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NBA: LeBron James' "The Decision" - SPORT1-Kommentar von Raphael Weber

LeBron hat seinen Ruf für immer beschädigt

SPORT1-Redakteur Raphael Weber kommentiert den Wechsel von LeBron James zu den Miami Heat vor zehn Jahren © SPORT1-Montage: Marc Tirl/Getty Images/SPORT1

Vor zehn Jahren erschüttert LeBron James die NBA infolge der inszenierten "Decision". Der Auftritt des sonst so sozialen Superstars hallt bis heute nach. Ein Kommentar.

"In this fall, I'm going to take my talents to South Beach and join the Miami Heat."

Zehn Jahre ist es jetzt her, dass LeBron James die Basketball-Welt erschüttert hat. Zehn Jahre, seit LeBron selbst seinen Ruf für immer beschädigt hat.

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Die selbstgefällige Inszenierung, als "King James" seinen Abgang von den Cleveland Cavaliers in einem TV-Special bei ESPN verkündete, erwischte nicht nur die Cavs komplett kalt, sondern rief auch ein empörtes Echo in der Fanszene hervor.

Happy Birthday, King James! LeBron James feiert am 30. Dezember seinen 35. Geburtstag. Mit den Los Angeles Lakers schraubt LBJ gerade an seinem vierten Titel in der NBA, der ihn auf dem Weg zum "GOAT" einen bedeutenden Schritt vorwärts bringen würde © Getty Images
Erst im Frühjahr hatte James Michael Jordan in der ewigen Scorerliste überholt, zum besten Spieler aller Zeiten macht ihn das für viele jedoch nicht © Getty Images
SPORT1 blickt auf seine außergewöhnliche Karriere zurück - die aber auch nicht frei von Rückschlägen ist © SPORT1-Montage: Marc Tirl/Getty Images
Als junger Kerl ist er noch etwas schwach auf der Brust, sein herausragendes Talent verschafft ihm aber ein Stipendium an der katholischen St. Vincent-St.Mary-Highschool in Akron, Ohio © Getty Images
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Schon zu seiner Highschoolzeit 2002 heizt LeBron die Massen an. 2003 wagt James den direkten Sprung von der Highschool in die NBA. Sein Heimatteam, die Cleveland Cavaliers, holen ihn mit der ersten Wahl des NBA Drafts © Getty Images
Sein erstes NBA-Spiel bestreitet James am 29. Oktober 2003 gegen die Sacramento Kings. Am 20. März 2005 erzielt er 56 Punkte gegen die Toronto Raptors und ist damit der jüngste Spieler, der je mehr als 50 Punkte erzielen konnte © Getty Images
Auch beim All-Star Game wird er zum Dauergast: 2006 wird LeBron James zum wertvollsten Spieler des All-Star-Spiels gewählt. Eine Saison später dann der erste Besuch in den Finals. Einziges Problem: Gegen extrem abgezockte San Antonio Spurs setzt es einen bitteren 0:4-Sweep © Getty Images
Noch immer nicht satt geht die Reise nach Peking zu den Olympischen Sommerspielen. Zusammen mit Dwyane Wade (Mitte) und Carmelo Anthony (r.) holt sich der King die Goldmedaille © Getty Images
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Und auch in der Liga werden die Fans 2009 Zeugen, wie "King James" vom damaligen NBA-Commissioner David Stern zum wertvollsten Spieler der regulären Saison ausgezeichnet wird. In der Saison 2009/10 erzielt James im Schnitt 29,7 Punkte pro Spiel und führt damit die Liga an © Getty Images
2010 wiederholt er als zehnter NBA-Profi den Sieg bei der Wahl zum wertvollsten Spieler der Saison. Der alte und neue MVP landet einen Erdrutschsieg vor Kobe Bryant © Getty Images
Doch nach dem Feiern kommt stets der Kater. Diesmal in Form einer saftigen Playoff-Klatsche gegen die Celtics. Mit 32 Punkten Unterschied endet die Saison in Spiel fünf für den King und was noch keiner ahnt: Auch seine Tage bei den Cavaliers werden bald gezählt sein © Getty Images
Wer ein König ist, der gibt nicht einfach eine schnöde PK, um seinen Wechsel zu den Miami Heat zu verkünden. "The Decision" wird auf "ESPN" landesweit in einer Sondersendung übertragen - eine Inszenierungslust, die ihm übelgenommen wird und die er später bereut © Getty Images
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Eine lange Eingewöhnungszeit braucht James nicht. Im Februar serviert er den Orlando Magic 51 Zähler, Punkterekord der Spielzeit 2010/11 © Getty Images
Auch beim All-Star-Weekend geht James ab wie eine Rakete. In Los Angeles gelingen ihm 29 Punkte, zwölf Rebounds und zehn Assists. Ein Triple Double in einem All-Star-Game schafft bis dahin nur Michael Jordan © Getty Images
Anschließend räumen die Heat auch in den Playoffs gewaltig auf. Weder Philadelphia noch Boston oder die Bulls (li., Derrick Rose) können Miami aufhalten und damit heißt der nächste Stop NBA-Finals. LeBron und Co. ziehen aber gegen Dirk Nowitzki und die Dallas Mavericks den Kürzeren © Getty Images
Besonders negativ bleibt LeBron mit "cough-gate" in Erinnerung. Nachdem Nowitzki trotz fiebriger Erkältung eine grandiose Leistung abliefert und dafür ein gewaltiges Medienecho erntet, machen sich James und Wade über den Deutschen lustig. Nach dem Wurftraining imitieren die beiden den Deutschen, husten in ihre T-Shirts und grinsen schelmisch © Getty Images
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Steh auf, wenn du am Boden bis - so lautet das Motto der königlichen Karriere und genau das macht James. Aufstehen, noch härter trainieren und den nächsten Finals-Anlauf planen. Miami setzt seine Dominanz in der Saison 2011/12 fort, und James schnappt sich die MVP-Trophäe der Regular Season zum dritten Mal in seiner Karriere © Getty Images
Der König konserviert seine MVP-Form bis in die Playoffs. Leidtragende sind unter anderem die Boston Celtics, denen James in Spiel 6 der Conference Finals eine historische Marke auf den Pelz brennt: 45 Punkte, 15 Rebounds und fünf Assists © Getty Images
Finals-Klappe die Zweite für Miami - Und diesmal ist King James nicht zu stoppen. Kevin Durant und die Oklahoma City Thunder leisten nur in Spiel 1 Gegenwehr und werden mit 4:1 abgeschossen... © Getty Images
Im dritten Anlauf bekommt der König endlich seinen ersehnten Ring und wird zum Finals-MVP gewählt. Und er hat noch viel Platz an den Händen. Wenige Wochen später holt er mit den USA in London seinen zweiten Olympiasieg © Getty Images
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Die Saison 2012/2013 beginnt James laut eigener Aussage "in der Form meines Lebens". Am 16. Januar 2013 wird er beim Sieg in Golden State zum jüngsten Spieler aller Zeiten, der die Marke von 20.000 Punkten durchbricht - er ist 28 Jahre und 17 Tage alt © Getty Images
Kobe Bryant muss LBJ die Vormachtstellung überlassen. Im direkten Duell gelingen James am 10. Februar 2013 zum fünften Mal in Folge mindestens 30 Punkte mit einer Wurfquote von 60 Prozent oder besser. Das gibt es zuvor nur zweimal - Adrian Dantley (1979) und Moses Malone (1982) © Getty Images
2013 ist der zweite Titel in Folge perfekt. Dank seiner herausragenden Leistungen erhält er sowohl den Titel des MVP als auch die Auszeichnung zum MVP der NBA Finals - und das zum zweiten Mal in Serie. Das gelang bis zu diesem Zeitpunkt nur Michael Jordan und Bill Russell © Getty Images
Der nächste Superlativ folgt im März der darauffolgenden Saison. Im Spiel gegen die Charlotte Bobcats erzielt James 61 Punkte und damit Karriere-Höchstwert. Doch trotz der erneut grandiosen Leistungen von James dominieren die Heat nicht mehr wie in den Jahren zuvor © Getty Images
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Nach zwei MVP-Titeln in Folge wird "King James" schon in der regulären Saison von seinem Thron gestoßen. Kevin Durant sichert sich zum ersten Mal in seiner Karriere die Trophäe als wertvollster Spieler der NBA © Getty Images
In den Playoffs marschieren die Heat zunächst noch souverän durch: 4:0 gegen die Charlotte Bobcats, 4:1 gegen die Brooklyn Nets. Gegen Erzrivale Indiana braucht Miami im Conference Finale dann schon sechs Spiele, zieht aber mit 4:2 zum vierten Mal in vier Jahren in die Finals ein © Getty Images
Und wieder legt James einen Auftritt hin, der ihm viel Spott einbringt: Weil die Klimaanlage in San Antonio ausfällt, hat es in der Halle 32 Grad. LeBron geht nach grandiosen 25 Punkten in 33 Minuten unter Krämpfen in die Knie, kann nicht mehr weiterspielen. Die Heat verlieren gegen die Spurs immer mit mindestens 19 Punkten Unterscheid und kassieren beim 1:4 eine der deftigsten Finals-Pleiten aller Zeiten © Getty Images
In der Folge steigen alle drei Starspieler aus ihren noch laufenden Verträgen aus. James zieht es zurück nach Cleveland. Mit den Cavaliers will er den ersten NBA-Titel nach Ohio holen © Instagram@kingjames
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Mit Kevin Love und Kyrie Irving bildet der Forward ein starkes Trio. Gemeinsam führen sie die Cavaliers auf Platz zwei der Eastern Conference. Nach Siegen gegen die Celtics, Bulls und Hawks geht es bis in die Finals. Gegen die Golden State Warriors reicht es am Ende aber nicht © Getty Images
Ebenso wie bei der Wahl zum MVP. James muss sich hinter Steph Curry und James Harden anstellen © Getty Images
Der nächste Rekord von LBJ folgt in der Saison 2015/16. In der zwölften Saison in Folge erzielt LeBron einen Durchschnitt von mindestens 25 Punkten pro Spiel. Das schafften zuvor nur Jerry West und Karl Malone (elf Mal in Folge) © Getty Images
Neben persönlichen Rekorden marschiert James auch mit den Cavaliers durch die Liga. In den Finals geht es erneut gegen die Warriors. Nach einem 1:3-Rückstand gelingt Cleveland noch das Comeback. Zum ersten Mal in der Geschichte gewinnt die Franchise die Meisterschaft, James wird zum wertvollsten Spieler der Finals gekürt © Getty Images
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Am 5. Februar 2017 wird James zum jüngsten Spieler der Geschichte, der die 28.000-Punktemarke knackt. Nächster Meilenstein: James überholt Michael Jordan als Rekordkorbschützen der Playoff-Geschichte. Zum Titel reicht es in dieser Saison aber nicht. Die mit Kevin Durant verstärkten Warriors sind in den Finals nicht zu schlagen © Getty Images
Am 24. Mai 2018 erfolgt James' zwölfte Wahl in das Allstar NBA First Team. Niemand wurde bis dato häufiger berufen. Doch für den Titel reicht es erneut nicht. Das Star-Team der Warriors um Steph Curry erweist sich erneut als zu stark © Getty Images
Im Juli 2018 erfolgt sein Wechsel zu den Los Angeles Lakers. Zunächst läuft es auch beim Franchise in Kalifornien nach Wunsch, an Weihnachten fügen die Lakers den Warriors eine krachende Niederlage zu © Getty Images
Am 6. März 2019 gelingen ihm gegen die Denver Nuggets 31 Punkte, womit er Michael Jordan in der ewigen Scorerliste überflügelt und nun Rang 4 belegt. Bleibt James gesund, sollte er Anfang 2020 die fehlenden rund 300 Punkte holen und damit sogar den dritten Platz von Kobe Bryant erobern können © Getty Images
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Mit dem Übertrumpfen von Jordan wirft James wieder einmal die Frage auf, wer der größte NBA-Spieler aller Zeiten ist - Michael Jordan oder er? Für den Punkterekord hat James jedenfalls 118 Spieler länger gebraucht als Jordan und auch bei der Titelanzahl hängt er mit drei zu sechs noch klar zurück © Getty Images
Trotz des Triumphes in der ewigen Scorerliste endet die Saison als einzige Enttäuschung. LeBron verpasst wegen einer Leistenverletzung 17 Spiele, die Lakers haben keine Chance auf die Playoffs mehr und James' Einsatzminuten werden bis zum Saisonende immer weiter limitiert © Getty Images
Zum ersten Mal seit 2005 steigen die Playoffs ohne James, erstmals seit 2010 verpasst er eine Teilnahme in den Finals. Erstmals seit zwölf Jahren wird er auch nicht in das All-NBA First Team gewählt. Die Lakers reagieren mit einem Komplettumbau des Teams und stellen LBJ mit Anthony Davis einen zweiten Superstar an die Seite © Getty Images
Der Neustart funktioniert blendend, kurz vor dem Jahreswechsel 2019/20 führen die Lakers die Tabelle im Westen an. James brilliert auch im Karriereherbst mit nun 35 Jahren weiter, auch wenn ihn kleinere Blessuren immer wieder ausbremsen. Der Titelhunger des Kings ist längst nicht gestillt, im Sommer soll der vierte Ring folgen - der erste mit den Lakers © Getty Images

Trikots brannten, der Lokalheld, der Junge aus Akron (Ohio), wurde über Nacht zum Verräter, der seine Franchise im Chaos sitzen ließ.

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Sportlich war LeBrons Entscheidung absolut gerechtfertigt. Clevelands Management hatte es in sieben Jahren nicht geschafft, dem besten Spieler seiner Generation ein wirklich starkes Team zur Seite zu stellen.

Cavaliers werden ohne James zum Looser-Team

Beim Playoff-Aus gegen Boston waren Mo Williams und ein 37 Jahre alter Shaquille O'Neal die besten James-Helfer, das abgenagte Gerippe dieses Teams, welches James bis in die Conference Finals geschleppt hatte, gewann in Jahr eins ohne den Superstar noch kümmerliche 19 Spiele in der schwachen Eastern Conference.

Trotzdem bleibt "The Decision" ein Eigentor mit Ansage. Die Formulierung, dass der Heiland seine Talente an den South Beach mitbringt, war schon äußerst unglücklich - und auch danach wurde es nicht besser.

Bei der Vorstellung in Miami legte sich LeBron mit einem Arroganz-Auftritt das nächste Ei ins Nest. "Nicht einen, nicht zwei, nicht drei" sondern vier, fünf, sechs, sieben Meistertitel kündigte er zusammen mit Dwyane Wade und dem ebenfalls gewechselten Chris Bosh großspurig an.

Zebrastyle: Mit diesen Schuhen wollte LeBron die Playoffs rocken

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Bekanntlich fiel die Glamour-Truppe damit gleich im ersten Jahr krachend auf die Nase, in den Finals verlor das Team überraschend gegen die Dallas Mavericks von Dirk Nowitzki.

Dass der damals grippekranke Deutsche währenddessen von James und Buddy Wade noch öffentlich veräppelt wurde, war nur noch peinlich.

Nowitzkis Mavs bestrafen Selbstinszinierung

"The Decision" und was danach kam war ein Gesamtkunstwerk der arrogant-unsympathischen Selbstinszenierung, die durch die Finals-Niederlage gegen Nowitzkis Mavs - dem vielleicht unwahrscheinlichsten Meister der Geschichte - mit der gerechten Strafe abgerundet wurde.

Dass es ausgerechnet Nowitzki war, mit seinem bescheidenen Auftreten und Teamtreue durch alle Widrigkeiten hindurch das krasse Gegenteil zum selbsternannten "Chosen One", verlieh dem Ganzen noch die besondere Note.

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Und letztlich verfolgt LeBron der Fehler der "Decision" bis heute. Den Ruf des Verräters, der sein Team im Stich lässt, wurde er auch danach durch Rückkehr und Titel in Cleveland nicht mehr los. Zumal James die Cavs 2018 ein weiteres Mal sitzen ließ, um nach Hollywood zu den Los Angeles Lakers zu gehen.

James: einer der besten Basketballer aller Zeiten

Immerhin hat er aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt. Seine Rückkehr nach Cleveland verkündete LeBron in einem offenen Brief bei Sports Illustrated ganz ohne Ego-Show.

Dass er nicht nur ein herausragender Sportler ist, sondern gerade in Zeiten von Donald Trump auch eine wichtige, laute Stimme gegen soziale Ungerechtigkeit und Rassismus, steht ohnehin außer Frage.

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Zurecht wird LeBron ebenso als einer der wichtigsten und besten Basketballer aller Zeiten in die Geschichte eingehen. Wäre da nur nicht dieser Tag im Juli 2010 gewesen - LeBrons Ruf wäre so viel besser.