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Wrestling-Idol Shinya Hashimoto bezahlte Stolz mit Leben

Wrestling-Titan mit tödlichem Stolz

Shinya Hashimoto regierte über 1000 Tage lang als Champion beim NJPW © NJPW

Shinya Hashimoto lockte in Japan Fanmassen wie kein Wrestler vor ihm in die Arenen. Für die Karriere ruinierte er seine Gesundheit - mit tödlichem Ende.

In seiner Heimat war er in etwa das, was The Rock und Stone Cold Steve Austin kurz darauf bei WWE waren - und als Sportpersönlichkeit in noch weit höherem Maße respektiert.

Shinya Hashimoto war ein Showkampf-Superstar, der größte Star der Liga New Japan Pro Wrestling (NJPW), als diese Mitte der Neunziger eine gigantische Boom-Periode erlebte: Zehnmal lockte ein Hauptkampf mit seiner Beteiligung über 50.000 Fans in eine Arena, sieben Mal war er Headliner im ausverkauften Tokyo Dome, der bedeutsamsten Arena des Landes.

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Der "King of Destruction" brach damit alle im Wrestling vor ihm aufgestellten Zuschauerrekorde - und genoss in Japan, wo sein Gewerbe mit weit größerem Ernst betrieben und betrachtet wird als anderswo, auch beim Mainstream-Publikum breite Anerkennung als herausragender Athlet.

Dwayne "The Rock" Johnson (l.) ist vom WWE- zum Hollywood-Megastar geworden, nicht nur John Cena ist ihm gefolgt. SPORT1 zeigt die Wrestler, die Filmstars wurden. © Getty Images
So kannten WWE-Fans The Rock: als charismatische Ausnahme-Erscheinung war er um die Jahrtausend-Wende herum zusammen mit "Stone Cold" Steve Austin der populärste WWE-Star. Seine Entertainment-Fähigkeiten waren dann bald auch außerhalb des Wrestling-Rings begehrt © WWE
2001 bekam Johnson seine erste Rolle als Nebenfigur in dem Abenteuerfilm "Die Mumie 2" - und kam so gut an, dass noch ein eigener Film um den "Scorpion King" gedreht wurde. Danach gab es kein Halten mehr © Getty Images
Johnson empfahl sich als legitimer Nachfolger von Arnold Schwarzenegger, als Action-Held der neuen Generation - und wurde so erfolgreich, dass er seine WWE-Karriere weitgehend auf Eis legte © Getty Images
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Von "The Fast and the Furious" über "Baywatch" bis "Jumanji": Johnson schmückt mittlerweile einen Blockbuster nach dem anderen, wurde "Sexiest Man Alive" und zu einem der Bestverdiener in Hollywood. 2018 soll er 124 Millionen Dollar eingestrichen haben © Getty Images
2019 holt The Rock auch seinen Bluts-Cousin Roman Reigns zum Film: Er spielt an seiner Seite in dem Fast-and-Furious-Ableger "Hobbs & Shaw" - trotz dessen Leukämie-Erkrankung, wegen der Reigns seine WWE-Karriere auf Eis legen musste © instagram.com/therock/
Zwischendurch kam The Rock zurück zu WWE und reichte in zwei großen Matches die Fackel an den neuen Star John Cena weiter. Der ist mittlerweile auch zur Hollywood-Größe geworden © Getty Images
Cena feierte sein Filmdebüt 2006 in dem von WWE produzierten Actionfilm "The Marine" - und etablierte sich in den vergangenen Jahren mehr und mehr in Hollywood © Getty Images
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2018 bekam Cena schließlich seine erste Blockbuster-Hauptrolle als Army-Ranger Jack Burns im Transformers-Spinoff "Bumblebee" © Getty Images
Anders als The Rock hält sich Cena immer noch regelmäßig Zeit für WWE frei, aber auch für ihn ist die Schauspiel-Karriere mittlerweile die Hauptbeschäftigung geworden © Getty Images
Dasselbe gilt für den Mann, der Mitte der Nuller-Jahre der größte WWE-Star neben Cena war: Dave Bautista alias Batista © Imago
Nach einer Reihe kleinerer Rollen feierte er 2014 den Durchbruch, als er die Rolle des "Drax the Destroyer" in der Superhelden-Saga "Guardians of the Galaxy" erhielt © Getty Images
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Die nächste Traumrolle spielte er dann im Jahr darauf als Bond-Bösewicht in "Spectre" an der Seite von Daniel Craig © Getty Images
Auch in der Fortsetzung von "Guardians of the Galaxy" und in "Avengers: Infinity War" war Batista dabei - eine lobende Erwähnung verdient auch Batistas sensationelle modische Stilsicherheit auf den roten Teppichen, die der von The Rock in nichts nachsteht © Getty Images
Höchste Style-Punktzahl zum Beispiel auch für diesen Auftritt bei der Premiere von "Bushwick" © Getty Images
Zurück zum Thema: So erfolgreich wie Rock, Cena und Batista sind in Hollywood natürlich nicht alle. Aber die Entertainment-Qualitäten und die auffällige Erscheinung der Wrestling-Stars hat auch schon vielen anderen zu kleinen, aber feinen Rollen verholfen © Getty Images
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Der Ire Sheamus zum Beispiel war aus Sicht der Macher der "Turtles"-Verfilmung von 2016 wie geschaffen für die Rolle des mutierten Punk-Nashorns "Rocksteady" © Getty Images
Größeren Gefallen am Film fand Wade Barrett, der zu WWE-Zeiten unter anderem mit Colin Farrell in "Dead Man Down" spielte - und nach seinem WWE-Aus 2016 Hauptdarsteller der Action-Reihe "I Am Vengeance" wurde © Getty Images
Recht frisch auf der Liste: CM Punk, der 2019 seine erste Hauptrolle in dem Independent-Horrorthriller "Girl on the Third Floor" spielte © Getty Images
In den Neunzigern spielte auch WWE- und WCW-Legende Kevin Nash in einem Turtles-Film als "Super Shredder". Später trat der charismatische Riese auch in zehlreichen weiteren Filmen auf, unter anderem in "The Punisher", "John Wick" und als Stripper in "Magic Mike" © Getty Images
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Auch WCW- und WWE-Legende Bill Goldberg hat mittlerweile eine recht lange Liste an Filmauftritten beisammen, unter anderem im Sequel zu "Universal Soldier", als Killer-Weihnachtsmann in "Santa's Slay" und im Bugs-Bunny-Film "Looney Tunes - Back in Action" © Getty Images
Auch Triple H bekam schon etwas Hollywood-Glanz ab, er spielte an der Seite von Wesley Snipes und Ryan Reynolds (2.v.l.) den Vampir Jarko Grimwood in "Blade: Trinity" © Getty Images
Den unheimlichen Kane setzte WWE 2006 in einer Eigenproduktion in Szene: Als Serienkiller im Horrorfilm "See no Evil" © Getty Images
Auch The Miz ist regelmäßig in von WWE produzierten Filmen im Einsatz, er übernahm von Cena die Hauptrolle in der "Marine"-Reihe © Getty Images
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Weitere besondere Filmauftritte von Wrestlern - ohne Anspruch auf Vollständigkeit: Der 2011 verstorbene "Macho Man" Randy Savage kämpfte als Wrestler "Bonesaw McGraw" gegen "Spiderman" Tobey Maguire © Getty Images
"I came here to kick ass and chew bubble gum. And I'm all out of bubble gum!" Roddy Piper, legendärer WWF-Rivale von Hulk Hogan in einem der kultigsten Wrestler-Filmauftritte aller Zeiten als Alien-Schreck in John Carpenters "Sie leben". Wirkte vor seinem Tod 2015 auch in zahlreichen weiteren B-Movies mit © Imago
Jesse "The Body" Ventura (M.) war in der früheren WWF ein schillernder Wrestler und Kommentator. Spielte unter anderem mit Arnold Schwarzenegger in "Predator" und "Running Man" - und hat noch eine weitere Gemeinsamkeit mit ihm: Er war zwischen 1999 und 2003 Gouverneur von Minnesota © Imago
Ein wunderbarer Film, ein wunderbarer Auftritt: Der riesenwüchsige Andre The Giant (r., mit Mandy Patinkin) mischte in dem Märchen-Klassiker "Die Braut des Prinzen" mit © Imago
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Der Great Khali bereicherte mit seiner 2,16-Meter-Präsenz unter anderem die Filme "Spiel ohne Regeln", "Get Smart" und "Auf den Spuren des Marsupilami" © Getty Images
Der kanadische 2,10-Meter-Riese Robert Maillet war als Kurrgan bei WWE wenig erfolgreich, als Schauspieler hat er sich dagegen ein gutes Auskommen geschaffen. Wirkte mit in "300", "Pacific Rim", "Sherlock Holmes" und "Percy Jackson - Im Bann des Zyklopen" © Getty Images
Ebenfalls als Schauspieler erfolgreicher denn als Wrestler: 2,04-Meter-Mann Tyler Mane, bei WCW kurz als "Big Sky" aktiv. In Hollywood war er der "Sabretooth" im ersten X-Men-Film und die Hauptfigur Michael Myers in den "Halloween"´-Neuverfilmungen © Getty Images
Der Wrestling-Film schlechthin: Das herausragende Drama "The Wrestler" mit Mickey Rourke als abgehalftertem Showkämpfer. Echte Wrestler wie Cesaro, Nigel McGuinness, Necro Butcher und Ernest "The Cat" Miller spielten an seiner Seite. Legenden wie Ric Flair (l.) waren begeistert und gerührt von Rourkes Performance © Getty Images
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Auch eine besondere Geschichte: Muskelpaket Thomas "Tiny" Lister wurde 1989 als Gegenspieler "Zeus" in Hulk Hogans Filmdebüt "Der Hammer" ("No Holds Barred") inszeniert - und wurde dann auch von der damaligen WWF als Hogan-Gegner für ein Match in dieser Rolle engagiert © Getty Images
Hulk Hogan, ach ja: Der Wrestling-Superstar der Achtziger und Neunziger flog auch immer wieder in die Film- und Fernsehbranche aus © Imago
In "Rocky III" spielte er "Thunderlips", einen Wrestler, der Sylvester Stallone in einem Showkampf mehr traktiert als ihm lieb ist © Imago
im "A-Team" und auf dem "Love Boat" spielte Hogan sich selbst, in "Hulk Hogan - der Hammer" - bekommt ein Schauspielerkollege mit einer gewissen Ähnlichkeit zu Jogi Löw seine Power zu spüren © Imago
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In den Neunzigern war Hogan dabei in "Gremlins 2", bei "Agent 00 - Lizenz zum Totlachen" und den "Muppets aus dem All", Hauptrollen spielte er in "Der Ritter aus dem All" (im Bild, mit dem jungen Undertaker in einer Mini-Rolle als außerirdischer Kopfgeldjäger) ... © Imago
... in "Mr. Babysitter", wo er als Ex-Wrestler zwei verwöhnte Kinder bei Laune halten muss ... © Getty Images
... und in der Actionserie "Thunder in Paradise", wo er mit Co-Darsteller Chris Lemmon (Jack Lemmons Sohn) und einem High-Tech-Boot vor der Küste Floridas für Ordnung sorgt © Imago
Skurril: Im Fernsehfilm "Shadow Warriors" hat Hogan plötzlich uneingeschränkten Haarwuchs ... © Imago
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... und in "Santa Claus mit Muckis" einen Gedächtnisverlust, nach dem er sich für den Weihnachtsmann hält © Imago
Im darauffolgenden Jahrzehnt stellte Hogan dann in der Reality-Serie "Hogan knows best" seine ganze Familie vor: Sohn Nick, Tochter Brooke und seine damalige Frau Linda. Eine Karriere wie die von The Rock war es nicht, aber die vielen kultigen Auftritte trugen dazu bei, dass ihn bis heute nicht nur jeder Wrestling-Fan kennt © Getty Images

Entsprechend groß war der Schock, als das Idol heute vor 15 Jahren unter dramatischen Umständen verstarb - mit lediglich 40 Jahren.

Gequält von Bret Harts Vater

Hashimoto, geboren am 3. Juli 1965 in der als Zentrum der japanischen Porzellan-Industrie bekannten Stadt Toki, hatte einen realen Kampfsport-Hintergrund in Judo und Karate.

Er wurde Wrestler, um in die Fußstapfen seines Idols Antonio Inoki zu treten, des langjährigen Topstars und Chefs von NJPW, über die Grenzen der Wrestling-Welt hinaus bekannt durch seinen kuriosen Crossover-Kampf mit Muhammad Ali 1976.

Hashimoto war Teil des legendären 1984er-Jahrgangs im NJPW Dojo. in der Wrestlingschule der Promotion lernte er sein Handwerk zusammen mit Keiichi Yamada (Jushin Thunder Liger), Masahiro Chono und Keiji Muto alias The Great Muta - drei der größten und international bekanntesten Japan-Stars aller Zeiten. Er verfeinerte es durch längere Aufenthalte in Amerika, wo er sich auch die dortigen Stile aneignete, unter anderem bildete er sich im berüchtigten "Dungeon" von Bret Harts als Trainings-Foltermeister bekanntem Vater Stu fort. Auch beim damaligen WWE-Rivalen WCW hatte Hashimoto Anfang der Neunziger einige Auftritte.

Mit seinen Mitschülern Chono und Muto blieb Hashimoto jahrelang verbunden, das Trio wurde bekannt als "Toukon Sanjushi", als die drei Musketiere des Wrestlings.

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Hashimoto stieg 1993 mit einem Sieg über Muto zum Champion der Liga auf, hielt den IWGP-Titel in den kommenden Jahren über 1000 Tage lang. Die Fans liebten den körperlich harten und glaubwürdigen Stil des charismatischen Schwergewichts, seine großen Schlachten mit den Musketier-Kollegen und den anderen Stars der Ära - Genichiro Tenryu, Riki Choshu, Kensuke Sasaki, Tatsumi Fujinami, Hiroyoshi Tenzan und West-Importen wie Big Van Vader, Scott Norton und Steven (William) Regal.

NJPW machte den Nimbus von Shinya Hashimoto kaputt

Im Jahr 2000 wurde Hashimoto von NJPW überraschend gefeuert, es gab Krach hinter den Kulissen, der indirekt mit einigen seltsamen Kreativ-Entscheidungen zu tun hatte, mit denen NJPW die Aura Hashimotos beschädigt hatten.

Die Liga hatte zugelassen, dass Hashimoto in einem Match mit dem als neuen Star auserkorenen Naoya Ogawa völlig demontiert wurde - einem weiteren zum Wrestling gewechselten Judoka, Silber-Gewinner bei Olympia in Barcelona 1992.

Hashimoto musste auch einen Rückkampf gegen Ogawa verlieren, vor dem er angekündigt hatte zurückzutreten, sollte der ihn noch einmal schlagen. Eigentlich war ein Sieg Hashimotos geplant gewesen, Inoki warf jedoch kurzfristig alles über den Haufen - ohne eine Idee zu haben, wie es unter diesen Umständen mit Hashimoto weitergehen sollte.

Weil sich bald darauf auch Ogawa mit NJPW verkrachte, war die erfolgreichste Ära der Liga bald darauf beendet.

Tödliches Spiel mit der eigenen Gesundheit

Hashimoto baute nach seiner Ausbootung seine eigene Liga Zero-One auf und trat auch für den Konkurrenten AJPW an, wo er seine Titelsammlung noch um die prestigeträchtige Triple Crown ergänzte.

Im Jahr 2005 war ein Comeback bei NJPW und eine Reunion mit den Musketieren in Planung, zu der es aber nicht mehr kommen sollte: Hashimotos früher Tod erschütterte Japans Sportwelt.

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Für Außenstehende erschien sein Ableben plötzlich, gesundheitliche Probleme, die mit seinem Übergewicht und intensiven Stil zu tun gehabt haben dürften, hatten ihn jedoch schon vor längerer Zeit eingeholt: Hashimoto litt an Herzproblemen und hohem Blutdruck - und brachte sich selbst in Gefahr, als er die ihm deswegen verschriebenen Medikamente absetzte, um sich für die Fortsetzung seiner durch eine Schulterverletzung bedrohten Karriere operieren zu lassen.

Nach Angaben seiner Schwester hatte Hashimoto eine Woche vor seinem Tod unter Brustschmerzen und Herzklopfen gelitten, ohne einen Arzt aufzusuchen. Am 11. Juli starb er an einem Aneurysma, einem kaputten Blutgefäß im Gehirn - wohl als Folge seines außer Kontrolle geratenen Blutdrucks.

Die Art und Weise, wie Hashimoto sein gesundheitliches Wohl hinter das berufliche Stolz- und Pflichtgefühl zurückstellte, war nicht untypisch für die japanische Wrestling-Kultur: Auch Mitsuharu Misawa, ein anderer großer Star der Neunziger, bezahlte ein ähnliches Verhaltensmuster vier Jahre später mit dem Leben.

WWE-Star Nakamura gilt als Erbe

Zur Beerdigung Hashimotos - der seinen Bekanntheitsgrad auch durch TV- und Film-Ausflüge gesteigert hatte - erschienen Medienberichten zufolge über 10.000 Menschen, die Erinnerung an ihn wird bis heute hochgehalten.

Sein Einfluss prägte unter anderem auch den nun bei WWE aktiven Shinsuke Nakamura, der in Japan zusammen mit seinen Weggefährten Hiroshi Tanahashi und Katsuyori Shibata (der seine Gesundheit ebenfalls im Ring ruinierte) als Erbe der Musketiere um Hashimoto gesehen wird.

Hashimoto hinterließ drei Kinder, sein Sohn Daichi ist ihm sechs Jahre nach dem Tod des Vaters in den Ring gefolgt. Er trat in Fußstapfen, die schwer auszufüllen sein werden.