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Deutsche Sporthilfe: Wahl Sport-Stipendiat 2020 - Jonathan Rommelmann, Rudern

Wahl zum Sport-Stipendiat des Jahres 2020: Ruderer Jonathan Rommelmann

Leichtgewichts-Ruderer Jonathan Rommelmann wurde unter anderem Europameister und WM-Dritter © Olaf Kosinsky

Ruderer Jonathan Rommelmann steht zur Wahl zum "Sport-Stipendiat des Jahres 2020". Im Interview spricht der Medizinstudent über seinen Alltag zwischen Sport und Uni.

Ab sofort kann unter www.sportstipendiat.de der Sport-Stipendiat des Jahres 2020 gewählt werden.

Mit der Auszeichnung ehren die Deutsche Sporthilfe und die Deutsche Bank in Kooperation mit SPORT1 auch in diesem Jahr wieder einen Athleten, dem die Kombination aus Spitzensport und Studium in besonderer Art und Weise gelingt. Fünf Top-Sportlerinnen und -Sportler stehen bis zum 2. August 2020 zur Wahl:

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Im vierten Teil unserer Interviewserie stellen wir Ihnen Jonathan Rommelmann vor. Der Leichtgewichts-Ruderer peilt in Tokio seine ersten und aller Voraussicht nach einzigen Olympischen Spiele an. Nach der Neuterminierung der Spiele verschiebt der 25-jährige Student der Humanmedizin nochmals seine beruflichen Pläne und will sich so seinen großen Traum von Olympia erfüllen.

Deutsche Sporthilfe: Jonathan, eigentlich stündest Du jetzt kurz vor Deinen ersten Olympischen Spiele – doch dann kam Corona und die Verschiebung auf 2021. Wie gehst Du mit der Situation um?

Rommelmann: Erst einmal bin ich sehr froh, dass die Olympischen Spiele nicht komplett ausfallen sollen. Es wären meine ersten und voraussichtlich auch meine letzten, weil das Leichtgewichts-Rudern nach Tokio aus dem olympischen Programm fliegen wird. Vorher will ich mir meinen Traum von Olympia unbedingt erfüllen. Aber natürlich hängen wir gerade im Training etwas in der Luft. Wann wieder ein Wettkampf stattfindet, ist unklar. Allerdings rudern mein Partner Jason (Osborne, Anm. d. Red.) und ich ja erst seit vergangenem Jahr zusammen, so haben wir jetzt mehr Zeit, uns noch besser einzuspielen. Das könnte uns also in die Karten spielen.

Deutsche Sporthilfe: In Eurem ersten gemeinsamen Jahr habt Ihr erst Gold bei der EM, dann die Weltcup-Gesamtwertung und im Herbst Bronze bei der WM gewonnen – in dieser Bootsklasse die erste deutsche WM-Medaille seit 20 Jahren. Wieso passt es zwischen Euch so gut?

Rommelmann: Diese Frage höre ich tatsächlich häufiger (lacht). Eine einfache Erklärung gibt es dafür nicht. Wir sind beide starke Einer-Fahrer, gehören zu den physisch stärksten Leichtgewichten auf der Welt. Außerdem besitzen wir ein gutes gemeinsames Grundverständnis. Dass es bei uns aber direkt wie die Faust aufs Auge passt, dazu gehört natürlich auch ein bisschen Glück.

Deutsche Sporthilfe: Parallel zum Sport studierst Du Humanmedizin an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf, bist inzwischen scheinfrei. Wie geht es nun weiter?

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Rommelmann: Eigentlich käme jetzt im Oktober der Zeitpunkt, an dem ich mein praktisches Jahr gestartet hätte – das habe ich wegen Tokio aber noch einmal um zwölf Monate aufgeschoben, wie schon letztes Jahr im Herbst. Aber das PJ ist quasi ein Fulltimejob und lässt sich nicht nebenbei absolvieren. Die Erwartung, das wirklich seriös zu betreiben, habe ich auch an mich selbst.

Deutsche Sporthilfe: Deine letzte Klausur für das zweite Staatsexamen hast Du kurz vor der Abreise ins WM-Trainingslager geschrieben und bestanden, nur eine Woche nach dem letzten Weltcup der Saison. Wie hast Du dieses Pensum geschafft?

Rommelmann: Es war teilweise wirklich sehr stressig, aber ich bin es ja nicht anders gewohnt. Wenn man seinen Sport gerne macht und auch das studiert, das man möchte, dann findet sich ein Weg. In den entscheidenden Phasen ist das natürlich nicht angenehm, weil das Lernpensum in unserem Fach enorm ist. Aber schlussendlich ist es ja gut ausgegangen.

Deutsche Sporthilfe: Für ein „klassisches“ Studentenleben bleibt da keine Zeit, auch nicht für einen Nebenjob…

Rommelmann: …nein, beim besten Willen: Dafür reicht die Zeit wirklich nicht. Insofern ist die Unterstützung durch die Sporthilfe und das Deutsche Bank Sport-Stipendium natürlich immens wichtig. Das nimmt uns Sportlern eine enorme Last, sodass wir uns auf unseren Sport konzentrieren können. Auch in Sachen Wertschätzung: Schlussendlich opfert man ja sehr viel für den Leistungssport und investiert eine Menge Zeit. 2019 dafür dann zum Sporthilfe Club der Besten und zum Ball des Sports eingeladen worden zu sein, hat mich sehr stolz gemacht.

Deutsche Sporthilfe: Du hast es erwähnt: Tokio ist für Dich die letzte Chance auf eine Olympia-Medaille, weil das Leichtgewichts-Rudern anschließend nicht mehr zum olympischen Programm gehören wird. Welche Perspektive siehst Du für Dich danach?

Rommelmann: Mein Fokus soll wie gesagt dem praktischen Jahr gelten und danach schaue ich mal, wie sehr ich den Leistungssport vermisse. Vielleicht versuche ich es im Schwergewichtsbereich, aber da ist es als Leichtgewicht natürlich schwierig, in eines der Boote reinzukommen. Dass ich noch eine Saison im Leichtgewichts-Rudern dranhänge, ist eher unwahrscheinlich.

Steckbrief

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