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Boxen: Debbie Kaore von Freund attackiert: Debatte über häusliche Gewalt

Boxerin mit Bügeleisen malträtiert

Debbie Kaore tritt für ihr Land im Boxen und Rugby an © SPORT1-Grafik: Getty Images/facebook.com/debbiekaoreathlete

Debbie Kaore ist in Papua-Neuguinea als Boxerin und Rugbyspielerin bekannt. Das schützt sie aber nicht vor häuslicher Gewalt. Nun löst sie eine wichtige Diskussion aus.

Debbie Kaore ist eine Berühmtheit in Papua-Neuguinea.

Bei den Pazifikspielen 2015 gewann sie für den Inselstaat Gold im Boxen. Dazu läuft sie auch im Rugby in der World Rugby Seven Series für ihr Land auf. Geschützt hat sie diese Popularität aber nicht.

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In Zeiten weltweiter Rassismus-Proteste nach dem Tod von George Floyd in Minneapolis macht die 30-Jährige auf ein weiteres Problem aufmerksam, das viel zu oft totgeschwiegen wird - häusliche Gewalt gegen Frauen.

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Genau diese musste Kaore vor wenigen Tagen erleiden. Neben diversen Bildern auf Facebook und in australischen Medien hat sie nun auch ein Video freigegeben, das den Angriff auf sie zeigt.

Gewaltexzess des Lebensgefährten

Der mutmaßliche Täter ist ihr Lebensgefährte, mit dem sie zusammenwohnt und einen zwei Monate alten Sohn hat. Murray Oa, Leutnant bei der Armee Papua-Neuguineas, soll sie mit zwei Kopfstößen und einem heißen Bügeleisen malträtiert haben.

"Ich bin einfach nur glücklich, dass ich lebend davongekommen bin", zeigte sie sich nach der Behandlung im Krankenhaus immer noch erschüttert von dem Vorfall. Dass häusliche Gewalt in Papua-Neuguinea keine Seltenheit ist, zeigte bereits eine staatliche Untersuchung aus den 90er Jahren. Damals bejahten 66 Prozent der Männer, dass sie ihre Frauen schlagen. 67 Prozent der Frauen bestätigten, dass sie schon Opfer häuslicher Gewalt wurden.

Kaore will nun aber dagegen vorgehen und sucht hierfür bewusst den Weg in die Öffentlichkeit. "Ich zeige das, weil es einfach viel zu weit gegangen ist", postete sie in den sozialen Medien und ließ ihren sehnlichsten Wunsch folgen: "Ich kann nur hoffen, dass es nach mir keine weiteren Opfer mehr gibt."

Margaret Court ist eine der besten Tennis-Spielerinnen der Geschichte. Bei Grand-Slam-Turnieren gewinnt sie im Einzel, Doppel und Mixed insgesamt 64 Titel. Jetzt hat sich Australiens einstiges Idol endgültig ins Abseits manövriert und nicht nur ihr sportliches Denkmal vernichtet © Getty Images
Als Pastorin einer Kirche in Perth holte die 77-Jährige am Wochenende zum großen Rundumschlag gegen Lesben, Schwule und Transgender aus. "Der Teufel ist in die Medien, die Politiker, die Erzieher und das Fernsehen gefahren", donnerte Court von der Kanzel: "Er will die Menschen kontrollieren und die Gehirne der Menschen beeinflussen" © Getty Images
Schon vor zwei Jahren hatte Court in einer christlichen Radiosendung behauptet: "Der Tennissport ist voll von Lesben. Wir sind hier, um ihnen zu helfen. Wir sind nicht gegen diese Leute." Transgender-Kinder bezeichnete sie bereits damals als "Werk des Teufels". © Getty Images
Doch Court ist nicht der einzige ehemalige und aktive Sportstar, der sich mit rassistischen, homophoben oder sexistischen Aussagen ins Abseits gestellt hat. SPORT1 zeigt die größten Fälle © SPORT-Montage: Getty Images/iStock
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TIM HARDAWAY (NBA) machte zwischen 1989 und 2003 über 900 Spiele in der NBA. 2000 gewinnt er mit den USA Gold bei den Olympischen Spielen in Sydney Gold. Im Februar 2007 sorgte er in einem Radio-Interview mit homophoben Äußerungen für große Empörung © Getty Images
"Ich hasse Schwule. Ich mag Schwule nicht und ich bin nicht gerne mit Schwulen zusammen. Das sollte es auf der Welt und in den USA nicht geben", sagte er. Später entschuldigte er sich für diese Aussagen © Getty Images
ISRAEL FOLAU (Rugby): Der australische Superstar postete im April 2019 auf Instagram ein Bild, auf dem unter anderem Homosexuellen, Alkoholikern, Dieben und Atheisten gedroht wird: "Die Hölle erwartet euch. Tut Buße! Nur Jesus kann euch retten" © Getty Images
Der nationale Rugby-Verband Australia beendete daraufhin im Mai den bis 2022 gültigen, millionenschweren Vierjahresvertrag mit Folau. Dieser verklagte den Verband, im Dezember kam es zu einer außergerichtlichen Einigung © Getty Images
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PETER BEARDSLEY (Fußball) ist eine englische Legende. 59 Mal spielte er zwischen 1986 und 1996 für die "Three Lions" und schoss dabei neun Tore. In seiner Zeit als U23-Trainer in Newcastle schoss er aber weit über das Ziel hinaus © Getty Images
Beardsley beleidigte Spieler während des Trainings desöfteren rassistisch. Worte wie "Affe" oder "auf Bäume klettern" sollen gefallen sein. Der englische Fußballverband FA sperrte den ehemaligen Nationalstürmer im September wegen rassistischer Kommentare bis zum 29. April 2020 © Getty Images
SEPP BLATTER (Fußball) äußerte sich 2004 sexistisch über den Frauenfußball. "Sie sollten in engeren Sachen spielen - wie beim Volleyball. Sie könnten zum Beispiel engere Shorts tragen. Spielerinnen sind hübsch", sagte der langjährige Präsident des Weltverbandes FIFA © Getty Images
US-Sprinter MICHAEL JOHNSON (Leichtathletik) gewinnt in den 90er-Jahren vier Mal Olympia-Gold und acht Mal WM-Gold. 2012 klärte er die Öffentlichkeit auf sehr despektierliche Art und Weise über die Gründe seiner Überlegenheit auf © Getty Images
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"Eine Nachkomme von Sklaven zu sein, hat über die Generationen hinweg eine Spur bei mir hinterlassen. Die Sklaverei hat Nachfahren wie mir geholfen. Wir haben ein überlegenes athletisches Gen", sagte er über die Herkunft seiner athletischen Vorteile © Getty Images
PAOLO DI CANIO (Fußball), früherer Kapitän des italienischen Erstligisten Lazio Rom, bezeichnet sich selbst als Neofaschist und rechtsradikal. 2005 schockierte er, als er im römischen Olympia-Stadion seine Fans mit dem "römischen Gruß" der ehemaligen Mussolini-Faschisten begrüßt hatte © Getty Images
Auf seinem rechten Oberarm ist das Wort "Dux" tätowiert, geschrieben von oben nach unten in den Lettern "DVX", was die lateinische Form von Duce (Führer) ist, dem Titel des ehemaligen italienischen Diktators Mussolini © Getty Images
Im September 2016 wurde er als Kommentator beim Fernsehsender "Sky Sports" entlassen, nachdem im Internet Bilder von Di Canio mit jenem Tattoo auftauchten. Auch als Trainer sorgt er immer wieder für einschlägige Skandale © Getty Images
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Rumäniens Idol ILIE NASTASE (Tennis) leistete sich im April am Rande des Fed-Cup-Heimspiels gegen Großbritannien mehrere verbale Ausfälle. Eine Journalistin hatte mitgehört, wie der zweimalige Major-Champion über das ungeborene Baby der schwangeren Serena Williams sagte: "Mal sehen, was es für eine Farbe hat. Schokolade mit Milch?" © Getty Images
Später beleidigte Nastase während des Matches zwischen seiner Spielerin Sorana Cirstea und der Britin Johanna Konta erst die Gäste ("Fucking Bitches") und dann den Schiedsrichter. Der Tennis-Weltverband ITF sperrte ihn deswegen. Er darf bis zum 23. April 2020 nicht mehr in leitender Funktion an ITF-Wettbewerben teilnehmen © Getty Images
Die australischen Tennis-Spieler Bernard Tomic (l.) und Nick Kyrgios waren und sind immer für einen Skandal gut. Vor allem ihr Verhalten auf dem Platz lässt desöfteren sehr zu Wünschen übrig © Getty Images
Die ehemalige Weltklasse-Schwimmerin DAWN FRASER äußerte sich 2015 rassistisch über die beiden. "Wenn sie sich nicht besser benehmen können, sollten sie dahin zurückgehen, wo ihre Eltern herkommen. Wir brauchen sie in diesem Land nicht." Tomic hat kroatische, Kyrgios griechische Wurzeln © Getty Images
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Die griechische Weitspringerin PARASKEVI PAPACHRISTOU (Leichtathletik) wurde 2012 nach einem rassistischen Tweet aus dem Olympia-Team geworfen: "Bei so vielen Afrikanern in Griechenland, werden die West-Nil-Mosquitos (Überträger des gleichnamigen Virus, Anm. der Red.) wenigsten Essen aus ihrer Heimat bekommen" © Getty Images
2007 werfen mehrere farbige Gegenspieler dem damals für Newcastle United spielendem EMRE BELÖZOGLU (Fußball) vor, sie auf dem Platz rassistisch beleidigt zu haben © Getty Images
Im April 2012 warf der Ivorer Didier Zokora von Trabzonspor Emre (inzwischen Fenerbahce) vor, er hätte ihn einen "f…ing N-Wort" genannt. Lippenleser bestätigten Zokoras Version. Emre wurde für zwei Spiele gesperrt © Getty Images
TYSON FURY (Boxen) beschimpft Unterzeichner einer Petition, in der zahlreiche Kritiker dafür plädieren, Fury von der Nominierungsliste für den BBC Sports Personality of the Year Award zu streichen, mit derben Worten. Er nannte sie "Wankers" - das Wort, übersetzt ins Deutsche, beginnt ebenfalls mit "W" © Getty Images
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Diese Beleidigung ist aber nicht die einzige Aussage, mit der er auffällt. In einem Interview vor seinem großen Kampf gegen Klitschko setzte er Homosexualität mit Pädophilie gleich und bezeichnete die Legalisierung als Schritt in den Weltuntergang: "Es gibt nur drei Dinge, die verwirklicht werden müssen bis der Teufel nach Hause kommt: Homosexualität wird in einigen Ländern legalisiert - zudem Abtreibung und Pädophilie" © Getty Images

Öffentlicher Kampf gegen häusliche Gewalt

Auch den Medien stellt sie sich und und will auf die Gewalt in den eigenen vier Wänden aufmerksam machen. "Ich bin immer noch traumatisiert von dem, was passiert ist. Aber ich weiß, dass es in Papua-Neuguinea viele Frauen gibt, die dasselbe Martyrium durchmachen", erklärte sie ihren öffentlichen Kampf im Gespräch mit dem australischen Sender ABC.

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"Sie müssen stark sein. Sie müssen über solche Vorfälle berichten. Tut, was richtig ist. Euer Leben zählt", sprach sie den Frauen Mut zu.

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Mut, den sie auch selbst braucht. Seit ihr Lebensgefährte für die Tat in Arrest genommen wurde, wird sie in den sozialen Medien von Unterstützern Oas bedroht. "Ich weiß, dass es eine schwierige Situation ist. Seine Unterstützer werfen mir vor, falsche Informationen zu verbreiten. Ich hoffe bloß, dass die Leute die Sache nicht selbst in die Hand nehmen, sondern das Gericht entscheiden lassen", drückt sie ihre Furcht aus, zum zweiten Mal zum Opfer zu werden.