Anzeige

NBA: LeBron James veränderte mit "The Decision" die Machtverhältnisse

Als LeBron ein NBA-Beben auslöste

NBA-Restart: So macht sich LeBron James fit

Am 8. Juli 2010 verkündet LeBron James seinen Wechsel von den Cleveland Cavaliers zu den Miami Heat. Die Auswirkungen von "The Decision" waren immens.

Es war ein Novum sondergleichen, markierte eine Zeitenwende im US-Sport und wirkt auch zehn Jahre später bis heute nach:

Als LeBron James am 8. Juli 2010 während eines landesweit ausgestrahlten TV-Interviews mit viel Tamtam seinen Schocker-Wechsel von den Cleveland Cavaliers zu den Miami Heat verkündete, schwante manchem Experten bereits, wohin die Reise in der NBA gehen könnte.

Anzeige

Nicht nur wegen King James' Entscheidung an sich, sein Heimat-Team zu verlassen, um am sonnigen South Beach mit den Kumpeln Dwyane Wade und Chris Bosh ein Superteam zu formieren, weshalb Cavs-Besitzer Dan Gilbert den "Chosen One" eines "feigen Verrats" bezichtigte.

Happy Birthday, King James! LeBron James feiert am 30. Dezember seinen 35. Geburtstag. Mit den Los Angeles Lakers schraubt LBJ gerade an seinem vierten Titel in der NBA, der ihn auf dem Weg zum "GOAT" einen bedeutenden Schritt vorwärts bringen würde © Getty Images
Erst im Frühjahr hatte James Michael Jordan in der ewigen Scorerliste überholt, zum besten Spieler aller Zeiten macht ihn das für viele jedoch nicht © Getty Images
SPORT1 blickt auf seine außergewöhnliche Karriere zurück - die aber auch nicht frei von Rückschlägen ist © SPORT1-Montage: Marc Tirl/Getty Images
Als junger Kerl ist er noch etwas schwach auf der Brust, sein herausragendes Talent verschafft ihm aber ein Stipendium an der katholischen St. Vincent-St.Mary-Highschool in Akron, Ohio © Getty Images
Anzeige
Schon zu seiner Highschoolzeit 2002 heizt LeBron die Massen an. 2003 wagt James den direkten Sprung von der Highschool in die NBA. Sein Heimatteam, die Cleveland Cavaliers, holen ihn mit der ersten Wahl des NBA Drafts © Getty Images
Sein erstes NBA-Spiel bestreitet James am 29. Oktober 2003 gegen die Sacramento Kings. Am 20. März 2005 erzielt er 56 Punkte gegen die Toronto Raptors und ist damit der jüngste Spieler, der je mehr als 50 Punkte erzielen konnte © Getty Images
Auch beim All-Star Game wird er zum Dauergast: 2006 wird LeBron James zum wertvollsten Spieler des All-Star-Spiels gewählt. Eine Saison später dann der erste Besuch in den Finals. Einziges Problem: Gegen extrem abgezockte San Antonio Spurs setzt es einen bitteren 0:4-Sweep © Getty Images
Noch immer nicht satt geht die Reise nach Peking zu den Olympischen Sommerspielen. Zusammen mit Dwyane Wade (Mitte) und Carmelo Anthony (r.) holt sich der King die Goldmedaille © Getty Images
Anzeige
Und auch in der Liga werden die Fans 2009 Zeugen, wie "King James" vom damaligen NBA-Commissioner David Stern zum wertvollsten Spieler der regulären Saison ausgezeichnet wird. In der Saison 2009/10 erzielt James im Schnitt 29,7 Punkte pro Spiel und führt damit die Liga an © Getty Images
2010 wiederholt er als zehnter NBA-Profi den Sieg bei der Wahl zum wertvollsten Spieler der Saison. Der alte und neue MVP landet einen Erdrutschsieg vor Kobe Bryant © Getty Images
Doch nach dem Feiern kommt stets der Kater. Diesmal in Form einer saftigen Playoff-Klatsche gegen die Celtics. Mit 32 Punkten Unterschied endet die Saison in Spiel fünf für den King und was noch keiner ahnt: Auch seine Tage bei den Cavaliers werden bald gezählt sein © Getty Images
Wer ein König ist, der gibt nicht einfach eine schnöde PK, um seinen Wechsel zu den Miami Heat zu verkünden. "The Decision" wird auf "ESPN" landesweit in einer Sondersendung übertragen - eine Inszenierungslust, die ihm übelgenommen wird und die er später bereut © Getty Images
Anzeige
Eine lange Eingewöhnungszeit braucht James nicht. Im Februar serviert er den Orlando Magic 51 Zähler, Punkterekord der Spielzeit 2010/11 © Getty Images
Auch beim All-Star-Weekend geht James ab wie eine Rakete. In Los Angeles gelingen ihm 29 Punkte, zwölf Rebounds und zehn Assists. Ein Triple Double in einem All-Star-Game schafft bis dahin nur Michael Jordan © Getty Images
Anschließend räumen die Heat auch in den Playoffs gewaltig auf. Weder Philadelphia noch Boston oder die Bulls (li., Derrick Rose) können Miami aufhalten und damit heißt der nächste Stop NBA-Finals. LeBron und Co. ziehen aber gegen Dirk Nowitzki und die Dallas Mavericks den Kürzeren © Getty Images
Besonders negativ bleibt LeBron mit "cough-gate" in Erinnerung. Nachdem Nowitzki trotz fiebriger Erkältung eine grandiose Leistung abliefert und dafür ein gewaltiges Medienecho erntet, machen sich James und Wade über den Deutschen lustig. Nach dem Wurftraining imitieren die beiden den Deutschen, husten in ihre T-Shirts und grinsen schelmisch © Getty Images
Anzeige
Steh auf, wenn du am Boden bis - so lautet das Motto der königlichen Karriere und genau das macht James. Aufstehen, noch härter trainieren und den nächsten Finals-Anlauf planen. Miami setzt seine Dominanz in der Saison 2011/12 fort, und James schnappt sich die MVP-Trophäe der Regular Season zum dritten Mal in seiner Karriere © Getty Images
Der König konserviert seine MVP-Form bis in die Playoffs. Leidtragende sind unter anderem die Boston Celtics, denen James in Spiel 6 der Conference Finals eine historische Marke auf den Pelz brennt: 45 Punkte, 15 Rebounds und fünf Assists © Getty Images
Finals-Klappe die Zweite für Miami - Und diesmal ist King James nicht zu stoppen. Kevin Durant und die Oklahoma City Thunder leisten nur in Spiel 1 Gegenwehr und werden mit 4:1 abgeschossen... © Getty Images
Im dritten Anlauf bekommt der König endlich seinen ersehnten Ring und wird zum Finals-MVP gewählt. Und er hat noch viel Platz an den Händen. Wenige Wochen später holt er mit den USA in London seinen zweiten Olympiasieg © Getty Images
Anzeige
Die Saison 2012/2013 beginnt James laut eigener Aussage "in der Form meines Lebens". Am 16. Januar 2013 wird er beim Sieg in Golden State zum jüngsten Spieler aller Zeiten, der die Marke von 20.000 Punkten durchbricht - er ist 28 Jahre und 17 Tage alt © Getty Images
Kobe Bryant muss LBJ die Vormachtstellung überlassen. Im direkten Duell gelingen James am 10. Februar 2013 zum fünften Mal in Folge mindestens 30 Punkte mit einer Wurfquote von 60 Prozent oder besser. Das gibt es zuvor nur zweimal - Adrian Dantley (1979) und Moses Malone (1982) © Getty Images
2013 ist der zweite Titel in Folge perfekt. Dank seiner herausragenden Leistungen erhält er sowohl den Titel des MVP als auch die Auszeichnung zum MVP der NBA Finals - und das zum zweiten Mal in Serie. Das gelang bis zu diesem Zeitpunkt nur Michael Jordan und Bill Russell © Getty Images
Der nächste Superlativ folgt im März der darauffolgenden Saison. Im Spiel gegen die Charlotte Bobcats erzielt James 61 Punkte und damit Karriere-Höchstwert. Doch trotz der erneut grandiosen Leistungen von James dominieren die Heat nicht mehr wie in den Jahren zuvor © Getty Images
Anzeige
Nach zwei MVP-Titeln in Folge wird "King James" schon in der regulären Saison von seinem Thron gestoßen. Kevin Durant sichert sich zum ersten Mal in seiner Karriere die Trophäe als wertvollster Spieler der NBA © Getty Images
In den Playoffs marschieren die Heat zunächst noch souverän durch: 4:0 gegen die Charlotte Bobcats, 4:1 gegen die Brooklyn Nets. Gegen Erzrivale Indiana braucht Miami im Conference Finale dann schon sechs Spiele, zieht aber mit 4:2 zum vierten Mal in vier Jahren in die Finals ein © Getty Images
Und wieder legt James einen Auftritt hin, der ihm viel Spott einbringt: Weil die Klimaanlage in San Antonio ausfällt, hat es in der Halle 32 Grad. LeBron geht nach grandiosen 25 Punkten in 33 Minuten unter Krämpfen in die Knie, kann nicht mehr weiterspielen. Die Heat verlieren gegen die Spurs immer mit mindestens 19 Punkten Unterscheid und kassieren beim 1:4 eine der deftigsten Finals-Pleiten aller Zeiten © Getty Images
In der Folge steigen alle drei Starspieler aus ihren noch laufenden Verträgen aus. James zieht es zurück nach Cleveland. Mit den Cavaliers will er den ersten NBA-Titel nach Ohio holen © Instagram@kingjames
Anzeige
Mit Kevin Love und Kyrie Irving bildet der Forward ein starkes Trio. Gemeinsam führen sie die Cavaliers auf Platz zwei der Eastern Conference. Nach Siegen gegen die Celtics, Bulls und Hawks geht es bis in die Finals. Gegen die Golden State Warriors reicht es am Ende aber nicht © Getty Images
Ebenso wie bei der Wahl zum MVP. James muss sich hinter Steph Curry und James Harden anstellen © Getty Images
Der nächste Rekord von LBJ folgt in der Saison 2015/16. In der zwölften Saison in Folge erzielt LeBron einen Durchschnitt von mindestens 25 Punkten pro Spiel. Das schafften zuvor nur Jerry West und Karl Malone (elf Mal in Folge) © Getty Images
Neben persönlichen Rekorden marschiert James auch mit den Cavaliers durch die Liga. In den Finals geht es erneut gegen die Warriors. Nach einem 1:3-Rückstand gelingt Cleveland noch das Comeback. Zum ersten Mal in der Geschichte gewinnt die Franchise die Meisterschaft, James wird zum wertvollsten Spieler der Finals gekürt © Getty Images
Anzeige
Am 5. Februar 2017 wird James zum jüngsten Spieler der Geschichte, der die 28.000-Punktemarke knackt. Nächster Meilenstein: James überholt Michael Jordan als Rekordkorbschützen der Playoff-Geschichte. Zum Titel reicht es in dieser Saison aber nicht. Die mit Kevin Durant verstärkten Warriors sind in den Finals nicht zu schlagen © Getty Images
Am 24. Mai 2018 erfolgt James' zwölfte Wahl in das Allstar NBA First Team. Niemand wurde bis dato häufiger berufen. Doch für den Titel reicht es erneut nicht. Das Star-Team der Warriors um Steph Curry erweist sich erneut als zu stark © Getty Images
Im Juli 2018 erfolgt sein Wechsel zu den Los Angeles Lakers. Zunächst läuft es auch beim Franchise in Kalifornien nach Wunsch, an Weihnachten fügen die Lakers den Warriors eine krachende Niederlage zu © Getty Images
Am 6. März 2019 gelingen ihm gegen die Denver Nuggets 31 Punkte, womit er Michael Jordan in der ewigen Scorerliste überflügelt und nun Rang 4 belegt. Bleibt James gesund, sollte er Anfang 2020 die fehlenden rund 300 Punkte holen und damit sogar den dritten Platz von Kobe Bryant erobern können © Getty Images
Anzeige
Mit dem Übertrumpfen von Jordan wirft James wieder einmal die Frage auf, wer der größte NBA-Spieler aller Zeiten ist - Michael Jordan oder er? Für den Punkterekord hat James jedenfalls 118 Spieler länger gebraucht als Jordan und auch bei der Titelanzahl hängt er mit drei zu sechs noch klar zurück © Getty Images
Trotz des Triumphes in der ewigen Scorerliste endet die Saison als einzige Enttäuschung. LeBron verpasst wegen einer Leistenverletzung 17 Spiele, die Lakers haben keine Chance auf die Playoffs mehr und James' Einsatzminuten werden bis zum Saisonende immer weiter limitiert © Getty Images
Zum ersten Mal seit 2005 steigen die Playoffs ohne James, erstmals seit 2010 verpasst er eine Teilnahme in den Finals. Erstmals seit zwölf Jahren wird er auch nicht in das All-NBA First Team gewählt. Die Lakers reagieren mit einem Komplettumbau des Teams und stellen LBJ mit Anthony Davis einen zweiten Superstar an die Seite © Getty Images
Der Neustart funktioniert blendend, kurz vor dem Jahreswechsel 2019/20 führen die Lakers die Tabelle im Westen an. James brilliert auch im Karriereherbst mit nun 35 Jahren weiter, auch wenn ihn kleinere Blessuren immer wieder ausbremsen. Der Titelhunger des Kings ist längst nicht gestillt, im Sommer soll der vierte Ring folgen - der erste mit den Lakers © Getty Images

NBA-Machtverhältnisse auf Kopf gestellt

Ebenso wenig angesichts der damals peinlich wie selbstgefälligen Selbstinszenierung James' ("In this fall I'm going to take my talents...") und der Art der Verkündung, deretwegen Fans ihre Trikots mit der Nummer 23 verbrannten. 

Vielmehr deshalb, weil "The Decision", wie der zuvor beispiellose Vorgang und auch die entsprechende Live-Übertragung im Fernsehen seinen Niederschlag in die Sport-Geschichtsbüchern fand, die Franchises fortan in eine verhängnisvolle Abhängigkeit zu ihren Spielern zwang - und die Tektonik der NBA nachhaltig erschütterte.

Dass ein Superstar in seiner Blütezeit wie der damals 26 Jahre alte James - nach sieben Spielzeiten in Cleveland gerade Free Agent geworden - jenes Team verlässt, das ihn gedraftet hat, um sich mit anderen Stars woanders zusammen zu tun, verschob die Kräfteverhältnisse innerhalb der Liga in nie dagewesener Manier.

Mehr noch: Es schärfte in der Folgezeit das Bewusstsein der Spieler dafür aufs Absurde, in welch starker Position sie sich eigentlich befinden.

DAZN gratis testen und die NBA live & auf Abruf erleben | ANZEIGE 

Anzeige

Draft-System außer Kraft gesetzt

"Es war unglaublich, was das für Auswirkungen auf die Macht der Spieler hatte. Davon profitieren wir Spieler auch heute noch", gab 2018 - also acht Jahre später - unter anderem auch Kyrie Irving zu.

"Wir können auf uns gucken und zur Franchise sagen: 'Hey, ich habe das Gefühl, dass es so mit uns nicht mehr funktioniert. Deshalb wäre es am besten, wenn sich unsere Wege trennen'", so der damalige Point Guard der Cavs.

Wie eben damals LeBron, der sich für die Heat entschied - und nicht die Heat für LeBron.

Vorbei sind seither die Zeiten, in denen die NBA-Dynastien über den Draft aufgebaut waren wie einst die Los Angeles Lakers um Magic Johnson, die Boston Celtics um Larry Bird oder Bill Russell oder auch die San Antonio Spurs mit Tim Duncan. Teams werden via Free Agency auf den Weg gebracht, die Superstars diktieren die Bedingungen.

Zebrastyle: Mit diesen Schuhen wollte LeBron die Playoffs rocken

One-plus-One-Verträge als Druckmittel

Und dazu gehören weder das einst ungeschriebene "Larry-Bird-Gesetz", seiner Franchise die Treue zu halten, noch sind es lang bindende Kontrakte. Stattdessen bieten die sogenannten One-plus-One-Verträge den Superstars die optimale Exit-Strategie in den nachfolgenden Verhandlungen.

Und das auf Jahre hinaus. Denn den Franchises als Geisel ihrer Spieler bleibt quasi keine andere Wahl, als alle Forderungen zu akzeptieren, wollen sie nicht auf einen Schlag zum Lottery-Team und damit zum Draft-Spielball mutieren.

Zumal auch sie profitieren - zumindest kurzfristig. Beispiel: Durch LeBron erhoben sich die Heat plötzlich zur neuen Macht, geboren waren die ultimative Big Three mit drei All-Stars, die "nicht zwei, nicht drei, nicht vier, nicht fünf, nicht sechs, nicht sieben" Meisterschaften gewinnen wollten, sondern noch mehr, wie James bei seiner Ankunft vollmundig verkündete.

Anzeige

Wenn es am Ende doch anders kommt - siehe LeBrons Rückkehr zu den Cavs 2014, ehe er 2018 wiederum zu den Lakers ging? Geschenkt, zu alternativlos ist das eingegangene Risiko trotz minimaler Planungssicherheit bei maximaler Flexibilität für die Spieler. 

Beispiel Durant und die Warriors

Neben kurzzeitigem sportlichen Erfolg winkt schließlich auch ein wirtschaftlicher Boom. Die Mega-Stars füllen die heimischen Arenen, sorgen für lukrative TV-Übertragungen der Spiele und kurbeln das Merchandising enorm an.

Bittere Konsequenz aber auch: Der Blick der Franchises gilt vielfach bereits jetzt eher der nahenden Zukunft als der Gegenwart und aktuellen Season, Kader werden auf Sicht ausgemistet - in der Hoffnung, bei den Free Agents zum Zug zu kommen und Titel zu holen. 

Was zur Folge hat: Während durch das dank LeBrons sich verselbstständigte Decision-System womöglich irgendwo schon bald das nächste Superteam erschaffen wird, wie 2016 auch der Fall Kevin Durant bewies, der von den Oklahoma City Thunder zu den Golden State Warriors ging, implodieren woanders Planungen vieler anderer Franchises.

Ironie des Schicksals: Nach James' erneutem Abgang 2018 fielen auch die Cavs in die sportliche Bedeutungslosigkeit zurück, kamen nach vier Finalteilnahmen in Folge nicht einmal mehr in die Playoffs.