brauchte ein Bauernopfer und fand es in Prost.

Nach dem sechsten Rennen in Mexiko schmissen die Italiener ihn raus. Angeblich, weil er Ferrari beleidigt hatte. Das Auto fahre sich wie ein LKW, soll Prost gesagt haben. Einen Ferrari aber könne man nicht mit einem Lastwagen vergleichen, konterten die Verantwortlichen in Enzos Maranello.

Es ist vollbracht! Mick Schumacher hat seinen ersten Sieg in der Formel 2 gefeiert. Der 20-Jährige gewann am 4. August den 16. Saisonlauf im Unterbau der Königsklasse nach einer souveränen Vorstellung von der Pole Position © Getty Images
Schumacher blieb fehlerlos und sicherte den Sieg letztlich mit 1,4 Sekunden Vorsprung auf den Japaner Nobuharu Matsushita. Das zuvor beste Ergebnis war dem Sohn von Michael Schumacher Ende Juni in Österreich mit Platz vier nach einer Aufholjagd gelungen © Imago
Zuletzt hatte Schumacher für ein weiteres Highlight gesorgt. Im Weltmeister-Ferrari F2004 seines Vaters drehte Deutschlands Rennsport-Nachwuchshoffnung drei Runden am Hockenheimring. Dabei sorgte er für große Emotionen © Getty Images
"Es war unglaublich, cool. Ich war richtig nostalgisch, in diesem Auto zu sitzen", sagte der 20-Jährige nach der Showeinlage. "Ich hoffe, dass ich in der Formel 1 hier oder irgendwo anders in Deutschland noch fahren kann" © Getty Images
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In der vergangenen Saison fuhr der 20-Jährige in der Formel 3 diverse Siege ein und schnappte sich am Ende die Meisterschaft © SPORT1-Grafik: Heinemann/ Knigge/ Getty Images/ Picture Alliance
Im Anschluss verkündete sein Prema-Racing-Team, dass Schumacher 2019/20 in der Formel 2 startet. SPORT1 zeigt die Karriere des Senkrechtstarters in Bildern © SPORT1-Montage: Veith Nurtsch/Getty Images/iStock
Bevor der Schumi-Spross im professionellen Motorsport seinen Platz findet, sorgt er auf der Kartbahn für Furore. Um Medien-Trubel zu vermeiden, tritt er aber nicht unter seinem echten Namen an, sondern fährt unter dem Pseudonym "Mick Betsch" - dem Mädchennamen seiner Mutter Corinna © imago
2013 belegt er bei der deutschen Junioren-Kartmeisterschaft den dritten Platz. Im Jahr darauf fährt er unter dem Namen "Mick Junior" bei internationalen Meisterschaften. Bei EM und WM wird er jeweils Zweiter © imago
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2015 erscheint der damals 16-Jährige erstmals auf der ganz großen Bildfläche. Mit dem Namenszug "M. Schumacher" auf dem Overall startet er für Van Amersfoort Racing in der ADAC Formel 4 © Getty Images
Bei seinem ersten Rennen in Oschersleben kommt er als Neunter ins Ziel und sammelt direkt die ersten Punkte. Nach dem Rennen wird er als Bester Rookie ausgezeichnet. Im dritten Rennen des Wochenendes gelingt Schumacher vom zweiten Platz startend direkt der erste Sieg © Getty Images
Anfang 2016 wechselt Mick Schumacher zum Prema Powerteam. In Misano gewinnt er die ersten beiden Saisonrennen in der italienischen Formel 4. Es folgen weitere Siege. Mit 16 Punkten Rückstand wird er in der Meisterschaft Zweiter hinter Marcos Siebert © Getty Images
In der deutschen Formel-4-Serie darf sich Schumacher über Siege freuen. Ganze fünf Mal steht er am Ende ganz oben. Auch in dieser Meisterschaft steht Rang zwei in der Gesamtwertung © Getty Images
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2016/17 sieht man Schumacher in einer weiteren Serie siegen. In der MRF Challenge Formel 2000 bestreitet er erstmalig die gesamte Saison. In Bahrain gewinnt er zwei von vier Rennen. Nach Rang drei in der Endabrechnung wechselt er innerhalb des Teams in die Formel 3 - im legendären Benetton seines Vaters macht er auch eine gute Figur © Getty Images
In seiner ersten Saison läuft es jedoch noch nicht wie gewünscht. Ein dritter Platz in Monza ist sein einziger Podestplatz der Saison. Anders als seine Teamkollegen, die dank Siegen am Ende auf den Plätzen drei und vier landen, muss sich Schumacher mit Platz zwölf begnügen. Helfen die Tipps von Kimi Räikkönen? © Getty Images
2018 läutet Schumacher seine zweite Saison in der Formel 3 ein. Mit Prema Theodore Racing gewinnt er in Spa sein erstes Rennen in dieser Serie. Nach weiteren Erfolgen gelingt es ihm, auf dem Nürburgring alle drei Umläufe für sich zu entscheiden. Sein Bekanntheitsgrad steigt - Dirk Nowitzki lädt ihn zu seinem Charity-Fußballspiel ein © Getty Images
Während er zwei Rennwochenenden vor Saisonende noch auf Rang zwei liegt, dreht er in Spielberg auf und übernimmt die Führung von Daniel Ticktum. Weil er diese bis zum Schluss nicht mehr hergibt, gewinnt er den ersten Meistertitel im professionellen Rennsport. Mama Corinna ist mächtig stolz © imago
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Nach dem letzten Rennen verkündet das Prema Powerteam, dass Schumacher in der kommenden Saison in der nächsthöheren Formel 2 an den Start gehen wird. Damit bleibt er seinem Team auch weiterhin erhalten © Getty Images
Neben seinem Engagement in der Formel 2 wird Schumacher in der "Ferrari Academy" als Simulatorpilot anheuern und zudem ausgewählte Testfahrten absolvieren. Der erste Schritt in die Königsklasse © Getty Images
Bei seinem Debüt in der Formel 2 sammelte er erste gute Erfahrungen. Schumacher fährt auf die Plätze acht und sechs, am Sonntag steht er in seinem zweiten Rennen sogar auf der Pole Position. Große Fehler leistet er sich nicht, die fehlende Erfahrung im 620-PS-starken Boliden macht sich aber bemerkbar © Getty Images
Am 02. April 2019 steigt Mick Schumacher erstmals in einen Ferrari. Um 9.10 Uhr Ortszeit dreht Schumacher in Bahrain seine erste offizielle Runde in einem Formel-1-Boliden © Getty Images
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Fokussierter Blick: Schumacher legt los - zwölf Jahre und vier Monate nach dem letzten Rennen seines Vaters Michael. Das Medieninteresse ist sehr groß. Schumacher gehört seit Mitte Januar zur Ferrari Driver Academy © Getty Images
Schumacher fährt im Cockpit des Ferrari SF90, dem Dienstwagen von Sebastian Vettel und Charles Leclerc. Eine Gratulation zum Debüt in der Königsklasse schickt Ferraris Rivale Mercedes. "Das ist ziemlich cool", schreibt das Weltmeisterteam bei Twitter: "Es ist etwas Besonderes, den Namen Schumacher wieder auf einem Formel-1-Auto zu sehen" © Getty Images
Schumacher absolviert bei seiner Premiere 56 Runden. In der Tageswertung landet er sogar auf den zweiten Platz. Der Auftritt bei den Testfahrten in Bahrain sei "ein Werbespot für die Zukunft" gewesen, schreibt die "Gazzetta dello Sport", der Deutsche sei als "Symbol und Hoffnungsträger" auf die Strecke gegangen © Getty Images
Einen Tag später sitzt er für Alfa Romeo am Steuer. Alfa Romeo, das frühere Sauber-Team, arbeitet eng mit Motorenlieferant Ferrari zusammen. Schumacher verkauft sich erneut teuer und fährt die sechstschnellste Zeit © Getty Images
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Gemeinsam mit Dirk Nowitzki organisiert er erneut das Benefizspiel "Champions for Charity". Die Nowitzki All Stars unterliegen Schumacher & Friends in Leverkusen mit 5:7 (3:4), Schumacher trifft einmal © Getty Images
Am 27. Juli darf Schumacher dann erneut im Formel-1-Boliden sitzen. In Hockenheim fährt er im Ferrari seines Vaters Michael. Er genießt das kurze Erlebnis in vollen Zügen: "Den Motor zu spüren, die Vibration – da war so viel Energie" © Getty Images
Am 4. August folgt der Premierensieg in der Formel 2 am Hungaroring. In der Gesamtwertung klettert Schumacher mit nun 45 Zählern auf den elften Platz und bestätigt seine derzeit gute Form © Imago
Nach einer zuvor sieben Rennen währenden Durststrecke fährt der Prema-Rookie in vier der vergangenen fünf Rennen Punkte ein. Das Ziel ist klar: Die Formel 1. "Ob es schon nächstes Jahr klappt oder in zwei oder drei Jahren - wenn es soweit ist, will ich auf jeden Fall bereit sein." © Getty Images
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Auch Schumacher sollte gehen

Später erzählte mir Prost, was wirklich passierte.

"Meine Lenkung in Mexiko war defekt. Deshalb gab ich auch den italienischen Journalisten folgendes Zitat: 'Ich hatte heute keine Chance, weil die Servolenkung ausfiel. Mit der schweren Lenkung fuhr sich das Auto wie ein LKW.' Das mit der Lenkung ging aber unter. Wie auch immer. Sie wollten mich loswerden und nutzten die unvollständige Aussage als Rechtfertigung."

Selbst Michael Schumacher war nicht vor der Ferrari-Politik gefeit. Was nur wenige wissen: Der erfolgreichste Ferrari-Fahrer aller Zeiten trat 2006 nicht ganz freiwillig zurück. Ferrari hatte schon vorher einen Vertrag mit Kimi Räikkönen abgeschlossen.

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Felipe Massa, der wie heute Charles Leclerc von Nicolas Todt gemanagt wurde – dem Sohn der allmächtigen Ferrari-Legende und des heutigen FIA-Präsidenten Jean Todt – konnte und wollte Ferrari nicht loswerden. Also wurde Schumacher freundlich nahegelegt, seinen Vertrag nicht zu verlängern. 

Bruch mit Fernando Alonso

Räikkönen selbst wurde gleich zweimal von Ferrari fallen gelassen. Zuerst 2009. Der Finne, der gleich im ersten Ferrari-Jahr 2007 den Titel einfuhr, stand den Plänen der Italiener im Weg. Die wollten Superstar Fernando Alonso für das Jahr 2010 verpflichten.

Massa konnten und wollten sie aus bekannten Gründen nicht kündigen, also musste Räikkönen über die Klinge springen. Ende 2018 stand der Finne wieder Ferrari und Todt junior im Weg. Diesmal wegen Charles Leclerc. Also verschoben die Enzo-Ferrari-Jünger den "Iceman" zum Partner Alfa Romeo, um Platz für Leclerc zu schaffen.

Fernando Alonso wiederum musste 2014 für Sebastian Vettel weichen. Und das, obwohl der Spanier mit einem unterlegenen Ferrari zweimal Vize-Weltmeister wurde. Der Bruch zwischen Ferrari und dem Spanier ging sogar so weit, dass die damalige Ferrari-Presseabteilung Journalisten darum bat, schlecht über den Spanier zu schreiben.

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2020 steht Sebastian Vettel auf der Abschussliste. Vermutlich, weil der neue Heilsbringer Leclerc und seine Entourage keine Störfaktoren gebrauchen können. Vettel kann sich nur mit einem trösten: Er befindet sich in extrem guter Gesellschaft.